Ein Spiel als Sinnbild des Wandels – der ehemalige Aufbaugegner als Werders erster Gradmesser

Früher, als die Werder-Welt noch schön war, man regelmäßig mindestens EL spielte, im Normalfall sogar CL, da waren Siege gegen den “kleinen HSV” aus der Stadt, die eigentlich lieber Bremen wäre fest einzuprogrammieren.
Das galt für Heim- wie Auswärtsspiele gleichermaßen, insbesondere die Auswärtsspiele waren dabei jedoch hervorzuheben – und sind es mittlerweile wieder.

Ein neuer Konkurrenzkampf im Norden – Hannover auf der Überholspur

Dass sich die Kräfteverhältnisse im Norden von der ehemals klaren Staffelung glorreicher SVW – verbitterter titelloser HSV – manchen sympathischer Kiezklub – kleiner Rest deutlich verschoben haben muss man nicht mehr großartig erwähnen, deshalb geh ich auf den Fall der beiden einst großen und im Norden unantastbaren Bundesliga-Gründungsmitglieder nicht ein.
Viel interessanter ist die Entwicklung des früher kaum beachteten und mittlerweile von vielen als Nummer 1 im Norden angesehenen Sportvereins aus Hannover.
Binnen weniger Jahre (2-3, um genauer zu sein) haben Schmadtke und Slomka unter Schirmherr Kind aus dem ehemaligen Abstiegskandidaten und graue Maus-Club Hannover den vielleicht am effizientesten arbeitenden Verein der Bundesliga gemacht – sowohl auf, als auch abseits des Rasens.
Man spielt sehr intelligent und stellt mittlerweile – vor allem im eigenen Stadion – für jeden Klub der Liga eine Herausforderung dar.

Beschränkte man sich anfangs noch größtenteils aufs reine Kontern aus einer sehr gut gestaffelten Defensive und überraschte damit so manchen, so passte man mit der veränderten Wahrnehmung in der der Öffentlichkeit mehr und mehr an.

Mittlerweile sind immer noch das blitzschnelle Umschaltspiel und die gesicherte Defensive die Schlüssel des Hannoveraner Spiels, doch ist man, gereift durch die zwei Jahre Erfahrung in der Europa League, um einiges facettenreicher geworden.

Während Schmadtke den Kader um einige spielstärkere Akteure ergänzte (hervorzuheben sei hier insbesondere Huszti), feilte Slomka an verbessertem Aufbauspiel und Kombinationen auf kleinerem Raum.
Die spielstärksten Akteure der 96er sind dabei [Da Silva] Pinto, Huszti und Schlaudraff.
Zusammen sind sie in Topform in der Lage, aus der rein konterstarken Mannschaft ein Team mit immer weniger echten, ausgeprägten Schwächen zu machen.

Kurzum: Hannover ist – leider, aus Bremer Sicht – ein unfassbar schwer zu bespielender und sehr starker Gegner geworden.
Sie sind, so die Momentaufnahme, näher an den Spitzenteams dran als der SVW, weil sie reifer und abgeklärter spielen, insgesamt ausgereifter und in ihrer Entwicklung weiter sind.

 Der Wandel des SVW – Der Neuanfang eines einstigen Spitzenteams

Der Saisonstart der Bremer war – rein punktetechnisch – durchschnittlich und noch nicht übermäßig erkenntnisreich.
Eine zu erwartende Auftaktniederlage  gegen den BVB, wo man für viele überraschend mitspielte und ein zu erwartender Derbysieg gegen den mal wieder (oder immer noch) kriselnden HSV, wo man sich schwerer tat als gehofft.

Werders Stärken liegen momentan in einem bereits ordentlich einstudierten Flügelspiel und im Vergleich zu Vorjahren deutlich verbessertem Umschaltspiel, ermöglicht hauptsächlich durch Veränderungen im Mittelfeld und die Umstellung des Spiels auf ein System mit offensiven Außen.

