Danke Thomas – Auf geht’s Robin

Ein Gastbeitrag von unserem Leser Andre (@_spyri_)

Das erste Spiel im Weserstadion seit gefühlten Äonen, das nicht Thomas Schaaf in der Verantwortung sah, hätte den nun endlich umgesetzten Umbruch nicht deutlicher unterstreichen können. Während Schaaf zumeist von vorne nach hinten zu denken schien, ergo zahlreiche Offensivstrategien implementierte und sich zumindest scheinbar zuletzt um Verteidigungsmechanismen sorgte, baut Dutt nun gänzlich andersherum auf. Er scheint sich zuerst der Stabilisierung der seit Jahren für überdurchschnittlich viele Gegentore berüchtigten Abwehr verschrieben zu haben. Das sieht dann zugegeben nicht gut aus, ist aber immerhin für sechs Punkte aus den ersten beiden Saisonspielen gut. Saisonauftakt geglückt – es kann noch gewonnen werden.

Vergleicht man dies mit den ersten beiden Spielen der letzten Saison, so sahen wir da einen fast furiosen Auftakt gegen Dortmund, der Hoffnung aufkeimen ließ, dass die Mannschaft an glorreichere Zeiten und zurückliegendes Offensivspektakel anknüpfen könnte. Punkte brachte das an diesem Tag nicht. Zwar wurde am zweiten Spieltag gegen den HSV gewonnen, jedoch war dieser zum damaligen Zeitpunkt kein ernst zu nehmender Gegner und der weitere Saisonverlauf sollte die Hoffnung auf alten Glanz nur wieder und weiter enttäuschen. Nun ist es sicher nicht unbedingt schicklich, damals und heute auf diese Weise gegeneinander zu halten. Schaaf hatte natürlich den Anspruch, aus etwas gewachsenem neue Feinheiten herauszuarbeiten, während Dutt der Zäsur gemäß bei nahezu Null anfangen muss um seine eigenen Ideen einzuprägen. Jedoch ist es sicherlich nicht allzu weit hergeholt, wenn man rückblickend das Schaaf’sche Fundament als nur bedingt tragfähig, an manchen Spieltagen gar als marode erscheinend bezeichnet. In jedem Fall wurden die in die Mannschaft gesetzten Erwartungen zuletzt enttäuscht.

Dies soll keine Abrechnung sein, jedoch könnte sich der Umbruch in meiner Wahrnehmung als Fan nicht stärker bemerkbar machen. Ich kann sagen, dass ich keine Lust mehr auf Schaafs vermeintliches Rumdoktern an Symptomen hatte. Sich nun seit zweieinhalb Jahren mit der allzu oft erfüllten Erwartung auf Frust vor den Fernseher gesetzt zu haben oder ins Stadion gegangen zu sein ist dann auch mal genug.

Aber ich habe Lust, dieser heutigen Mannschaft zuzugucken. Das mag erst einmal scheiße aussehen, sich gerade so ins Ziel schleppen, oder demnächst dann sicher auch mal gepflegt auf die Fresse packen – das ändert nichts. Ich will nun wieder dabei sein, will nun wieder Zeuge dieser Mannschaft, ihrer Erfolge, auch Rückschläge, vor allem aber ihrer Entwicklung werden. Keiner schleichend verfallenden Entwicklung, personell, substanziell, spieltechnisch. Einer von heute aus betrachtet nach vorne gerichteten Entwicklung. Umbruch in der Fanseele erfolgreich vollzogen.

Danke Thomas – Auf geht’s Robin!

Kurz und knapp: Drei Punkte

PUH!

Gewonnen. Ein Auftaktspiel in der Ferne. Zum ersten Mal seit sieben Jahren. In Braunschweig. Zu Null.
Hochverdient.

Naja, hochverdient vielleicht nicht unbedingt. Aber – und selten war die vielleicht meistgenutzte Phrase der Fußballwelt treffender – was zählt, sind die drei Punkte.
Zur Erinnerung: Vor einer Woche schied das Team in der ersten Pokalrunde gegen Saarbrücken, einen Drittligisten, aus. Im dritten Jahr in Folge.
Ebenfalls zur Erinnerung: Werders letzter Pflichtspielsieg lag fast genau 6 Monate zurück. Damals gewann man 4:1 in Stuttgart und damit zum ersten Mal seit gefühlt drei Jahrzehnten zwei Spiele in Folge. “Ausgerechnet in Stuttgart” hörte ich mich damals sagen. “Jetzt geht noch mehr”, dachte ich.

Es ging sehr viel danach – in negativer Hinsicht. Kurzform: Schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte, Fastabstieg, Ende der Ära Schaaf.

Ein neues Kapitel

Schaaf ging, Dutt kam, die meisten Spieler blieben.
Folgerichtig las man davon, dass das Team Zeit benötigen würde und werde.
Das stimmt.
Der Auftritt gegen Saarbrücken war dennoch inakzeptabel, doch das habe ich an anderer Stelle, ebenfalls hier im Blog, thematisiert. Die Konsequenz war, dass man bereits vor dem ersten Bundesligaspiel unter Dutt zum Abstiegskandidaten geschrieben und seitens der Medien ernannt wurde. Nein, damit meine ich nicht den witzigen alten Mann aus München, dessen Zurechnungsfähigkeit ich weder beurteilen kann noch wirklich will.
Auch die “Sky Experten” beim Topspiel tippten unisono auf Braunschweig.

Es war daher in vielerlei Hinsicht wichtig, jenes Spiel zu gewinnen:
Für die Ruhe im und um den Verein.
Für das Gefühl der Fans.
Für die Psyche des Teams.

Anders als gegen Saarbrücken erweckte das Team von Beginn an den Eindruck, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, auch bei großer Gegenwehr seitens des Gegners.
Man wirkte weiterhin unsicher und teilweise verkrampft und der Auftritt war weit davon entfernt, ansehnlich, überzeugend oder souverän zu sein.
Dennoch: Man tat das, was man zu diesem Zeitpunkt konnte, um die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen. Und es hat funktioniert.
Die Gründe dafür waren einerseits Miele, der das Team per Glanztat vor einem Rückstand bewahrte, Junuzovic, der (nach sehr schöner Vorlage Prödls) das wichtige 1:0 schoss und anschließend am liebsten stundenlang vor der Kurve gejubelt hätte, sowie Caldirola, der Werders Führung rettete und dadurch auch Miele davor bewahrte, wegen eines “Patzers”, den pro Spieltag 3 Keeper überbieten, zerrissen zu werden.
Moment, nein, zerrissen wird Miele von manchen dennoch.
Dennoch: Die drei Punkte wandern nach Bremen.

Dutt reagiert, Werder agiert

Hervorzuheben ist allerdings auch, dass Dutt auf seine Versäumnisse (aus meiner Sicht) aus dem Pokalspiel reagierte.
Auf dem Papier änderte sich wenig: Miele im Tor, Fritz, Prödl, Caldirola und Gebre Selassie in der Abwehr. Davor Makiadi, Junuzovic und als einziger Neuling Kroos, der für Füllkrug in die Startelf rückte. Ekici rückte dafür nach vorne und unterstützte Hunt und Petersen.

Anders als gegen Saarbrücken agierte Petersen jedoch nicht mehr halbrechts und Hunt zentral, sondern Hunt halbrechts und Petersen zentral. Bei Ballbesitz Braunschweigs attackierte Petersen die Defensive, Hunt und Ekici spielten leicht versetzt hinter ihm und stellten die Passwege zu. Junuzovic agierte zentral hinter den beiden und ging viele Wege, sowohl offensiv als auch defensiv. Kroos und Makiadi agierten defensiver und ließen sich abwechselnd zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen, um den Spielaufbau voranzutreiben. Die Außenverteidiger schoben dabei nach vorne. Allerdings nicht, wie im Pokal, ~15m über die Mittellinie, sondern diesmal im gesunden Maße.
Dadurch waren sie anspielbar, schufen – wie es in der Theorie sein soll – eine Überzahlsituation im Mittelfeld und erleichterten es den übrigen Akteuren, einen Anschein von Kontrolle und Dominanz zu erwecken und mehr und mehr zu eigener Sicherheit zu finden. Das war wichtig, denn Werder wurde, wie zu erwarten war, die Rolle zuteil, das Spiel zu machen.

Problematisch war anfangs, dass Junuzovic nicht ins Spiel eingebunden war, Ekici wie zu schlimmsten Zeiten die Bälle nicht oder erst zu spät abspielen wollte, Hunt nichts gelang und Kroos die Abstimmung mit seinen Nebenleuten fehlte. Dadurch gingen viele Bälle unnötig verloren, ohne jedoch großen Schaden anzurichten.
Dies lag vor allem an mannschaftlicher Geschlossenheit und dem Willen, Fehler sofort auszubügeln. Bis auf wenige Ausnahmen gelang das auch. Hervorzuheben ist ebenfalls die überwiegend solide Leistung der beiden Innenverteidiger.
Was fehlte war vor allem eines: Tempo. Angesichts der Startelf, die mit vielen Akteuren gespickt war, die eher als langsam gelten, war das jedoch wenig verwunderlich und dürfte von Dutt auch so in Kauf genommen worden sein.

Das Spiel plätscherte folglich die ersten 45 Minuten ohne größere Höhepunkte vor sich hin, einzig ein Kopfball Petersens nach einem Bremer Eckball wurde gefährlich.
In Halbzeit zwei zog Werder dann zu Beginn etwas die Zügel an und kam zu 2-3 kleineren Chancen, ehe Braunschweig die Scheu vor der ersten Liga ablegte und Werder gute 15 Minuten ins Schwimmen brachte, die Chance auf einen Sieg witterte und weiter aufrückte.
Dies ermöglichte Werder größere Räume und infolgedessen Kontersituationen. Dutt brachte zwischenzeitlich mit Elia einen schnelleren Spieler für Ekici, doch es war Junuzovic, der nach einem Befreiungsschlag Prödls überaus abgezockt das Siegtor erzielte.
Anschließend lief Braunschweig weiter an, Werder zitterte und konnte schließlich. etwas glücklich, jubeln.

Weiter gehts

Es bleibt nicht mehr viel zu sagen. Werder hat gewonnen, allerdings auch gegen einen Gegner, der ruhigen Gewissens als Abstiegskandidat Nummer 1 bezeichnet werden darf. Den Braunschweigern fehlt es an Erfahrung, individueller Klasse und finanziellen Mitteln. Taktisch ist man allerdings, Lieberknecht sei Dank, auf einem guten Niveau und mit einem fitten Kumbela – oder etwas mehr Glück – wäre gegen zwar verbesserte aber erneut schwache Bremer durchaus mehr drin gewesen.
Das wiederum sollte für uns Anlass genug sein, uns zwar zu freuen, allerdings auch direkt den Blick nach vorne zu richten.
Augsburg hat sich nach dem Aufstieg zwei Jahre in Folge in der ersten Liga halten können und damit so ziemlich alle überrascht.
Das Team ist in in Bezug auf mannschaftliche Geschlossenheit, Kampfeswillen und Ehrgeiz ein Musterbeispiel für manche Diventruppe. Spielerisch sind sie nach den Abgängen von Ji und Koo zwar limitiert, dafür allerdings überaus erfahren im Abstiegskampf – etwas, das sie Braunschweig beispielsweise voraushaben.

Insofern sollte klar sein, dass Augsburg eine deutlich härtere Nuss wird als die Braunschweiger Löwen. Werders Erstligabilanz gegen sie spricht zudem Bände: Seit dem Aufstieg der Augsburger ist Werder noch ohne Ligasieg gegen sie.
Ein Heimsieg wäre ein erneutes wichtiges Zeichen und drei Punkte allein deshalb wichtig, weil im Folgespiel gegen Dortmund, so realistisch muss man sein, keine Punkte einzuplanen sind.

Verbessert werden muss auf Seiten der Bremer vor allem das Umschaltspiel nach Ballgewinnen. Man muss schneller und vor allem präziser spielen. Das geht allerdings nur, wenn sich mehr Spieler an der Vorwärtsbewegung beteiligen. Etwas, das gegen Braunschweig höchstens als “mangelhaft” zu bewerten war.
Ansonsten gilt weiterhin: Kompakt stehen, durch einfache Aktionen, Kampf und Leidenschaft ins Spiel kommen und sich dadurch Sicherheit und Erfolgserlebnisse holen. Augsburg hat eben jenes Denken perfektioniert – und ist uns daher zumindest in diesem Punkt voraus.
Der Rest wird sich kommendes Wochenende zeigen.

