Rückschlag: Grünweiß-Stammtisch 14-24

Nach den guten Leistungen gegen Hannover und Schalke hat uns das Spiel in Mainz wieder in die graue Realität zurück geholt. Lars (Werderblog) und Stephen (PapierkugelBlog) sprechen über den krassen Leistungseinbruch und die Gründe dafür. Zudem beantworten wir Eure Fragen und blicken auf den kommenden Kick gegen Hoffenheim.

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Punktlos in Freiburg: Grünweiß-Stammtisch 14-21

Das Auswärtsspiel in Freiburg verlief aus Bremer Sicht äußerst ernüchternd. Lars (Werderblog) und Stephen (PapierkugelBlog) reden darüber, ob Dutt das Spiel falsch angegangen ist oder ob nicht eher die erschreckende Leistung der Mannschaft für das 1:3 verantwortlich ist. Danach beantworten wir Eure Fragen und besprechen die Vertragssituation einiger Werder-Spieler, bevor wir abschließend noch einen Blick auf das Spiel gegen Wolfsburg werfen.

Und anbei noch der Link zum Vertrags-Blogbeitrag der Kollegen von Vert et blanc Hambourg, mit einer ausführlichen Diskussion in den Kommentaren.

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Startschuss: Grünweiß-Stammtisch 14-13

Die Rückrunde steht vor der Tür, ein willkommener Anlass für einen neuen Grünweiß-Stammtisch. Diesmal mit von der Partie: Tobias (MeineSaison) und Stephen (PapierkugelBlog). Wir sprechen über die Vorbereitung im Trainingslager, was die Marschroute für die Rückrunde sein wird, fehlende Grundlagen, die Ruhe auf dem Transfermarkt, den Torhüter-Zweikampf sowie über das kommende Spiel gegen Eintracht Braunschweig.

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P.S.: Mittendrin gibt es einen Punkt, wo wir das Gespräch neu starten mussten, da zu viele Werder-affine NSA-Rüpel in der Skype-Leitung hingen und diese den Dienst quittierte. :)

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Kurz und knapp: Drei Punkte

PUH!

Gewonnen. Ein Auftaktspiel in der Ferne. Zum ersten Mal seit sieben Jahren. In Braunschweig. Zu Null.
Hochverdient.

Naja, hochverdient vielleicht nicht unbedingt. Aber – und selten war die vielleicht meistgenutzte Phrase der Fußballwelt treffender – was zählt, sind die drei Punkte.
Zur Erinnerung: Vor einer Woche schied das Team in der ersten Pokalrunde gegen Saarbrücken, einen Drittligisten, aus. Im dritten Jahr in Folge.
Ebenfalls zur Erinnerung: Werders letzter Pflichtspielsieg lag fast genau 6 Monate zurück. Damals gewann man 4:1 in Stuttgart und damit zum ersten Mal seit gefühlt drei Jahrzehnten zwei Spiele in Folge. “Ausgerechnet in Stuttgart” hörte ich mich damals sagen. “Jetzt geht noch mehr”, dachte ich.

Es ging sehr viel danach – in negativer Hinsicht. Kurzform: Schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte, Fastabstieg, Ende der Ära Schaaf.

Ein neues Kapitel

Schaaf ging, Dutt kam, die meisten Spieler blieben.
Folgerichtig las man davon, dass das Team Zeit benötigen würde und werde.
Das stimmt.
Der Auftritt gegen Saarbrücken war dennoch inakzeptabel, doch das habe ich an anderer Stelle, ebenfalls hier im Blog, thematisiert. Die Konsequenz war, dass man bereits vor dem ersten Bundesligaspiel unter Dutt zum Abstiegskandidaten geschrieben und seitens der Medien ernannt wurde. Nein, damit meine ich nicht den witzigen alten Mann aus München, dessen Zurechnungsfähigkeit ich weder beurteilen kann noch wirklich will.
Auch die “Sky Experten” beim Topspiel tippten unisono auf Braunschweig.

Es war daher in vielerlei Hinsicht wichtig, jenes Spiel zu gewinnen:
Für die Ruhe im und um den Verein.
Für das Gefühl der Fans.
Für die Psyche des Teams.

Anders als gegen Saarbrücken erweckte das Team von Beginn an den Eindruck, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, auch bei großer Gegenwehr seitens des Gegners.
Man wirkte weiterhin unsicher und teilweise verkrampft und der Auftritt war weit davon entfernt, ansehnlich, überzeugend oder souverän zu sein.
Dennoch: Man tat das, was man zu diesem Zeitpunkt konnte, um die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen. Und es hat funktioniert.
Die Gründe dafür waren einerseits Miele, der das Team per Glanztat vor einem Rückstand bewahrte, Junuzovic, der (nach sehr schöner Vorlage Prödls) das wichtige 1:0 schoss und anschließend am liebsten stundenlang vor der Kurve gejubelt hätte, sowie Caldirola, der Werders Führung rettete und dadurch auch Miele davor bewahrte, wegen eines “Patzers”, den pro Spieltag 3 Keeper überbieten, zerrissen zu werden.
Moment, nein, zerrissen wird Miele von manchen dennoch.
Dennoch: Die drei Punkte wandern nach Bremen.