Man hat dabei mit Hunt, Junuzovic und Fritz/Bargfrede ein sehr ausgeglichenes Mittelfeld-Trio, das sowohl laufstark als auch annehmbar zweikampfstark, schnell und spielstark ist.
Hervorzuheben ist hierbei das starke Duo aus Junuzovic und Hunt, die sich exzellent ergänzen und – der eine wie der andere – für viele, insbesondere außerhalb Bremens, eine positive Überraschung darstellen.
Während Junuzovic durch ein enormes Laufpensum und dabei immer effizienteres Spiel auffällt, was in der Rückrunde noch sein Problem war, überrascht Hunt durch ein in fast allen Bereichen unglaublich souveränes Auftreten.
Er zeigt sich selbstbewusster, übernimmt Verantwortung und übertragt das auch auf den Platz.
Er fordert den Ball, hält ihn, verteilt ihn – alles durchdacht, alles mit Hunt und Fuß.
Er ist, das muss man so hervorheben, der Strukturgeber in Werders Spiel und wurde bereits am ersten Spieltag von Klopp hervorgehoben als der Mann in Werders Spiel, den man nicht in den Griff bekam.

Auf den Außen wird das Team, auch in seiner Spielweise, durch die pfeilschnellen Elia, Arnautovic und den immer wieder vorstoßenden Gebre Selassie ergänzt.
Insbesondere Arnautovic hat dabei eine sehr positive Entwicklung genommen, spielt ruhiger und abgeklärter und trägt somit deutlich mehr Hilfreiches zum Spiel bei.
Sein Auftritt gegen den HSV war dabei sehr stark, als Tandem mit Gebre Selassie machte er den Hamburgern auf der rechten Seite das Leben schwer, wobei auch hier seine größte Schwäche offensichtlich wurde: Der schwache Abschluss.
Elia steht noch, oder wieder, etwas im Schatten seines Freundes und Teamkollegen, ist jedoch ebenfalls lobend hervorzuheben.
Er setzt, so wirkt es, auf dem Platz das um, was man ihm vorgibt. Er macht keine Probleme, er hat sich hervorragend ins Team eingefunden und trägt durch ganz viel #love zur guten Stimmung im Team bei.

Das “Problemkind” im Mittelfeld ist momentan Kevin de Bruyne, das ausgeliehene Toptalent – hier ist der Begriff meiner Meinung nach angebracht – vom FC Chelsea.
Problemkind insofern, als dass seine Rolle im neuen System noch nicht gefunden wurde.
Zwar macht er noch viele Fehler, was an noch nicht abgeschlossener Integration und Anpassung an die neue Liga liegt, doch ist er dennoch ein Spieler, der Werders Spiel sehr viel Variabilität und Kreativität verleihen kann.
De Bruyne ist immer auf der Suche nach dem “richtigen”, dem gefährlichen Pass, hat aufgrund seiner technischen Klasse und Übersicht viele Optionen und eignet sich hervorragend zum Kombinieren.
Im Mittelfeld ist er jedoch schwer einzusetzen, da man für ihn den 6er (Fritz/Bargfrede) opfern und Junuzovic dorthin ziehen müsste, womit man ein hohes Risiko eingehen würde.
Man wäre, mittlerweile fast ein Markenzeichen Werders, konteranfälliger und könnte die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld kaum so klein und eng halten, wie es sein müsste – was man bereits gegen den HSV, Münster und mit Abstrichen den BVB sah.

Im Nordderby war es insofern kein Problem, als dass der HSV diese Lücken nicht auszunutzen wusste.
Gegen Münster schied man auch deshalb bereits in der ersten Pokalrunde aus.

Was Hannover als Auswärtsspiel zu Werders Grauem macht

Wie bereits kurz erwähnt hat Werder Schwächen darin, die Abstände zwischen Mittelfeld und Abwehr gering zu halten, lässt regelmäßig Lücken im Arbeitsfeld des 6ers und hat auch häufiger Probleme damit, die Schnittstellen abzudecken.
Gegen den HSV war das kein Problem, gegen H96 wird es genau das sein.