 

Werder unter Dutt – alles anders und doch altbekannt

Es geht wieder los

Sonntag, 14:30 Uhr. Die Sonne scheint, der Fernseher tönt und das Bier ist kalt.
Die Spieler laufen aufs Feld, nehmen ihre Startpositionen ein und atmen ein letztes Mal tief ein und aus, bevor es dann losgeht.
Mit dem schrillen Ton der Pfeife beginnt das Geschehen auf dem Rasen, die Spieler setzen sich in Bewegung, der Ball rollt und mein Herz fängt an zu pochen.
Aufregung, beinahe Ekstase macht sich breit und das altbekannte Gefühl ist zurück – Fußball ist zurück.

Nach wenigen Minuten weicht die blind-naive Freude angesichts des Wiederkehrens der liebsten Nebenschäftigung der einzig wahren Leidenschaft zeitweiser Ernüchterung:

Das sieht nicht so aus, wie es aussehen sollte. Mehr noch: Das sieht nicht gut aus.

Ich verhalte mich wieder wie so oft und bleibe ruhig, schließlich ist ja noch Zeit.
Quatsch, ich fange natürlich an zu meckern, wie ich es fast immer mache, wenn mein Team vor Problemen steht.

Die Außenverteidiger stehen viel zu weit vorne. Ruf die doch zurück, Robin! Ruf sie zurück!

 

Cut! Erstrundenaus Nummer 3

Machte er nicht. Nicht nach 15 Minuten, nicht nach 30, auch nicht nach 0:1 Rückstand und Halbzeitpfiff – was mehr oder weniger das gleiche Ereignis beschreibt. In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung ebenfalls nicht.
Stattdessen wechselte er zur Halbzeit Arnautovic ein, der das immerhin 15 Minuten lang rechtfertigen konnte, Yildirim, weil Ekici sich verletzte und beim Rückstand in der Verlängerung Hartherz, bei dem ich nicht mal jetzt weiß, wie er es hätte rechtfertigen sollen.

Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen blieben das gesamte Spiel über zu groß, die Außenverteidiger isolierten sich durch ihre zu hohe Stellung selbst, das Mittelfeld verstand es vorzüglich, sich den Großteil des Spiels über zu verstecken (ah, Juno, da bist du ja!) und die Offensivreihe rieb sich zwar läuferisch auf, das interessierte Saarbrücken allerdings herzlich wenig, schließlich kam der Ball ohnehin überaus selten zu jenen Spielern.

Stattdessen verlor Werder viele Bälle im Vorwärtsgang und brachte sich dadurch überaus häufig in prekäre Situationen. Erstaunlicherweise führte nur eine dieser Situationen direkt zu einem Saarbrücker Torerfolg.

Werder wiederum spielte sich seltenst Torchancen heraus und wenn, dann vergab sie der österreichische Ibrahimovic in gewohnter Manier.

Es gab bei diesem Spiel niemanden, den man hervorheben konnte. Wobei, doch. Mielitz. Der rettete uns nach schwacher erster Halbzeit immerhin mit einigen sehr starken Paraden in der zweiten Halbzeit noch in die Verlängerung – in der er dann wiederum bei beiden Gegentoren machtlos war.
Danke dafür, Basti. Wenn du die Saison über diese Leistung abrufst, haben wir zumindest im Tor kein Problem – und du wirst vielleicht endlich nicht mehr mit Borel verglichen.

Guter Ansatz, schwache Umsetzung

Was bleibt ansonsten zum Spiel zu sagen? Ich für meinen Teil habe größtenteils damit abgeschlossen, deshalb möchte ich mich hier so kurz wie möglich halten.

Werder begann und blieb im 4-3-3, wie es zuletzt unter Dutt praktiziert wurde.
Mielitz stand im Tor, was so auch zu erwarten war. Soweit so gut.
Die Viererkette bildeten, von rechts nach links, Fritz, Prödl, Caldirola und Gebre Selassie.
Im Mittelfeld agierte Makiadi als tiefster der drei Mittelfeldspieler, unterstützt wurde er von Ekici und Junuzovic.
In der Offensivreihe startete Hunt zentral, Füllkrug ersetzte den ausgefallenen Elia links und Petersen spielte rechts.

Bei eigenem Ballbesitz ließ sich Makiadi zwischen die weit auseinander rückenden Prödl und Caldirola fallen und war der Hauptverantwortliche für den Spielaufbau. Fritz und Gebre Selassie schoben bis weit über die Mittellinie vor, Ekici und Junuzovic suchten den Weg nach vorne.
Ab und zu ließ sich einer von beiden fallen, um Makiadi zu unterstützen. Auch Hunt wählte phasenweise den Weg nach hinten und versuchte, durch Diagonalbälle die Saarbrücker Ordnung durcheinander zu bringen.
Ansonsten rotierte er, wie die gesamte Offensivreihe, viel.

Der Ansatz ist durchaus interessant, aufgrund mangelhafter Umsetzung kam dabei jedoch so wie nichts Ertragreiches herum.
Wirklich gut sah Werders Spiel folglich selten aus. Auf den Spielfluss, den die Werderaner gegen Fulham an den Tag legten, wartete man das ganze Spiel über vergeblich.
An der Tagesordnung standen stattdessen einfache Ballverluste, individuelle Unzulänglichkeiten und das taktische Verhalten von E-Jugendlichen sowie eine, selbstverständlich, schwache Chancenauswertung.

Einige, etwas ausführlichere, Kritikpunkte:

1) Zu wenig Bewegung ohne Ball.
Der Raum muss durch Pässe überbrückt werden, nicht Läufe. Das geschah, wie so oft in der Vergangenheit, viel zu selten. Woran lag das? Unter anderem an Punkt 2:

2) Mangelhafte Abstimmung der Mannschaftsteile untereinander.
Abwehr, Mittelfeld, Sturm. 3 Einheiten, die bei uns völlig getrennt voneinander agierten. Wobei, nicht ganz. Es waren eher 2 Einheiten: Spieler hinter dem Mittelkreis, Spieler am gegnerischen Strafraum. Zumindest gefühlt. So geht das nicht. Denn das führt zu Punkt 3…

3) Zu wenige Anspielstationen.
Wenn zwischen den einzelnen Spielern 30-50M liegen, dann sind diese durch Flachpässe kaum zu überbrücken, weil 3-4 Gegenspieler die Räume ausreichend besetzen können, um jene Pässe abzufangen. Was bleibt? Lange Bälle. Die wiederum sind schwerer zu kontrollieren, was wiederum zu Punkt 4 führt:

4) Zu wenig Spielkontrolle.
Wenn ein Bundesligist gegen einen Drittligisten spielt, der zuvor seine beiden Auftaktspiele verloren hat, dann erwartet man eine klare Rollenteilung: Der Bundesligist kontrolliert das Spiel, der Drittligist stellt sich hinten herein und hofft auf Konter. Werder war der Bundesligist, Werder hatte auch mehr Spielanteile, Werder hatte jedoch keinerlei Kontrolle. Man hatte Saarbrücken zu keiner Zeit im Griff, weil man keine Ideen hatte. Das lag zu großen Teilen an den Punkten 1-3.

5) Zu wenig Leidenschaft.
Dieser Punkt klingt unfassbar billig und wie eine von etlichen abgedroschenen Stammtischparolen. Nur: Diesmal war sie in meinen Augen zutreffend. Ich bin kein Freund davon, Niederlagen auf mangelnden Einsatz oder Kampfbereitschaft zu schieben, da das in meinen Augen immer ein sehr subjektives Empfinden ist. Nur: Wenn man 2 Jahre in Folge in der ersten Pokalrunde gegen einen Drittligisten ausschied, dann erwarte ich im dritten Anlauf von der ersten Minute an ein Team mit einem Messer zwischen den Zähnen. Das gab es auch – nur leider war es Saarbrücken. Die schossen dabei zwar teils deutlich übers Ziel hinaus, doch der Schiedsrichter ließ es ihnen durchgehen. Spätestens nach 45 Minuten war dessen Linie klar, Werder verfiel jedoch lieber in Selbstmitleid und wartete vergeblich auf einen Paradigmenwechsel des Schiedsrichters.

Nach 120 Minuten, in denen man insgesamt einem Drittligisten gegenüber klar unterlegen war, bleibt Ratlosigkeit. Dass man verloren hat ist ärgerlich und unnötig, vor allem bei der Vorgeschichte. Es kann jedoch passieren.
Was mich schlicht und ergreifend wahnsinnig wütend macht, ist die Art und Weise, wie dieses Spiel verloren wurde. Doch dazu später mehr – jetzt gilt es, voraus zu blicken. Nächstes Wochenende steht das Alltagsgeschäft an, die Bundesliga geht wieder los. Werder beginnt die Saison, wie so oft, mit einem Auswärtsspiel.

Ein Duell unter Traditionsklubs

Werder gastiert in Braunschweig, die nach jahrelanger Abstinenz ihr Comeback im Oberhaus feiern. Ermöglicht haben das Marc Arnold und Thorsten Lieberknecht, die aus einem heruntergewirtschafteten Traditionsverein ein Team geformt haben, das innerhalb kürzester Zeit ohne großen finanziellen Spielraum von der dritten Liga zurückkehrte in die erste. Dabei trat man stets strukturiert und geordnet auf, war immer mit 100% Einsatz dabei und glänzte durch eine kompakte Defensive und direktes sowie schnörkelloses Offensivspiel, vornehmlich nach Ballverlusten des Gegners.

Braunschweig stellt damit eine Art von Team dar, die Werder seit langer Zeit nicht mehr besonders liegt: Aggressiv, gut strukturiert, schnell im Umschalten.

Individuell sind sie dem glorreichen SVW zwar unterlegen, im Endeffekt heißt das jedoch nichts. Werder muss sich in nahezu allen taktischen sowie spielerischen Belangen im Vergleich zum Pokalspiel verbessern, um gegen Braunschweig zu gewinnen.

Die werden in ihrem ersten Heimspiel nach dem Aufstieg sicherlich brennen, wie es immer so schön heißt. Außerdem haben sie sich im Pokal deutlich besser geschlagen als Werder und gegen einen Zweitligisten, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, nur knapp mit einem Tor Unterschied verloren. Hut ab dafür, liebe Löwen. Beachtliche Leistung.

Werder muss daher deutlich präziser, ausgewogener, sicherer und kontrollierter spielen. Dutts Ansatz ist zwar interessant und verspricht bei guter Umsetzung dominanten und ansehnlichen Fußball, bislang wirkt es jedoch so, als sei das Team mit seinen Ansagen überfordert. Die Außenverteidiger stehen hoch, weil sie so stehen sollen, lassen dabei jedoch jegliches Gefühl dafür vermissen, wann es angebracht wäre, tiefer zu stehen. Junuzovic und Ekici sind keine Spieler, die einem Spiel Struktur geben können und vor allem Letzterer ist kein Spieler, der für schnelles Umschalten steht.
Makiadi wiederum hatte seine besten Jahre neben einem 6er, der für defensive Struktur stand. Er selber glänzte als ergänzender Part, der durch simples aber effektives und ehrgeiziges Spiel bestach. Nun muss er den Organisator spielen, obwohl das weder für ihn noch für das Team die beste Lösung zu sein scheint, bleibt die Problemposition des Kaders schlechthin damit weiterhin unbehandelt.

Hunt, der in der letzten Saison eine Hinrunde spielte, die ihn wieder in die Notizbücher Löws brachte, wenn auch nur für unbedeutende Freundschaftsspiele, wurde von seiner Paradeposition als Strukturgeber in einem Dreiermittelfeld in die Offensive gezogen, wo er der kreative Mann und das Herzstück der Offensive sein soll. Das entspricht jedoch weder seinen Stärken, noch kommt es den Spielern entgegen, die diese Position auf ihre Art und Weise interpretieren würden und nun eine Rolle spielen müssen, die ihnen nicht unbedingt liegt.
Aaron kann als “false nine” funktionieren, zumindest eher als jeder andere Spieler des Kaders. Bislang wirkt es jedoch so, als würde er dort nur spielen, damit Ekici im dritten Jahr bei Werder auch der letzten seiner zahlreichen Ausreden entledigt werden kann.