Dutt reagiert, Werder agiert

Hervorzuheben ist allerdings auch, dass Dutt auf seine Versäumnisse (aus meiner Sicht) aus dem Pokalspiel reagierte.
Auf dem Papier änderte sich wenig: Miele im Tor, Fritz, Prödl, Caldirola und Gebre Selassie in der Abwehr. Davor Makiadi, Junuzovic und als einziger Neuling Kroos, der für Füllkrug in die Startelf rückte. Ekici rückte dafür nach vorne und unterstützte Hunt und Petersen.

Anders als gegen Saarbrücken agierte Petersen jedoch nicht mehr halbrechts und Hunt zentral, sondern Hunt halbrechts und Petersen zentral. Bei Ballbesitz Braunschweigs attackierte Petersen die Defensive, Hunt und Ekici spielten leicht versetzt hinter ihm und stellten die Passwege zu. Junuzovic agierte zentral hinter den beiden und ging viele Wege, sowohl offensiv als auch defensiv. Kroos und Makiadi agierten defensiver und ließen sich abwechselnd zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen, um den Spielaufbau voranzutreiben. Die Außenverteidiger schoben dabei nach vorne. Allerdings nicht, wie im Pokal, ~15m über die Mittellinie, sondern diesmal im gesunden Maße.
Dadurch waren sie anspielbar, schufen – wie es in der Theorie sein soll – eine Überzahlsituation im Mittelfeld und erleichterten es den übrigen Akteuren, einen Anschein von Kontrolle und Dominanz zu erwecken und mehr und mehr zu eigener Sicherheit zu finden. Das war wichtig, denn Werder wurde, wie zu erwarten war, die Rolle zuteil, das Spiel zu machen.

Problematisch war anfangs, dass Junuzovic nicht ins Spiel eingebunden war, Ekici wie zu schlimmsten Zeiten die Bälle nicht oder erst zu spät abspielen wollte, Hunt nichts gelang und Kroos die Abstimmung mit seinen Nebenleuten fehlte. Dadurch gingen viele Bälle unnötig verloren, ohne jedoch großen Schaden anzurichten.
Dies lag vor allem an mannschaftlicher Geschlossenheit und dem Willen, Fehler sofort auszubügeln. Bis auf wenige Ausnahmen gelang das auch. Hervorzuheben ist ebenfalls die überwiegend solide Leistung der beiden Innenverteidiger.
Was fehlte war vor allem eines: Tempo. Angesichts der Startelf, die mit vielen Akteuren gespickt war, die eher als langsam gelten, war das jedoch wenig verwunderlich und dürfte von Dutt auch so in Kauf genommen worden sein.

Das Spiel plätscherte folglich die ersten 45 Minuten ohne größere Höhepunkte vor sich hin, einzig ein Kopfball Petersens nach einem Bremer Eckball wurde gefährlich.
In Halbzeit zwei zog Werder dann zu Beginn etwas die Zügel an und kam zu 2-3 kleineren Chancen, ehe Braunschweig die Scheu vor der ersten Liga ablegte und Werder gute 15 Minuten ins Schwimmen brachte, die Chance auf einen Sieg witterte und weiter aufrückte.
Dies ermöglichte Werder größere Räume und infolgedessen Kontersituationen. Dutt brachte zwischenzeitlich mit Elia einen schnelleren Spieler für Ekici, doch es war Junuzovic, der nach einem Befreiungsschlag Prödls überaus abgezockt das Siegtor erzielte.
Anschließend lief Braunschweig weiter an, Werder zitterte und konnte schließlich. etwas glücklich, jubeln.

Weiter gehts

Es bleibt nicht mehr viel zu sagen. Werder hat gewonnen, allerdings auch gegen einen Gegner, der ruhigen Gewissens als Abstiegskandidat Nummer 1 bezeichnet werden darf. Den Braunschweigern fehlt es an Erfahrung, individueller Klasse und finanziellen Mitteln. Taktisch ist man allerdings, Lieberknecht sei Dank, auf einem guten Niveau und mit einem fitten Kumbela – oder etwas mehr Glück – wäre gegen zwar verbesserte aber erneut schwache Bremer durchaus mehr drin gewesen.
Das wiederum sollte für uns Anlass genug sein, uns zwar zu freuen, allerdings auch direkt den Blick nach vorne zu richten.
Augsburg hat sich nach dem Aufstieg zwei Jahre in Folge in der ersten Liga halten können und damit so ziemlich alle überrascht.
Das Team ist in in Bezug auf mannschaftliche Geschlossenheit, Kampfeswillen und Ehrgeiz ein Musterbeispiel für manche Diventruppe. Spielerisch sind sie nach den Abgängen von Ji und Koo zwar limitiert, dafür allerdings überaus erfahren im Abstiegskampf – etwas, das sie Braunschweig beispielsweise voraushaben.

