Ein grünweißer Liebesbrief

Liebstes Grünweiß,

Ich fürchte, es geht mir nicht gut. Es war nach dem Spiel, da ist es mir aufgefallen. Ich habe schon währenddessen aufgehört zu reden. Aufgehört zu fühlen, fast. Frustration. Ich kann nicht mehr. Ich bin müde. Es ist wieder so. Es ist auf und ab und mehr ab als auf. Und eigentlich weiß ich, es ist zu früh, Schlüsse zu ziehen. Aber es sind doch schon zwei Jahre. Oder doch nur 7 Tage? Ich weiß es nicht. Ich weiß, es braucht Zeit. Ich weiß, ihr seid jung. Und so noch nie zusammen. Doch es ist schwer, zu glauben. Es fiel mir nie schwer, zu glauben. Nicht an uns.

Es sind Grundsätzlichkeiten, die fehlen. Bei mir und dir. Ich, liebstes Grümweiß, ich bin nicht hemmungslos euphorisch. Und manchmal habe ich mich dabei ertappt, etwas desinteressierter zu sein. Etwas weniger begeistert. Mit etwas mehr Angst als Mut ans nächste Spiel zu denken. Nicht mehr jeden Artikel und jede Verletzung mitzubekommen. Manchmal den Schal erst noch in letzter Minute zum Spielbeginn zu holen. Und manchmal habe ich das Vertrauen verloren, selbst nach Toren, selbst nach dem Inführunggehen. Auch nach all den Pässen, die fast wie Liebesbeweise waren. Habe ich manchmal nur mit halbem Herzen gejubelt.

Aber du bist auch etwas kälter geworden, oder nicht? Und nach dem zweiten Gegentor hast du mich sogar ganz allein gelassen. Allein mit der Wut und mit der Fassungslosigkeit und dem Unverständnis. Und bist stattdessen innerlich schon längst woanders gewesen. Hast meinen Schreien und dann meinem Schweigen nichtmal zugehört. Ich will nicht nachtragend sein. Und ich will dich nicht vergleichen, mit früher, mit dir selbst, weil alles sich entwickelt. Und weil ich jede Entwicklung, jede Änderung und jeden neuen Zug an dir genießen will. Doch etwas fehlt. Und ich weiß nicht, was. Etwas Nähe, etwas Hoffnung. Ein Blick von dir, ein Schritt mehr nach vorne als zurück. Ich will dir Zeit geben, so schwer es mir fällt. Denn innerlich hoffe ich ja doch immer, das beim nächsten Mal alles wieder gut ist. Oder besser.

Aber warum sagst du mir nicht, was du willst? Und komm’ mir nicht mit Champions League! Und rede nicht von vorne. Sag mir, was hinten fehlt. Fang von unten an. Stopf die ewig gleichen Löcher. Wenn alle wieder nur nach oben denken und nach vorne flüchten und Löcher reißen. Ins Spielfeld, da!, ich kann es sogar sehen. Direkt vor der Abwehr! Und ich bin mir sicher, das ist nichts neues, im Gegenteil. Das ist dort schon, seit ich dich kenne. Sag mir nicht, du möchtest attraktiver werden und Dinge zeigen und Sachen anbieten. Sag mir ehrlich, was möglich ist. Ich würde da sein. Ich würde geduldig sein. Und warten. Und sei’s ein Leben lang.

Und ich würde dir Ruhe geben und bei dir bleiben, auch wenn es dir nicht gut geht. Ich kann damit leben, wenn du eine Zeit lang nicht mehr so aufgedreht und mitreißend bist, nicht mit Gold und Silber glänzen kannst. Wenn du etwas ruhiger bist, etwas defensiver, dich manchmal zurückdrängen, aber nie hängen lässt. Versprich mir, dass du dich nie wieder so aufgibst.

Ich kann dir helfen, gesund zu werden. Fang langsam an, aber bleibe dabei. Überstürze nicht wieder. Wirf nicht alles wieder hin, nur weil nichts sofort klappt. Und stoß nicht alles um, sobald es funktioniert. Ich wünsche mir Ausdauer. Und gar nicht so viel mehr. Ich will nicht wieder sehen müssen, wie du dir mit deinem Übermut nach ein paar tollen Spielen alles selbst einreißt.

Bitte glaub an dich, ich weiß, ich habe es manchmal nicht getan. Ich weiß, manchmal war es auch mein Übermut und nicht deiner. Und manchmal habe ich dich nicht wissen lassen, wie sehr ich dich liebe. Und lieben, das meint fürimmer. Das meint, ich halte auch zu dir, wenn du dich selber nicht magst. Dich nicht wiederfinden kannst. Ich werde dir immer helfen.

Denn ich weiß auch, dass ein Weg nicht einfach geradeaus geht. Geht er nie. Besonders nicht hangaufwärts. Aber ein paar Schritte in die richtige Richtung heißt auch nicht, dass du schon wieder rennen kannst. Und nicht, dass ich das will. Und wenn in der Abwehr die ersten Abläufe klappen. Wenn in der Mannschaft langsam die ersten Pässe blind ankommen. Wenn manchmal tatsächlich auch alle den Blick zum Neben-, zum Hintermann haben. Dann hör nicht auf, bleib nichtmal stehen, denn dann geht es erst los. Denn ich habe oft gesehen, wie du dann vor Freude vergessen hast, weiter zu machen. Und wie du dann nur noch blind und munter ins Verderben gespielt hast.

Weißt du, ich verstehe dich ja. Ich verstehe die Freude und auch das Zu-weit-denken. Ich bin ja selbst oft so. So stur und ungeduldig. Aber ich will nicht deine Schönheit, ich will Liebe. Ich will nicht, dass du mit aller Macht versuchst, mich glauben zu lassen, es wäre alles gut (oder doch zumindest kurz davor!). Ich will, dass du von Innen heraus wieder gesund wirst. Was muss denn noch passieren, damit du aufhörst, dich kaputt zu machen? Und statt an den wirklichen Problemen zu arbeiten, nur immer danach schreist, etwas zum Drüberkleben zu finden?

Ich will gar nicht neue Spieler, ich will auch nicht, dass du so tust, als wäre dieser oder jener Schuld und eigentlich funktionerte doch alles. Sieh’ doch hin. Zum Beispiel auf der Sechs. Da waren so viele verschiedene Spieler und alle machen die gleichen Fehler. Und am Ende ist da wieder diese endlose Weite, die selbst Prödl mit ausgestreckten Armen noch immer nicht fassen kann. Hast du seinen Blick gesehen? Die Ratlosigkeit? So geht es mir auch, wenn ich das sehe. Aber siehst du das? Und warum passiert das? Wieder und wieder? Egal mit wem?

Das ist es, was mich stört. Du kannst dich selbst nicht sehen. Lass mich dein Spiegel sein. Du kannst so oft sagen, wie du willst, dass es dir gut geht, die Stimmung toll ist, das Team harmonisch ist, die Spieler mutig sind, die Abläufe verbessert werden und und und. Aber du kannst nicht erwarten, dass ich wegsehe.

Komm’ mit mir. Ich nehme dich mit. Ich nehm’ dich an die Hand. Und geh mit dir den ersten Schritt, ich weiß, der ist am schwersten. Denn der erste ist immer ein Schritt zurück. Habe den Mut, den ich dir gebe. Habe den Mut, dir einzugestehen, dass es so nicht gut ist und auch nicht weitergehen kann. Dafür halte ich dich, den ganzen Weg.

Ich werde bleiben. Und ich will, dass du auch bei mir bleibst.
Bitte rede mit mir. Bitte lass mich nicht wieder so allein.
Ich werde für dich da sein, aber du musst mich auch lassen.
Und du musst an dich glauben. Bitte, bitte, gib nie wieder auf.

In Liebe,

Anna

 

 

 

 

 

Ein Spiel als Sinnbild des Wandels – der ehemalige Aufbaugegner als Werders erster Gradmesser

Früher, als die Werder-Welt noch schön war, man regelmäßig mindestens EL spielte, im Normalfall sogar CL, da waren Siege gegen den “kleinen HSV” aus der Stadt, die eigentlich lieber Bremen wäre fest einzuprogrammieren.
Das galt für Heim- wie Auswärtsspiele gleichermaßen, insbesondere die Auswärtsspiele waren dabei jedoch hervorzuheben – und sind es mittlerweile wieder.

Ein neuer Konkurrenzkampf im Norden – Hannover auf der Überholspur

Dass sich die Kräfteverhältnisse im Norden von der ehemals klaren Staffelung glorreicher SVW – verbitterter titelloser HSV – manchen sympathischer Kiezklub – kleiner Rest deutlich verschoben haben muss man nicht mehr großartig erwähnen, deshalb geh ich auf den Fall der beiden einst großen und im Norden unantastbaren Bundesliga-Gründungsmitglieder nicht ein.
Viel interessanter ist die Entwicklung des früher kaum beachteten und mittlerweile von vielen als Nummer 1 im Norden angesehenen Sportvereins aus Hannover.
Binnen weniger Jahre (2-3, um genauer zu sein) haben Schmadtke und Slomka unter Schirmherr Kind aus dem ehemaligen Abstiegskandidaten und graue Maus-Club Hannover den vielleicht am effizientesten arbeitenden Verein der Bundesliga gemacht – sowohl auf, als auch abseits des Rasens.
Man spielt sehr intelligent und stellt mittlerweile – vor allem im eigenen Stadion – für jeden Klub der Liga eine Herausforderung dar.

Beschränkte man sich anfangs noch größtenteils aufs reine Kontern aus einer sehr gut gestaffelten Defensive und überraschte damit so manchen, so passte man mit der veränderten Wahrnehmung in der der Öffentlichkeit mehr und mehr an.

Mittlerweile sind immer noch das blitzschnelle Umschaltspiel und die gesicherte Defensive die Schlüssel des Hannoveraner Spiels, doch ist man, gereift durch die zwei Jahre Erfahrung in der Europa League, um einiges facettenreicher geworden.

Während Schmadtke den Kader um einige spielstärkere Akteure ergänzte (hervorzuheben sei hier insbesondere Huszti), feilte Slomka an verbessertem Aufbauspiel und Kombinationen auf kleinerem Raum.
Die spielstärksten Akteure der 96er sind dabei [Da Silva] Pinto, Huszti und Schlaudraff.
Zusammen sind sie in Topform in der Lage, aus der rein konterstarken Mannschaft ein Team mit immer weniger echten, ausgeprägten Schwächen zu machen.

Kurzum: Hannover ist – leider, aus Bremer Sicht – ein unfassbar schwer zu bespielender und sehr starker Gegner geworden.
Sie sind, so die Momentaufnahme, näher an den Spitzenteams dran als der SVW, weil sie reifer und abgeklärter spielen, insgesamt ausgereifter und in ihrer Entwicklung weiter sind.

 Der Wandel des SVW – Der Neuanfang eines einstigen Spitzenteams

Der Saisonstart der Bremer war – rein punktetechnisch – durchschnittlich und noch nicht übermäßig erkenntnisreich.
Eine zu erwartende Auftaktniederlage  gegen den BVB, wo man für viele überraschend mitspielte und ein zu erwartender Derbysieg gegen den mal wieder (oder immer noch) kriselnden HSV, wo man sich schwerer tat als gehofft.

Werders Stärken liegen momentan in einem bereits ordentlich einstudierten Flügelspiel und im Vergleich zu Vorjahren deutlich verbessertem Umschaltspiel, ermöglicht hauptsächlich durch Veränderungen im Mittelfeld und die Umstellung des Spiels auf ein System mit offensiven Außen.

Man hat dabei mit Hunt, Junuzovic und Fritz/Bargfrede ein sehr ausgeglichenes Mittelfeld-Trio, das sowohl laufstark als auch annehmbar zweikampfstark, schnell und spielstark ist.
Hervorzuheben ist hierbei das starke Duo aus Junuzovic und Hunt, die sich exzellent ergänzen und – der eine wie der andere – für viele, insbesondere außerhalb Bremens, eine positive Überraschung darstellen.
Während Junuzovic durch ein enormes Laufpensum und dabei immer effizienteres Spiel auffällt, was in der Rückrunde noch sein Problem war, überrascht Hunt durch ein in fast allen Bereichen unglaublich souveränes Auftreten.
Er zeigt sich selbstbewusster, übernimmt Verantwortung und übertragt das auch auf den Platz.
Er fordert den Ball, hält ihn, verteilt ihn – alles durchdacht, alles mit Hunt und Fuß.
Er ist, das muss man so hervorheben, der Strukturgeber in Werders Spiel und wurde bereits am ersten Spieltag von Klopp hervorgehoben als der Mann in Werders Spiel, den man nicht in den Griff bekam.

Auf den Außen wird das Team, auch in seiner Spielweise, durch die pfeilschnellen Elia, Arnautovic und den immer wieder vorstoßenden Gebre Selassie ergänzt.
Insbesondere Arnautovic hat dabei eine sehr positive Entwicklung genommen, spielt ruhiger und abgeklärter und trägt somit deutlich mehr Hilfreiches zum Spiel bei.
Sein Auftritt gegen den HSV war dabei sehr stark, als Tandem mit Gebre Selassie machte er den Hamburgern auf der rechten Seite das Leben schwer, wobei auch hier seine größte Schwäche offensichtlich wurde: Der schwache Abschluss.
Elia steht noch, oder wieder, etwas im Schatten seines Freundes und Teamkollegen, ist jedoch ebenfalls lobend hervorzuheben.
Er setzt, so wirkt es, auf dem Platz das um, was man ihm vorgibt. Er macht keine Probleme, er hat sich hervorragend ins Team eingefunden und trägt durch ganz viel #love zur guten Stimmung im Team bei.