Ein Schritt zurück – und dann stehen lernen

An Dutts Stelle würde ich genau das machen, was ich auch Schaaf die letzten Jahre über empfahl: Simpel anfangen. Basics pauken. Nicht zu kompliziert und anspruchsvoll werden. Erst lernen, sicher zu stehen, bevor man beim Sprinten auf der Nase landet.

Ein “simples” 4-3-3 einstudieren, bei dem die Außenverteidiger zwar nach vorne schieben, allerdings keine 15-20 Meter über die Mittellinie. Hunt als Strukturgeber im Mittelfeld, Makiadi als box-to-box Akteur neben ihm, auf der 6 ein Spieler wie Kroos oder Trybull, die für simples, klares und intelligentes Spiel stehen. Sie werden Fehler machen, weil es ihnen an Erfahrung, Reife und Spielpraxis fehlt. Sie sind jedoch die einzigen Spieler im Kader, denen ich es wirklich zutraue, in diese Rolle hineinzuwachsen. Die Chance, Schuster zu verpflichten, sofern sie überhaupt bestand, hat man vorerst versäumt.

In der Offensivreihe ist die Besetzung komplizierter. Füllkrug ist ein Mittelstürmer, kein Außenstürmer. Er ist für einen Mittelstürmer schnell, technisch gut und spielerisch mindestens solide. Für einen Außenstürmer mangelt es ihm an Fähigkeiten im 1 gegen 1 sowie dem Gespür fürs Verhalten an der Außenlinie. Im Strafraum ist er dafür stark, verfügt über einen beidseitig guten Abschluss, ist körperlich robust und durchsetzungsfähig und hat ein gutes Gespür für die richtigen und gefährlichen Laufwege. Geblockt wird er von Petersen, der langsamer und technisch schwächer, dafür aber kaltschnäuziger und in seiner Spielweise ausgewogener und reifer ist. Er arbeitet – noch – mehr fürs Team und hat bereits gezeigt, dass er als Stürmer in der Bundesliga mithalten kann.

Auf den Außenpositionen hat man, Stand jetzt, Elia, Arnautovic und Yildirim. Keiner der drei konnte bislang nachhaltig überzeugen, Arnautovic wird zudem bald nicht mehr im Kader sein. Hier wäre ein Neuzugang angebracht, das Suchprofil dafür sollte in Signalfarbe “technisch stark, spielintelligent, Zug zum Tor” beinhalten.

Das Team sollte nach dem Pokalaus nicht verteufelt werden und Dutt ebenso wenig. Man muss sich in Geduld üben, das war von vornherein klar. Dutt wird lernen müssen, dass seine Ideen Zeit brauchen und er sie Stück für Stück verwirklichen muss – denn wenn er zu schnell zu viel will, wird er sehr schnell nur noch wenig haben.

Wie es sich für einen anständigen Fan eines Bundesligavereins gehört, werde ich daher still und leise in meinem Kämmerchen sitzen, “meinem” Verein so viel wie möglich meines Ersparten spendieren und nach Niederlagen geduldig sein, schließlich braucht das Team Zeit. Die Geschehnisse selber spielen dabei kaum eine Rolle, schließlich ist hier vieles neu und das braucht einfach ein bisschen.

Moment.. ganz so einfach ist das dann doch nicht.

Geduld mit Ansprüchen

Zum Abschluss mache es mir einfach und präsentiere euch eine Reihe von Tweets, die ich gestern Abend nach dem Spiel an den offiziellen Twitteraccount meiner Herzdame (also der fußballerischen) schrieb. Es geht um zwei Jugendliche, einen Jungen und ein Mädchen, die sich einer jahrzehntelangen Familienfehde zum Trotz unsterblich ineinander verlieben und… Hoppla, falsches Drehbuch. Here it comes:

Bei allem Respekt und aller Fairness, @werderbremen. Seit 2 Jahren verteidige ich das (wechselnde) Team gegenüber den Vorwürfen mangelnder Einsatzbereitschaft und mangelnder kämpferischer Attitüde. Regelmäßig hör’ ich mich “sie haben gekämpft” sagen, regelmäßig renn’ ich wieder ins Stadion oder vor den Fernseher, fieber’ mit, leide mit, lebe mit und steh’ hinter dem Team – aber das heute, zum nun mehr dritten Mal in Folge, war indiskutabel. Irgendwann überwiegen Wut und Ärger. Irgendwann, @werderbremen, hab’ auch ich und stellvertretend etliche andere tausende Fans, die Faxen dicke. Das heute war leidenschaftslos.
Heute fehlte die Bereitschaft, über die Schmerzgrenze zu gehen. Heute fehlte die kämpferische Attitüde.
Das heute war unstrukturierter, leidenschaftsloser Fußball eines Teams, das es besser wissen und mehr “wollen” sollte.
Wenn man als Erstligist, der zuvor 2 Mal in Folge gegen einen Drittligisten ausschied, hier heute aufs Feld geht, dann, @werderbremen muss man so agieren wie Saarbrücken von Beginn an: Mit dem Messer zwischen den Zähnen. So wie 08/09 in Pokal und UEFA-Cup.
Die Zeit der Ausreden ist endgültig vorbei. Eine “Entschuldigung” verliert nach 3 Jahren an Bedeutung.
Keiner sagt oder denkt, dass es für das Team jetzt leicht ist. Aber als Fan will man jetzt endlich eine Reaktion sehen.
Man will eine Struktur sehen, eine Einheit, man will Leidenschaft und unbedingten Willen sehen – heute sah man nichts.
Der Auftritt heute hatte nichts von dem Verein an sich, von dem ich Fan wurde-
Das war ein 0815-Klub, nicht “Werder”.
Dass Veränderungen Zeit benötigen ist klar.
Die Geduld haben wir – unter der Voraussetzung, dass wir die Bereitschaft sehen. Man kann nicht immer nur die Geduld der Fans fordern und dann selber so agieren wie heute. Das funktioniert nicht.
Luginger sprach davon, dass man sich im Pokal gegen Werder Selbstvertrauen für die Liga holen könnte – als Drittligist! Die Reaktion darauf wäre gewesen, den Klassenunterschied zu verdeutlichen.
Heute schienen die Rollen vertauscht. Schon wieder.
Dem Team bleibt jetzt zum wiederholten Male nur die Liga. Da gilt es jetzt, zu zeigen, dass man noch da ist.
Wieder da ist.
Da werden die Fans wieder ihren Teil liefern, wieder hinter dem Team stehen.
Fraglich ist, ob das Team für Werder einsteht.
Denn Werder ist mehr als die Spieler, die auf dem Platz stehen. Werder ist mehr als der Verein und die GmbH. Werder ist Bremen – und noch so viel mehr.
Das haben die Fans zum Großteil begriffen.
Das zeigen sie Woche für Woche aufs Neue.
Jetzt muss das Team endlich zeigen, dass sie es begriffen haben – und dass sie mehr sind als nur Angestellte.

Ich für meinen Teil bin fertig für heute.
Gegen Braunschweig bin ich wieder da – ihr diesmal hoffentlich auch.

 

Ein grünweißer Liebesbrief

Liebstes Grünweiß,

Ich fürchte, es geht mir nicht gut. Es war nach dem Spiel, da ist es mir aufgefallen. Ich habe schon währenddessen aufgehört zu reden. Aufgehört zu fühlen, fast. Frustration. Ich kann nicht mehr. Ich bin müde. Es ist wieder so. Es ist auf und ab und mehr ab als auf. Und eigentlich weiß ich, es ist zu früh, Schlüsse zu ziehen. Aber es sind doch schon zwei Jahre. Oder doch nur 7 Tage? Ich weiß es nicht. Ich weiß, es braucht Zeit. Ich weiß, ihr seid jung. Und so noch nie zusammen. Doch es ist schwer, zu glauben. Es fiel mir nie schwer, zu glauben. Nicht an uns.

Es sind Grundsätzlichkeiten, die fehlen. Bei mir und dir. Ich, liebstes Grümweiß, ich bin nicht hemmungslos euphorisch. Und manchmal habe ich mich dabei ertappt, etwas desinteressierter zu sein. Etwas weniger begeistert. Mit etwas mehr Angst als Mut ans nächste Spiel zu denken. Nicht mehr jeden Artikel und jede Verletzung mitzubekommen. Manchmal den Schal erst noch in letzter Minute zum Spielbeginn zu holen. Und manchmal habe ich das Vertrauen verloren, selbst nach Toren, selbst nach dem Inführunggehen. Auch nach all den Pässen, die fast wie Liebesbeweise waren. Habe ich manchmal nur mit halbem Herzen gejubelt.

Aber du bist auch etwas kälter geworden, oder nicht? Und nach dem zweiten Gegentor hast du mich sogar ganz allein gelassen. Allein mit der Wut und mit der Fassungslosigkeit und dem Unverständnis. Und bist stattdessen innerlich schon längst woanders gewesen. Hast meinen Schreien und dann meinem Schweigen nichtmal zugehört. Ich will nicht nachtragend sein. Und ich will dich nicht vergleichen, mit früher, mit dir selbst, weil alles sich entwickelt. Und weil ich jede Entwicklung, jede Änderung und jeden neuen Zug an dir genießen will. Doch etwas fehlt. Und ich weiß nicht, was. Etwas Nähe, etwas Hoffnung. Ein Blick von dir, ein Schritt mehr nach vorne als zurück. Ich will dir Zeit geben, so schwer es mir fällt. Denn innerlich hoffe ich ja doch immer, das beim nächsten Mal alles wieder gut ist. Oder besser.

Aber warum sagst du mir nicht, was du willst? Und komm’ mir nicht mit Champions League! Und rede nicht von vorne. Sag mir, was hinten fehlt. Fang von unten an. Stopf die ewig gleichen Löcher. Wenn alle wieder nur nach oben denken und nach vorne flüchten und Löcher reißen. Ins Spielfeld, da!, ich kann es sogar sehen. Direkt vor der Abwehr! Und ich bin mir sicher, das ist nichts neues, im Gegenteil. Das ist dort schon, seit ich dich kenne. Sag mir nicht, du möchtest attraktiver werden und Dinge zeigen und Sachen anbieten. Sag mir ehrlich, was möglich ist. Ich würde da sein. Ich würde geduldig sein. Und warten. Und sei’s ein Leben lang.

Und ich würde dir Ruhe geben und bei dir bleiben, auch wenn es dir nicht gut geht. Ich kann damit leben, wenn du eine Zeit lang nicht mehr so aufgedreht und mitreißend bist, nicht mit Gold und Silber glänzen kannst. Wenn du etwas ruhiger bist, etwas defensiver, dich manchmal zurückdrängen, aber nie hängen lässt. Versprich mir, dass du dich nie wieder so aufgibst.

Ich kann dir helfen, gesund zu werden. Fang langsam an, aber bleibe dabei. Überstürze nicht wieder. Wirf nicht alles wieder hin, nur weil nichts sofort klappt. Und stoß nicht alles um, sobald es funktioniert. Ich wünsche mir Ausdauer. Und gar nicht so viel mehr. Ich will nicht wieder sehen müssen, wie du dir mit deinem Übermut nach ein paar tollen Spielen alles selbst einreißt.

Bitte glaub an dich, ich weiß, ich habe es manchmal nicht getan. Ich weiß, manchmal war es auch mein Übermut und nicht deiner. Und manchmal habe ich dich nicht wissen lassen, wie sehr ich dich liebe. Und lieben, das meint fürimmer. Das meint, ich halte auch zu dir, wenn du dich selber nicht magst. Dich nicht wiederfinden kannst. Ich werde dir immer helfen.

Denn ich weiß auch, dass ein Weg nicht einfach geradeaus geht. Geht er nie. Besonders nicht hangaufwärts. Aber ein paar Schritte in die richtige Richtung heißt auch nicht, dass du schon wieder rennen kannst. Und nicht, dass ich das will. Und wenn in der Abwehr die ersten Abläufe klappen. Wenn in der Mannschaft langsam die ersten Pässe blind ankommen. Wenn manchmal tatsächlich auch alle den Blick zum Neben-, zum Hintermann haben. Dann hör nicht auf, bleib nichtmal stehen, denn dann geht es erst los. Denn ich habe oft gesehen, wie du dann vor Freude vergessen hast, weiter zu machen. Und wie du dann nur noch blind und munter ins Verderben gespielt hast.