Insofern sollte klar sein, dass Augsburg eine deutlich härtere Nuss wird als die Braunschweiger Löwen. Werders Erstligabilanz gegen sie spricht zudem Bände: Seit dem Aufstieg der Augsburger ist Werder noch ohne Ligasieg gegen sie.
Ein Heimsieg wäre ein erneutes wichtiges Zeichen und drei Punkte allein deshalb wichtig, weil im Folgespiel gegen Dortmund, so realistisch muss man sein, keine Punkte einzuplanen sind.

Verbessert werden muss auf Seiten der Bremer vor allem das Umschaltspiel nach Ballgewinnen. Man muss schneller und vor allem präziser spielen. Das geht allerdings nur, wenn sich mehr Spieler an der Vorwärtsbewegung beteiligen. Etwas, das gegen Braunschweig höchstens als “mangelhaft” zu bewerten war.
Ansonsten gilt weiterhin: Kompakt stehen, durch einfache Aktionen, Kampf und Leidenschaft ins Spiel kommen und sich dadurch Sicherheit und Erfolgserlebnisse holen. Augsburg hat eben jenes Denken perfektioniert – und ist uns daher zumindest in diesem Punkt voraus.
Der Rest wird sich kommendes Wochenende zeigen.

 

Werder unter Dutt – alles anders und doch altbekannt

Es geht wieder los

Sonntag, 14:30 Uhr. Die Sonne scheint, der Fernseher tönt und das Bier ist kalt.
Die Spieler laufen aufs Feld, nehmen ihre Startpositionen ein und atmen ein letztes Mal tief ein und aus, bevor es dann losgeht.
Mit dem schrillen Ton der Pfeife beginnt das Geschehen auf dem Rasen, die Spieler setzen sich in Bewegung, der Ball rollt und mein Herz fängt an zu pochen.
Aufregung, beinahe Ekstase macht sich breit und das altbekannte Gefühl ist zurück – Fußball ist zurück.

Nach wenigen Minuten weicht die blind-naive Freude angesichts des Wiederkehrens der liebsten Nebenschäftigung der einzig wahren Leidenschaft zeitweiser Ernüchterung:

Das sieht nicht so aus, wie es aussehen sollte. Mehr noch: Das sieht nicht gut aus.

Ich verhalte mich wieder wie so oft und bleibe ruhig, schließlich ist ja noch Zeit.
Quatsch, ich fange natürlich an zu meckern, wie ich es fast immer mache, wenn mein Team vor Problemen steht.

Die Außenverteidiger stehen viel zu weit vorne. Ruf die doch zurück, Robin! Ruf sie zurück!

 

Cut! Erstrundenaus Nummer 3

Machte er nicht. Nicht nach 15 Minuten, nicht nach 30, auch nicht nach 0:1 Rückstand und Halbzeitpfiff – was mehr oder weniger das gleiche Ereignis beschreibt. In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung ebenfalls nicht.
Stattdessen wechselte er zur Halbzeit Arnautovic ein, der das immerhin 15 Minuten lang rechtfertigen konnte, Yildirim, weil Ekici sich verletzte und beim Rückstand in der Verlängerung Hartherz, bei dem ich nicht mal jetzt weiß, wie er es hätte rechtfertigen sollen.

Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen blieben das gesamte Spiel über zu groß, die Außenverteidiger isolierten sich durch ihre zu hohe Stellung selbst, das Mittelfeld verstand es vorzüglich, sich den Großteil des Spiels über zu verstecken (ah, Juno, da bist du ja!) und die Offensivreihe rieb sich zwar läuferisch auf, das interessierte Saarbrücken allerdings herzlich wenig, schließlich kam der Ball ohnehin überaus selten zu jenen Spielern.

Stattdessen verlor Werder viele Bälle im Vorwärtsgang und brachte sich dadurch überaus häufig in prekäre Situationen. Erstaunlicherweise führte nur eine dieser Situationen direkt zu einem Saarbrücker Torerfolg.

Werder wiederum spielte sich seltenst Torchancen heraus und wenn, dann vergab sie der österreichische Ibrahimovic in gewohnter Manier.

Es gab bei diesem Spiel niemanden, den man hervorheben konnte. Wobei, doch. Mielitz. Der rettete uns nach schwacher erster Halbzeit immerhin mit einigen sehr starken Paraden in der zweiten Halbzeit noch in die Verlängerung – in der er dann wiederum bei beiden Gegentoren machtlos war.
Danke dafür, Basti. Wenn du die Saison über diese Leistung abrufst, haben wir zumindest im Tor kein Problem – und du wirst vielleicht endlich nicht mehr mit Borel verglichen.

Guter Ansatz, schwache Umsetzung

Was bleibt ansonsten zum Spiel zu sagen? Ich für meinen Teil habe größtenteils damit abgeschlossen, deshalb möchte ich mich hier so kurz wie möglich halten.

Werder begann und blieb im 4-3-3, wie es zuletzt unter Dutt praktiziert wurde.
Mielitz stand im Tor, was so auch zu erwarten war. Soweit so gut.
Die Viererkette bildeten, von rechts nach links, Fritz, Prödl, Caldirola und Gebre Selassie.
Im Mittelfeld agierte Makiadi als tiefster der drei Mittelfeldspieler, unterstützt wurde er von Ekici und Junuzovic.
In der Offensivreihe startete Hunt zentral, Füllkrug ersetzte den ausgefallenen Elia links und Petersen spielte rechts.