Das “Problemkind” im Mittelfeld ist momentan Kevin de Bruyne, das ausgeliehene Toptalent – hier ist der Begriff meiner Meinung nach angebracht – vom FC Chelsea.
Problemkind insofern, als dass seine Rolle im neuen System noch nicht gefunden wurde.
Zwar macht er noch viele Fehler, was an noch nicht abgeschlossener Integration und Anpassung an die neue Liga liegt, doch ist er dennoch ein Spieler, der Werders Spiel sehr viel Variabilität und Kreativität verleihen kann.
De Bruyne ist immer auf der Suche nach dem “richtigen”, dem gefährlichen Pass, hat aufgrund seiner technischen Klasse und Übersicht viele Optionen und eignet sich hervorragend zum Kombinieren.
Im Mittelfeld ist er jedoch schwer einzusetzen, da man für ihn den 6er (Fritz/Bargfrede) opfern und Junuzovic dorthin ziehen müsste, womit man ein hohes Risiko eingehen würde.
Man wäre, mittlerweile fast ein Markenzeichen Werders, konteranfälliger und könnte die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld kaum so klein und eng halten, wie es sein müsste – was man bereits gegen den HSV, Münster und mit Abstrichen den BVB sah.

Im Nordderby war es insofern kein Problem, als dass der HSV diese Lücken nicht auszunutzen wusste.
Gegen Münster schied man auch deshalb bereits in der ersten Pokalrunde aus.

Was Hannover als Auswärtsspiel zu Werders Grauem macht

Wie bereits kurz erwähnt hat Werder Schwächen darin, die Abstände zwischen Mittelfeld und Abwehr gering zu halten, lässt regelmäßig Lücken im Arbeitsfeld des 6ers und hat auch häufiger Probleme damit, die Schnittstellen abzudecken.
Gegen den HSV war das kein Problem, gegen H96 wird es genau das sein.

Hannover ist, was das Ausnutzen derartiger Schwächen angeht, brutal stark.
Bei Kontern nutzen sie genau diese Räume exzellent aus, kombinieren sich hindurch und sind – ebenfalls ein Markenzeichen – vor dem Tor eiskalt.
Für Werder eine potentiell tödliche Mischung, könnte man doch, sollte man sich verkalkulieren, mächtig unter die Räder geraten, wie am letzten Spieltag Wolfsburg.

Deshalb ist dieses Spiel der erste echte Gradmesser für Werder: Gegen den BVB hatte man nichts zu verlieren, Hamburg kam als in vielen Bereichen schwacher Gegner.
H96 hingegen hält einem den Spiegel vor die Nase.
Sie zeigen auf, was in den letzten Jahren schief lief, sie halten einem die eigenen Schwächen vor die Nase und sobald sie die Chance haben reiben sie mächtig Salz in die Wunde.
Hier kann man zeigen, wie weit man in der Entwicklung schon ist.
Man kann zeigen, ob man die eigenen Schwächen begriffen hat und man hat die Chance, einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.
Ein Unentschieden wäre aufgrund der enormen Heimstärke Hannovers und ihrer für uns unpassenden Spielweise schon ein Erfolg, ein Sieg wäre – für mich – überraschend und ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz, die einen vielleicht schon totsagte.

Viel wichtiger als das Ergebnis ist momentan jedoch, ob man eine Entwicklung zeigt – das ließ man in der Vergangenheit nämlich vermissen.
Anders als H96 – der Nordverein, der momentan am ehesten die Bezeichnung “Spitzenteam” verdient hat.

Dennoch, da träumen erlaubt ist: Auf gehts Werder, kämpfen und siegen – die Nummer 1 im Norden sind wir, also zeigen wir das auch!

Zweites Kapitel: Hoffnung

Ein neues Buch angefangen. Ein erstes Kapitel wie der Beginn einer Tragödie. Es ist alles vorausgedeutet. Es ist alles bereits gezeichnet. Alles, was scheitern kann. Vielleicht sogar scheitern muss. Und ich weiß, viele waren skeptisch, einige schon nach dem ersten Kapitel in tiefe Trauer gestürzt (mich eingeschlossen). Das zweite Kapitel, die zweite Situation, die selben Helden, die zweite Niederlage. Und doch habe ich es mit einem Lächeln gelesen. Und das ging bis in die Niederlage und noch zeilenweit über das Ende hinaus. Es gab keine eigentliche, nicht einmal eine uneigentliche Befreiung.
Aber wie auch – diese Geschichte ist noch mindestens 33 Episoden lang.

Es ist auch im zweiten Abschnitt nicht alles besser, aber vieles verändert. Die Charaktere stehen nicht weniger unter Druck, und doch scheinen sie etwas aufrechter zu gehen und sich etwas mutiger durch die Probleme dieser Geschichte zu kämpfen. Und statt als weiterer Skeptiker hier zu erzählen, warum man nichts überbewerten und erst Recht nichts hoffen darf, werde ich nun, verliebt in mein neues Buch erzählen, warum ich an diese Romanhelden glaube. Schwärmerisch und jeden Ansatz des Guten überbewertend.
(Ohne dabei auf die Wandlung in ein Kochbuch mit Salatschüsselprämie zu hoffen.)

Und da ist schließlich auch dieser elegante Fremde6, neu im Personengeflecht und doch sofort damit verwoben. Sich seiner Kräfte noch nicht ganz sicher, startet er doch von Beginn an auf einer ungewohnten Position. Und doch, kann man in seinen winzigen Bewegungen erahnen, warum dieser Mann vielleicht eines Tages entscheidend sein wird. Diese winzigen Bewegungen, nur aus dem Fußgelenk heraus, zu weiten präzisen Pässen, diagonal, exakt, auf kaum merkliche Weise beeindruckend. Natürlich fehlt etwas, aber so ist es immer am Anfang. Die Personen wachsen mit der Geschichte. Aber das waren Pässe wie Satzanfänge. Von etwas sehr Schönem.

Teil meines Lächelns waren auch zwei Jungen7,11, die oft ungestüm, oft holprig bis zur (Nach-)Lässigkeit wirken, die an diesem Tag zeigen konnten, in wieviel Probleme sie vor allem den Gegner stürzen können, wenn sie wollen. Und sie wollten. Die zugleich Spiel und Handlung und Gefahr nach vorne bringen, und dort auf eine sehr abgebrühte Western-Art-und-Weise noch aus dem Stand die Vorlage zum Sieg geben können. Um sich dann wieder und wieder fast schon rückblendenartig fallen zu lassen und im Rückwärtsgang den roten Faden neu aufzurollen.

Währenddessen lernt zwischen zwei gemalten und einem räumlichen Käfig eine junge Hauptfigur1 gleichzeitig einem Kugelfeuer Einhalt zu gebieten und ein eigenes zu entfachen. Mit ruhigen Füßen und sicheren Schritten. Mit Mut und Vertrauen zu den Männern vor ihm, auch wenn diese es manchmal verlieren. Sowohl den Mut als auch das Vertrauen in sich. Und müde werden, und verzweifelt. Und einer von ihnen zum tragischen Helden17 wird, als der Gegner vor seinen Füßen und hinter seinem Rücken entkommt. Und man sehen und fühlen kann, wie tief in das erschüttert. Und auf der bildlichen wie wörtlichen anderen Seite: Ein erster Auftritt und ein erstes Tor23.

Doch vor allem galt mein Lächeln einem vorm Volke in Ungnade Gefallenen14, der sich noch immer nicht ganz dieser Rolle entwinden kann, obwohl seine Taten (nicht erst in dieser Saison) keinen Grund (mehr) dazu geben. Mit einem genialen Auge für Lücken, durch die nicht viel, aber ein Ball wohl hindurchpasst, oder vielmehr: wo er selbst den Ball hindurchpasst. Es sind diese Pässe quer übers Spielfeld und doch vorbei an allen, die versuchen könnten, ihn aufzuhalten. Und es ist einfach schön, ihm dabei zuzusehen. Das sind Bälle wie Wortspiele, mühelos und wunderschön.

Ich liebe den Autor, ich werde vielleicht mein Leben lang mit ganzem Herzen daran gebunden sein, was er schreibt. Oder vielmehr, was sie schreiben, leben, spielen. Mit jedem Pass, mit jedem Blick, mit jedem Schuss kommen neue Zeilen aus grünen Lettern dazu. Und ich weiß noch immer nicht, was es für eine Geschichte ist. Vielleicht haben die ersten Zweifler Recht und es ist, war und bleibt eine Tragödie. Aber dieses zweite Kapitel lässt mich hoffen. Und ich weiß, dass es vielen ähnlich ging. Vielleicht, vielleicht wird es doch eine Komödie. Mit einem glücklichen Ende. Vor allem aber: Mit Lesefreude.

Anmerkung: Die hochgestellten Zahlen sind die Rückennummern der enstprechenden Spieler. Für vereinsfremde stehen auch alle erwähnten Spieler in den Schlagwörtern.

Eine Wundertüte zum Geburtstag – Werder in der Jubiläumssaison, oder auch: eine Reise ins Ungewisse

Endlich!
Das Warten hat ein Ende, die Sommerpause ist vorbei und die Bundesliga startet in ihre 50. Saison.
Passend zum Jubiläum  präsentiert der Norden der Liga dabei eine Wundertüte voller grün-weißer Spielgefährten.

Werder im Wandel und als Wanderer zwischen Hoffnung und Realität

Vor wenigen Jahren noch gehörte Werder zu den absoluten Spitzenteams der Bundesliga.
Nun, angesichts des 50-jährigen Bestehens, trifft das nicht mehr zu.
Zwei Jahre Rumpelfußball und tabellarische Bedeutungslosigkeit haben zu einem Umdenken und einem bitter nötigen Umbruch an der Weser geführt und so aus dem einstigen Spitzenteam ein großes Fragezeichen gemacht.
Aus der grün-weißen Schatztruhe wurden die Zaubertricks und Tormaschinen herausgenommen, die namhaften Etiketten von den Spielzeugen entfernt und übrig geblieben sind bloß die Pralinenschachteln vom Discounter – keiner weiß, was man bekommt, keiner weiß, ob die Süßigkeiten von der Weser schmecken werden.

Das birgt Chancen und Risiken, führt zu Hoffen und Bangen.
Aus finanziellen Nöten wurde der Umbruch bei Werder geboren, sportlich wäre er jedoch schon früher notwendig gewesen und so wurde aus dem in der Theorie sanften Übergang ein radikaler Schnitt.
Wiese, Naldo, Boenisch, Pizarro, Rosenberg, Borowski, Marin.
Namhafte Spieler, ehemalige Stammspieler in erfolgreichen Werderteams und/oder
(U-)Nationalspieler.
Einstige Aushängeschilder, vereinzelt Erfolgsgaranten für das “alte Werder”, nun jedoch teils aus sportlichen, teils aus finanziellen Gründen aussortiert.

Die Nachfolger sind Spieler wie Mielitz, Prödl, Schmitz, Sokratis, Ekici, Hartherz, Trybull, Ignjovski, Arnautovic, Füllkrug, Hunt und Junuzovic.
Überwiegend günstige Spieler.
Spieler, die teils in den Schatten der großen Namen standen und nun das Licht erblicken wollen, aus der Jugend nach oben drängen oder  früher Mitläufer waren, von anderen getragen wurden und nun selber tragen müssen.
Ergänzt werden sie von Spielern wie Elia, Petersen, Gebre Selassie und De Bruyne.
Spieler, die entweder schon “oben” waren und tief fielen, vergleichsweise spät die große Bühne betraten, nach anfänglich hohem Sprung einen Schritt zurückgehen oder vor dem Schritt nach oben noch eine Stufe mehr nehmen wollen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die größte Herausforderung Werders ist hierbei, sowohl im als auch um den Verein, die Erwartungshaltung und die zu erwartende Realität miteinander vereinbaren zu können.
Man hat nicht mehr die Qualität wie früher, der Wandel des Teams wird Zeit brauchen und   doch hat man kaum Zeit.
Die offizielle Devise des Vereins ist es, “mittelfristig” wieder nach Europa zu kommen.
“Zwei, drei Jahre”, heißt das laut Klaus Allofs. Doch heißt das, so Allofs weiter, nicht, “dass es diese Saison nicht möglich wäre.”
Eine Aussage, die Werders Dilemma ganz gut widerspiegelt.

Das internationale Geschäft ist es, was es zu erreichen gilt – und das mit einem neuformierten Team, dem einiges an Erfahrung fehlt, das ‘auf dem Papier’ wie man immer so schön sagt, das vielleicht schwächste Team seit Jahren ist.
Man soll das schaffen, was die einstigen Nationalspieler in den beiden Jahren zuvor nicht zu schaffen vermochten.
Man soll die Fans zufriedenstellen, wieder guten Fußball spielen und die zwei schlechten Jahre möglichst vergessen machen.

Und doch wird man Fehler machen, man muss sie sogar machen.
Man muss sich entwickeln, reifen und Erfahrungen sammeln.

Kurzum: Man muss mit einem Team, das im Durchschnitt keine 23 Jahre alt ist, das nachholen, was den zuvor teueren und namhaften Werder-Mannschaften nicht gelungen ist.

Die präsaisonale Phase als Vorgeschmack auf das was folgt?

Vom “Werdersommer” war auf Twitter die Rede. “Love” wurde verbreitet, gute Laune machte sich breit und man war fast geneigt, von der “besten Vorbereitung aller Zeiten” zu sprechen – wäre das nicht bereits andernorts schiefgegangen.

Gute Testspielergebnisse und schönere Spielzüge, ein neues System, eine homogene, sich auf und außerhalb des Platzes scheinbar gut verstehende Mannschaft und als Sahnehäubchen die triumphale  Errungenschaft des Liga-Total Cups gegen Weltklasseteams wie Dortmund und den Freistaat Bayern.
Die Welt in Bremen war wunderbar – bis Preußen anfing zu marschieren.

120 Minuten marschierten sie, ließen nicht locker, gängelten die Bremer von allen Seiten und verwehrten ihnen schließlich die Reise nach Berlin, der zweiten Heimat der Werderaner.
Das zweite Jahr in Folge scheiterte man in der ersten Pokalrunde und schlagartig schien die gute Stimmung zu verfliegen.
Skepsis machte sich breit, Ängste traten hervor und schien zuvor noch alles duftend grün-weiß, so wirkte die Welt plötzlich grau.
Mausgrau.

Eine Achterbahn der Gefühle die, gut möglich, einen Vorgeschmack auf die folgende Saison geben könnte.
Man wird schöne Momente erleben, auf flauschigen Wolken schweben und träumen und man wird auch fallen und beginnen, zu zweifeln.

Was man bei all diesen Wechselbädern der Gefühle nie verlieren darf sind Hoffnung und Zuversicht.

Die Bundesliga feiert Geburtstag – und wir feiern mit.