Weißt du, ich verstehe dich ja. Ich verstehe die Freude und auch das Zu-weit-denken. Ich bin ja selbst oft so. So stur und ungeduldig. Aber ich will nicht deine Schönheit, ich will Liebe. Ich will nicht, dass du mit aller Macht versuchst, mich glauben zu lassen, es wäre alles gut (oder doch zumindest kurz davor!). Ich will, dass du von Innen heraus wieder gesund wirst. Was muss denn noch passieren, damit du aufhörst, dich kaputt zu machen? Und statt an den wirklichen Problemen zu arbeiten, nur immer danach schreist, etwas zum Drüberkleben zu finden?

Ich will gar nicht neue Spieler, ich will auch nicht, dass du so tust, als wäre dieser oder jener Schuld und eigentlich funktionerte doch alles. Sieh’ doch hin. Zum Beispiel auf der Sechs. Da waren so viele verschiedene Spieler und alle machen die gleichen Fehler. Und am Ende ist da wieder diese endlose Weite, die selbst Prödl mit ausgestreckten Armen noch immer nicht fassen kann. Hast du seinen Blick gesehen? Die Ratlosigkeit? So geht es mir auch, wenn ich das sehe. Aber siehst du das? Und warum passiert das? Wieder und wieder? Egal mit wem?

Das ist es, was mich stört. Du kannst dich selbst nicht sehen. Lass mich dein Spiegel sein. Du kannst so oft sagen, wie du willst, dass es dir gut geht, die Stimmung toll ist, das Team harmonisch ist, die Spieler mutig sind, die Abläufe verbessert werden und und und. Aber du kannst nicht erwarten, dass ich wegsehe.

Komm’ mit mir. Ich nehme dich mit. Ich nehm’ dich an die Hand. Und geh mit dir den ersten Schritt, ich weiß, der ist am schwersten. Denn der erste ist immer ein Schritt zurück. Habe den Mut, den ich dir gebe. Habe den Mut, dir einzugestehen, dass es so nicht gut ist und auch nicht weitergehen kann. Dafür halte ich dich, den ganzen Weg.

Ich werde bleiben. Und ich will, dass du auch bei mir bleibst.
Bitte rede mit mir. Bitte lass mich nicht wieder so allein.
Ich werde für dich da sein, aber du musst mich auch lassen.
Und du musst an dich glauben. Bitte, bitte, gib nie wieder auf.

In Liebe,

Anna

 

 

 

 

 

Ein Spiel als Sinnbild des Wandels – der ehemalige Aufbaugegner als Werders erster Gradmesser

Früher, als die Werder-Welt noch schön war, man regelmäßig mindestens EL spielte, im Normalfall sogar CL, da waren Siege gegen den “kleinen HSV” aus der Stadt, die eigentlich lieber Bremen wäre fest einzuprogrammieren.
Das galt für Heim- wie Auswärtsspiele gleichermaßen, insbesondere die Auswärtsspiele waren dabei jedoch hervorzuheben – und sind es mittlerweile wieder.

Ein neuer Konkurrenzkampf im Norden – Hannover auf der Überholspur

Dass sich die Kräfteverhältnisse im Norden von der ehemals klaren Staffelung glorreicher SVW – verbitterter titelloser HSV – manchen sympathischer Kiezklub – kleiner Rest deutlich verschoben haben muss man nicht mehr großartig erwähnen, deshalb geh ich auf den Fall der beiden einst großen und im Norden unantastbaren Bundesliga-Gründungsmitglieder nicht ein.
Viel interessanter ist die Entwicklung des früher kaum beachteten und mittlerweile von vielen als Nummer 1 im Norden angesehenen Sportvereins aus Hannover.
Binnen weniger Jahre (2-3, um genauer zu sein) haben Schmadtke und Slomka unter Schirmherr Kind aus dem ehemaligen Abstiegskandidaten und graue Maus-Club Hannover den vielleicht am effizientesten arbeitenden Verein der Bundesliga gemacht – sowohl auf, als auch abseits des Rasens.
Man spielt sehr intelligent und stellt mittlerweile – vor allem im eigenen Stadion – für jeden Klub der Liga eine Herausforderung dar.

Beschränkte man sich anfangs noch größtenteils aufs reine Kontern aus einer sehr gut gestaffelten Defensive und überraschte damit so manchen, so passte man mit der veränderten Wahrnehmung in der der Öffentlichkeit mehr und mehr an.

Mittlerweile sind immer noch das blitzschnelle Umschaltspiel und die gesicherte Defensive die Schlüssel des Hannoveraner Spiels, doch ist man, gereift durch die zwei Jahre Erfahrung in der Europa League, um einiges facettenreicher geworden.

Während Schmadtke den Kader um einige spielstärkere Akteure ergänzte (hervorzuheben sei hier insbesondere Huszti), feilte Slomka an verbessertem Aufbauspiel und Kombinationen auf kleinerem Raum.
Die spielstärksten Akteure der 96er sind dabei [Da Silva] Pinto, Huszti und Schlaudraff.
Zusammen sind sie in Topform in der Lage, aus der rein konterstarken Mannschaft ein Team mit immer weniger echten, ausgeprägten Schwächen zu machen.

Kurzum: Hannover ist – leider, aus Bremer Sicht – ein unfassbar schwer zu bespielender und sehr starker Gegner geworden.
Sie sind, so die Momentaufnahme, näher an den Spitzenteams dran als der SVW, weil sie reifer und abgeklärter spielen, insgesamt ausgereifter und in ihrer Entwicklung weiter sind.

 Der Wandel des SVW – Der Neuanfang eines einstigen Spitzenteams

Der Saisonstart der Bremer war – rein punktetechnisch – durchschnittlich und noch nicht übermäßig erkenntnisreich.
Eine zu erwartende Auftaktniederlage  gegen den BVB, wo man für viele überraschend mitspielte und ein zu erwartender Derbysieg gegen den mal wieder (oder immer noch) kriselnden HSV, wo man sich schwerer tat als gehofft.

Werders Stärken liegen momentan in einem bereits ordentlich einstudierten Flügelspiel und im Vergleich zu Vorjahren deutlich verbessertem Umschaltspiel, ermöglicht hauptsächlich durch Veränderungen im Mittelfeld und die Umstellung des Spiels auf ein System mit offensiven Außen.

Man hat dabei mit Hunt, Junuzovic und Fritz/Bargfrede ein sehr ausgeglichenes Mittelfeld-Trio, das sowohl laufstark als auch annehmbar zweikampfstark, schnell und spielstark ist.
Hervorzuheben ist hierbei das starke Duo aus Junuzovic und Hunt, die sich exzellent ergänzen und – der eine wie der andere – für viele, insbesondere außerhalb Bremens, eine positive Überraschung darstellen.
Während Junuzovic durch ein enormes Laufpensum und dabei immer effizienteres Spiel auffällt, was in der Rückrunde noch sein Problem war, überrascht Hunt durch ein in fast allen Bereichen unglaublich souveränes Auftreten.
Er zeigt sich selbstbewusster, übernimmt Verantwortung und übertragt das auch auf den Platz.
Er fordert den Ball, hält ihn, verteilt ihn – alles durchdacht, alles mit Hunt und Fuß.
Er ist, das muss man so hervorheben, der Strukturgeber in Werders Spiel und wurde bereits am ersten Spieltag von Klopp hervorgehoben als der Mann in Werders Spiel, den man nicht in den Griff bekam.

Auf den Außen wird das Team, auch in seiner Spielweise, durch die pfeilschnellen Elia, Arnautovic und den immer wieder vorstoßenden Gebre Selassie ergänzt.
Insbesondere Arnautovic hat dabei eine sehr positive Entwicklung genommen, spielt ruhiger und abgeklärter und trägt somit deutlich mehr Hilfreiches zum Spiel bei.
Sein Auftritt gegen den HSV war dabei sehr stark, als Tandem mit Gebre Selassie machte er den Hamburgern auf der rechten Seite das Leben schwer, wobei auch hier seine größte Schwäche offensichtlich wurde: Der schwache Abschluss.
Elia steht noch, oder wieder, etwas im Schatten seines Freundes und Teamkollegen, ist jedoch ebenfalls lobend hervorzuheben.
Er setzt, so wirkt es, auf dem Platz das um, was man ihm vorgibt. Er macht keine Probleme, er hat sich hervorragend ins Team eingefunden und trägt durch ganz viel #love zur guten Stimmung im Team bei.

Das “Problemkind” im Mittelfeld ist momentan Kevin de Bruyne, das ausgeliehene Toptalent – hier ist der Begriff meiner Meinung nach angebracht – vom FC Chelsea.
Problemkind insofern, als dass seine Rolle im neuen System noch nicht gefunden wurde.
Zwar macht er noch viele Fehler, was an noch nicht abgeschlossener Integration und Anpassung an die neue Liga liegt, doch ist er dennoch ein Spieler, der Werders Spiel sehr viel Variabilität und Kreativität verleihen kann.
De Bruyne ist immer auf der Suche nach dem “richtigen”, dem gefährlichen Pass, hat aufgrund seiner technischen Klasse und Übersicht viele Optionen und eignet sich hervorragend zum Kombinieren.
Im Mittelfeld ist er jedoch schwer einzusetzen, da man für ihn den 6er (Fritz/Bargfrede) opfern und Junuzovic dorthin ziehen müsste, womit man ein hohes Risiko eingehen würde.
Man wäre, mittlerweile fast ein Markenzeichen Werders, konteranfälliger und könnte die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld kaum so klein und eng halten, wie es sein müsste – was man bereits gegen den HSV, Münster und mit Abstrichen den BVB sah.

Im Nordderby war es insofern kein Problem, als dass der HSV diese Lücken nicht auszunutzen wusste.
Gegen Münster schied man auch deshalb bereits in der ersten Pokalrunde aus.

Was Hannover als Auswärtsspiel zu Werders Grauem macht

Wie bereits kurz erwähnt hat Werder Schwächen darin, die Abstände zwischen Mittelfeld und Abwehr gering zu halten, lässt regelmäßig Lücken im Arbeitsfeld des 6ers und hat auch häufiger Probleme damit, die Schnittstellen abzudecken.
Gegen den HSV war das kein Problem, gegen H96 wird es genau das sein.

Hannover ist, was das Ausnutzen derartiger Schwächen angeht, brutal stark.
Bei Kontern nutzen sie genau diese Räume exzellent aus, kombinieren sich hindurch und sind – ebenfalls ein Markenzeichen – vor dem Tor eiskalt.
Für Werder eine potentiell tödliche Mischung, könnte man doch, sollte man sich verkalkulieren, mächtig unter die Räder geraten, wie am letzten Spieltag Wolfsburg.

Deshalb ist dieses Spiel der erste echte Gradmesser für Werder: Gegen den BVB hatte man nichts zu verlieren, Hamburg kam als in vielen Bereichen schwacher Gegner.
H96 hingegen hält einem den Spiegel vor die Nase.
Sie zeigen auf, was in den letzten Jahren schief lief, sie halten einem die eigenen Schwächen vor die Nase und sobald sie die Chance haben reiben sie mächtig Salz in die Wunde.
Hier kann man zeigen, wie weit man in der Entwicklung schon ist.
Man kann zeigen, ob man die eigenen Schwächen begriffen hat und man hat die Chance, einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.
Ein Unentschieden wäre aufgrund der enormen Heimstärke Hannovers und ihrer für uns unpassenden Spielweise schon ein Erfolg, ein Sieg wäre – für mich – überraschend und ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz, die einen vielleicht schon totsagte.

Viel wichtiger als das Ergebnis ist momentan jedoch, ob man eine Entwicklung zeigt – das ließ man in der Vergangenheit nämlich vermissen.
Anders als H96 – der Nordverein, der momentan am ehesten die Bezeichnung “Spitzenteam” verdient hat.

Dennoch, da träumen erlaubt ist: Auf gehts Werder, kämpfen und siegen – die Nummer 1 im Norden sind wir, also zeigen wir das auch!