Bei eigenem Ballbesitz ließ sich Makiadi zwischen die weit auseinander rückenden Prödl und Caldirola fallen und war der Hauptverantwortliche für den Spielaufbau. Fritz und Gebre Selassie schoben bis weit über die Mittellinie vor, Ekici und Junuzovic suchten den Weg nach vorne.
Ab und zu ließ sich einer von beiden fallen, um Makiadi zu unterstützen. Auch Hunt wählte phasenweise den Weg nach hinten und versuchte, durch Diagonalbälle die Saarbrücker Ordnung durcheinander zu bringen.
Ansonsten rotierte er, wie die gesamte Offensivreihe, viel.

Der Ansatz ist durchaus interessant, aufgrund mangelhafter Umsetzung kam dabei jedoch so wie nichts Ertragreiches herum.
Wirklich gut sah Werders Spiel folglich selten aus. Auf den Spielfluss, den die Werderaner gegen Fulham an den Tag legten, wartete man das ganze Spiel über vergeblich.
An der Tagesordnung standen stattdessen einfache Ballverluste, individuelle Unzulänglichkeiten und das taktische Verhalten von E-Jugendlichen sowie eine, selbstverständlich, schwache Chancenauswertung.

Einige, etwas ausführlichere, Kritikpunkte:

1) Zu wenig Bewegung ohne Ball.
Der Raum muss durch Pässe überbrückt werden, nicht Läufe. Das geschah, wie so oft in der Vergangenheit, viel zu selten. Woran lag das? Unter anderem an Punkt 2:

2) Mangelhafte Abstimmung der Mannschaftsteile untereinander.
Abwehr, Mittelfeld, Sturm. 3 Einheiten, die bei uns völlig getrennt voneinander agierten. Wobei, nicht ganz. Es waren eher 2 Einheiten: Spieler hinter dem Mittelkreis, Spieler am gegnerischen Strafraum. Zumindest gefühlt. So geht das nicht. Denn das führt zu Punkt 3…

3) Zu wenige Anspielstationen.
Wenn zwischen den einzelnen Spielern 30-50M liegen, dann sind diese durch Flachpässe kaum zu überbrücken, weil 3-4 Gegenspieler die Räume ausreichend besetzen können, um jene Pässe abzufangen. Was bleibt? Lange Bälle. Die wiederum sind schwerer zu kontrollieren, was wiederum zu Punkt 4 führt:

4) Zu wenig Spielkontrolle.
Wenn ein Bundesligist gegen einen Drittligisten spielt, der zuvor seine beiden Auftaktspiele verloren hat, dann erwartet man eine klare Rollenteilung: Der Bundesligist kontrolliert das Spiel, der Drittligist stellt sich hinten herein und hofft auf Konter. Werder war der Bundesligist, Werder hatte auch mehr Spielanteile, Werder hatte jedoch keinerlei Kontrolle. Man hatte Saarbrücken zu keiner Zeit im Griff, weil man keine Ideen hatte. Das lag zu großen Teilen an den Punkten 1-3.

5) Zu wenig Leidenschaft.
Dieser Punkt klingt unfassbar billig und wie eine von etlichen abgedroschenen Stammtischparolen. Nur: Diesmal war sie in meinen Augen zutreffend. Ich bin kein Freund davon, Niederlagen auf mangelnden Einsatz oder Kampfbereitschaft zu schieben, da das in meinen Augen immer ein sehr subjektives Empfinden ist. Nur: Wenn man 2 Jahre in Folge in der ersten Pokalrunde gegen einen Drittligisten ausschied, dann erwarte ich im dritten Anlauf von der ersten Minute an ein Team mit einem Messer zwischen den Zähnen. Das gab es auch – nur leider war es Saarbrücken. Die schossen dabei zwar teils deutlich übers Ziel hinaus, doch der Schiedsrichter ließ es ihnen durchgehen. Spätestens nach 45 Minuten war dessen Linie klar, Werder verfiel jedoch lieber in Selbstmitleid und wartete vergeblich auf einen Paradigmenwechsel des Schiedsrichters.

Nach 120 Minuten, in denen man insgesamt einem Drittligisten gegenüber klar unterlegen war, bleibt Ratlosigkeit. Dass man verloren hat ist ärgerlich und unnötig, vor allem bei der Vorgeschichte. Es kann jedoch passieren.
Was mich schlicht und ergreifend wahnsinnig wütend macht, ist die Art und Weise, wie dieses Spiel verloren wurde. Doch dazu später mehr – jetzt gilt es, voraus zu blicken. Nächstes Wochenende steht das Alltagsgeschäft an, die Bundesliga geht wieder los. Werder beginnt die Saison, wie so oft, mit einem Auswärtsspiel.