Auswärts gegen den BVB wird Werder die Saison eröffnen, ‘auf dem Papier’ ein Leckerbissen, mit Glück auch auf dem Platz.
Nicht immer werden wir siegen, doch stets werden wir kämpfen.
Wir werden hoffen, bangen, zittern und uns freuen, fluchen, jammern und auf dem Boden rollen.

Doch heute Abend, da werden wir feiern.
Feiern, dass die Pause vorbei ist.
Feiern, dass die Liga wieder losgeht.
Feiern, dass wir wir sind.

Wir sind Werder Bremen, grün-weiß das Emblem – und verflucht nochmal, wir kommen immer wieder!

Mein Problem mit Wiesenhof – Ein Kommentar (fast) ohne Ethik und Moral

Die Würfel sind gefallen…

… und der neue Hauptsponsor Werders steht damit fest: Geworden ist es Wiesenhof, ein Unternehmen, das “mit Kritikern der modernen Nutztierhaltung offen über alle Themen diskutiert und kontinuierlich an Verbesserungen des Tierwohls arbeitet und eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernimmt: Lebensmittel zu produzieren.”
Besonders wissenswert in Bezug auf Wiesenhof ist dabei, dass “Im Leitbild des Unternehmens … Leitsätze wie ökologisches und nachhaltiges Denken, verantwortungsbewusstes Handeln, Pflegen einer offenen Kommunikation, Sicherheit und Vertrauen für den Kunden sowie Wertschätzung und Respekt gegenüber den Mitarbeitern verankert..” sind, was natürlich ziemlich genau die Werte des glorreichen SVW widerspiegelt. Super! (Ausschnitte aus dem Interview mit der Geschäftsführung Werders, hier: http://www.werder.de/de/profis/news/40558.php)

Ja, so kann man das natürlich auch sehen.
Die andere Sichtweise ist die, dass Wiesenhof als Lebensmittelunternehmen nachweislich die ohnehin schon niedrigen Standards im Bereich der Massentierhaltung, der Hygiene sowie der Arbeitsbedingungen unterbietet – und zwar deutlich.
Das hat dafür gesorgt, dass eben jenes wunderbar zu Werders Werten passende Unternehmen in Deutschland einen, gelinde gesagt, sehr bescheidenen Ruf hat.

Die ersten Gerüchte über ein mögliches Engagement als Werders Hauptsponsor führten bereits vorab zu zahlreichen Protesten, beispielsweise via Twitter und Facebook.
Die PETA hat sich natürlich auch gleich zu Wort gemeldet und eine Pressemitteilung (siehe hier: http://www.peta.de/web/schandfleck_auf.6188.html) herausgegeben, in der sie sich gegen Wiesenhof als Werder Sponsor aussprechen.
Standesgemäß wurde wenig später auch vorm Stadion protestiert, wie sich das halt so gehört.

Nach Bekanntwerden der offiziellen Bestätigung seitens Wiesenhof und Werder nahm der “Shitstorm” dann weiter zu, die offizielle Facebook Page des SVW (siehe hier: https://www.facebook.com/WerderBremen) wurde von Bildern toter Tiere überschwemmt, auf Twitter und selbst im Fernsehen war es ein heißes Thema, so widmeten sich beispielsweise das ZDF und der NDR dem Thema “Wiesenhof und Werder”.

Während sich dabei relativ schnell klare Fronten bildeten, die Einen empört waren angesichts der bekannten Tierquälerei Wiesenhofs und die Anderen den Kritikern Heuchelei vorwarfen, so möchte ich mich bei meinem Kommentar gerne in eine andere Richtung bewegen, den Fokus nicht auf die Frage legen, ob Wiesenhof als Sponsor ethisch und moralisch vertretbar ist.
Mich interessiert viel mehr das mögliche Risiko, das Wiesenhof als Hauptsponsor meiner Meinung nach für die Marke Werder darstellt.

Keine Frage der Moral

Zuerst einmal: Moral ist subjektiv.
Das macht es so schwer, Diskussionen anhand von Ethik und Moral zu führen, weshalb ich eben das auch nicht tun will und auch nicht tun werde.

Für mich ist das Problem bei Wiesenhof in erster Linie nicht, dass sie die ohnehin schon niedrig angesetzten Standards im Bereich der Massentierhaltung, Mindestarbeitsplatzbedingungen und Hygiene nachweislich noch deutlich unterbieten, sondern dass sie das bekanntermaßen und im Blickfeld der Öffentlichkeit tun.
Das bedeutet, dass – abseits von sicherlich bei vielen Leuten auftretenden ethisch/moralischen Bedenken – dieser Sponsor für Werder, die ein Saubermann Image in Hinsicht auf soziales Verhalten und Außendarstellung pflegen und angeblich vorleben, in meinen Augen ein enorm hohes Risiko darstellt.

Durch das sehr umstrittene Sponsoring Wiesenhofs bringt Werder einerseits Moralisten und selbsternannte Gutmenschen gegen sich auf, die es nicht nur außerhalb Bremens und der Werderszene gibt, andererseits geben sie sich auch in direkte Abhängigkeit von einem die Gesetze missachtenden Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, das ohnehin schon auf negative Art und Weise stärker im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Dass bereits innerhalb weniger Stunden die PETA auf unbestätigte Gerüchte(!) reagiert, eine Pressemitteilung rausschickt und Proteste vorm Stadion organisiert, ist ein Beispiel dafür, in welchem Ausmaß ein Wiesenhof Sponsoring negative Presse für Werder auch zukünftig bedeuten könnte.
Eben diese Art von Presse ist es jedoch, die sich ein Verein wie Werder meiner Meinung nach nicht leisten kann, da sie als Marke ungemein von ihrer breit gelagerten Sympathie leben, anders als beispielsweise Vereine wie Schalke, die unter Sponsoren wie Gazprom deutlich weniger leiden – wenn sie es überhaupt tun.

Sollte Wiesenhof nun während der zwei Jahre, die sie Hauptsponsor bei Werder sind, erneut durch Vergehen auffallen, so fällt das direkt auf Werder zurück, die sich so eifrig an diese tolle Marke gebunden haben, da sie so endlich mal wieder einen Hauptsponsor aus dem Werderland gewinnen konnten.
Das wiederum würde dazu führen, dass Werder, die nach eigener Aussage auch von den Werten her mit der Firma Wiesenhof konform gehen, bundesweit an Sympathie einbüßen könnte.
Um zu verstehen, warum das meiner Meinung nach so ein hohes Risiko darstellt, muss man sich nur die Frage stellen:

Was macht den SV Werder Bremen als Marke für andere Unternehmen interessant?

Die Antwort darauf steht etwas weiter oben: Die bundesweiten Sympathien.
Werder steht als Verein und Unternehmen für hanseatische Zuverlässigkeit und hanseatisches Kaufmannsgeschick, früher mal guten und ansehnlichen Fußball und ist vielen Menschen in erster Linie eines: Sympathisch.
Das führt dazu, dass sich mit dem SVW wunderbar werben lässt, was wiederum dazu führt, dass wir ein sehr willkommener Anlaufpartner für eher zweifelhafte Sponsoren sind, die auf der Suche nach bundesweiter Bekanntheit und vor allem einem positiven Imageboost sind.

Um dabei auch gleich kurz den üblichen Argumenten vorzubeugen: Der Unterschied zu KIK, BWIN, Citi-/Targobank und anderen – sehr wahrscheinlich ähnlich zweifelhaft arbeitenden – Unternehmen besteht darin, dass Wiesenhof aktuell ein sehr negatives Image in der Öffentlichkeit hat und aktuell unter Skandalen leidet.
Sie arbeiten nachweislich verwerflich, nicht, wie der Großteil der Unternehmen, mutmaßlich.

Eben dieser Umstand könnte, so befürchte ich – vielleicht auch unnötigerweise – zu Sympathieeinbußen führen, die die “Marke Werder” schädigen, was wiederum Auswirkungen auf zukünftige Sponsorendeals haben könnte.

Das ist mein Problem mit Wiesenhof, von denen ich im Übrigen noch nie wissentlich Produkte konsumiert und/oder erworben habe, denn: Nein, die Chicken Wings bei McDonalds sind nicht aus Wiesenhof-Geflügel gemacht, liebe Kritiker.
Selbst wenn, dann wäre mir das wahrscheinlich auch relativ egal.
Im Normalfall koch ich mir mein Essen ohnehin selbst.

PS: Mein “Boykott” von Wiesenhof Produkten liegt einfach daran, dass ich selbst vor den bekanntgewordenen Skandalen kein Wiesenhof Geflügel gekauft habe. Wieso also dann damit anfangen? ;)

Friede, Freude, Systemwechsel?

Mit Eljero Elia wurde gestern der siebte Werder-Neuzugang dieses Sommers vorgestellt und trotz gewisser Vorbehalte gegen den stagnierenden Ex-Hamburger reiben sich viele Werderfans nun die Hände: Die Verpflichtung des Außenstürmers wird als Signal verstanden, dass sich Thomas Schaaf in diesem Sommer von der viel kritisierten Raute abwenden wird. Darauf deuten auch die ersten Eindrücke aus dem Trainingslager in Norderney hin. Werder trainiert dort Angriffszüge mit einer Spitze und zwei Außenstürmern. Doch reicht das, um eine grünweiße Revolution auszurufen?

Fünf Gründe, den Ball erst mal flach zu halten:

1) Systemwechsel oder Formationswechsel?

Was ist ein Spielsystem? Vielfach reduziert man ein System auf die Formation, also ein Zahlenspiel wie 4-3-1-2 (Raute) oder 4-3-3. Doch das beschreibt nur einen Teil des Systems, nämlich die Ausgangsformation. Diese ist häufig im Spiel gegen den Ball anders als im Ballbesitz (z.B. 4-4-2/4-2-3-1). Das Verhalten der Spieler ist jedoch für das System ebenso wichtig. Über welche Stationen wird das Spiel aufgebaut? Wer besetzt in welcher Phase des Angriffs welche Position? Wie offensiv agieren die Außenverteidiger? Diese und noch viele andere Fragen müssen beantwortet werden, um ein System richtig zu beschreiben. Die eigentliche Konstante unter Thomas Schaaf ist nicht die Rautenformation sondern ein flexibles System mit vielen Positionswechseln und Freiheiten für die Offensivspieler.

2) Der Rauten-Mythos

Werder hat unter Schaaf in den letzten Jahren bei weitem nicht nur mit Raute gespielt. Dieser Vorwurf steht immer wieder im Raum, weil er so schön einfach und griffig ist, aber er hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Letzte Saison spielte Werder zwar überwiegend mit Raute, stellte in einigen Spielen das System jedoch um, etwa beim Auswärtsspiel in Hamburg (4-3-3 gegen den Ball) oder beim Spiel in Dortmund (4-4-2 gegen den Ball, 4-2-3-1 mit Ball). In der Saison 2010/11 wechselte Schaaf in der Hinrunde ständig zwischen Raute und 4-2-3-1 hin und her. Im Jahr zuvor spielte man sogar überwiegend 4-2-3-1 und experimentierte zu Saisonbeginn mit einem flachen 4-4-2 und einem Quadrat im Mittelfeld (4-2-2-2). Auch eine Umstellung auf ein 4-3-3 im Laufe des Spiels ist schon seit vielen Jahren bei Rückständen zu beobachten. Die Raute ist sicher Schaafs bevorzugte Formation, aber nicht die einzige, die er bei Werder spielen lässt.

3) Das Spielmacher-Syndrom

In den letzten Jahren hat man des Öfteren versucht, Spieler in die Rautenformation einzugliedern, für die es dort eigentlich keine geeignete Position gibt. Man denke an die Versuche in den letzten 18 Monaten Marko Marin auf der 10er-Position einzusetzen. Auch Mehmet Ekici tat sich auf der 10er-Position schwer. Es ist durchaus denkbar, dass Elia bei Werder zentral hinter den Spitzen oder als hängender Stürmer neben Petersen eingesetzt wird.

4) Der zweite Anzug

Elia und Arnautovic überzeugten einst bei Twente als Flügelzange. Gut möglich, dass sie bei Werder an diese Leistungen anknüpfen können. Doch was ist, wenn nicht? Wer sind ihre Ersatzleute im Falle von Verletzungen oder Formkrisen? Hunt und Junuzovic können auf den Flügeln spielen, doch sind völlig andere Spielertypen. Die Außenverteidiger Fritz, Gebre Selassie und Schmitz könnten ebenfalls offensiver eingesetzt werden. Dennoch muss man feststellen, dass Werder bei einer Umstellung auf 4-3-3 oder 4-2-3-1 noch weiteren Bedarf an offensiven Außenspielern hätte.

5) Lange Mängelliste

Die fehlende Breite in Werders Spiel wurde schon häufig als Problem identifiziert. Die offensiven Außenpositionen werden im 4-3-1-2 erst im Laufe des Angriffs von einem Stürmer oder Mittelfeldspieler besetzt. Auf der Gegenseite des Balles ist man auf aufrückende Außenverteidiger angewiesen, um Breite ins Spiel zu bekommen. Schnelle Angriffe über die Flügel sind somit schwierig. Werders Mängelliste war in der letzten Saison aber bei weitem größer. Auch wenn man eine Umstellung auf ein 4-3-3 oder 4-2-3-1 befürwortet, sollte man sich keine Wunderdinge davon erwarten. Wichtiger als die Frage nach dem System ist die Behebung grundlegender Mängel: Flexibleres Aufbauspiel, schnelleres Umschalten, Pressing und die Absicherung bei eigenen Standards sind in meinen Augen die wichtigsten Dinge, an denen in diesem Sommer gearbeitet werden muss.

Dies sind auch die Dinge, an denen Schaaf 2012/13 gemessen werden muss. Eine andere Formation an die Taktiktafel zu malen ist keine Schwierigkeit. Die taktischen und spielerischen Probleme der letzten 2 1/2 Jahre zu beheben schon.

Der postsaisonale Reiz, oder auch: Im Rausch des Transferfensters!