Zweites Kapitel: Hoffnung

Ein neues Buch angefangen. Ein erstes Kapitel wie der Beginn einer Tragödie. Es ist alles vorausgedeutet. Es ist alles bereits gezeichnet. Alles, was scheitern kann. Vielleicht sogar scheitern muss. Und ich weiß, viele waren skeptisch, einige schon nach dem ersten Kapitel in tiefe Trauer gestürzt (mich eingeschlossen). Das zweite Kapitel, die zweite Situation, die selben Helden, die zweite Niederlage. Und doch habe ich es mit einem Lächeln gelesen. Und das ging bis in die Niederlage und noch zeilenweit über das Ende hinaus. Es gab keine eigentliche, nicht einmal eine uneigentliche Befreiung.
Aber wie auch – diese Geschichte ist noch mindestens 33 Episoden lang.

Es ist auch im zweiten Abschnitt nicht alles besser, aber vieles verändert. Die Charaktere stehen nicht weniger unter Druck, und doch scheinen sie etwas aufrechter zu gehen und sich etwas mutiger durch die Probleme dieser Geschichte zu kämpfen. Und statt als weiterer Skeptiker hier zu erzählen, warum man nichts überbewerten und erst Recht nichts hoffen darf, werde ich nun, verliebt in mein neues Buch erzählen, warum ich an diese Romanhelden glaube. Schwärmerisch und jeden Ansatz des Guten überbewertend.
(Ohne dabei auf die Wandlung in ein Kochbuch mit Salatschüsselprämie zu hoffen.)

Und da ist schließlich auch dieser elegante Fremde6, neu im Personengeflecht und doch sofort damit verwoben. Sich seiner Kräfte noch nicht ganz sicher, startet er doch von Beginn an auf einer ungewohnten Position. Und doch, kann man in seinen winzigen Bewegungen erahnen, warum dieser Mann vielleicht eines Tages entscheidend sein wird. Diese winzigen Bewegungen, nur aus dem Fußgelenk heraus, zu weiten präzisen Pässen, diagonal, exakt, auf kaum merkliche Weise beeindruckend. Natürlich fehlt etwas, aber so ist es immer am Anfang. Die Personen wachsen mit der Geschichte. Aber das waren Pässe wie Satzanfänge. Von etwas sehr Schönem.

Teil meines Lächelns waren auch zwei Jungen7,11, die oft ungestüm, oft holprig bis zur (Nach-)Lässigkeit wirken, die an diesem Tag zeigen konnten, in wieviel Probleme sie vor allem den Gegner stürzen können, wenn sie wollen. Und sie wollten. Die zugleich Spiel und Handlung und Gefahr nach vorne bringen, und dort auf eine sehr abgebrühte Western-Art-und-Weise noch aus dem Stand die Vorlage zum Sieg geben können. Um sich dann wieder und wieder fast schon rückblendenartig fallen zu lassen und im Rückwärtsgang den roten Faden neu aufzurollen.

Währenddessen lernt zwischen zwei gemalten und einem räumlichen Käfig eine junge Hauptfigur1 gleichzeitig einem Kugelfeuer Einhalt zu gebieten und ein eigenes zu entfachen. Mit ruhigen Füßen und sicheren Schritten. Mit Mut und Vertrauen zu den Männern vor ihm, auch wenn diese es manchmal verlieren. Sowohl den Mut als auch das Vertrauen in sich. Und müde werden, und verzweifelt. Und einer von ihnen zum tragischen Helden17 wird, als der Gegner vor seinen Füßen und hinter seinem Rücken entkommt. Und man sehen und fühlen kann, wie tief in das erschüttert. Und auf der bildlichen wie wörtlichen anderen Seite: Ein erster Auftritt und ein erstes Tor23.

Doch vor allem galt mein Lächeln einem vorm Volke in Ungnade Gefallenen14, der sich noch immer nicht ganz dieser Rolle entwinden kann, obwohl seine Taten (nicht erst in dieser Saison) keinen Grund (mehr) dazu geben. Mit einem genialen Auge für Lücken, durch die nicht viel, aber ein Ball wohl hindurchpasst, oder vielmehr: wo er selbst den Ball hindurchpasst. Es sind diese Pässe quer übers Spielfeld und doch vorbei an allen, die versuchen könnten, ihn aufzuhalten. Und es ist einfach schön, ihm dabei zuzusehen. Das sind Bälle wie Wortspiele, mühelos und wunderschön.

Ich liebe den Autor, ich werde vielleicht mein Leben lang mit ganzem Herzen daran gebunden sein, was er schreibt. Oder vielmehr, was sie schreiben, leben, spielen. Mit jedem Pass, mit jedem Blick, mit jedem Schuss kommen neue Zeilen aus grünen Lettern dazu. Und ich weiß noch immer nicht, was es für eine Geschichte ist. Vielleicht haben die ersten Zweifler Recht und es ist, war und bleibt eine Tragödie. Aber dieses zweite Kapitel lässt mich hoffen. Und ich weiß, dass es vielen ähnlich ging. Vielleicht, vielleicht wird es doch eine Komödie. Mit einem glücklichen Ende. Vor allem aber: Mit Lesefreude.

Anmerkung: Die hochgestellten Zahlen sind die Rückennummern der enstprechenden Spieler. Für vereinsfremde stehen auch alle erwähnten Spieler in den Schlagwörtern.

Eine Wundertüte zum Geburtstag – Werder in der Jubiläumssaison, oder auch: eine Reise ins Ungewisse

Endlich!
Das Warten hat ein Ende, die Sommerpause ist vorbei und die Bundesliga startet in ihre 50. Saison.
Passend zum Jubiläum  präsentiert der Norden der Liga dabei eine Wundertüte voller grün-weißer Spielgefährten.

Werder im Wandel und als Wanderer zwischen Hoffnung und Realität

Vor wenigen Jahren noch gehörte Werder zu den absoluten Spitzenteams der Bundesliga.
Nun, angesichts des 50-jährigen Bestehens, trifft das nicht mehr zu.
Zwei Jahre Rumpelfußball und tabellarische Bedeutungslosigkeit haben zu einem Umdenken und einem bitter nötigen Umbruch an der Weser geführt und so aus dem einstigen Spitzenteam ein großes Fragezeichen gemacht.
Aus der grün-weißen Schatztruhe wurden die Zaubertricks und Tormaschinen herausgenommen, die namhaften Etiketten von den Spielzeugen entfernt und übrig geblieben sind bloß die Pralinenschachteln vom Discounter – keiner weiß, was man bekommt, keiner weiß, ob die Süßigkeiten von der Weser schmecken werden.

Das birgt Chancen und Risiken, führt zu Hoffen und Bangen.
Aus finanziellen Nöten wurde der Umbruch bei Werder geboren, sportlich wäre er jedoch schon früher notwendig gewesen und so wurde aus dem in der Theorie sanften Übergang ein radikaler Schnitt.
Wiese, Naldo, Boenisch, Pizarro, Rosenberg, Borowski, Marin.
Namhafte Spieler, ehemalige Stammspieler in erfolgreichen Werderteams und/oder
(U-)Nationalspieler.
Einstige Aushängeschilder, vereinzelt Erfolgsgaranten für das “alte Werder”, nun jedoch teils aus sportlichen, teils aus finanziellen Gründen aussortiert.

Die Nachfolger sind Spieler wie Mielitz, Prödl, Schmitz, Sokratis, Ekici, Hartherz, Trybull, Ignjovski, Arnautovic, Füllkrug, Hunt und Junuzovic.
Überwiegend günstige Spieler.
Spieler, die teils in den Schatten der großen Namen standen und nun das Licht erblicken wollen, aus der Jugend nach oben drängen oder  früher Mitläufer waren, von anderen getragen wurden und nun selber tragen müssen.
Ergänzt werden sie von Spielern wie Elia, Petersen, Gebre Selassie und De Bruyne.
Spieler, die entweder schon “oben” waren und tief fielen, vergleichsweise spät die große Bühne betraten, nach anfänglich hohem Sprung einen Schritt zurückgehen oder vor dem Schritt nach oben noch eine Stufe mehr nehmen wollen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die größte Herausforderung Werders ist hierbei, sowohl im als auch um den Verein, die Erwartungshaltung und die zu erwartende Realität miteinander vereinbaren zu können.
Man hat nicht mehr die Qualität wie früher, der Wandel des Teams wird Zeit brauchen und   doch hat man kaum Zeit.
Die offizielle Devise des Vereins ist es, “mittelfristig” wieder nach Europa zu kommen.
“Zwei, drei Jahre”, heißt das laut Klaus Allofs. Doch heißt das, so Allofs weiter, nicht, “dass es diese Saison nicht möglich wäre.”
Eine Aussage, die Werders Dilemma ganz gut widerspiegelt.

Das internationale Geschäft ist es, was es zu erreichen gilt – und das mit einem neuformierten Team, dem einiges an Erfahrung fehlt, das ‘auf dem Papier’ wie man immer so schön sagt, das vielleicht schwächste Team seit Jahren ist.
Man soll das schaffen, was die einstigen Nationalspieler in den beiden Jahren zuvor nicht zu schaffen vermochten.
Man soll die Fans zufriedenstellen, wieder guten Fußball spielen und die zwei schlechten Jahre möglichst vergessen machen.

Und doch wird man Fehler machen, man muss sie sogar machen.
Man muss sich entwickeln, reifen und Erfahrungen sammeln.

Kurzum: Man muss mit einem Team, das im Durchschnitt keine 23 Jahre alt ist, das nachholen, was den zuvor teueren und namhaften Werder-Mannschaften nicht gelungen ist.

Die präsaisonale Phase als Vorgeschmack auf das was folgt?

Vom “Werdersommer” war auf Twitter die Rede. “Love” wurde verbreitet, gute Laune machte sich breit und man war fast geneigt, von der “besten Vorbereitung aller Zeiten” zu sprechen – wäre das nicht bereits andernorts schiefgegangen.

Gute Testspielergebnisse und schönere Spielzüge, ein neues System, eine homogene, sich auf und außerhalb des Platzes scheinbar gut verstehende Mannschaft und als Sahnehäubchen die triumphale  Errungenschaft des Liga-Total Cups gegen Weltklasseteams wie Dortmund und den Freistaat Bayern.
Die Welt in Bremen war wunderbar – bis Preußen anfing zu marschieren.

120 Minuten marschierten sie, ließen nicht locker, gängelten die Bremer von allen Seiten und verwehrten ihnen schließlich die Reise nach Berlin, der zweiten Heimat der Werderaner.
Das zweite Jahr in Folge scheiterte man in der ersten Pokalrunde und schlagartig schien die gute Stimmung zu verfliegen.
Skepsis machte sich breit, Ängste traten hervor und schien zuvor noch alles duftend grün-weiß, so wirkte die Welt plötzlich grau.
Mausgrau.

Eine Achterbahn der Gefühle die, gut möglich, einen Vorgeschmack auf die folgende Saison geben könnte.
Man wird schöne Momente erleben, auf flauschigen Wolken schweben und träumen und man wird auch fallen und beginnen, zu zweifeln.

Was man bei all diesen Wechselbädern der Gefühle nie verlieren darf sind Hoffnung und Zuversicht.

Die Bundesliga feiert Geburtstag – und wir feiern mit.

Auswärts gegen den BVB wird Werder die Saison eröffnen, ‘auf dem Papier’ ein Leckerbissen, mit Glück auch auf dem Platz.
Nicht immer werden wir siegen, doch stets werden wir kämpfen.
Wir werden hoffen, bangen, zittern und uns freuen, fluchen, jammern und auf dem Boden rollen.

Doch heute Abend, da werden wir feiern.
Feiern, dass die Pause vorbei ist.
Feiern, dass die Liga wieder losgeht.
Feiern, dass wir wir sind.

Wir sind Werder Bremen, grün-weiß das Emblem – und verflucht nochmal, wir kommen immer wieder!