Hannover ist, was das Ausnutzen derartiger Schwächen angeht, brutal stark.
Bei Kontern nutzen sie genau diese Räume exzellent aus, kombinieren sich hindurch und sind – ebenfalls ein Markenzeichen – vor dem Tor eiskalt.
Für Werder eine potentiell tödliche Mischung, könnte man doch, sollte man sich verkalkulieren, mächtig unter die Räder geraten, wie am letzten Spieltag Wolfsburg.

Deshalb ist dieses Spiel der erste echte Gradmesser für Werder: Gegen den BVB hatte man nichts zu verlieren, Hamburg kam als in vielen Bereichen schwacher Gegner.
H96 hingegen hält einem den Spiegel vor die Nase.
Sie zeigen auf, was in den letzten Jahren schief lief, sie halten einem die eigenen Schwächen vor die Nase und sobald sie die Chance haben reiben sie mächtig Salz in die Wunde.
Hier kann man zeigen, wie weit man in der Entwicklung schon ist.
Man kann zeigen, ob man die eigenen Schwächen begriffen hat und man hat die Chance, einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.
Ein Unentschieden wäre aufgrund der enormen Heimstärke Hannovers und ihrer für uns unpassenden Spielweise schon ein Erfolg, ein Sieg wäre – für mich – überraschend und ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz, die einen vielleicht schon totsagte.

Viel wichtiger als das Ergebnis ist momentan jedoch, ob man eine Entwicklung zeigt – das ließ man in der Vergangenheit nämlich vermissen.
Anders als H96 – der Nordverein, der momentan am ehesten die Bezeichnung “Spitzenteam” verdient hat.

Dennoch, da träumen erlaubt ist: Auf gehts Werder, kämpfen und siegen – die Nummer 1 im Norden sind wir, also zeigen wir das auch!

Vor dem Nordderby: Panik!

Was wäre eine Werder-Saison ohne die Nordderbys gegen den HSV? Morgen ist es mal wieder soweit und selten in den letzten Jahren hat man sich bei Werder so überlegen gefühlt. Früher war man auf Augenhöhe irgendwo ihm Bereich der Bundesligaspitze, dann war man auf Augenhöhe zwischen Niemandsland und Abstiegszone der Tabelle. Letzte Saison gab es zwei Siege für Werder. Vor allem das 2:0 im Weserstadion war relativ überlegen geführt. Damals sah es noch so aus, als könnte es eine richtig gute Saison werden für Werder.

Werder zwischen Hoffnung und Angst vor dem Rückschlag

Diese Hoffnung hat man nach dem mitreißenden Eröffnungsspiel gegen Borussia Dortmund nun auch wieder. Gegen den schwächelnden Nachbarn aus dem Norden rechnet man im Umfeld der Grünweißen mit einem Sieg. Auf dem Papier sind beide Mannschaften gleich schlecht gestartet. Beide schieden in der ersten Pokalrunde gegen Drittligisten aus, beide verloren ihre Auftaktpartien in der Bundesliga. Die Art und Weise jedoch, wie sich beide Mannschaften am letzten Wochenende präsentierten, macht Werder große Hoffnung. Während der HSV zuhause gegen nicht gerade überwältigend aufspielende Nürnberger enttäuschte, begeisterte Werder einen Großteil seiner Fans mit einer stark verbesserten Leistung gegen den Deutschen Meister. Nimmt man diese Spiele als Maßstab, ist Werder deutlicher Favorit.

Bei allen Problemen, die Werder im Pokalspiel offenbart hat und bei allem Nachholbedarf in der Feinabstimmung zeigte Thomas Schaafs Team, an welchen Dingen es im Sommer gearbeitet hat. Tiefes Verteidigen, schnelles Umschalten, diagonale Flankenwechsel und das bekannte Kombinationsspiel im zentralen Mittelfeld bereitete dem BVB einige Probleme. Werder hätte mit etwas Glück zumindest einen Punkt holen können. Die Leistung verführte fast schon dazu, die Erwartungen bei der Öffentlichkeit in ungesunde Höhen zu schrauben. Ein zweiter Blick auf das Spiel zeigte, dass Werder mit viel Risiko agierte und Dortmund eigentlich zu viel Platz im Zentrum ließ. Das richtige Gleichgewicht aus Breite und Kompaktheit muss Werder erst noch finden. Und so sehr das Spiel zum Träumen von einer besseren Zukunft anregte, so sehr sollte einen das Pokalspiel in Münster auf dem Boden der Tatsachen halten. Vielleicht war das Spiel wirklich ein Ausrutscher, das wird man erst in ein paar Wochen wissen. Doch bis dahin sollte man nicht davon ausgehen. Werder hat bislang nur bestätigt, dass die Einschätzung “Wundertüte” von vielen Experten vor der Saison zutreffend ist.