Die Saison ist endgültig vorbei, die meisten Spieler sind entweder in den Urlaub aufgebrochen oder reisen zu ihren Nationalmannschaften.
Einige wenige Spieler sind noch in Bremen und arbeiten nach Verletzungen an ihrer Fitness, doch die spielen eher eine untergeordnete Rolle.
Was nun zählt, sind nicht die Spieler, sondern, naja, die Spieler!
Frei nach dem Motto: Das neue Spielzeug ist immer besser fiebert ein jeder Fußballfan nach der Saison den Neuverpflichtungen entgegen.
Seien es Hochkaräter oder nur Ergänzungsspieler, Stürmer oder Abwehrspieler, ein Transfer ruft immer unweigerlich ein kleines Kribbeln hervor, ein Gefühl des Wandels und des Aufbruchs in neue, hoffentlich bessere Zeiten.

Insbesondere bei Werder ist dieses Gefühl in diesem Sommer sehr stark ausgeprägt, steckt der Verein doch mitten im Umbruch. Das heißt, dass uns einerseits viele Spieler verlassen (haben), wie zum Beispiel Rosenberg, Pizarro, Wiese oder Borowski, andererseits jedoch auch viele neue Spieler zum Team hinzustoßen werden – oder bereits hinzugestoßen sind.

Um letztere Kategorie, die bereits getätigten Transfers, wird es hierbei hauptsächlich gehen.

Wer ist neu?

Nachdem es vielen erst nicht schnell genug hätte gehen können und man in Bremen gefühlt schon lange auf Transfers wartet, ging es seit gestern Schlag auf Schlag:
Erst unterschrieb Raphael Wolf für drei Jahre und beendete die Miele-Konkurrenz-Spekulationen auf der Torwartposition.
Wolf ist ein junger, 23 jähriger aber dennoch erfahrener Torwart, der aus Österreich vom Bundesliga-Absteiger SV Kapfenberg kommt. Dort war er seit drei Jahren die Nummer 1 zwischen den Pfosten und galt bis zuletzt als einer der besten Keeper der dortigen Liga, trotz des eher mäßigen Klubs.

Heute dann wurde der Transfer des Herthaner U19-Torwarts Richard Strebinger bekanntgegeben, der vorerst in der U23 spielen und sich eventuell für höhere Aufgaben empfehlen soll. Dort wird er sich wahrscheinlich einen Vierkampf mit Vander, dem lange verletzten Reisacher und Düker stellen müssen.

Anschließend wurde die Vertragsverlängerung mit Sebastian Mielitz bis 2014 bekanntgegeben, was ebenfalls eine sehr erfreuliche Nachricht darstellt.
Soweit, so gut. Bis hierhin war das alles wenig überraschend.

Umso überraschender war es dann aber, als die Sportbild bei Twitter plötzlich verkündete, dass Assani Lukimya-Mulongoti von Fortuna Düsseldorf an die Weser wechselte.
Zwar war im Worum am Samstag schon zu lesen, dass angeblich ein Auto mit Kennzeichen WW (Wolf Werner?) am Weserstadion parkte und auch Lukimya selber sei angeblich gesichtet worden, doch so wirklich glauben wollte das niemand, bis Werder es auf der eigenen Homepage bestätigte.
Lukimya ist ein 26 jähriger, großgewachsener (1,90m) Innenverteidiger, dessen Stärken im Defensivzweikampf und Kopfballspiel liegen. Die Spieleröffnung wiederum ist keine seiner Stärken, doch dazu später mehr.
“Luki”, wie er genannt wird, kommt ablösefrei, sein Vertrag lief aus und ein bereits vorher beim 1. FC Köln unterzeichneter Vertrag ist aufgrund des Abstiegs der Kölner ungültig.

Die Frage, die sich nach Lukimyas Verpflichtung vielen stellt, ist: Wieso noch ein Innenverteidiger?
Angesichts der Tatsache, dass man mit Sokratis, Naldo, Prödl und Affolter bereits vier Innenverteidiger im Kader hat ist diese Frage berechtigt und es gibt mehrere Ansätze, um dies zu erklären.

Wohin mit den Verteidigern?

Vorweg: Eine Fünferkette ist nicht zu erwarten, wenngleich man damit mit Glück die Defensivanfälligkeit lindern könnte – kleiner Scherz.

In meinen Augen gibt es mehrere Optionen, manche mehr, manche weniger wahrscheinlich, die eine Lukimya Verpflichtung sinnvoll erscheinen lassen.

Variante 1: Ein Innenverteidiger geht.
Angesichts der plötzlichen Verpflichtung eines Innenverteidigers und des momentanen Überschusses von 5 IV bei 2 Positionen erscheint diese Variante als sehr wahrscheinlich.
Die möglichen Kandidaten eines Abgangs wären hierbei Naldo, Sokratis und Affolter.
Ein Abgang von Affolter ist hierbei jedoch eher unwahrscheinlich, da er noch bis Winter ausgeliehen ist und man sich bewusst für diese Modalitäten entschied, da ein halbes Jahr nach eigener Aussage zu kurz sei, um den Spieler wirklich bewerten zu können.
Sokratis zu verkaufen wäre wiederum ähnlich unwahrscheinlich, besitzt er doch noch einen langen Vertrag und ist unangefochtener Leistungsträger. Dafür spräche jedoch, dass er im Falle eines Verkaufs eine Ablösesumme von 12-15 Millionen generieren könnte, was angesichts des Umbruchs sehr hilfreich sein könnte.
Diese Variante würde allerdings sehr negativ aufgefasst werden, ist Sokratis doch binnen kürzester Zeit zum Publikumsliebling avanciert und könnte bei gleichbleibenden oder sogar besseren Leistungen in den Folgesaisons noch deutlich höhere Beträge erzielen.
Deutlich wahrscheinlicher ist daher der Abgang Naldos, da er erstens teuer ist und zweitens ein enormes Risiko darstellt: Zwar ist er in Topform einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga, doch ist eben diese Topform bei ihm kaum zu gewährleisten angesichts seiner dramatischen Verletzungsproblematik in den letzten zwei Jahren.
Bei einer Vertragsverlängerung mit ihm würde man sich angesichts der sportlichen Situation finanziell nach wie vor strecken müssen und das, ohne zu wissen, ob er überhaupt wieder über einen längeren Zeitraum Leistung erbringen kann.
Sollte er nicht verlängern, wäre zudem dieses Jahr die einzige Chance, mit ihm noch eine kleine Ablösesumme zu erzielen. Begehrt ist Nana in Brasilien und dort würde er nach eigener Aussage auch gerne hin, obwohl er eigentlich gerne hier bleiben würde aber dann doch wieder gerne nach Brasilien möchte. Oder so ähnlich.
Momentan stehen die Zeichen öffentlich allerdings auf Vertragsverlängerung, traf man sich doch letztens und berichtete beiderseits, wie positiv das Gespräch doch verlaufen sei.
Abwarten.

Variante 2: Sokratis als Rechtsverteidiger.
Eine Möglichkeit ist es, Sokratis wie in der Hinrunde als Rechtsverteidiger einzuplanen. Das hat er lange Zeit gut gemacht, defensiv stand man oft relativ stabil und mit Naldo/Prödl/Affolter/Lukimya könnte man nach wie vor ein gutes Abwehrzentrum bilden.
Außerdem könnte man so die Schwachstelle des Rechtsverteidigers schließen, nachdem Fritz in der Rückrunde dort kaum passable Spiele ablieferte und zur neuen Saison dauerhaft ins Mittelfeld versetzt werden soll.
Dennoch: Sokratis ist Innenverteidiger, das hat er mit einer erheblichen Leistungssteigerung auf seiner Stammposition in der Rückrunde bewiesen und auch Schaaf hat bestätigt, dass Sokratis für die Innenverteidigung geholt wurde.
Außerdem ist Sokratis’ Zukunft aufgrund der sportlich schlechten Situation nach wie vor nicht zu 100% gesichert und auch wenn ich nicht glaube, dass Werder ihn angesichts seines langfristigen Vertrages für marktgerechte Summen verkaufen würde, so muss man es doch nicht darauf anlegen, seine Laune zu verschlechtern.
Fazit: Variante 2 ist sehr unwahrscheinlich.

Variante 3: Ein Innenverteidiger rückt ins Mittelfeld.
Auch diese Option wird angeblich schon länger in Betracht gezogen.
Zur Auswahl stehen hierbei Naldo, Sokratis und auch Affolter.
Naldo durfte sich zum Ende der Rückrunde bereits mehrfach im Mittelfeld versuchen: Im Heimspiel gegen Gladbach, auswärts gegen Stuttgart und erneut zu Hause gegen Schalke.
Seine Leistungen waren dabei jeweils schwach. Als Innenverteidiger lebt Naldo von einer für seine Größe und im Vergleich zu anderen Innenverteidigern guten Schnelligkeit und Beweglichkeit, einem sehr starken Zweikampfverhalten, Überlegenheit im Luftzweikampf, einer recht guten Übersicht und einer vergleichsweise guten, aber überwiegend aus energischen Vorstößen bestehenden Spieleröffnung.
Im Mittelfeld ist er als 6er weder überdurchschnittlich schnell, noch besonders spielstark. Insgesamt hat er weniger Zeit und Raum, worunter seine Stärken leiden und seine Schwächen hevorgehoben werden: Sein Stellungsspiel vor der Abwehr ist mangelhaft, er vermag es nicht, Pässe in die Schnittstellen der Abwehr zu verhindern und er ist mit den schnelligen, wendigen Angreifern hinter seinem Rücken überfordert.
Das Experiment “Naldo als 6er” kann man daher getrost als “gescheitert” betrachten.

Ebenfalls oft erwähnt wird die Möglichkeit, Sokratis als Kampfhund ins defensive Mittelfeld zu stellen. Auf den ersten Blick erscheint das plausibel, ist er doch schneller und wendiger als bspw. Naldo, hat mehrfach bewiesen, dass er auch gegen wendige und schnelle Spieler bestehen kann und  strahlt auch eine gewisse Stärke im Luftzweikampf aus.
Auch wird gerne behauptet, er habe ja zumindest eine bessere Spieleröffnung als Bargfrede, der gerne als Negativbeispiel hierfür erwähnt wird.
Dazu lässt sich sagen: Nein, hat er nicht.
Sokratis’ Spieleröffnung besteht als Innenverteidiger in erster Linie aus langen Bällen in die Spitze, die nicht mal besonders oft ankommen. Ab und zu startet er zudem Läufe wie einst Lucio, die jedoch ebenfalls selten nützlich enden.
Defensiv ist er hervorragend, ja. Insgesamt ist er ein fantastischer Typ, ja. Aber ein guter 6er? Sicher nicht. Zumal sich auch hier wieder die Problematik stellt, dass ihm das missfallen könnte.
Auch die Argumentation, dass Sokratis doch bei der WM 2010 mit Griechenland Messi so fantastisch aus dem Spiel genommen hätte, als er als 6er auflief, zählt nicht.
Sokratis spielte nicht als 6er, er hatte eine relativ freie Rolle als Kettenhund und sollte nichts weiter tun, als Messis Spiel zu zerstören.

Bleibt noch ein letzter Verteidiger, der im Zuge von Mittelfeldspekulationen genannt wird: Francois Affolter.
Werders junger Schweizer Nachwuchsverteidiger, der momentan von den BSC Young Boys ausgeliehen ist.
Seine Stärken liegen, auch wenn das mittlerweile viele anders sehen, klar in der Spieleröffnung. Er beweist des Öfteren eine gute Übersicht für den freien Raum und versucht, entweder selbst mit Ball am Fuß in diese Vorzustoßen oder den Ball in eben diese Räume zu spielen. Auch seine langen Bälle sind ungemein präziser als die von Sokratis oder auch Naldo.
Zudem ist er schnell und wendig, hat einen guten Antritt und eine gute Technik und Ballführung.
Seine Schwächen sind dafür ebenso deutlich: Sein Zweikampfverhalten am Boden und in der Luft.
Das Zweikampfverhalten am Boden ist, das muss man in aller Deutlichkeit sagen, für einen Innenverteidiger mangelhaft.
Oft wirkt er viel zu lässig, geht zu körperlos in die Zweikämpfe, möchte zu viele “Dinge” spielerisch lösen.
Das ist an sich ein moderner, lobenswerter Ansatz, führt aber oft auch zu brenzligen Situationen, ebenso wie seine gelegentlichen Konzentrationsschwächen und daraus resultierenden katastrophalen Abspielfehler.
Daran muss er arbeiten, ohne Wenn und Aber.
Sein Kopfballspiel ist zudem ebenfalls schwach und führt bei Werder zu einer gesteigerten Anfälligkeit bei Ecken, Freistößen oder Flanken generell.

Im Mittelfeld könnte Affolter meiner Meinung nach jedoch eine ähnliche Entwicklung nehmen, wie sie damals Franky Baumann gelang: Die von einem Innenverteidiger mit Schwächen im direkten Zweikampf hin zu einem sehr guten Rautensechser mit guter Übersicht, intelligentem, raumorientierten Spiel und guter Spieleröffnung.
Er wäre daher definitiv einen Versuch als Mittelfeldspieler wert und könnte auch spielerisch einen guten Backup für Trybull geben, der seine Stärken ebenfalls mehr in der Spieleröffnung als im direkten Defensivzweikampf hat, anders als beispielsweise Bargfrede oder Ignjovski.
Nichtsdestotrotz: Funktionieren kann das nur, wenn er und Tybull auch kräftig an Körpermasse zulegen und sich im Bereich des Defensivzweikampfs verbessern.

Die Versetzung eines der Verteidiger ins defensive Mittelfeld könnte weitere Auswirkungen auf die Planungen Werders haben, die die Ausrichtungen des Mittelfelds beeinflussen könnten.