Ein Duell unter Traditionsklubs

Werder gastiert in Braunschweig, die nach jahrelanger Abstinenz ihr Comeback im Oberhaus feiern. Ermöglicht haben das Marc Arnold und Thorsten Lieberknecht, die aus einem heruntergewirtschafteten Traditionsverein ein Team geformt haben, das innerhalb kürzester Zeit ohne großen finanziellen Spielraum von der dritten Liga zurückkehrte in die erste. Dabei trat man stets strukturiert und geordnet auf, war immer mit 100% Einsatz dabei und glänzte durch eine kompakte Defensive und direktes sowie schnörkelloses Offensivspiel, vornehmlich nach Ballverlusten des Gegners.

Braunschweig stellt damit eine Art von Team dar, die Werder seit langer Zeit nicht mehr besonders liegt: Aggressiv, gut strukturiert, schnell im Umschalten.

Individuell sind sie dem glorreichen SVW zwar unterlegen, im Endeffekt heißt das jedoch nichts. Werder muss sich in nahezu allen taktischen sowie spielerischen Belangen im Vergleich zum Pokalspiel verbessern, um gegen Braunschweig zu gewinnen.

Die werden in ihrem ersten Heimspiel nach dem Aufstieg sicherlich brennen, wie es immer so schön heißt. Außerdem haben sie sich im Pokal deutlich besser geschlagen als Werder und gegen einen Zweitligisten, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, nur knapp mit einem Tor Unterschied verloren. Hut ab dafür, liebe Löwen. Beachtliche Leistung.

Werder muss daher deutlich präziser, ausgewogener, sicherer und kontrollierter spielen. Dutts Ansatz ist zwar interessant und verspricht bei guter Umsetzung dominanten und ansehnlichen Fußball, bislang wirkt es jedoch so, als sei das Team mit seinen Ansagen überfordert. Die Außenverteidiger stehen hoch, weil sie so stehen sollen, lassen dabei jedoch jegliches Gefühl dafür vermissen, wann es angebracht wäre, tiefer zu stehen. Junuzovic und Ekici sind keine Spieler, die einem Spiel Struktur geben können und vor allem Letzterer ist kein Spieler, der für schnelles Umschalten steht.
Makiadi wiederum hatte seine besten Jahre neben einem 6er, der für defensive Struktur stand. Er selber glänzte als ergänzender Part, der durch simples aber effektives und ehrgeiziges Spiel bestach. Nun muss er den Organisator spielen, obwohl das weder für ihn noch für das Team die beste Lösung zu sein scheint, bleibt die Problemposition des Kaders schlechthin damit weiterhin unbehandelt.

Hunt, der in der letzten Saison eine Hinrunde spielte, die ihn wieder in die Notizbücher Löws brachte, wenn auch nur für unbedeutende Freundschaftsspiele, wurde von seiner Paradeposition als Strukturgeber in einem Dreiermittelfeld in die Offensive gezogen, wo er der kreative Mann und das Herzstück der Offensive sein soll. Das entspricht jedoch weder seinen Stärken, noch kommt es den Spielern entgegen, die diese Position auf ihre Art und Weise interpretieren würden und nun eine Rolle spielen müssen, die ihnen nicht unbedingt liegt.
Aaron kann als “false nine” funktionieren, zumindest eher als jeder andere Spieler des Kaders. Bislang wirkt es jedoch so, als würde er dort nur spielen, damit Ekici im dritten Jahr bei Werder auch der letzten seiner zahlreichen Ausreden entledigt werden kann.

Ein Schritt zurück – und dann stehen lernen

An Dutts Stelle würde ich genau das machen, was ich auch Schaaf die letzten Jahre über empfahl: Simpel anfangen. Basics pauken. Nicht zu kompliziert und anspruchsvoll werden. Erst lernen, sicher zu stehen, bevor man beim Sprinten auf der Nase landet.

Ein “simples” 4-3-3 einstudieren, bei dem die Außenverteidiger zwar nach vorne schieben, allerdings keine 15-20 Meter über die Mittellinie. Hunt als Strukturgeber im Mittelfeld, Makiadi als box-to-box Akteur neben ihm, auf der 6 ein Spieler wie Kroos oder Trybull, die für simples, klares und intelligentes Spiel stehen. Sie werden Fehler machen, weil es ihnen an Erfahrung, Reife und Spielpraxis fehlt. Sie sind jedoch die einzigen Spieler im Kader, denen ich es wirklich zutraue, in diese Rolle hineinzuwachsen. Die Chance, Schuster zu verpflichten, sofern sie überhaupt bestand, hat man vorerst versäumt.

In der Offensivreihe ist die Besetzung komplizierter. Füllkrug ist ein Mittelstürmer, kein Außenstürmer. Er ist für einen Mittelstürmer schnell, technisch gut und spielerisch mindestens solide. Für einen Außenstürmer mangelt es ihm an Fähigkeiten im 1 gegen 1 sowie dem Gespür fürs Verhalten an der Außenlinie. Im Strafraum ist er dafür stark, verfügt über einen beidseitig guten Abschluss, ist körperlich robust und durchsetzungsfähig und hat ein gutes Gespür für die richtigen und gefährlichen Laufwege. Geblockt wird er von Petersen, der langsamer und technisch schwächer, dafür aber kaltschnäuziger und in seiner Spielweise ausgewogener und reifer ist. Er arbeitet – noch – mehr fürs Team und hat bereits gezeigt, dass er als Stürmer in der Bundesliga mithalten kann.