Der HSV zwischen Panik und Kaufrausch

Die Kritiker des HSV dürften sich nach dem Saisonauftakt ebenfalls bestätigt fühlen. Nach der katastrophalen letzten Saison deutet wenig darauf hin, dass diese Saison besser wird. Doch auch bei den Hamburgern sind Veränderungen sichtbar geworden. Personell musste man deutlich abspecken, ließ – ähnlich wie Werder – viele arrivierte Spieler gehen und will nun mit einem jungen Team einen Umbruch schaffen. Schnell waren Zweifel da, ob dies dem Duo Fink / Arnesen gelingen würde. Dennoch blieb es für Hamburger Verhältnisse erstaunlich ruhig und trotz der Zweifel scheint die Position der sportlichen Führung nicht wirklich gefährdet zu sein. Das überrascht bei einem Club, der nicht unbedingt für große Geduld mit seinen Trainern oder Sportdirektoren bekannt ist.

Sportlich machte der HSV zuletzt einen sehr angeschlagenen Eindruck. Die Schwachstellen sind so groß, dass die Mannschaft von vielen zu den Abstiegskandidaten gezählt wird. Sei es das einfallslose Zentrum um Westermann oder die lahmenden Flügel, eine wirkliche Idee ist nicht erkennbar im Team von Torsten Fink. Dabei hatte dieser mit seinem klar definierten System in der Vorsaison noch das große Ziel, den HSV sportlich zu revolutionieren. Zunächst durchaus mit Erfolg, wenn auch die Serie zu Beginn durch die vielen Unentschieden nicht so beeindruckend war, wie sie zwischenzeitlich verkauft wurde. Inzwischen hat Fink sein System etwas verändert, spielt nicht mehr so konsequent mit Dreierkette im Spielaufbau, setzt auf schnelle Konter, statt auf Ballkontrolle im Mittelfeld, hat den Pressing-Ansatz verändert. Zu den vorhandenen Spielern scheint das System dennoch nicht richtig zu passen.

Zum Nordderby kommt der HSV nun jedoch mit einem in vielen Positionen veränderten Team. Kurz vor Ende der Transferperiode hat Arnesen noch ein paar Mal im Schlussverkauf zugeschlagen und dabei nicht unbedingt den Eindruck erweckt, hier befände sich ein Verein auf Sparkurs. Der mit Kühne-Millionen finanzierte Van der Vaart soll dabei der Königstransfer sein. Der Rückkehrer will an seine glanzvollen Zeiten beim HSV anknüpfen. Hinter ihm sollen Jiracek und Badelj die neue Doppelsechs bilden und Westermann zurück in die Viererkette verbannen. Sieben Umstellungen im Vergleich zum Spiel gegen Nürnberg hat Fink angekündigt. Und wer weiß, wen der HSV bis zum Anpfiff noch alles aus dem Hut zaubert.

Es mag sein, dass man nun an der Elbe wieder von großen Zielen träumt und sich mit den Neuverpflichtungen auf dem richtigen Weg sieht. Bei mir hinterlässt dieser Sommer eher das Bild eines Vereins, der selbst an sein propagiertes Rezept nicht geglaubt hat, es dennoch durchsetzen wollte und nun nach den ersten Rückschlägen in Panik gerät.  In einem Spiel kann viel passieren, erst recht in einem Derby, aber Angst muss man vor diesem HSV nun wahrlich nicht haben.