Umstrukturierungen der Mittelfeldraute

Variante 1: Defensivstarke Halbpositionen.
Sollte beispielsweise Affolter ins defensive Mittelfeld rücken, so wäre die Position mit Trybull und Affolter doppelt spielstark besetzt, Bargfrede oder Ignjovski wären dabei eher die defensivstarke Variante.
Das verschafft Möglichkeiten zur Variierung der Mittelfeldraute, je nach Gegner und eigener Spielausrichtung. Man könnte die 6er-Position spielstark (Trybull/Affolter) und dafür die Halbpositionen sehr defensivstark besetzen, indem man zwei Spieler aus dem Paket Bargfrede/Ignjovski/Fritz auswählt.
Für die 10er-Position könnte man dann aus den verbliebenen Spielern (Stand jetzt: Hunt/Juno/Trinks/Ekici) auswählen und aufgrund der jeweils unterschiedlichen Spieltypen den eigenen Spielstil weiter verändern.
Man hätte dann eine spielstarke vertikale Achse, die das Spiel strukturieren könnte und eine defensiv- und laufstarke horizontale Achse, die die Außenverteidiger und den 6er unterstützen, gleichzeitig aber auch Vorstöße nach vorne wagen könnten.
Bei dem Duo Fritz/Ignjovski hätte man zudem zwei Spieler, die ebenfalls die Außenverteidigerpositionen bekleiden können, wodurch ein fluides Aufrücken der nominellen Außenverteidiger ins Mittelfeld bei gleichzeitigem Absichern der Halbpositionen möglich wäre.
Eine Ausrichtung, die bei einer spielerischen Steigerung der defensiven Halbpositionen etwas an die Raute der Micoud-Ära mit Baumann/Micoud auf der Vertikalen und bspw. Ernst/Lisztes auf der Horizontalen erinnert und eher auf schnelles Umschalten ausgerichtet ist. Natürlich qualitativ eine Klasse schwächer als damals.

Variante 2: 1 + 3, Zerstörer + Spielkultur.
Eine andere Variante wäre die, auf die 6 einen defensivstarken Abräumer zu stellen, der in erster Linie die Defensive absichert und den Spielaufbau größtenteils anderen Spielern überlasst.
Das wäre am ehesten möglich, wenn man Bargfrede oder Fritz auf die 6 stellt, Ignjovski war in seinen Auftritten als 6er oft noch zu hektisch, als dass er defensiv wirklich eine Absicherung darstellte. Gut möglich jedoch, dass sich das mit mehr Erfahrung zur neuen Saison ändert. Dann wäre auch er eine Möglichkeit hierfür, die zudem in meinen Augen spielstärker als Bargfrede oder Fritz wäre – obwohl ich ihn mittelfristig ohnehin eher auf den Halbpositionen sehe.
Diese wiederum könnte man in diesem Szenario eher offensiv besetzen, indem man beispielsweise Hunt + Trybull/Juno/Ekici/Trinks aufstellt.
Den 10er wiederum könnte man dann entweder mit einem Sturm/Mittelfeld-Hybriden besetzen, was am ehesten mit Arnautovic möglich wäre, oder mit einem der verbliebenen Mittelfeldspieler. Damit ließe sich wiederum die spielerische Ausrichtung beeinflussen und zudem auch die Besetzung des Sturms.
Insgesamt wäre diese Variante deutlich mehr auf Ballbesitz im vorderen Drittel ausgelegt, sowie auf ein Spiel mit deutlich mehr Pässen und längeren Phasen des Ballbesitzes aufgrund der insgesamt drei eher offensivorientierten und spielstarken Spieler im Mittelfeld sowie einem absichernden Zweikämpfer dahinter.
Problematisch wäre hierbei, dass man defensiv wohl deutlich anfälliger wäre, nicht zuletzt auch bei Kontern, sollten die Halbpositionen weit aufrücken, um den Gegner in der eigenen Hälfte einzuschnüren.
Praktiziert wurde diese Art der Raute im Laufe der Rückrunde bereits, beispielsweise im Auswärtsspiel gegen Hamburg:
Dort hatte man mit Bargfrede besagten Zerstörer als 6er, sowie mit Trybull und Junuzovic eher spielstarke Halbpositionen. Den 10er gab damals Marin, der oft in den Sturm rückte.
Damals spielten Trybull und Junuzovic allerdings eher defensiv, rückten weit nach hinten und man spielte nicht ballbesitzorientiert, sondern schaltete per Passspiel schnell um.
Die Grundordnung war kein 1+3, wie hier in der Überlegung, sondern ein 3+1.
In Zukunft könnte man dies, nach gesteigerter Eingespieltheit im Trainingslager und Verbesserungen im Bereich des Passpiels, kippen.

Variante 3: Das Quadrat.
Es ist mittlerweile schon ein paar Jahre her, da versuchte sich Thomas Schaaf an einer Modifizierung der Raute. Zwar sollte die Anzahl von vier Mittelfeldspielern beibehalten werden, allerdings sollte die Grundordnung von der Raute hin leicht wechseln und zu einem “Quadrat” werden, quasi einer 2-2 Ordnung im Mittelfeld.
Angedacht war damals, eine defensive Achse, quasi eine Doppelsechs, bestehend aus Baumann und Frings zu integrieren.
Davor sollte Diego wirbeln, zusammen mit einem gewissen Carlos Alberto.
Es war der Schritt hin zu einer Formation mit zwei Spielmachern hinter zwei Stürmer, einer dominanteren Offensive und ein Schritt weg von der Abhängigkeit nur eines Spielmachers.
Das Experiment musste allerdings früh abgebrochen werden, weil Platzhirsch Diego äußerte, nie gleichzeitig mit Alberto spielen zu können und dieser zeitgleich seine unrühmliche Ära einläutete.
Wirklich aufgegeben hat Schaaf diesen Ansatz meiner Meinung nach jedoch nicht und so ist es möglich, dass er einen neuen Anlauf unternimmt, diesen System einzuführen.
Möglich wäre dies, indem man mit zwei Spielern aus Trybull/Affolter und Fritz/Bargfrede/Ignjovski eine ausgewogene Defensivachse bildet und davor ein Duo aus Hunt/Ekici/Trinks/Juno platziert.
Ein sehr theoretischer Ansatz, der ohnehin eher marginale Abweichungen von der Raute darstellt, die sich ebenfalls sehr ähnlich zu dieser Ordnung spielen lässt und zwar wie folgt:

Variante 4: 2+2, ein neuer Anlauf in Richtung Balance.
Man besetzt die Positionen des 6ers und der Halbpositionen sowie des Spielmachers ausgewogen. Man wählt bspw. einen defensiven 6er und besetzt eine der Halbpositionen eher defensiv, die andere eher offensiv und postiert davor einen geeigneten weiteren Offensivspieler auf der 10.
Damit könnte man am ehesten versuchen, einen ausgewogenen Spielstil zu finden, mit der sich sowohl eine gute Offensive als auch eine stabile Defensive finden lässt.
Allerdings müssten die Halbpositionen dann viel rochieren, damit kein Übergewicht und damit eine Ausrechenbarkeit auf einer Spielfeldseite besteht, wie es oftmals in dieser Saison der Fall war.
Ein Vorteil dieser Ordnung wäre, dass man das Mittelfeld den individuellen Schwächen der Außenverteidiger anpassen könnte. So ließe sich beispielsweise vor einem offensivstarken aber defensivschwachen Außenverteidiger der defensivere Halbpositionsspieler platzieren und umgekehrt.
Dafür spräche, dass man mit Fritz/Bargfrede/Ignjovski mehrere defensive Spieler hat, dagegen spräche, dass man dann keinerlei Verwendung für einen Spieler wie Affolter auf der 6 hätte, dessen Stärken nicht unbedingt in der Defensive liegen.

Eine andere Variante wiederum wäre folgende:

Variante 5: Totale spielerische Dominanz und Offensive.
Dies ließe sich realisieren, indem man die 6 mit einem spielstarken Spieler wie Trybull oder Affolter besetzen und auf den Halbpositionen sowie auf der Zehn 3 Spieler des Typs Hunt/Juno/Ekici/Trinks installieren würde.
Hierbei würde man das Spiel klar auf offensive Dominanz und Ballsicherheit ausrichten, dabei jedoch womöglich die Defensive vernachlässigen.
Die defensiven Spieler wie Bargfrede/Fritz/Ignjovski könnte man dann von der Bank bringen, um Führungen zu verteidigen oder generell den Spielstil zu verändern.
Diese Variante wäre Schaaf durchaus zuzutrauen, ist er doch ein klarer Befürworter von offensivem und dominantem Fußball.
Dagegen spricht jedoch, dass sowohl Bargfrede als auch Fritz ein hohes Ansehen bei Schaaf genießen und letzterer zudem den Kapitänsbonus innehalten dürfte.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Lukimya Verpflichtung viel Raum für Spekulationen lässt:
Geht ein Innenverteidiger, also beispielsweise Naldo?
Bleiben alle und es rückt ein Innenverteidiger ins Mittelfeld?
Muss Sokratis eventuell doch auf die Rechtsverteidigerposition?
Wird Schaaf auf seine alten Tage vielleicht doch ein Fan des Neo-Catenaccio und baut auf eine Fünferkette in der Abwehr?

Man weiß es nicht, man muss leider – wie so oft – einfach abwarten, was passiert.
Spannend ist das Rätselraten in jedem Fall, insbesondere die möglichen Planspiele im Mittelfeld.

In Meinen Augen am wahrscheinlichsten ist, dass uns Naldo noch verlässt. Er ist der teuerste Spieler im Kader, verdient als einziger noch auf Champions League Niveau und über seiner (dauerhaften) Gesundheit steht noch immer ein großes Fragezeichen.
Dafür spräche außerdem die Prödl-Verlängerung, betonte er doch in der Vergangenheit stets, dass er Stammspieler sein wolle.
Ebenfalls gut möglich ist die Versetzung eines Spielers ins Mittelfeld, denn aus vermeintlichen Insiderkreisen hörte man schon mehrfach, dass solche Planungen eine Rolle spielen würden.

 

Nach Saisonschluss: Leere

Es ist seltsam, an den Herzensverein zu denken und dabei das Gefühl zu haben, blind zu sein. Ich kann die Farben kaum noch erkennen. Das Weiß vielleicht, das liegt noch irgendwo in der Leere, die da vielleicht seit Rückrundenbeginn, spätestens aber seit Saisonende ist. Aber das strahlende Grün, ich weiß nicht, woher ich das nehmen, wo finden, wo hineinhoffen soll. Und wenn ich ehrlich bin, dann fühlt sich auch diese Ungewissheit nicht weiß und nicht füllbar an. Nicht wie eine unbemalte Leinwand. Ich fühle nicht diesen unverkennbaren Duft, der einem um die Nase zieht: Der von frischer Farbe. Von Veränderung. Davon, dass das Weiß langsam bunt wird.
Nein, wenn ich ehrlich bin, fühlt sich diese Ungewissheit nicht an wie Hoffnung und nicht wie ein Anfang. Eher wie ein tiefes Schwarz. Und wenn ein Anfang, dann der vom Ende.

Was soll man schreiben, wenn man jetzt zurückblickt, auf die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte? Auf eine Halbzeit wie ein Europakanditat und eine wie ein Absteiger? Was soll man hoffen, wenn die Saison ein einziger stetiger Abstieg war, von irgendwo mitte oben zu ganz tief unten? Nur gefühlt, sagt der Blick auf die Tabelle. Nicht ganz unten, da sind schon andere. Und irgendwo stimmt es ja aber doch so nicht. Die Tabelle lügt doch. Mindestens ein bisschen. Denn Mittelfeld der Liga, erste Tabellenhälfte, so hat es sich nicht angefühlt. Und was soll man auch fühlen, wenn ein Rückschritt nach dem Anderen kommt? Und nichts erkennbar ist, was hoffen lässt, dass da irgendwo auch ein Wendepunkt ist? Aber woher sollte der auch kommen? Oder von wem?

Und nach dieser Saison interessieren mich nicht die unklaren Worte von den einen und die klaren Worte von den anderen verantwortlichen und nichtverantwortlichen, der Sportler, der Nichtsportler, des Sportdirektors, der Journalisten. Denn was nützen diese Worte schon? Und es bleibt alles beim Alten, denn woher soll auch ein Weg kommen, wenn die, die ihn beschreiben müssten, sehen müssten, am Ende doch nur schweigen?

Ja, was bedeutet es, das Thomas Schaaf schweigt? Ist es Müdigkeit, Erschöpfung, die da aus ihm spricht? Ist er vielleicht doch am Ende sprachlos? Oder ist es das gleiche Nichtssagen, was er schon immer hatte? Ist da denn noch etwas in ihm, was er für sich behält? Oder ist er innen ebenso sprachlos wie nach außen? Ist er – und das ist zweifellos das Schlimmste, was er sein kann – am Ende ebenso ratlos wie jeder andere?

Was muss passieren, damit das Schweigen aufhört?
Wann wird zwischen den Worthülsen und inhaltsleeren Satzzwischenräumen, zwischen dem Stirn-in-Falten-legen und dem Betreten-zu-Boden-gucken wieder etwas wie die Idee eines Weges zu erkennen sein? Irgendetwas, dass nur irgendwie zeigt, dass irgendeiner dieser ganzen Menschen, die an dem, wie es ist, tatsächlich etwas ändern können (Und so gerne Fans sich in dem Glauben wiegen, sie könnten etwas ändern: Sie können es nicht.), eine Idee hätte, wie es weitergehen soll. Dass auch nur irgendeiner von ihnen eine Vision hätte, Gründe hätte, für Hoffnung und dafür, dass die Zukunft eine bessere ist. Dass wenigstens einer von ihnen wirkte, als hätte er einen Plan, wie man aus dieser Krise (Und wider des Tabellenplatzes ist es zweifelsohne eine existenzielle, mindestens, wenn man sich die Rückrunde als Hinrunde der Folgesaison vorstellte.) herauskäme. Dass jemand vielleicht auch nur den Hauch einer Ahnung hätte, wie all das, was schiefgelaufen ist, in Zukunft nicht mehr oder wenigstens ein bisschen weniger schiefgehen könnte.

Diese Ungewissheit ist lähmend. Ich kann nicht über die nächste Saison nachdenken, wenn alles, was bekannt ist, Abgänge sind. Vielleicht werde ich hoffnungsreicher, wenn erst einmal auch Neuzugänge benannt werden. Denn derzeit, da ist es schwer auch nur irgendein Bild vor Augen zu haben, wenn man versucht, an die Werder-Elf des nächsten Fußballjahres zu denken. Natürlich gibt es Namen, die bekannt sind. Teilweise Namen, die bereits hier in Bremen sind und auch in der vergangenen Saison für Zukunftsfrohsinn sorgen konnten. Jungspieler, die gut sind, und besser werden (Trybull, Füllkrug, Hartherz). Neueinkäufe, die sofort und in unterschiedlicher Ausprägung durch menschliche, spielerische und kämpferische Qualitäten zu überzeugen wussten (Sokratis, Affolter, Junuzovic, Ignjovski). Zweittorwärte, die ich schon länger in den Himmel gelobt und zum Ersttorwart der grünweißen Zukunft berufen habe (Mielitz). Und natürlich Namen, die man munkelt. Aber was nützen schon gemunkelte Namen? Was nützen denn diese ganzen Vielleichts? Was nützt eine Zukunft in Seifenblasen? Am Ende bleibt nur das Abwarten.