Mein Problem mit Wiesenhof – Ein Kommentar (fast) ohne Ethik und Moral

Die Würfel sind gefallen…

… und der neue Hauptsponsor Werders steht damit fest: Geworden ist es Wiesenhof, ein Unternehmen, das “mit Kritikern der modernen Nutztierhaltung offen über alle Themen diskutiert und kontinuierlich an Verbesserungen des Tierwohls arbeitet und eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernimmt: Lebensmittel zu produzieren.”
Besonders wissenswert in Bezug auf Wiesenhof ist dabei, dass “Im Leitbild des Unternehmens … Leitsätze wie ökologisches und nachhaltiges Denken, verantwortungsbewusstes Handeln, Pflegen einer offenen Kommunikation, Sicherheit und Vertrauen für den Kunden sowie Wertschätzung und Respekt gegenüber den Mitarbeitern verankert..” sind, was natürlich ziemlich genau die Werte des glorreichen SVW widerspiegelt. Super! (Ausschnitte aus dem Interview mit der Geschäftsführung Werders, hier: http://www.werder.de/de/profis/news/40558.php)

Ja, so kann man das natürlich auch sehen.
Die andere Sichtweise ist die, dass Wiesenhof als Lebensmittelunternehmen nachweislich die ohnehin schon niedrigen Standards im Bereich der Massentierhaltung, der Hygiene sowie der Arbeitsbedingungen unterbietet – und zwar deutlich.
Das hat dafür gesorgt, dass eben jenes wunderbar zu Werders Werten passende Unternehmen in Deutschland einen, gelinde gesagt, sehr bescheidenen Ruf hat.

Die ersten Gerüchte über ein mögliches Engagement als Werders Hauptsponsor führten bereits vorab zu zahlreichen Protesten, beispielsweise via Twitter und Facebook.
Die PETA hat sich natürlich auch gleich zu Wort gemeldet und eine Pressemitteilung (siehe hier: http://www.peta.de/web/schandfleck_auf.6188.html) herausgegeben, in der sie sich gegen Wiesenhof als Werder Sponsor aussprechen.
Standesgemäß wurde wenig später auch vorm Stadion protestiert, wie sich das halt so gehört.

Nach Bekanntwerden der offiziellen Bestätigung seitens Wiesenhof und Werder nahm der “Shitstorm” dann weiter zu, die offizielle Facebook Page des SVW (siehe hier: https://www.facebook.com/WerderBremen) wurde von Bildern toter Tiere überschwemmt, auf Twitter und selbst im Fernsehen war es ein heißes Thema, so widmeten sich beispielsweise das ZDF und der NDR dem Thema “Wiesenhof und Werder”.

Während sich dabei relativ schnell klare Fronten bildeten, die Einen empört waren angesichts der bekannten Tierquälerei Wiesenhofs und die Anderen den Kritikern Heuchelei vorwarfen, so möchte ich mich bei meinem Kommentar gerne in eine andere Richtung bewegen, den Fokus nicht auf die Frage legen, ob Wiesenhof als Sponsor ethisch und moralisch vertretbar ist.
Mich interessiert viel mehr das mögliche Risiko, das Wiesenhof als Hauptsponsor meiner Meinung nach für die Marke Werder darstellt.

Keine Frage der Moral

Zuerst einmal: Moral ist subjektiv.
Das macht es so schwer, Diskussionen anhand von Ethik und Moral zu führen, weshalb ich eben das auch nicht tun will und auch nicht tun werde.

Für mich ist das Problem bei Wiesenhof in erster Linie nicht, dass sie die ohnehin schon niedrig angesetzten Standards im Bereich der Massentierhaltung, Mindestarbeitsplatzbedingungen und Hygiene nachweislich noch deutlich unterbieten, sondern dass sie das bekanntermaßen und im Blickfeld der Öffentlichkeit tun.
Das bedeutet, dass – abseits von sicherlich bei vielen Leuten auftretenden ethisch/moralischen Bedenken – dieser Sponsor für Werder, die ein Saubermann Image in Hinsicht auf soziales Verhalten und Außendarstellung pflegen und angeblich vorleben, in meinen Augen ein enorm hohes Risiko darstellt.

Durch das sehr umstrittene Sponsoring Wiesenhofs bringt Werder einerseits Moralisten und selbsternannte Gutmenschen gegen sich auf, die es nicht nur außerhalb Bremens und der Werderszene gibt, andererseits geben sie sich auch in direkte Abhängigkeit von einem die Gesetze missachtenden Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, das ohnehin schon auf negative Art und Weise stärker im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Dass bereits innerhalb weniger Stunden die PETA auf unbestätigte Gerüchte(!) reagiert, eine Pressemitteilung rausschickt und Proteste vorm Stadion organisiert, ist ein Beispiel dafür, in welchem Ausmaß ein Wiesenhof Sponsoring negative Presse für Werder auch zukünftig bedeuten könnte.
Eben diese Art von Presse ist es jedoch, die sich ein Verein wie Werder meiner Meinung nach nicht leisten kann, da sie als Marke ungemein von ihrer breit gelagerten Sympathie leben, anders als beispielsweise Vereine wie Schalke, die unter Sponsoren wie Gazprom deutlich weniger leiden – wenn sie es überhaupt tun.

Sollte Wiesenhof nun während der zwei Jahre, die sie Hauptsponsor bei Werder sind, erneut durch Vergehen auffallen, so fällt das direkt auf Werder zurück, die sich so eifrig an diese tolle Marke gebunden haben, da sie so endlich mal wieder einen Hauptsponsor aus dem Werderland gewinnen konnten.
Das wiederum würde dazu führen, dass Werder, die nach eigener Aussage auch von den Werten her mit der Firma Wiesenhof konform gehen, bundesweit an Sympathie einbüßen könnte.
Um zu verstehen, warum das meiner Meinung nach so ein hohes Risiko darstellt, muss man sich nur die Frage stellen:

Was macht den SV Werder Bremen als Marke für andere Unternehmen interessant?

Die Antwort darauf steht etwas weiter oben: Die bundesweiten Sympathien.
Werder steht als Verein und Unternehmen für hanseatische Zuverlässigkeit und hanseatisches Kaufmannsgeschick, früher mal guten und ansehnlichen Fußball und ist vielen Menschen in erster Linie eines: Sympathisch.
Das führt dazu, dass sich mit dem SVW wunderbar werben lässt, was wiederum dazu führt, dass wir ein sehr willkommener Anlaufpartner für eher zweifelhafte Sponsoren sind, die auf der Suche nach bundesweiter Bekanntheit und vor allem einem positiven Imageboost sind.

Um dabei auch gleich kurz den üblichen Argumenten vorzubeugen: Der Unterschied zu KIK, BWIN, Citi-/Targobank und anderen – sehr wahrscheinlich ähnlich zweifelhaft arbeitenden – Unternehmen besteht darin, dass Wiesenhof aktuell ein sehr negatives Image in der Öffentlichkeit hat und aktuell unter Skandalen leidet.
Sie arbeiten nachweislich verwerflich, nicht, wie der Großteil der Unternehmen, mutmaßlich.

Eben dieser Umstand könnte, so befürchte ich – vielleicht auch unnötigerweise – zu Sympathieeinbußen führen, die die “Marke Werder” schädigen, was wiederum Auswirkungen auf zukünftige Sponsorendeals haben könnte.

Das ist mein Problem mit Wiesenhof, von denen ich im Übrigen noch nie wissentlich Produkte konsumiert und/oder erworben habe, denn: Nein, die Chicken Wings bei McDonalds sind nicht aus Wiesenhof-Geflügel gemacht, liebe Kritiker.
Selbst wenn, dann wäre mir das wahrscheinlich auch relativ egal.
Im Normalfall koch ich mir mein Essen ohnehin selbst.

PS: Mein “Boykott” von Wiesenhof Produkten liegt einfach daran, dass ich selbst vor den bekanntgewordenen Skandalen kein Wiesenhof Geflügel gekauft habe. Wieso also dann damit anfangen? ;)

Friede, Freude, Systemwechsel?

Mit Eljero Elia wurde gestern der siebte Werder-Neuzugang dieses Sommers vorgestellt und trotz gewisser Vorbehalte gegen den stagnierenden Ex-Hamburger reiben sich viele Werderfans nun die Hände: Die Verpflichtung des Außenstürmers wird als Signal verstanden, dass sich Thomas Schaaf in diesem Sommer von der viel kritisierten Raute abwenden wird. Darauf deuten auch die ersten Eindrücke aus dem Trainingslager in Norderney hin. Werder trainiert dort Angriffszüge mit einer Spitze und zwei Außenstürmern. Doch reicht das, um eine grünweiße Revolution auszurufen?

Fünf Gründe, den Ball erst mal flach zu halten:

1) Systemwechsel oder Formationswechsel?

Was ist ein Spielsystem? Vielfach reduziert man ein System auf die Formation, also ein Zahlenspiel wie 4-3-1-2 (Raute) oder 4-3-3. Doch das beschreibt nur einen Teil des Systems, nämlich die Ausgangsformation. Diese ist häufig im Spiel gegen den Ball anders als im Ballbesitz (z.B. 4-4-2/4-2-3-1). Das Verhalten der Spieler ist jedoch für das System ebenso wichtig. Über welche Stationen wird das Spiel aufgebaut? Wer besetzt in welcher Phase des Angriffs welche Position? Wie offensiv agieren die Außenverteidiger? Diese und noch viele andere Fragen müssen beantwortet werden, um ein System richtig zu beschreiben. Die eigentliche Konstante unter Thomas Schaaf ist nicht die Rautenformation sondern ein flexibles System mit vielen Positionswechseln und Freiheiten für die Offensivspieler.

2) Der Rauten-Mythos

Werder hat unter Schaaf in den letzten Jahren bei weitem nicht nur mit Raute gespielt. Dieser Vorwurf steht immer wieder im Raum, weil er so schön einfach und griffig ist, aber er hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Letzte Saison spielte Werder zwar überwiegend mit Raute, stellte in einigen Spielen das System jedoch um, etwa beim Auswärtsspiel in Hamburg (4-3-3 gegen den Ball) oder beim Spiel in Dortmund (4-4-2 gegen den Ball, 4-2-3-1 mit Ball). In der Saison 2010/11 wechselte Schaaf in der Hinrunde ständig zwischen Raute und 4-2-3-1 hin und her. Im Jahr zuvor spielte man sogar überwiegend 4-2-3-1 und experimentierte zu Saisonbeginn mit einem flachen 4-4-2 und einem Quadrat im Mittelfeld (4-2-2-2). Auch eine Umstellung auf ein 4-3-3 im Laufe des Spiels ist schon seit vielen Jahren bei Rückständen zu beobachten. Die Raute ist sicher Schaafs bevorzugte Formation, aber nicht die einzige, die er bei Werder spielen lässt.

3) Das Spielmacher-Syndrom

In den letzten Jahren hat man des Öfteren versucht, Spieler in die Rautenformation einzugliedern, für die es dort eigentlich keine geeignete Position gibt. Man denke an die Versuche in den letzten 18 Monaten Marko Marin auf der 10er-Position einzusetzen. Auch Mehmet Ekici tat sich auf der 10er-Position schwer. Es ist durchaus denkbar, dass Elia bei Werder zentral hinter den Spitzen oder als hängender Stürmer neben Petersen eingesetzt wird.

4) Der zweite Anzug

Elia und Arnautovic überzeugten einst bei Twente als Flügelzange. Gut möglich, dass sie bei Werder an diese Leistungen anknüpfen können. Doch was ist, wenn nicht? Wer sind ihre Ersatzleute im Falle von Verletzungen oder Formkrisen? Hunt und Junuzovic können auf den Flügeln spielen, doch sind völlig andere Spielertypen. Die Außenverteidiger Fritz, Gebre Selassie und Schmitz könnten ebenfalls offensiver eingesetzt werden. Dennoch muss man feststellen, dass Werder bei einer Umstellung auf 4-3-3 oder 4-2-3-1 noch weiteren Bedarf an offensiven Außenspielern hätte.

5) Lange Mängelliste

Die fehlende Breite in Werders Spiel wurde schon häufig als Problem identifiziert. Die offensiven Außenpositionen werden im 4-3-1-2 erst im Laufe des Angriffs von einem Stürmer oder Mittelfeldspieler besetzt. Auf der Gegenseite des Balles ist man auf aufrückende Außenverteidiger angewiesen, um Breite ins Spiel zu bekommen. Schnelle Angriffe über die Flügel sind somit schwierig. Werders Mängelliste war in der letzten Saison aber bei weitem größer. Auch wenn man eine Umstellung auf ein 4-3-3 oder 4-2-3-1 befürwortet, sollte man sich keine Wunderdinge davon erwarten. Wichtiger als die Frage nach dem System ist die Behebung grundlegender Mängel: Flexibleres Aufbauspiel, schnelleres Umschalten, Pressing und die Absicherung bei eigenen Standards sind in meinen Augen die wichtigsten Dinge, an denen in diesem Sommer gearbeitet werden muss.