Eine Wundertüte zum Geburtstag – Werder in der Jubiläumssaison, oder auch: eine Reise ins Ungewisse

Endlich!
Das Warten hat ein Ende, die Sommerpause ist vorbei und die Bundesliga startet in ihre 50. Saison.
Passend zum Jubiläum  präsentiert der Norden der Liga dabei eine Wundertüte voller grün-weißer Spielgefährten.

Werder im Wandel und als Wanderer zwischen Hoffnung und Realität

Vor wenigen Jahren noch gehörte Werder zu den absoluten Spitzenteams der Bundesliga.
Nun, angesichts des 50-jährigen Bestehens, trifft das nicht mehr zu.
Zwei Jahre Rumpelfußball und tabellarische Bedeutungslosigkeit haben zu einem Umdenken und einem bitter nötigen Umbruch an der Weser geführt und so aus dem einstigen Spitzenteam ein großes Fragezeichen gemacht.
Aus der grün-weißen Schatztruhe wurden die Zaubertricks und Tormaschinen herausgenommen, die namhaften Etiketten von den Spielzeugen entfernt und übrig geblieben sind bloß die Pralinenschachteln vom Discounter – keiner weiß, was man bekommt, keiner weiß, ob die Süßigkeiten von der Weser schmecken werden.

Das birgt Chancen und Risiken, führt zu Hoffen und Bangen.
Aus finanziellen Nöten wurde der Umbruch bei Werder geboren, sportlich wäre er jedoch schon früher notwendig gewesen und so wurde aus dem in der Theorie sanften Übergang ein radikaler Schnitt.
Wiese, Naldo, Boenisch, Pizarro, Rosenberg, Borowski, Marin.
Namhafte Spieler, ehemalige Stammspieler in erfolgreichen Werderteams und/oder
(U-)Nationalspieler.
Einstige Aushängeschilder, vereinzelt Erfolgsgaranten für das “alte Werder”, nun jedoch teils aus sportlichen, teils aus finanziellen Gründen aussortiert.

Die Nachfolger sind Spieler wie Mielitz, Prödl, Schmitz, Sokratis, Ekici, Hartherz, Trybull, Ignjovski, Arnautovic, Füllkrug, Hunt und Junuzovic.
Überwiegend günstige Spieler.
Spieler, die teils in den Schatten der großen Namen standen und nun das Licht erblicken wollen, aus der Jugend nach oben drängen oder  früher Mitläufer waren, von anderen getragen wurden und nun selber tragen müssen.
Ergänzt werden sie von Spielern wie Elia, Petersen, Gebre Selassie und De Bruyne.
Spieler, die entweder schon “oben” waren und tief fielen, vergleichsweise spät die große Bühne betraten, nach anfänglich hohem Sprung einen Schritt zurückgehen oder vor dem Schritt nach oben noch eine Stufe mehr nehmen wollen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die größte Herausforderung Werders ist hierbei, sowohl im als auch um den Verein, die Erwartungshaltung und die zu erwartende Realität miteinander vereinbaren zu können.
Man hat nicht mehr die Qualität wie früher, der Wandel des Teams wird Zeit brauchen und   doch hat man kaum Zeit.
Die offizielle Devise des Vereins ist es, “mittelfristig” wieder nach Europa zu kommen.
“Zwei, drei Jahre”, heißt das laut Klaus Allofs. Doch heißt das, so Allofs weiter, nicht, “dass es diese Saison nicht möglich wäre.”
Eine Aussage, die Werders Dilemma ganz gut widerspiegelt.

Das internationale Geschäft ist es, was es zu erreichen gilt – und das mit einem neuformierten Team, dem einiges an Erfahrung fehlt, das ‘auf dem Papier’ wie man immer so schön sagt, das vielleicht schwächste Team seit Jahren ist.
Man soll das schaffen, was die einstigen Nationalspieler in den beiden Jahren zuvor nicht zu schaffen vermochten.
Man soll die Fans zufriedenstellen, wieder guten Fußball spielen und die zwei schlechten Jahre möglichst vergessen machen.

Und doch wird man Fehler machen, man muss sie sogar machen.
Man muss sich entwickeln, reifen und Erfahrungen sammeln.