Und das ist es ja auch, was das Fansein so unglaublich anstrengend macht:
Das ständige Danebenstehen und zum Zuschauen verdammt sein. Dieses Gefühl, mehr als jeder andere unter Entscheidungen zu leiden, an denen man nicht einmal ansatzweise beteiligt ist. Und diese Macht- und Hilflosigkeit ist es, die in Zeiten wie diesen radikal in Verzweiflung umschlägt. Denn es braucht viel Vertrauen in die Verantwortlichen, um diese eigene Tatenlosigkeit widerstandslos akzeptieren zu können. Ein Vertrauen, was lange Zeit unumstößlich in Bremen herrschte. Und was nun fehlt. Weil die Entscheidungsträger ebenso ratlos wirken wie jeder Außenstehende.

Und wie kann dass denn die Angst nehmen? Woher soll denn Vertrauen kommen, wenn niemand zu wissen scheint, was zu tun ist? Wenn sogar niemand zu wissen scheint, was er tut? Wenn niemand derjenigen, die einen neuen Weg finden, einschlagen und verfolgen müssen, überhaupt einen Weg zu sehen scheint? Wie soll man hoffen können, wenn selbst Spieler und Trainer und Sportdirektor zwar erzählen können, was alles falsch gelaufen ist, nicht aber, wie man mit dem Falschlaufen aufhört?
Und wie man neu anfangen will, laufen zu lernen?

Es ist seltsam, an den Herzensverein zu denken, und dabei das Gefühl zu haben, blind zu sein. Für die Zukunft. Für all die Gründe, die es doch noch irgendwo hier geben muss, dafür, dass alles besser wird. Und das wird es doch: Alles besser, oder?
Aber nach Saisonschluss ist nur Leere. Nicht Hoffnung und nicht Vorfreude, nicht Neugier, keine Ungeduld. Ich bin nicht neugierig, auf das, was mich nun erwartet. Ich bin nicht ungeduldig, darauf, dass endlich die nächste Saison beginnt. Ich bin nicht vorfreudig, auf das, was nun passiert. Was nun noch kommt, scheint nicht im mindesten verlockend. Es scheint nichts zu warten als Krisenfortsetzung und Abstiegsangstwiederaufnahme.

 

Das Ende einer Saison – Der Anfang eines neuen Tiefs?

Die Saison ist vorbei. Endlich, möchte man beinahe sagen.
Nach der Fastabstiegssaison 2010/11 sollte in der Saison 2011/12 alles anders, alles besser werden.
Ekici sollte endlich die Lücke schließen, die Özil seit seinem Wechsel zu den Königlichen hinterlassen hatte.
Lukas Schmitz und perspektivisch auch der U19-Meister Florian Hartherz sollten die traditionelle Problemzone des Linksverteidigers bei Werder lösen.
Andreas Wolf und insbesondere Sokratis Papastathopoulos (so schwer ist der Name echt nicht…) sollten die Abwehr stabilisieren, in der mit Per Mertesacker eine weitere Stütze ging.
Der Abgang Frings’ sollte intern durch die bereits vorhandenen Bargfrede und Wesley aufgefangen werden, mit Aleks Ignjovski hatte man sich zudem nach ewig langem Hickhack, das eine semi-Legendenbildung im Worum zur Folge hatte, die Dienste eines weiteren Mittelfeldtalents gesichert.
Die Abhängigkeit von Claudio Pizarro im Sturm wiederum sollte durch die Rückkehr des “Millionenbergs” sowie den geläuterten Marko Arnautovic und das junge Talent Lennart Thy reduziert werden.

Die Verpflichtung von Tom Trybull, eines defensiven Mittelfeldmannes von Hansa Rostock, geriet dabei ebenso in den Hintergrund wie das Drängen Levent Ayciceks und Özkan Yildirims in den Profikader – bei letzteren Beiden aufgrund schwerer Verletzungen.

Soweit zur Theorie.

Der Saisonbeginn

In der Realität flog Werder in der ersten Pokalrunde gegen Heidenheim raus, Tim Borowski, Stabilisator der vorigen Rückrunde, spielte erst sein vielleicht schwächstes Spiel im Werderdress und verletzte sich dann wieder schwer – er fiel bis zum letzten Spiel gegen Schalke aus, wo er wiederum vom Verein verabschiedet wurde, denn sein Vertrag lief aus.
Auch wenn er bereits im Stadion (auch von mir) gebührend verabschiedet wurde, so komme ich an dieser Stelle dennoch nicht drum rum:

Danke, Tim Borowski. Danke, für 15 Jahre Werder im Herzen. Danke, für zahlreiche tolle Spiele, viele Tore, unvergessliche Erlebnisse, echte “Werder Momente”. Danke, du alter Double-Held. Du wirst immer ein Teil von Werder bleiben!

Was anschließend folgte war ein Saisonstart ohne Claudio Pizarro – schon wieder fiel der Peruaner verletzt aus, in den Medien galt Werder bereits als Kandidat für den Abstiegskampf.
Man begrüßte den FCK im Weserstadion – und gewann 2:0. Der Auftakt einer bärenstarken Heimserie in der Hinrunde, mit nur einer einzigen Niederlage gegen den damaligen und heutigen Meister Borussia Dortmund. Alle anderen Heimspiele wurden gewonnen, die Hinrunde beendete man nach vielen knappen und umkämpften Siegen, die geprägt waren von einer bärenstarken Moral und unbedingtem Kampfgeist auf dem fünften Platz hinter Bayern, Dortmund, dem Überraschungsteam der Saison Gladbach und Schalke 04.
Eine auf dem Papier starke Hinrunde, die jedoch dadurch getrübt wurde, dass nur wenige Spiele wirklich überzeugend gewonnen wurden (bspw. gegen den HSV oder den VfB) und man sich in den letzten drei Spielen je drei Klatschen mit einem Torverhältnis von 1:14 abholte.

Dennoch: Werder hatte die Kritiker Lügen gestraft. Man war kein Abstiegskandidat, doch man war auch kein Spitzenteam. Insgesamt war es eine Situation, mit der man leben konnte, befand man sich doch im Umbruch.
Bis dahin waren die Gewinner der Hinrunde bei Werder klar auszumachen:
Einerseits Clemens Fritz, der durch die Versetzung Sokratis’ auf die Rechtsverteidigerposition endgültig ins Mittelfeld verschoben werden konnte und dort das Mittelfeld defensiv stabilisierte und die überzeugendsten Leistungen seit seiner Nationalmannschaftsform von damals zeigen konnte.
Dann wiederum der bereits erwähnte Sokratis, der als gelernter Innenverteidiger den besten Rechtsverteidiger seit Fritz’ Topform mimte und binnen kürzester Zeit zum Publikumsliebling avancierte.
Andererseits Claudio Pizarro, der nach Auftaktverletzung schnell ins Team zurückfand und seine bisher beste Hinrunde für Werder spielte. Zahlreiche Tore, Doppelpacks, Spiele, die er quasi im Alleingang gewann oder rettete, überzeugende Leistungen.
Zu guter Letzt Aaron Hunt, der auf den Halbpositionen der Raute endlich seine Idealposition fand und viele gute Partien ablieferte, dem Werder Spiel Sicherheit verlieh und endlich anfing, Verantwortung zu übernehmen. Es schien die Saison des Aaron Hunt werden zu können, doch es sollte nicht passieren: Erst brannten ihm die Sicherungen durch und er holte sich bei der Niederlage gegen Bayern vorzeitig sein Urlaubsticket ab, dann kam es wie immer in der Karriere des Aaron Hunt: Er verletzte sich und fiel die komplette Winterpause sowie den Großteil der Rückrunde aus. Fit meldete er sich erst – ausgerechnet, möge man hier denken – zum Rückspiel gegen Bayern. Dort zeigte er ein überzeugendes Comeback und lässt als einer der wenigen Spieler hoffen, doch das kommt später.

Ebenfalls erwähnt sei hier die Rückkehr von Naldo, der nach gefühlt tausendjähriger Pein sein Comeback für Werder geben durfte und auf Anhieb überzeugte. Seine Rückkehr im Derby war ein klassischer Gänsehautmoment – ob nun im Stadion oder vor dem TV.

Die Verlierer der Hinrunde wiederum waren weniger deutlich auszumachen, fielen doch recht wenige Spieler deutlich ab. Genannt werden können hierbei in erster Linie Ekici, der – auch aufgrund von augenscheinlich mangelnder Fitness – weit hinter den Erwartungen zurückblieb sowie Wesley, der es nur auf drei Einsätze brachte, dabei trotz recht hoher Effektivität wenig überzeugend auftrat und dies scheinbar auch nicht mit guten Trainingsleistungen ausgleichen konnte.
Mit Abstrichen ist zudem Marko Marin zu nennen, der nach starkem Saisonbeginn aufgrund von kleineren Verletzungen schnell aus der Form geriet und sich mehr und mehr in kopflose Dribblings verzettelte, ohne Tor blieb und lediglich drei Torvorlagen beisteuern konnte.

Die Winterpause

In der Winterpause geschah traditionell recht wenig, zumindest verglichen mit anderen Vereinen (Wolfsburg, zum Beispiel):
Andi Wolf durfte nach halbjährigem Werder Intermezzo wieder gehen, es zog ihn nach Frankreich zum AS Monaco, nachdem er sich kurz vorher bereits verletzte. Über seine Leistung schreibe ich an dieser Stelle bewusst nichts, da ich kein Fan dieser Art von Innenverteidigern bin. Deshalb belasse ich es bei Folgendem: Er hat gekämpft, immer. Menschlich ein feiner Kerl, danke Andi!
Der Ersatz für ihn war dabei der junge Schweizer Francois Affolter von BSC Young Boys, seines Zeichens U21-/A-Nationalspieler der Schweiz, je nach Gusto des Ottmar Hitzfeld.
Affolter galt und gilt als talentierter, moderner Innenverteidiger mit Stärken in der Ballbehandlung, Geschwindigkeit und Spieleröffnung, dafür jedoch auch sichtbaren Schwächen im körperbetonten Zweikampf sowie dem Kopfballspiel.
Kurzum: Er war das komplette Gegenteil von Wolf.

Nachdem Hunts Verletzung sich schnell als potenziell langwieriger herausstellte, wurde mit Zlatko Junuzovic ein weiterer Spieler aus Österreich verpflichtet, genauer vom FK Austria Wien.
Junuzovic sollte als offensiver Mittelfeldspieler für mehr Kreativität sorgen und insbesondere die Breite der Kreativabteilung erhöhen, nachdem sowohl Marin als auch Ekici bisher hinter den Erwartungen zurück blieben.

Für deutlich mehr Spannung sorgten bei Werder daher nicht die tatsächlichen Transfers, sondern viel mehr die Gerüchte:
Claudio Pizarro wurde vermehrt mit anderen Clubs in Verbindung gebracht, was von ihm durch Aussagen wie “ich weiß nicht was passiert, man muss abwarten und sehen was passiert” mustergültig angeheizt wurde.
Pizarro verlor seine mediale Aufmerksamkeit allerdings schnell an die beiden Brasilianer Werders: Wesley und Naldo.
Die Gründe hierfür war eine an Lächerlichkeit kaum zu überbietende Transferposse seitens brasilianischer Vereine:
Palmeiras und Atletico de Mineiro lieferten sich ein Tauziehen um Wesley, bei dem am Ende Palmeiras den vermeintlichen Zuschlag erhielt. 6 Millionen Euro standen als Ablösumme im Raum, abzuzahlen in drei Raten á 2 Millionen Euro.
Gedauert haben diese Verhandlungen sage und schreibe zwei Monate, weil man lange Zeit keine anständige Bankbürgschaft auftreiben konnte.
Irgendwann wurde dies jedoch geklärt, Wesley wechselte und wurde alsbald von seiner Werder Vergangenheit eingeholt: Kreuzbandriss, mehrere Monate Pause.
Gute Besserung an dieser Stelle Wes, das wünscht man niemandem.

Überboten wurde dieses Hickhack jedoch noch vom Baggern brasilianischer Vereine an Naldo.
Ganz im Stile des Austin Powers Erzfeindes Dr. Evil kam eine Delegation nach Bremen und bot für Naldo sagenhafte one million dollars Euro.
Ein lächerliches Angebot, das von Klaus Allofs medial wie folgt kommentiert wurde: “Nur weil ich nett war, habe ich ihn [den Klub-Agenten] nicht sofort rausgeworfen.”

Ja, das war schon eine witzige Geschichte.
Naldo wiederum blieb – und fiel bis zum Spiel gegen Gladbach aus. Typisch, irgendwie.

Das positive Ereignis der Winterpause war das Aufrücken Tom Trybulls – des Spielers, den vorher nur diejenigen auf dem Schirm hatten, die ihn in der U23 (oder vorher) spielen sahen.
Ein Spieler, von dem ich binnen kürzester Zeit zu einem waschechten Fanboy wurde.
19 Jahre alt, mittlerweile Stammspieler im zentralen defensiven Mittelfeld der Werderraute.
Ein Spieler, der eine ungeheure Spielintelligenz und Übersicht aufweist, in der Lage ist, klare öffnende und strukturierte Pässe zu spielen, unter Druck die Ruhe zu bewahren und sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen.
Kurzum: Ein Spieler, der von den Anlagen her wie geschaffen scheint für die 6er Position, wenn er physisch zulegt.
Doch ich greife wieder vor…

Die Rückrunde

Ich fass mich kurz: Was für eine ……..