Auf den Außenpositionen hat man, Stand jetzt, Elia, Arnautovic und Yildirim. Keiner der drei konnte bislang nachhaltig überzeugen, Arnautovic wird zudem bald nicht mehr im Kader sein. Hier wäre ein Neuzugang angebracht, das Suchprofil dafür sollte in Signalfarbe “technisch stark, spielintelligent, Zug zum Tor” beinhalten.

Das Team sollte nach dem Pokalaus nicht verteufelt werden und Dutt ebenso wenig. Man muss sich in Geduld üben, das war von vornherein klar. Dutt wird lernen müssen, dass seine Ideen Zeit brauchen und er sie Stück für Stück verwirklichen muss – denn wenn er zu schnell zu viel will, wird er sehr schnell nur noch wenig haben.

Wie es sich für einen anständigen Fan eines Bundesligavereins gehört, werde ich daher still und leise in meinem Kämmerchen sitzen, “meinem” Verein so viel wie möglich meines Ersparten spendieren und nach Niederlagen geduldig sein, schließlich braucht das Team Zeit. Die Geschehnisse selber spielen dabei kaum eine Rolle, schließlich ist hier vieles neu und das braucht einfach ein bisschen.

Moment.. ganz so einfach ist das dann doch nicht.

Geduld mit Ansprüchen

Zum Abschluss mache es mir einfach und präsentiere euch eine Reihe von Tweets, die ich gestern Abend nach dem Spiel an den offiziellen Twitteraccount meiner Herzdame (also der fußballerischen) schrieb. Es geht um zwei Jugendliche, einen Jungen und ein Mädchen, die sich einer jahrzehntelangen Familienfehde zum Trotz unsterblich ineinander verlieben und… Hoppla, falsches Drehbuch. Here it comes:

Bei allem Respekt und aller Fairness, @werderbremen. Seit 2 Jahren verteidige ich das (wechselnde) Team gegenüber den Vorwürfen mangelnder Einsatzbereitschaft und mangelnder kämpferischer Attitüde. Regelmäßig hör’ ich mich “sie haben gekämpft” sagen, regelmäßig renn’ ich wieder ins Stadion oder vor den Fernseher, fieber’ mit, leide mit, lebe mit und steh’ hinter dem Team - aber das heute, zum nun mehr dritten Mal in Folge, war indiskutabel. Irgendwann überwiegen Wut und Ärger. Irgendwann, @werderbremen, hab’ auch ich und stellvertretend etliche andere tausende Fans, die Faxen dicke. Das heute war leidenschaftslos.
Heute fehlte die Bereitschaft, über die Schmerzgrenze zu gehen. Heute fehlte die kämpferische Attitüde.
Das heute war unstrukturierter, leidenschaftsloser Fußball eines Teams, das es besser wissen und mehr “wollen” sollte.
Wenn man als Erstligist, der zuvor 2 Mal in Folge gegen einen Drittligisten ausschied, hier heute aufs Feld geht, dann, @werderbremen muss man so agieren wie Saarbrücken von Beginn an: Mit dem Messer zwischen den Zähnen. So wie 08/09 in Pokal und UEFA-Cup.
Die Zeit der Ausreden ist endgültig vorbei. Eine “Entschuldigung” verliert nach 3 Jahren an Bedeutung.
Keiner sagt oder denkt, dass es für das Team jetzt leicht ist. Aber als Fan will man jetzt endlich eine Reaktion sehen.
Man will eine Struktur sehen, eine Einheit, man will Leidenschaft und unbedingten Willen sehen – heute sah man nichts.
Der Auftritt heute hatte nichts von dem Verein an sich, von dem ich Fan wurde-
Das war ein 0815-Klub, nicht “Werder”.
Dass Veränderungen Zeit benötigen ist klar.
Die Geduld haben wir – unter der Voraussetzung, dass wir die Bereitschaft sehen. Man kann nicht immer nur die Geduld der Fans fordern und dann selber so agieren wie heute. Das funktioniert nicht.
Luginger sprach davon, dass man sich im Pokal gegen Werder Selbstvertrauen für die Liga holen könnte – als Drittligist! Die Reaktion darauf wäre gewesen, den Klassenunterschied zu verdeutlichen.
Heute schienen die Rollen vertauscht. Schon wieder.
Dem Team bleibt jetzt zum wiederholten Male nur die Liga. Da gilt es jetzt, zu zeigen, dass man noch da ist.
Wieder da ist.
Da werden die Fans wieder ihren Teil liefern, wieder hinter dem Team stehen.
Fraglich ist, ob das Team für Werder einsteht.
Denn Werder ist mehr als die Spieler, die auf dem Platz stehen. Werder ist mehr als der Verein und die GmbH. Werder ist Bremen - und noch so viel mehr.
Das haben die Fans zum Großteil begriffen.
Das zeigen sie Woche für Woche aufs Neue.
Jetzt muss das Team endlich zeigen, dass sie es begriffen haben – und dass sie mehr sind als nur Angestellte.