Dies sind auch die Dinge, an denen Schaaf 2012/13 gemessen werden muss. Eine andere Formation an die Taktiktafel zu malen ist keine Schwierigkeit. Die taktischen und spielerischen Probleme der letzten 2 1/2 Jahre zu beheben schon.

Der postsaisonale Reiz, oder auch: Im Rausch des Transferfensters!

Die Saison ist endgültig vorbei, die meisten Spieler sind entweder in den Urlaub aufgebrochen oder reisen zu ihren Nationalmannschaften.
Einige wenige Spieler sind noch in Bremen und arbeiten nach Verletzungen an ihrer Fitness, doch die spielen eher eine untergeordnete Rolle.
Was nun zählt, sind nicht die Spieler, sondern, naja, die Spieler!
Frei nach dem Motto: Das neue Spielzeug ist immer besser fiebert ein jeder Fußballfan nach der Saison den Neuverpflichtungen entgegen.
Seien es Hochkaräter oder nur Ergänzungsspieler, Stürmer oder Abwehrspieler, ein Transfer ruft immer unweigerlich ein kleines Kribbeln hervor, ein Gefühl des Wandels und des Aufbruchs in neue, hoffentlich bessere Zeiten.

Insbesondere bei Werder ist dieses Gefühl in diesem Sommer sehr stark ausgeprägt, steckt der Verein doch mitten im Umbruch. Das heißt, dass uns einerseits viele Spieler verlassen (haben), wie zum Beispiel Rosenberg, Pizarro, Wiese oder Borowski, andererseits jedoch auch viele neue Spieler zum Team hinzustoßen werden – oder bereits hinzugestoßen sind.

Um letztere Kategorie, die bereits getätigten Transfers, wird es hierbei hauptsächlich gehen.

Wer ist neu?

Nachdem es vielen erst nicht schnell genug hätte gehen können und man in Bremen gefühlt schon lange auf Transfers wartet, ging es seit gestern Schlag auf Schlag:
Erst unterschrieb Raphael Wolf für drei Jahre und beendete die Miele-Konkurrenz-Spekulationen auf der Torwartposition.
Wolf ist ein junger, 23 jähriger aber dennoch erfahrener Torwart, der aus Österreich vom Bundesliga-Absteiger SV Kapfenberg kommt. Dort war er seit drei Jahren die Nummer 1 zwischen den Pfosten und galt bis zuletzt als einer der besten Keeper der dortigen Liga, trotz des eher mäßigen Klubs.

Heute dann wurde der Transfer des Herthaner U19-Torwarts Richard Strebinger bekanntgegeben, der vorerst in der U23 spielen und sich eventuell für höhere Aufgaben empfehlen soll. Dort wird er sich wahrscheinlich einen Vierkampf mit Vander, dem lange verletzten Reisacher und Düker stellen müssen.

Anschließend wurde die Vertragsverlängerung mit Sebastian Mielitz bis 2014 bekanntgegeben, was ebenfalls eine sehr erfreuliche Nachricht darstellt.
Soweit, so gut. Bis hierhin war das alles wenig überraschend.

Umso überraschender war es dann aber, als die Sportbild bei Twitter plötzlich verkündete, dass Assani Lukimya-Mulongoti von Fortuna Düsseldorf an die Weser wechselte.
Zwar war im Worum am Samstag schon zu lesen, dass angeblich ein Auto mit Kennzeichen WW (Wolf Werner?) am Weserstadion parkte und auch Lukimya selber sei angeblich gesichtet worden, doch so wirklich glauben wollte das niemand, bis Werder es auf der eigenen Homepage bestätigte.
Lukimya ist ein 26 jähriger, großgewachsener (1,90m) Innenverteidiger, dessen Stärken im Defensivzweikampf und Kopfballspiel liegen. Die Spieleröffnung wiederum ist keine seiner Stärken, doch dazu später mehr.
“Luki”, wie er genannt wird, kommt ablösefrei, sein Vertrag lief aus und ein bereits vorher beim 1. FC Köln unterzeichneter Vertrag ist aufgrund des Abstiegs der Kölner ungültig.

Die Frage, die sich nach Lukimyas Verpflichtung vielen stellt, ist: Wieso noch ein Innenverteidiger?
Angesichts der Tatsache, dass man mit Sokratis, Naldo, Prödl und Affolter bereits vier Innenverteidiger im Kader hat ist diese Frage berechtigt und es gibt mehrere Ansätze, um dies zu erklären.

Wohin mit den Verteidigern?

Vorweg: Eine Fünferkette ist nicht zu erwarten, wenngleich man damit mit Glück die Defensivanfälligkeit lindern könnte – kleiner Scherz.

In meinen Augen gibt es mehrere Optionen, manche mehr, manche weniger wahrscheinlich, die eine Lukimya Verpflichtung sinnvoll erscheinen lassen.

Variante 1: Ein Innenverteidiger geht.
Angesichts der plötzlichen Verpflichtung eines Innenverteidigers und des momentanen Überschusses von 5 IV bei 2 Positionen erscheint diese Variante als sehr wahrscheinlich.
Die möglichen Kandidaten eines Abgangs wären hierbei Naldo, Sokratis und Affolter.
Ein Abgang von Affolter ist hierbei jedoch eher unwahrscheinlich, da er noch bis Winter ausgeliehen ist und man sich bewusst für diese Modalitäten entschied, da ein halbes Jahr nach eigener Aussage zu kurz sei, um den Spieler wirklich bewerten zu können.
Sokratis zu verkaufen wäre wiederum ähnlich unwahrscheinlich, besitzt er doch noch einen langen Vertrag und ist unangefochtener Leistungsträger. Dafür spräche jedoch, dass er im Falle eines Verkaufs eine Ablösesumme von 12-15 Millionen generieren könnte, was angesichts des Umbruchs sehr hilfreich sein könnte.
Diese Variante würde allerdings sehr negativ aufgefasst werden, ist Sokratis doch binnen kürzester Zeit zum Publikumsliebling avanciert und könnte bei gleichbleibenden oder sogar besseren Leistungen in den Folgesaisons noch deutlich höhere Beträge erzielen.
Deutlich wahrscheinlicher ist daher der Abgang Naldos, da er erstens teuer ist und zweitens ein enormes Risiko darstellt: Zwar ist er in Topform einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga, doch ist eben diese Topform bei ihm kaum zu gewährleisten angesichts seiner dramatischen Verletzungsproblematik in den letzten zwei Jahren.
Bei einer Vertragsverlängerung mit ihm würde man sich angesichts der sportlichen Situation finanziell nach wie vor strecken müssen und das, ohne zu wissen, ob er überhaupt wieder über einen längeren Zeitraum Leistung erbringen kann.
Sollte er nicht verlängern, wäre zudem dieses Jahr die einzige Chance, mit ihm noch eine kleine Ablösesumme zu erzielen. Begehrt ist Nana in Brasilien und dort würde er nach eigener Aussage auch gerne hin, obwohl er eigentlich gerne hier bleiben würde aber dann doch wieder gerne nach Brasilien möchte. Oder so ähnlich.
Momentan stehen die Zeichen öffentlich allerdings auf Vertragsverlängerung, traf man sich doch letztens und berichtete beiderseits, wie positiv das Gespräch doch verlaufen sei.
Abwarten.

Variante 2: Sokratis als Rechtsverteidiger.
Eine Möglichkeit ist es, Sokratis wie in der Hinrunde als Rechtsverteidiger einzuplanen. Das hat er lange Zeit gut gemacht, defensiv stand man oft relativ stabil und mit Naldo/Prödl/Affolter/Lukimya könnte man nach wie vor ein gutes Abwehrzentrum bilden.
Außerdem könnte man so die Schwachstelle des Rechtsverteidigers schließen, nachdem Fritz in der Rückrunde dort kaum passable Spiele ablieferte und zur neuen Saison dauerhaft ins Mittelfeld versetzt werden soll.
Dennoch: Sokratis ist Innenverteidiger, das hat er mit einer erheblichen Leistungssteigerung auf seiner Stammposition in der Rückrunde bewiesen und auch Schaaf hat bestätigt, dass Sokratis für die Innenverteidigung geholt wurde.
Außerdem ist Sokratis’ Zukunft aufgrund der sportlich schlechten Situation nach wie vor nicht zu 100% gesichert und auch wenn ich nicht glaube, dass Werder ihn angesichts seines langfristigen Vertrages für marktgerechte Summen verkaufen würde, so muss man es doch nicht darauf anlegen, seine Laune zu verschlechtern.
Fazit: Variante 2 ist sehr unwahrscheinlich.

Variante 3: Ein Innenverteidiger rückt ins Mittelfeld.
Auch diese Option wird angeblich schon länger in Betracht gezogen.
Zur Auswahl stehen hierbei Naldo, Sokratis und auch Affolter.
Naldo durfte sich zum Ende der Rückrunde bereits mehrfach im Mittelfeld versuchen: Im Heimspiel gegen Gladbach, auswärts gegen Stuttgart und erneut zu Hause gegen Schalke.
Seine Leistungen waren dabei jeweils schwach. Als Innenverteidiger lebt Naldo von einer für seine Größe und im Vergleich zu anderen Innenverteidigern guten Schnelligkeit und Beweglichkeit, einem sehr starken Zweikampfverhalten, Überlegenheit im Luftzweikampf, einer recht guten Übersicht und einer vergleichsweise guten, aber überwiegend aus energischen Vorstößen bestehenden Spieleröffnung.
Im Mittelfeld ist er als 6er weder überdurchschnittlich schnell, noch besonders spielstark. Insgesamt hat er weniger Zeit und Raum, worunter seine Stärken leiden und seine Schwächen hevorgehoben werden: Sein Stellungsspiel vor der Abwehr ist mangelhaft, er vermag es nicht, Pässe in die Schnittstellen der Abwehr zu verhindern und er ist mit den schnelligen, wendigen Angreifern hinter seinem Rücken überfordert.
Das Experiment “Naldo als 6er” kann man daher getrost als “gescheitert” betrachten.

Ebenfalls oft erwähnt wird die Möglichkeit, Sokratis als Kampfhund ins defensive Mittelfeld zu stellen. Auf den ersten Blick erscheint das plausibel, ist er doch schneller und wendiger als bspw. Naldo, hat mehrfach bewiesen, dass er auch gegen wendige und schnelle Spieler bestehen kann und  strahlt auch eine gewisse Stärke im Luftzweikampf aus.
Auch wird gerne behauptet, er habe ja zumindest eine bessere Spieleröffnung als Bargfrede, der gerne als Negativbeispiel hierfür erwähnt wird.
Dazu lässt sich sagen: Nein, hat er nicht.
Sokratis’ Spieleröffnung besteht als Innenverteidiger in erster Linie aus langen Bällen in die Spitze, die nicht mal besonders oft ankommen. Ab und zu startet er zudem Läufe wie einst Lucio, die jedoch ebenfalls selten nützlich enden.
Defensiv ist er hervorragend, ja. Insgesamt ist er ein fantastischer Typ, ja. Aber ein guter 6er? Sicher nicht. Zumal sich auch hier wieder die Problematik stellt, dass ihm das missfallen könnte.
Auch die Argumentation, dass Sokratis doch bei der WM 2010 mit Griechenland Messi so fantastisch aus dem Spiel genommen hätte, als er als 6er auflief, zählt nicht.
Sokratis spielte nicht als 6er, er hatte eine relativ freie Rolle als Kettenhund und sollte nichts weiter tun, als Messis Spiel zu zerstören.