Doch langsam:
Werder startete nach einem traditionell schwachen Wintertrainingslager samt obligatorischer Niederlagen auswärts gegen den FCK in die Rückrunde.
Als Lehren der Hinrundenabschlussdebakel sollte dabei die Abwehr stabilisiert werden: Fritz rückte vom Mittelfeld zurück auf die Rechtsverteidigerposition, Sokratis in die Mitte. Dort bildete er aufgrund von Naldos Verletzung ein Duo mit Sebastian Prödl.
Dieses Duo wirkte solide, bis Kouemaha sich dazu entschied, Prödl das Nasenbein zu brechen.
Eine Szene, die für mich das größte Armutszeugnis eines Schiedsrichters in dieser Saison darstellt.
Das wäre noch halbwegs zu verschmerzen, hätte der Schiedsrichter seinen Fehler danach wenigstens eingesehen und sich entschuldigt. Fehler können passieren, dafür reißt einem niemand den Kopf ab.
Doch stattdessen entschied sich der nette Herr so zu tun, als habe er die Szene gar nicht gesehen – trotz eindeutiger Fernsehbilder, die ihn dabei zeigen, wie er
1) Direkt das Geschehen ansieht
und
2) Die Pfeife bereits im Mund hatte, sie dann jedoch rausnahm.

Werder hätte in dieser Szene einen Elfmeter und Kouemaha einen Platzverweis erhalten müssen – beides blieb aus, stattdessen musste Prödl ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Das Spiel endete 0:0, immerhin blieb man ohne Gegentor.
Es folgte der Beginn des Bremer Jugendwahns:
Gegen Leverkusen startete Werder mit einer der jüngsten Werdermannschaften aller Zeiten.
Florian Hartherz, Tom Trybull, Francois Affolter, so hießen die neuen Jünglinge Werders, vermeintlich neue Gesichter eines vermeintlich neuen Werders.
Das Spiel war hart umkämpft, leidenschaftlich geführt, von den Fans leidenschaftlich unterstützt und es endete Unentschieden, wie so oft zwischen Leverkusen und Werder.

Zwei Punkte aus den beiden Auftaktpartien, für Werderverhältnisse ein guter Rückrundenstart doch die Zweifler mehrten sich.
Im Anschluss spielte man wieder Unentschieden, diesmal auswärts gegen Freiburg.
Dann wieder Unentschieden, zu Hause gegen Hoffenheim.
Vier Punkte aus vier Spielen, man verlor den Anschluss nach oben, wo man doch eigentlich auf die Champions League schielen wollte.
Dann war wieder Derbyzeit und Thomas Schaaf überraschte viele Kritiker mit einer taktisch bestens eingestellten Mannschaft um die dabei herausragenden Wiese (typische Derbyform), Sokratis, Trybull und Marin.
Man gewann verdient mit 3:1, brach den Fluch der orangenen Auswärtstrikots und wollte endlich eine Aufholjagd einläuten.
Was folgte, war die große Ernüchterung:
Viele Unentschieden, viele Niederlagen.
Nur ein einziger weiterer Sieg gelang, wieder im Derby, zu Hause gegen Hannover 96 mit 3:0.

Claudio Pizarro wirkte die gesamte Rückrunde über unfit, fand nie zu seiner Hinrundenform und spielte oftmals ganz schwach.
Über der Mannschaft schwebte konstant die bei vielen unsichere Vertragssituation, es kamen weitere kleinere und schwerere Verletzungen hinzu: Marin, Ekici, Bargfrede, Hartherz, Arnautovic, u.A..

Am Ende stehen nun 13 Punkte aus 17 Partien in der schlechtesten Rückrunde der Vereinsgeschichte und die erneut verpasste Qualifikation fürs internationale Geschäft.
42 Punkte hat man zum Abschluss auf dem Konto, 41 waren es in der Vorsaison, in der man bis zum Schluss gegen den Abstieg spielte.
Selbiges hätte erneut passieren können, wären die anderen Vereine nicht ähnlich schlecht gewesen.
Unter dem Strich steht: Saisonziele verpasst. Zum zweiten Jahr in Folge.

Endlich vorbei

Nach Saisonende mehrt sich nun die Kritik, die Rufe nach Veränderungen werden lauter in Bremen.
Die einen schieben es ganz simpel auf die Raute und fordern einen Systemwechsel, der ihrer Meinung nach alles besser machen würde.
Das wiederum ist mir viel zu simpel, beschreibt es doch keinesfalls die Probleme Werders im Detail sondern dient nur einer oberflächlichen, in meinen Augen unreflektierten Stammtischkritik.
Andere schieben es auf die Verletztensituation, was mir ebenfalls zu einfach ist, schließlich muss man sich hier mittlerweile fragen, wo dafür die Gründe liegen.

Ebenso simpel ist die Kritik eines gewissen Jörg Wontorra, der auf Stammtischniveau – da muss ich den Vereinsoffiziellen sogar mal zustimmen – den Verein in Frage stellt.
Dabei meine ich in erster Linie seine oberflächlichen Parolen wie “frischen Wind reinbringen” oder “der Fisch stinkt am Kopf zuerst”.
Ein Journalist mit Anspruch sollte Reflektierteres zustande bringen.
Getoppt wird das nur von albernen Verbesserungsvorschlägen, wie beispielsweise Thomas Schaaf als Sportdirektor und Holger Stanislawski als neuem Trainer.
Bei aller Sympathie zu Stani, so hat er in der ersten Liga doch noch rein gar nichts gezeigt und stellt keinesfalls eine Verbesserung zu Thomas Schaaf dar, was in meinen Augen die Voraussetzung für einen Trainerwechsel ist, den ich – wie hier geschildert – ebenfalls befürworte.
Nein, die Probleme Werders sind deutlich weitreichender:
- Defizite in den taktischen wie spielerischen Basics (Passspiel (Druck und Präzision), Laufwege, Vor- und Rückwärtsbewegung, Nachrücken, Pressing, Unterstützung im defensiven wie offensiven Zweikampf)
- Eine nach wie vor ungeklärte Verletztenmisere, die definitiv nicht nur auf Pech zurückzuführen ist. Hier muss ganz klar die gesamte medizinischen Betreuung durchleuchtet werden.
- Eine unausgewogene Kaderzusammenstellung, die scheinbar zu wenige passende Spielertypen für Schaafs Verständnis vom Fußball bietet.
- Erhebliche Formschwächen einzelner Spieler, überwiegend der verdienten Spieler (Pizarro/Fritz in der Rückrunde, mit Abstrichen Wiese und Rosenberg (in der Hinrunde))
- Eine schwache Hierarchie, die zu wenige Führungsspieler beeinhaltet. Zu nennen sind hierbei lediglich Fritz, der jedoch selten gut spielt sowie Prödl. Pizarro und Naldo versagen hier aufgrund ihrer Wechselbekundungen auf ganzer Linie, ebenso Sokratis (trotz großer Sympathie) und Wiese.
Rosenberg hat zwar nebst einer guten Rückrunde auch menschlich eine tadellose Saison abgeliefert und wieder bewiesen, wie sympathisch er ist, ein “Leader” im klassischen Sinne ist er jedoch nicht.

Es bleibt daher zu konstatieren, dass eine Menge getan werden muss in Bremen.
Offensichtliche Problemzonen im Kader müssen behoben (RV, OM/ZM, ST, Führungsspielerproblematik), Abgänge (Wiese, Marin, Piza, Rosenberg) ersetzt werden, gleichzeitig muss jedoch der Gehaltsetat aufgrund der verpassten sportlichen Ziele weiter gesenkt werden.
Dabei muss jedoch keiner denken, man sei finanziell schlecht aufgestellt. Das mag von den Medien gerne so publiziert werden, stimmt jedoch nicht.
Nach den Abgängen wurde der Gehaltsetat bereits jetzt erheblich gesenkt, Neuzugänge dürften teils deutlich weniger verdienen, durch Marin und Wesley konnte man zudem einiges an Ablösesummen generieren.
Man darf keine große Transferoffensive erwarten, zumal man aufgrund der Notwendigkeit vieler Transfers ohnehin eher nach günstigeren Spielern Ausschau halten wird, jedoch braucht in Bremen keiner befürchten, dass der Kader aufgrund finanzieller Zwänge gar nicht verstärkt werden könne.

Hoffnung auf eine bessere nächste Saison oder zumindest eine gewissene Vorfreude erwecken bei mir in erster Linie Trybull, Hunt, Sokratis, Hartherz, Füllkrug, Mielitz und Aycicek.
Man hat viele junge, talentierte Spieler, aus denen gute Bundesligaspieler werden können.
Was fehlt sind momentan die Führungsspieler, die ihnen bei der Entwicklung helfen.
Diese gilt es, unter Anderem, zu verpflichten.
Es muss eine gute Balance gefunden werden, eine positive Stimmung im Team und im Umfeld erweckt werden, man muss sich insgesamt aufs Schärfste hinterfragen, die richtigen Hebel umlegen und sich den ***** aufreißen, dann bin ich davon überzeugt, dass die nächste Saison besser wird.

Noch habe ich Vertrauen in das Team, zumindest in manche.
Ich hoffe inständig, dass ich nicht enttäuscht werde.

Dennoch, einer Sache bin ich mir bewusst:

Egal was auch passiert, ich stehe zu diesem Verein – in guten wie in schlechten Zeiten.
Das, was ich als Fan tun kann, das werde ich tun. Ich werde diese Mannschaft unterstützen, ich werde sie anfeuern, ich werde mitfiebern.

Lebenslang Grün-Weiß!

Von Kontinuität und ihren Tücken

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde man in Bremen gelobt.
Für die hervorragende Arbeit, die man angesichts der – im Vergleich zur damaligen Konkurrenz – so bescheidenen Mittel verrichtete.
Für das ruhige Umfeld, das selbst bei kleineren Krisen niemals einen Unruheherd darstellte.
Für den bezaubernden, begeisternden Fußball, den man spielte.
Für die Kontinuität. Die Beständigkeit.
Dafür, dass man anders war als all die HSVs, VfBs, S04s und Wolfsburgs dieser Liga.

Ja, es ist noch gar nicht lange her…

Vor nicht allzu langer Zeit…

…und doch so fern.
Die hervorragende Arbeit, für die Werder so gelobt wurde, ist über die letzten 3-4 Jahre nur noch in der Person von Sokratis zu erkennen.
Ein Spieler, der ohne Eingewöhnungszeit Werders stärkster Rechtsverteidiger seit Fritz’ Galaform wurde – und das, obwohl er doch eigentlich als Innenverteidiger verpflichtet wurde, nur, um in der Rückrunde als Innenverteidiger Mertesacker völlig vergessen zu lassen.
Ein Spieler, der so viel mehr wert ist als für ihn bezahlt wurde.
Ein Typischer Werder-Transfer, sagte man früher. Vor nicht allzu langer Zeit.
Mittlerweile wird in Bezug auf Werders Arbeit viel mehr auf “Flops” hingewiesen.
Die Carlos Albertos, Wesleys und – mit Abstrichen – Arnautovics.
Das ist zugegebenermaßen ebenso richtig wie plakativ und unreflektiert.
Werder hatte “Flops”, ja. Doch wie kam es zu dazu?

Carlos Alberto galt als Toptalent, kam mit riesigen Vorschusslorbeeren und galt bereits nach einer Trainingseinheit als derjenige, der Werder zusammen mit Diego zu Titeln führen würde. Was kam dann?
Konflikte mit seinem Landsmann, der bekräftigte, dass er “nicht mit ihm zusammen spielen” könne.
Einstellungsprobleme, die ihn schnell ins Aus manövrierten.
Etwas über 40 Minuten Einsatzzeit in Pflichtspielen, Skandälchen, eine Ausleihorgie, an deren Ende ein ablösefreier Transfer stand, ein “riesengroßes Missverständnis” eben.
Ein Flop, ja. Aber schwer vorherzusehen.

Der Wesley Transfer wiederum war eine Hängepartie aus dem Lehrbuch, die ersten Einsätze vielversprechend, was direkt Lob nach sich zog.
Dann kamen in den Fanlagern die ersten Zweifel an Wesleys taktischen Kenntnissen auf. Mehr und mehr wurde kritisiert, dass er planlos und vogelwild über den Platz lief. Engagiert zwar, aber letztlich brachte er mehr Unordnung, als dass er half.
Wenig später kam seine Verletzung, die ihn endgültig aus der Bahn warf. Eine lange Pause, ein misslungenes Comeback, eine schwache Vorbereitung. Wieder kam es zu einem Transfer nach Brasilien, diesmal zum Glück ohne Leihe und mit entsprechender Entlohnung.
Hier hätte man besser scouten können, die taktischen Defizite früher erkennen müssen – oder man hat sich überschätzt. Beides spricht gegen die “hervorragende Arbeit”.

Arnautovic hingegen war wieder einer dieser “typischen Werder-Transfers”. Ein Spieler, der bereits als “der neue Andi Herzog” galt, bei Inter landete, eigentlich längst außer Reichweite war. Eigentlich.
Wäre da nicht diese schwere Fußverletzung gewesen, die ihn wieder auf den Markt brachte. Ihn, den neuen Andi Herzog, der für Werder doch eigentlich längst außer Reichweite war.
6,5 Millionen Ablösesumme? Kein Problem für einen Klub, der in der Champions League spielt.
Ein Schnäppchen, war er doch der neue Andi Herzog.
Ihm muss man zugutehalten, dass er in einer Saison kam, in der bei Werder nichts lief. Aus mehreren Gründen, die an dieser Stelle nicht das Thema sind.
Er ist in meinen Augen noch kein Flop. Noch nicht.

Was bleibt noch übrig, von dem Lob?
Richtig, der “begeisternde Fußball”…
Nun, den spielen nun andere Teams. Dortmund zum Beispiel.
Anderes Thema.

Das ruhige Umfeld! Ja, fantastisch, das ist geblieben! Sehr schön. Oder etwa nicht?
Doch, das muss gut sein. Genauso wie die…

Kontinuität

“Jeder spricht von der Bremer Kontinuität als wäre das hier etwas Selbstverständliches, doch das ist es nicht. Kontinuität bedeutet nicht, krampfhaft an – zum Beispiel – dem Trainer festzuhalten. Wir machen das hier nicht aus Spaß, sondern aus Überzeugung. Weil wir davon überzeugt sind, dass es der richtige Weg ist.”
Klaus Allofs, so in etwa, in Zeiten des Erfolgs.