Kurzum: Man muss mit einem Team, das im Durchschnitt keine 23 Jahre alt ist, das nachholen, was den zuvor teueren und namhaften Werder-Mannschaften nicht gelungen ist.

Die präsaisonale Phase als Vorgeschmack auf das was folgt?

Vom “Werdersommer” war auf Twitter die Rede. “Love” wurde verbreitet, gute Laune machte sich breit und man war fast geneigt, von der “besten Vorbereitung aller Zeiten” zu sprechen – wäre das nicht bereits andernorts schiefgegangen.

Gute Testspielergebnisse und schönere Spielzüge, ein neues System, eine homogene, sich auf und außerhalb des Platzes scheinbar gut verstehende Mannschaft und als Sahnehäubchen die triumphale  Errungenschaft des Liga-Total Cups gegen Weltklasseteams wie Dortmund und den Freistaat Bayern.
Die Welt in Bremen war wunderbar – bis Preußen anfing zu marschieren.

120 Minuten marschierten sie, ließen nicht locker, gängelten die Bremer von allen Seiten und verwehrten ihnen schließlich die Reise nach Berlin, der zweiten Heimat der Werderaner.
Das zweite Jahr in Folge scheiterte man in der ersten Pokalrunde und schlagartig schien die gute Stimmung zu verfliegen.
Skepsis machte sich breit, Ängste traten hervor und schien zuvor noch alles duftend grün-weiß, so wirkte die Welt plötzlich grau.
Mausgrau.

Eine Achterbahn der Gefühle die, gut möglich, einen Vorgeschmack auf die folgende Saison geben könnte.
Man wird schöne Momente erleben, auf flauschigen Wolken schweben und träumen und man wird auch fallen und beginnen, zu zweifeln.

Was man bei all diesen Wechselbädern der Gefühle nie verlieren darf sind Hoffnung und Zuversicht.

Die Bundesliga feiert Geburtstag – und wir feiern mit.

Auswärts gegen den BVB wird Werder die Saison eröffnen, ‘auf dem Papier’ ein Leckerbissen, mit Glück auch auf dem Platz.
Nicht immer werden wir siegen, doch stets werden wir kämpfen.
Wir werden hoffen, bangen, zittern und uns freuen, fluchen, jammern und auf dem Boden rollen.

Doch heute Abend, da werden wir feiern.
Feiern, dass die Pause vorbei ist.
Feiern, dass die Liga wieder losgeht.
Feiern, dass wir wir sind.

Wir sind Werder Bremen, grün-weiß das Emblem – und verflucht nochmal, wir kommen immer wieder!

Kurzfristig denken

Selten war die Euphorie vor einem Spiel gegen die Bayern so gering. Derzeit scheint alles andere wichtiger zu sein. Die Saison wurde bereits abgehakt. Die Europa League ist zwar noch möglich, doch dran glauben mag keiner mehr. Das ist auch gut so. Heute ist kein Tag, um an die Zukunft zu denken.

Heute ist es egal, ob und wann Claudio Pizarro seinen Wechsel zu den Bayern bekannt gibt. Heute ist es egal, wohin Tim Wiese wechseln wird. Heute ist es egal, ob es eine gute oder schlechte Entscheidung war, mit Clemens Fritz zu verlängern. Und heute ist es auch egal, wie man die Arbeit von Thomas Schaaf und Klaus Allofs bewertet.

Das einzige, was heute wichtig ist, ist das Spiel gegen die Bayern.

Nicht, weil wir noch in die Europa League kommen können. Davon möchte ich erst wieder etwas hören, wenn wir am 34. Spieltag noch realistische Chancen darauf haben. Deshalb spielen auch die Ergebnisse der anderen Mannschaften keine Rolle. Für Werder geht es darum, sich einigermaßen anständig aus dieser verkorksten Rückrunde zu verabschieden.

Es geht darum, die Ausfälle irgendwie zu kompensieren und aus dem Rumpfkader und den Wiedergenesenen eine Mannschaft zu formen, die den Bayern 90 Minuten lang zumindest einen Kampf bieten kann. Es geht darum, gegen die B-Elf eines Vereins, der in Gedanken schon beim Champions League Rückspiel in Madrid ist, die richtige Taktik zu wählen. Es geht darum, nur an dieses Spiel zu denken, nicht an Punkte, Tabellen oder europäische Wettbewerbe.