Bleibt noch ein letzter Verteidiger, der im Zuge von Mittelfeldspekulationen genannt wird: Francois Affolter.
Werders junger Schweizer Nachwuchsverteidiger, der momentan von den BSC Young Boys ausgeliehen ist.
Seine Stärken liegen, auch wenn das mittlerweile viele anders sehen, klar in der Spieleröffnung. Er beweist des Öfteren eine gute Übersicht für den freien Raum und versucht, entweder selbst mit Ball am Fuß in diese Vorzustoßen oder den Ball in eben diese Räume zu spielen. Auch seine langen Bälle sind ungemein präziser als die von Sokratis oder auch Naldo.
Zudem ist er schnell und wendig, hat einen guten Antritt und eine gute Technik und Ballführung.
Seine Schwächen sind dafür ebenso deutlich: Sein Zweikampfverhalten am Boden und in der Luft.
Das Zweikampfverhalten am Boden ist, das muss man in aller Deutlichkeit sagen, für einen Innenverteidiger mangelhaft.
Oft wirkt er viel zu lässig, geht zu körperlos in die Zweikämpfe, möchte zu viele “Dinge” spielerisch lösen.
Das ist an sich ein moderner, lobenswerter Ansatz, führt aber oft auch zu brenzligen Situationen, ebenso wie seine gelegentlichen Konzentrationsschwächen und daraus resultierenden katastrophalen Abspielfehler.
Daran muss er arbeiten, ohne Wenn und Aber.
Sein Kopfballspiel ist zudem ebenfalls schwach und führt bei Werder zu einer gesteigerten Anfälligkeit bei Ecken, Freistößen oder Flanken generell.

Im Mittelfeld könnte Affolter meiner Meinung nach jedoch eine ähnliche Entwicklung nehmen, wie sie damals Franky Baumann gelang: Die von einem Innenverteidiger mit Schwächen im direkten Zweikampf hin zu einem sehr guten Rautensechser mit guter Übersicht, intelligentem, raumorientierten Spiel und guter Spieleröffnung.
Er wäre daher definitiv einen Versuch als Mittelfeldspieler wert und könnte auch spielerisch einen guten Backup für Trybull geben, der seine Stärken ebenfalls mehr in der Spieleröffnung als im direkten Defensivzweikampf hat, anders als beispielsweise Bargfrede oder Ignjovski.
Nichtsdestotrotz: Funktionieren kann das nur, wenn er und Tybull auch kräftig an Körpermasse zulegen und sich im Bereich des Defensivzweikampfs verbessern.

Die Versetzung eines der Verteidiger ins defensive Mittelfeld könnte weitere Auswirkungen auf die Planungen Werders haben, die die Ausrichtungen des Mittelfelds beeinflussen könnten.

Umstrukturierungen der Mittelfeldraute

Variante 1: Defensivstarke Halbpositionen.
Sollte beispielsweise Affolter ins defensive Mittelfeld rücken, so wäre die Position mit Trybull und Affolter doppelt spielstark besetzt, Bargfrede oder Ignjovski wären dabei eher die defensivstarke Variante.
Das verschafft Möglichkeiten zur Variierung der Mittelfeldraute, je nach Gegner und eigener Spielausrichtung. Man könnte die 6er-Position spielstark (Trybull/Affolter) und dafür die Halbpositionen sehr defensivstark besetzen, indem man zwei Spieler aus dem Paket Bargfrede/Ignjovski/Fritz auswählt.
Für die 10er-Position könnte man dann aus den verbliebenen Spielern (Stand jetzt: Hunt/Juno/Trinks/Ekici) auswählen und aufgrund der jeweils unterschiedlichen Spieltypen den eigenen Spielstil weiter verändern.
Man hätte dann eine spielstarke vertikale Achse, die das Spiel strukturieren könnte und eine defensiv- und laufstarke horizontale Achse, die die Außenverteidiger und den 6er unterstützen, gleichzeitig aber auch Vorstöße nach vorne wagen könnten.
Bei dem Duo Fritz/Ignjovski hätte man zudem zwei Spieler, die ebenfalls die Außenverteidigerpositionen bekleiden können, wodurch ein fluides Aufrücken der nominellen Außenverteidiger ins Mittelfeld bei gleichzeitigem Absichern der Halbpositionen möglich wäre.
Eine Ausrichtung, die bei einer spielerischen Steigerung der defensiven Halbpositionen etwas an die Raute der Micoud-Ära mit Baumann/Micoud auf der Vertikalen und bspw. Ernst/Lisztes auf der Horizontalen erinnert und eher auf schnelles Umschalten ausgerichtet ist. Natürlich qualitativ eine Klasse schwächer als damals.

Variante 2: 1 + 3, Zerstörer + Spielkultur.
Eine andere Variante wäre die, auf die 6 einen defensivstarken Abräumer zu stellen, der in erster Linie die Defensive absichert und den Spielaufbau größtenteils anderen Spielern überlasst.
Das wäre am ehesten möglich, wenn man Bargfrede oder Fritz auf die 6 stellt, Ignjovski war in seinen Auftritten als 6er oft noch zu hektisch, als dass er defensiv wirklich eine Absicherung darstellte. Gut möglich jedoch, dass sich das mit mehr Erfahrung zur neuen Saison ändert. Dann wäre auch er eine Möglichkeit hierfür, die zudem in meinen Augen spielstärker als Bargfrede oder Fritz wäre – obwohl ich ihn mittelfristig ohnehin eher auf den Halbpositionen sehe.
Diese wiederum könnte man in diesem Szenario eher offensiv besetzen, indem man beispielsweise Hunt + Trybull/Juno/Ekici/Trinks aufstellt.
Den 10er wiederum könnte man dann entweder mit einem Sturm/Mittelfeld-Hybriden besetzen, was am ehesten mit Arnautovic möglich wäre, oder mit einem der verbliebenen Mittelfeldspieler. Damit ließe sich wiederum die spielerische Ausrichtung beeinflussen und zudem auch die Besetzung des Sturms.
Insgesamt wäre diese Variante deutlich mehr auf Ballbesitz im vorderen Drittel ausgelegt, sowie auf ein Spiel mit deutlich mehr Pässen und längeren Phasen des Ballbesitzes aufgrund der insgesamt drei eher offensivorientierten und spielstarken Spieler im Mittelfeld sowie einem absichernden Zweikämpfer dahinter.
Problematisch wäre hierbei, dass man defensiv wohl deutlich anfälliger wäre, nicht zuletzt auch bei Kontern, sollten die Halbpositionen weit aufrücken, um den Gegner in der eigenen Hälfte einzuschnüren.
Praktiziert wurde diese Art der Raute im Laufe der Rückrunde bereits, beispielsweise im Auswärtsspiel gegen Hamburg:
Dort hatte man mit Bargfrede besagten Zerstörer als 6er, sowie mit Trybull und Junuzovic eher spielstarke Halbpositionen. Den 10er gab damals Marin, der oft in den Sturm rückte.
Damals spielten Trybull und Junuzovic allerdings eher defensiv, rückten weit nach hinten und man spielte nicht ballbesitzorientiert, sondern schaltete per Passspiel schnell um.
Die Grundordnung war kein 1+3, wie hier in der Überlegung, sondern ein 3+1.
In Zukunft könnte man dies, nach gesteigerter Eingespieltheit im Trainingslager und Verbesserungen im Bereich des Passpiels, kippen.

Variante 3: Das Quadrat.
Es ist mittlerweile schon ein paar Jahre her, da versuchte sich Thomas Schaaf an einer Modifizierung der Raute. Zwar sollte die Anzahl von vier Mittelfeldspielern beibehalten werden, allerdings sollte die Grundordnung von der Raute hin leicht wechseln und zu einem “Quadrat” werden, quasi einer 2-2 Ordnung im Mittelfeld.
Angedacht war damals, eine defensive Achse, quasi eine Doppelsechs, bestehend aus Baumann und Frings zu integrieren.
Davor sollte Diego wirbeln, zusammen mit einem gewissen Carlos Alberto.
Es war der Schritt hin zu einer Formation mit zwei Spielmachern hinter zwei Stürmer, einer dominanteren Offensive und ein Schritt weg von der Abhängigkeit nur eines Spielmachers.
Das Experiment musste allerdings früh abgebrochen werden, weil Platzhirsch Diego äußerte, nie gleichzeitig mit Alberto spielen zu können und dieser zeitgleich seine unrühmliche Ära einläutete.
Wirklich aufgegeben hat Schaaf diesen Ansatz meiner Meinung nach jedoch nicht und so ist es möglich, dass er einen neuen Anlauf unternimmt, diesen System einzuführen.
Möglich wäre dies, indem man mit zwei Spielern aus Trybull/Affolter und Fritz/Bargfrede/Ignjovski eine ausgewogene Defensivachse bildet und davor ein Duo aus Hunt/Ekici/Trinks/Juno platziert.
Ein sehr theoretischer Ansatz, der ohnehin eher marginale Abweichungen von der Raute darstellt, die sich ebenfalls sehr ähnlich zu dieser Ordnung spielen lässt und zwar wie folgt:

Variante 4: 2+2, ein neuer Anlauf in Richtung Balance.
Man besetzt die Positionen des 6ers und der Halbpositionen sowie des Spielmachers ausgewogen. Man wählt bspw. einen defensiven 6er und besetzt eine der Halbpositionen eher defensiv, die andere eher offensiv und postiert davor einen geeigneten weiteren Offensivspieler auf der 10.
Damit könnte man am ehesten versuchen, einen ausgewogenen Spielstil zu finden, mit der sich sowohl eine gute Offensive als auch eine stabile Defensive finden lässt.
Allerdings müssten die Halbpositionen dann viel rochieren, damit kein Übergewicht und damit eine Ausrechenbarkeit auf einer Spielfeldseite besteht, wie es oftmals in dieser Saison der Fall war.
Ein Vorteil dieser Ordnung wäre, dass man das Mittelfeld den individuellen Schwächen der Außenverteidiger anpassen könnte. So ließe sich beispielsweise vor einem offensivstarken aber defensivschwachen Außenverteidiger der defensivere Halbpositionsspieler platzieren und umgekehrt.
Dafür spräche, dass man mit Fritz/Bargfrede/Ignjovski mehrere defensive Spieler hat, dagegen spräche, dass man dann keinerlei Verwendung für einen Spieler wie Affolter auf der 6 hätte, dessen Stärken nicht unbedingt in der Defensive liegen.

Eine andere Variante wiederum wäre folgende:

Variante 5: Totale spielerische Dominanz und Offensive.
Dies ließe sich realisieren, indem man die 6 mit einem spielstarken Spieler wie Trybull oder Affolter besetzen und auf den Halbpositionen sowie auf der Zehn 3 Spieler des Typs Hunt/Juno/Ekici/Trinks installieren würde.
Hierbei würde man das Spiel klar auf offensive Dominanz und Ballsicherheit ausrichten, dabei jedoch womöglich die Defensive vernachlässigen.
Die defensiven Spieler wie Bargfrede/Fritz/Ignjovski könnte man dann von der Bank bringen, um Führungen zu verteidigen oder generell den Spielstil zu verändern.
Diese Variante wäre Schaaf durchaus zuzutrauen, ist er doch ein klarer Befürworter von offensivem und dominantem Fußball.
Dagegen spricht jedoch, dass sowohl Bargfrede als auch Fritz ein hohes Ansehen bei Schaaf genießen und letzterer zudem den Kapitänsbonus innehalten dürfte.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Lukimya Verpflichtung viel Raum für Spekulationen lässt:
Geht ein Innenverteidiger, also beispielsweise Naldo?
Bleiben alle und es rückt ein Innenverteidiger ins Mittelfeld?
Muss Sokratis eventuell doch auf die Rechtsverteidigerposition?
Wird Schaaf auf seine alten Tage vielleicht doch ein Fan des Neo-Catenaccio und baut auf eine Fünferkette in der Abwehr?

Man weiß es nicht, man muss leider – wie so oft – einfach abwarten, was passiert.
Spannend ist das Rätselraten in jedem Fall, insbesondere die möglichen Planspiele im Mittelfeld.

In Meinen Augen am wahrscheinlichsten ist, dass uns Naldo noch verlässt. Er ist der teuerste Spieler im Kader, verdient als einziger noch auf Champions League Niveau und über seiner (dauerhaften) Gesundheit steht noch immer ein großes Fragezeichen.
Dafür spräche außerdem die Prödl-Verlängerung, betonte er doch in der Vergangenheit stets, dass er Stammspieler sein wolle.
Ebenfalls gut möglich ist die Versetzung eines Spielers ins Mittelfeld, denn aus vermeintlichen Insiderkreisen hörte man schon mehrfach, dass solche Planungen eine Rolle spielen würden.