“Es bringt nichts, jetzt den Trainer herauszupicken und auf ihm herumzuhacken, wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen, analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen. Es liegt nicht am Trainer, dass es nicht läuft.”
Klaus Allofs, so in etwa, in Zeiten des Misserfolgs.

Ja, diese Kontinuität. Ein seltsames Ding. Faszinierend, wenn sie funktioniert. Tückisch, wenn es mal nicht so ist.

Dann ist plötzlich nicht mehr von der Kontinuität im positiven Sinne die Rede, sondern von “eingerosteten Strukturen” und “Festgefahrenheit” im negativen Sinne.

Zu Recht, wie ich mittlerweile finde.

In der gesamten letzten Saison, in der es über weite Strecken gegen nichts Anderes als den Abstieg ging, stand ich immer und zu 100% hinter dem Trainer. Ich suchte Ausrede um Ausrede. Das fiel die meiste Zeit leicht, weil Werder so viele Verletzte hatte. Mehr Verletzte als alle anderen Klubs. “Das ist doch einfach Pech..”, sagte ich.
“Andere Schiedsrichter hätten den Elfmeter gegeben..”, sagte ich (im Übrigen oftmals zu Recht, doch lassen wir das).
Wie gesagt, das Ausredenfinden fiel leicht. Sehr leicht. Zu leicht, wie sich mittlerweile herausstellt.

Ein Phänomen namens Umbruch

Im Sommer ging ein Ruck durch Bremen. Der Leithammel Frings ging, genauso wie Daniel Jensen, Petri Pasanen und Mertesacker.
Relikte aus glorreichen Zeiten.
Spieler, die der “neuen Philosophie” des Vereins im Weg standen.
Spieler, die man sich “nun nicht mehr leisten könne”, angesichts der bevorstehenden Saison ohne internationales Geschäft.
Dafür kamen Spieler wie Andi Wolf, Sokratis, Lukas Schmitz und Mehmet Ekici.
Außerdem kehrte Rosenberg zurück. Millionenberg, wie er bei seinem Abschied hieß.
Damals, als Werder in der Champions-League Qualifikation gegen Sampdoria spielte – und er das entscheidende Tor schoss.
Millionenberg, ein weiteres Relikt aus glorreichen Zeiten. Einer, der eigentlich nur deshalb blieb, weil man ihn nicht verkaufen konnte.
Einer, der schnell Stammspieler wurde, dann wieder auf der Bank saß und mittlerweile der einzige Spieler ist, der das Tor trifft.

Man sprach vom “Umbruch” in Bremen. Zu Beginn nur zaghaft, später dafür umso häufiger.
Als Ausrede, für die dürftigen Leistungen, nachdem die Verletztensituation relativ entspannt war.
Schon wieder eine Ausrede.
Dabei sollte doch eigentlich alles anders, alles besser werden…

Keine Ausreden mehr

… doch es wurde nur noch schlimmer.
Zu Rückrundenbeginn häuften sich die Verletzungen, mehrten sich die Störfeuer angesichts auslaufender Verträge und verschlechterten sich die Leistungen auf dem Platz.
Die spielerisch ohnehin schon dürftigen Auftritte sanken in ihrer Qualität noch mehr, immer weiter, von Spiel zu Spiel – mit kleinen Ausreißern nach oben.

Jetzt, nach dem 31. Spieltag, stehen 2 Siege in der Rückrunde zu Buche. 2 Siege, 7 Unentschieden und viel zu viele Niederlagen.
Die Siege kamen immerhin gegen die beiden Nordrivalen HSV und, äh, HSV zustande.
Gegen den kleinen HSV gewann man auswärts mit 1:3, den großen schoss man mit 3:0 aus dem Weserstadion.
Vor nicht allzu langer Zeit, da war der “große” noch der “kleine” HSV und andersherum. Mittlerweile spielte der ehemals “kleine” HSV um Europa, der “Dino” gegen den Abstieg.

Dennoch: Das ist zu wenig. Viel zu wenig. Allen Ausreden zum Trotz.

Werder spielt – das muss in aller Deutlichkeit gesagt werden – wie ein Abstiegskandidat.
Naja, fast.
Freiburg zum Beispiel spielt schöner. Augsburg zumindest nicht schlechter, der EffZeh und Kaiserslautern schon, wie auch immer das geht.
Gegen Ausgburg, Hertha, Mainz, Nürnberg, Kaiserslautern, Köln und Freiburg holte man sagenhafte 4 Punkte. V-I-E-R.
Für ein Team mit Werders Ansprüchen zu wenig. Viel zu wenig.
Selbst in Anbetracht der Verletzenlage.
Mit diesem Kader, mit diesen Spielern, mit diesen Mitteln muss es möglich sein, wenigstens einen einzigen Sieg(!) gegen eines dieser Teams zu holen.
Doch das gelang Werder nicht.
Gegen Kaiserslautern verpasste man einen Sieg gegen ein Team, das vielleicht das einzige Mal in der Rückrunde engagiert und mutig auftrat.
Gegen Freiburg gewann man auswärts nicht, obwohl Werder gegen Freiburg eigentlich immer gewissen muss – dachte man zumindest.
Gegen Hertha wurden man von einem Trainer quasi ausgecoacht, der vor gut 15 Jahren bei Werder tätig war und dessen Ankunft in der Bundesliga mehr belächelt als bewundert wurde.
Gegen Köln scheiterte man unbegreiflicher eigener Passivität.
Gegen Nürnberg und Mainz verlor man nun die zweite Saison in Folge das Heimspiel, nachdem beide Teams zuvor ein sicherer Punktelieferant waren.
Die Partie gegen Mainz war dabei ein taktisches Armutszeugnis, ein Beweis dafür, wie leicht Werder für individuell mittelmäßig besetzte Teams zu schlagen ist, wie naiv man ins offene Messer rennt und an was für Dummheiten man wie selbstverständlich scheitert.

Getoppt wurde das nur vom Spiel gegen Gladbach, in dem man taktisch so unterlegen war wie gefühlt noch nie und das gegen ein Team, das in der letzten Saison gegen den Abstieg spielte – und nun um die Champions League.

Nein, es darf keine Ausreden mehr geben. Man hatte genug Chancen, genug Zeit, genug Mittel. Es sind letztlich nicht die Schiedsrichter, die unsere sportliche Talfahrt verursachten. Auch nicht die Verletzten oder unsere ach-so-geringen Mittel.
Nein, wir sind selbst Schuld.

Danke Thomas, du darfst jetzt gehen

Dass diese Zeilen eines Tages geschrieben werden müssen hätte man sich schon lange denken können. Andere haben es bereits getan, manche werden es sicherlich noch tun, wiederum andere vielleicht nie.

Danke Thomas, du darfst jetzt gehen.

Thomas Schaaf hat, zusammen mit Klaus Allofs, diesen Verein zur zwischenzeitlichen Nummer zwei der Bundesliga gemacht.
Er hat diesen Verein zum Double geführt, ins Finale des damaligen UEFA-Cups und insgesamt sechs Mal in die Champions League. Er hat mehrfach den DFB-Pokal gewonnen, als Trainer zahlreiche Fußballfeste erlebt und verantwortet, er hat sich in Bremen viele Freunde und bis zuletzt nur sehr wenige Feinde gemacht.

Ja, das hat er. Bis vor nicht allzu langer Zeit…

Mittlerweile wird Thomas Schaaf als Sturkopf verschrien. Als Trainer, der sich dem Modernen verschließt, der taktisch hinterherhängt, von Trainerkollegen wie Klopp, Tuchel und Favre abgehängt wurde, der nicht mehr zeitgemäß ist.
Festgemacht wird das am Spielsystem der Raute, was in meinen Augen zu einfach ist.
Natürlich, die Raute ist auf dem Papier nicht modern, sie hat klare Schwächen in Duellen gegen andere, flügellastige Systeme.
Doch sie ist weder ein unausweichliches Zeichen einer Niederlage, noch ist sie Schaafs “Liebling”, den er unbedingt durchsetzen möchte.
Anders als viele andere bin ich der Meinung, dass mit dem momentanen Spielermaterial die Raute das geringste Übel ist, zumal in der Art und Weise, wie Schaaf sie eigentlich spielen lassen möchte: Fluide, schnell, direkt, unberechenbar.

Schaaf ist, war und wird immer ein Befürworter aggressiver, offensiver Spielsysteme sein. Ein Defensivkünstler ist er nicht und war er auch noch nie. Er liebt die Vorstellung des “totalen Fußballs”, was man ihm kaum vorwerfen kann.
Dafür ist die Raute ein System, was in der Theorie besser geeignet ist, als viele andere: Kaum feste Positionen auf dem Spielfeld, ständiges Bilden von Passdreicken, Rochaden, direktes, vertikales (Kurz-)Passspiel.
In der Theorie ist die Raute in der Lage, den Gegner zu überrollen. Ihn völlig aus der Fassung und Ordnung zu bringen, ihn zu zerstören.
In der Praxis funktioniert das leider schon lange nicht mehr, das Gegenteil ist der Fall.
Die Rochaden verwirren eher die Mitspieler, das Passspiel bleibt brotlose Kunst, Raumgewinn erfolgt kaum, das Bilden von Dreiecken wirkt ebenfalls völlig unkreativ, statisch, ungefährlich, insgesamt ist man viel zu unpräzise und harmlos.

Es ist nicht die Raute, für die ich Schaaf kritisiere und nicht die Raute ist der Grund, warum ich möchte, dass er geht.
Nein, es sind die einfachen Dinge, wie der Druck und die Präzision im Passspiel, die mittlerweile jedes Erstligateam können muss.
Eingespieltheit bei Standards, eingeübte Spielzüge, Laufwege, Seitenverlagerungen, Schüsse aus der zweiten Reihe.
Alles Dinge, die jedes gute Team auszeichnen, die man in meinen Augen relativ einfach trainieren kann, die jedoch schlicht und ergreifend bei Werder nicht vorzufinden sind.

Es ist der Plan, der mir fehlt. Ein Konzept. Ich erkenne keinen Weg, nur eine Schlucht.
Ich liebe diesen Verein, ich liebe dieses Team und das wird auf ewig so bleiben. Aufgrund meines Alters habe ich gleichzeitig das Pech, die grandiosen Erfolge unter Rehhagel nicht miterlebt zu haben, sowie das Glück, den Abstieg und das Dasein als graue Maus, als Mittelmaßklub verpasst zu haben. Die Ära des Schreckens um Dörner, Sidka, De Mos und Magath interessierte mich nicht, ist für mich nur eine bekannte vereinshistorische Zeit, keine Erfahrung.
Deshalb fehlt mir vielleicht die Geduld, fehlt mir die Erfahrung.
Mir fehlt aber keinesfalls die Leidenschaft und Hingabe, die andere, ältere Fans für sich beanspruchen.
Mich stört es, ja, mich treibt es in den Wahnsinn, dass dieser, meiner Verein mit sehenden Augen in die Mittelmäßigkeit läuft.
Es ist kein spielerischer Fortschritt zu erkennen, kein Hinterfragen der Probleme, keine Einsicht.
Mir fehlt die Perspektive, die Aussicht auf Besserung, die mich dazu bringen würde, ohne Murren mein Team durch den Abstiegskampf zu peitschen. Das liegt nicht zuletzt auch an der Außendarstellung des Vereins, die immer noch wirkt wie ein bockiges, uneinsichtiges Kind, das nicht akzeptieren will, dass es momentan die Playstation nicht bekommen kann, sondern sich mit dem billigen Spielzeugauto beschäftigen muss.

Was getan werden muss

Das, was in meinen Augen vollzogen werden muss, ist ein klarer Schnitt.
Man muss sich von dem alten Anspruchsdenken verabschieden, ein mittel- bis langfristiges Konzept entwickeln, ein System entwickeln, entsprechende Transferpolitik betreiben und ein neues Team aufbauen.
Man muss das “alte” Werder vergessen, das “Double-Werder”, das bezaubernden Fußball bot.
Man muss eine neue, veränderte Identität entwickeln, die Wurzeln und das eigene Selbst nicht leugnen, sich aber den Neuerungen nicht mehr verschließen.
Die “Werder-Familie” wirkt mittlerweile in der Tat verkrustet.
Lemke wirkt wie ein alter, mürrischer Autokrat, der seinen Thron nicht räumen will, das ehemalige Erfolgsgespann wirkt zumindest auf der einen Seite ratlos.
Ich bin für einen neuen Trainer, nicht irgendeinen x-beliebigen, sondern den richtigen Trainer.
Einen, der zu Werder passt.
Einen, der offensiven Fußball spielen lassen möchte, der die Tradition fortführen möchte, hier langfristig etwas erreichen will, der offen für Neues ist und – so banal es klingt – frischen Wind mitbringt.
Es muss jemand sein, der taktisch bestens geschult ist, der dieses Wissen gut vermitteln kann, der nach Bremen passt, hier ins Umfeld passt, der gut mit jungen Spielern kann – denn darauf muss gebaut werden -, der ein guter Motivator ist.

Namen nenne ich nicht.
Diesen jemand muss die Geschäftsführung und sportliche Leitung finden, denn Thomas ist es meiner Meinung nach nicht.
Dieser jemand muss gefunden werden, sonst war es das auf lange Zeit mit dem erfolgreichen SVW und ich erlebe früher oder später meine eigene “Ära des Schreckens”.

Zum Abschluss sei noch kurz etwas gesagt, was ebenfalls gesagt werden muss:
Thomas Schaaf ist ein fantastischer Mensch, ein Vorbild sondergleichen. Er hat sich jeglichen Respekt verdient und erarbeitet, sticht aus der Welt der Extravaganzen aufgrund seiner Bodenständigkeit und Menschlichkeit hervor, engagiert sich für Hilfsbedürftige und schaut nicht nur auf sich selbst.
Er ist ein fantastischer Mensch und in meinen Augen nach wie vor ein guter Trainer, nur nicht mehr der richtige für Werder und er hat es sich verdient, einen rühmlichen Abgang zu bekommen, ohne Querelen, einen sauberen Schnitt. Er muss gehen, er muss den Zeitpunkt wählen. Ich hoffe, er wählt richtig.
In diesem Sinne:

Danke Thomas, du darfst jetzt gehen.