Ich für meinen Teil bin fertig für heute.
Gegen Braunschweig bin ich wieder da – ihr diesmal hoffentlich auch.

 

Zweites Kapitel: Hoffnung

Ein neues Buch angefangen. Ein erstes Kapitel wie der Beginn einer Tragödie. Es ist alles vorausgedeutet. Es ist alles bereits gezeichnet. Alles, was scheitern kann. Vielleicht sogar scheitern muss. Und ich weiß, viele waren skeptisch, einige schon nach dem ersten Kapitel in tiefe Trauer gestürzt (mich eingeschlossen). Das zweite Kapitel, die zweite Situation, die selben Helden, die zweite Niederlage. Und doch habe ich es mit einem Lächeln gelesen. Und das ging bis in die Niederlage und noch zeilenweit über das Ende hinaus. Es gab keine eigentliche, nicht einmal eine uneigentliche Befreiung.
Aber wie auch – diese Geschichte ist noch mindestens 33 Episoden lang.

Es ist auch im zweiten Abschnitt nicht alles besser, aber vieles verändert. Die Charaktere stehen nicht weniger unter Druck, und doch scheinen sie etwas aufrechter zu gehen und sich etwas mutiger durch die Probleme dieser Geschichte zu kämpfen. Und statt als weiterer Skeptiker hier zu erzählen, warum man nichts überbewerten und erst Recht nichts hoffen darf, werde ich nun, verliebt in mein neues Buch erzählen, warum ich an diese Romanhelden glaube. Schwärmerisch und jeden Ansatz des Guten überbewertend.
(Ohne dabei auf die Wandlung in ein Kochbuch mit Salatschüsselprämie zu hoffen.)

Und da ist schließlich auch dieser elegante Fremde6, neu im Personengeflecht und doch sofort damit verwoben. Sich seiner Kräfte noch nicht ganz sicher, startet er doch von Beginn an auf einer ungewohnten Position. Und doch, kann man in seinen winzigen Bewegungen erahnen, warum dieser Mann vielleicht eines Tages entscheidend sein wird. Diese winzigen Bewegungen, nur aus dem Fußgelenk heraus, zu weiten präzisen Pässen, diagonal, exakt, auf kaum merkliche Weise beeindruckend. Natürlich fehlt etwas, aber so ist es immer am Anfang. Die Personen wachsen mit der Geschichte. Aber das waren Pässe wie Satzanfänge. Von etwas sehr Schönem.

Teil meines Lächelns waren auch zwei Jungen7,11, die oft ungestüm, oft holprig bis zur (Nach-)Lässigkeit wirken, die an diesem Tag zeigen konnten, in wieviel Probleme sie vor allem den Gegner stürzen können, wenn sie wollen. Und sie wollten. Die zugleich Spiel und Handlung und Gefahr nach vorne bringen, und dort auf eine sehr abgebrühte Western-Art-und-Weise noch aus dem Stand die Vorlage zum Sieg geben können. Um sich dann wieder und wieder fast schon rückblendenartig fallen zu lassen und im Rückwärtsgang den roten Faden neu aufzurollen.

Währenddessen lernt zwischen zwei gemalten und einem räumlichen Käfig eine junge Hauptfigur1 gleichzeitig einem Kugelfeuer Einhalt zu gebieten und ein eigenes zu entfachen. Mit ruhigen Füßen und sicheren Schritten. Mit Mut und Vertrauen zu den Männern vor ihm, auch wenn diese es manchmal verlieren. Sowohl den Mut als auch das Vertrauen in sich. Und müde werden, und verzweifelt. Und einer von ihnen zum tragischen Helden17 wird, als der Gegner vor seinen Füßen und hinter seinem Rücken entkommt. Und man sehen und fühlen kann, wie tief in das erschüttert. Und auf der bildlichen wie wörtlichen anderen Seite: Ein erster Auftritt und ein erstes Tor23.

Doch vor allem galt mein Lächeln einem vorm Volke in Ungnade Gefallenen14, der sich noch immer nicht ganz dieser Rolle entwinden kann, obwohl seine Taten (nicht erst in dieser Saison) keinen Grund (mehr) dazu geben. Mit einem genialen Auge für Lücken, durch die nicht viel, aber ein Ball wohl hindurchpasst, oder vielmehr: wo er selbst den Ball hindurchpasst. Es sind diese Pässe quer übers Spielfeld und doch vorbei an allen, die versuchen könnten, ihn aufzuhalten. Und es ist einfach schön, ihm dabei zuzusehen. Das sind Bälle wie Wortspiele, mühelos und wunderschön.

Ich liebe den Autor, ich werde vielleicht mein Leben lang mit ganzem Herzen daran gebunden sein, was er schreibt. Oder vielmehr, was sie schreiben, leben, spielen. Mit jedem Pass, mit jedem Blick, mit jedem Schuss kommen neue Zeilen aus grünen Lettern dazu. Und ich weiß noch immer nicht, was es für eine Geschichte ist. Vielleicht haben die ersten Zweifler Recht und es ist, war und bleibt eine Tragödie. Aber dieses zweite Kapitel lässt mich hoffen. Und ich weiß, dass es vielen ähnlich ging. Vielleicht, vielleicht wird es doch eine Komödie. Mit einem glücklichen Ende. Vor allem aber: Mit Lesefreude.