Von Spiel zu Spiel denken ist eine beliebte Floskel, doch bei Werder hat man schon länger das Gefühl, das man zu viel von großen Zielen und zu wenig von der nächsten, der für den Moment einzig wichtigen Aufgabe spricht. Natürlich muss die neue Saison geplant werden, müssen Verträge verlängert und Spieler verpflichtet werden. Natürlich müssen auch die derzeitigen Spieler ihre Zukunft planen. Aber nicht heute. Heute zählt nur die Gegenwart. Und die lautet: Bayern München. Wem das für den Moment nicht ausreicht, der hat seinen Beruf verfehlt.

Also rauft euch zusammen, jeder, der eine grünweiße Raute im oder über dem Herzen trägt. Erwartungen gibt es keine mehr. Zu verlieren auch nichts. Aber wir sind immer noch Werder Bremen! Wir sind, wie Arnd Zeigler in Lebenslang Grün-Weiß geschrieben hat, die Guten! Und wir schlagen heute, egal wie und egal warum, die Bayern!

Die Wochen der Wahrheit

Nach dem 0:3 gegen Mainz ist die Stimmung in Bremen auf dem Tiefpunkt dieser Saison angelangt. Man kann fast schon froh sein, dass die Mannschaft die zum Klassenerhalt benötigten 40 Punkte schon sicher hat. Viel mehr werden nach allgemeiner Auffassung nicht mehr hinzukommen.

Gute Ausgangslage verspielt

Selbst ein Auswärtsspiel gegen die ebenfalls krisengeschüttelten Kölner kann da die allgemeine Laune nicht heben. Dabei ist die Tabellenkonstellation trotz des Absturzes auf Platz 8 nicht so schlecht. Nur ein Punkt trennt Werder von Platz 5, drei Tore von Platz 7, der zum Erreichen der Europa League ebenfalls reichen würde. Die Lage ist trotz des verspielten Punktepolsters also alles andere als aussichtslos. Dennoch will davon in diesen Tagen kaum jemand etwas wissen. Zu tief sitzt die Enttäuschung über die verpassten Chancen in den letzten Spielen (nur ein Punkt aus zwei Heimspielen), zu schwer scheint das Restprogramm im Vergleich zur Konkurrenz.

Die Ursachenforschung ist derzeit nicht allzu schwer. Ein Blick auf die Verletztenliste reicht, um den größten Unterschied zwischen dem Werder der Hinrunde und dem der Rückrunde auszumachen. Man ist geneigt, dies als zu einfache Ausrede abzutun, doch der Substanzverlust ist trotz Wintereinkäufen immens und die Kritik an der medizinischen Abteilung wird wieder einmal laut (ein seit 2007 immer wiederkehrendes Phänomen, auf das wir auch beim nächsten Stammtisch eingehen werden). Dazu gesellen sich die üblichen Begleiterscheinungen einer Fußballkrise: Kritik am Trainer, am System, an den Spielern, Transferspekulationen und nun auch der Abgang von Tim Wiese, der – egal wie man ihn sportlich bewertet – keine Flucht des Spielers, sondern eine gewollte Trennung seitens Werders ist.

Sieben Tage entscheiden die Saison

Dabei ist die Kritik an sich nicht falsch. Das Spiel gegen Mainz hat wieder einmal die Schwachpunkte des “System Schaaf” aufgezeigt. Werder war statistisch in allen Belangen überlegen, doch Mainz gewann dank einer cleveren Taktik das Spiel. Dazu leisteten sich Führungsspieler schwere Patzer und es wurde ebenfalls deutlich, dass die jungen Spieler nicht ohne kleinere Formwellen durch die Saison gehen können. Zum Teil ist die Kritik auch Resultat (seit der Winterpause) überzogener Ansprüche, zu denen Werder selbst jedoch eine Menge beigetragen hat. Die Kunst des Tiefstapelns beherrscht man an der Weser schon lange nicht mehr.