Anmerkung: Die hochgestellten Zahlen sind die Rückennummern der enstprechenden Spieler. Für vereinsfremde stehen auch alle erwähnten Spieler in den Schlagwörtern.

Ordem e Progresso

Auf Einladung von Jacobs Krönung durfte ich das Spiel gegen Nürnberg in der Jacobs Krönungs Frauen-Lounge sehen. Oh, und Prödl zur Halbzeit.

Fortschritt und Ordnung, so steht es auf grünweißen Fahnen, nun gut, das war farblich sehr grob gerundet, aber immerhin eine Fahne mit grünen und weißen Anteilen, deren Verbindung zum Fußball zudem eine innig liebende ist. Und auch wenn das Spiel am vergangenen Sonntag nicht so direkt an die gleiche Art von Fußball erinnert hat, an die man da so intuitiv denkt, das Motto des dazugehörigen Landes scheint mir durchaus geeignet. Geeignet, um zu beschreiben, warum ich trotz der Niederlage einen Fortschritt im Bremer Spiel sehe. Und warum mir trotz der angeblichen Verlangweiligung des Werder-Fußballs die Entwicklung gefällt, die ich derzeit sehe.

Das Spiel zeigte trotz der Niederlage weiterhin verbesserte Ansätze, was Zusammenspiel, Passgenauigkeit, Spielaufbau angeht. Gegen Nürnbergs starke Defensivleistung kam Werder dennoch zu einigen großen Chancen. Ich denke hierbei insbesondere an Marin und Pizarro. Daran, wie Pizarro kurz vor Ende der ersten Halbzeit aus 10 Metern den Ball am Tor vorbei lupft. Und daran, wie Marin in der 62′ Minute nach einer großartigen Vorarbeit von Pizarro freistehend vorm Tor vergibt. Die Chancen waren da. Auf beiden Seiten. Und Nürnberg bzw. Esswein hat sie genutzt. Und geführt. Und gewonnen.

Vor dem Spiel gab Thomas Schaaf als Ziel aus, die Räume eng zu machen, weniger Chancen zuzulassen, kompakt zu stehen. Und rückblickend, wenn ich das Spiel so betrachte, dann wurde davon doch auch einiges umgesetzt. Das Zusammenspiel der Mannschaft wirkte verbessert, die Pässe sicherer. Die Spielzüge wirken weniger hektisch als noch zu Beginn der Rückrunde. Die Pass- und Laufwege harmonieren immer besser. Aus der noch zu Beginn der Rückrunde eher passiv als defensiv wirkenden Spielweise wird Schritt für Schritt eine geordnete Defensive. Und nach wie vor beeindruckt mich, was gerade die jungen Spieler für eine Übersicht haben. Affolter fällt durch eben diese Spielweise auf, auch wenn das vergangene Spiel eine eher durchwachsene Leistung von ihm zeigte. Und die Ruhe und die Intelligenz, mit der Trybull und Hartherz spielen, ist nicht nur für ihr Alter besonders.

Insgesamt scheint diese nun defensivere Ausrichtung der Mannschaft gut zu tun. Dieses sehr junge und in dieser Zusammensetzung auch sehr neue Team gewinnt darüber langsam an Sicherheit. Und die Aktionen an Abstimmung. Denn für Thomas Schaafs Lieblingsfußball fehlen noch die Grundlagen. Aber ich sehe uns auf dem Weg dorthin. Und bis dahin sehe ich uns auf dem Weg zu einer soliden Defensive. Oder wie Prödl im Halbzeitgespräch die Lage zusammenfasste: “Hinten steh’ mer gut, nur vorne fehlen halt die Tore.”

Im Voraus galten die meisten Fragen und Sorgen dem, ob Werder überhaupt fähig ist, das Spiel zu machen. Im Spiel gegen Nürnberg wurde deutlich, dass sie das durchaus sind. Wenn auch mit punkte- und tabellentechnisch mäßigem Erfolg. Werder war über Großteile des Spieles das dominierende Team. Mit 20:11 Torschüssen und mehr als doppelt so vielen angekommenen Pässen (Werder: 447/ Nürnberg: 164) waren sie über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft. Womöglich ist das Ergebnis die einzige Statistik, in der sich diese Dominanz nicht niederschlägt.  In Hamburg haben wir mit unter 35% Ballbesitz gewonnen, gegen Nürnberg mit 64% Ballbesitz verloren – die letzten beiden Spiele lassen vor allem erkennen, dass Ballbesitz längst nicht alles ist.

Die Niederlage gegen Nürnberg war meiner Ansicht nach jedoch nicht aus spielerischen, sie war aus Effektivitätsgründen. Und ich sehe uns trotz dieses Rückschlags im Aufwärtstrend.
Aufwärts – zu Ordnung im Spiel und Fortschritt in der Tabelle.