So entscheidet sich in den nächsten sieben Tagen in drei Spielen gegen Köln, Gladbach und Stuttgart, wie diese Saison für Werder am Ende gedeutet wird. Eine Platzierung im Mittelfeld wäre angesichts der letzten Saison keine Katastrophe, aber im Hinblick auf die formulierten Ziele und zwischenzeitlichen Platzierungen eine herbe Enttäuschung. Die Qualifikation für die Europa League würde zwar nicht die Probleme vergessen machen, aber den Verein in ruhigeres Fahrwasser lenken. Man könnte es auch anders sehen: Unter diesen Umständen, mit dieser Verletzungsmisere könnte man es als großen Erfolg ansehen, wenn man doch noch die Europa League Plätze erreicht. Dazu passen die bisherigen Leistungen der Rückrunde jedoch nicht. Auf der anderen Seite werden sich in jedem Fall all jene bestätigt fühlen, die seit Jahren Werders Abschied aus der Bundesligaspitze vorhergesehen haben. Dies hat aber nur in wenigen Fällen etwas mit weiser Voraussicht als vielmehr mit statistischer Wahrscheinlichkeit zu tun. Wer lange genug Regen vorhersagt, wird mit seiner Prognose irgendwann richtig liegen. Besonders in Bremen.

Wende gegen strauchelnde Kölner?

Die Lage in Köln ist, wie könnte es anders sein, mal wieder ungleich dramatischer als in Bremen. Unruhe im Verein gehört ebenso zur Domstadt wie besagtes Gotteshaus. Trainer Solbakken hat den Machtkampf gegen Finke zwar gewonnen, doch weitere Erfolgserlebnisse lassen seitdem auf sich warten. Der FC steht momentan auf dem Relegationsplatz und bewegt sich seit Wochen in Richtung Tabellenende, was angesichts der Konkurrenz aus Kaiserslautern und Berlin kein ganz einfaches Unterfangen ist. Am anderen Ende fehlen zwei Punkte bis ans rettende Ufer, die man ihnen aus Bremer Sicht gerne zugestehen würde, wenn dadurch der HSV mal so richtig ins Wasser fällt. Für den Saisonendspurt greift Solbakken nun nach dem letzten Strohhalm und setzte ein Kurztrainingslager an, nicht zuletzt um das Team enger zusammenzurücken. Nicht ins Bild passen da die Aussagen des ausgemusterten Novakovic, der sich nicht zum Sündenbock machen lassen will, während er zeitgleich von Solbakken für seinen professionellen Umgang mit der Entscheidung gelobt wurde. Oder eben doch.

Bei Werder sieht es nach der leichten Erholung letzte Woche personell wieder zappenduster aus. Die Rückkehrer Naldo und Bargfrede stehen mit Muskelfaserrissen bereits wieder auf der Verletztenliste. Für Mehmet Ekici ist nach seiner Leisten-OP die Saison endgültig beendet. Neben der notwendigen Umstellung im Mittelfeld (vermutlich Marin statt Bargfrede und ein Stühlerücken mit Junuzovic und Fritz) wird es wohl auch eine Änderung in der Viererkette geben, wo man Hartherz eine Pause und Schmitz ein Comeback als Linksverteidiger gönnt. Interessant wird die Frage sein, ob Werder die in der Rückrunde eher abwartende Herangehensweise an den Tag legen wird oder angesichts der dringend benötigten drei Punkte und der Kölner Probleme von Beginn an mutiger nach vorne agiert.

Ein Sieg gegen Köln wäre auch deshalb wichtig, weil es auf dem Papier der leichteste der verbleibenden Gegner ist. Danach folgen nur noch Spiele, in denen unter den momentanen Voraussetzungen jeder Punktgewinn als Erfolg zu werten wäre. Auch deshalb winkt Platz 7 nur noch aus weiter Ferne. Doch Werder hat im Saisonendspurt schon häufig das Ruder noch einmal herumgerissen. Am besten fängt man gleich heute damit an.

Stammtisch heute nur als Podcast

Der für heute Abend geplante Stammtisch wird nach den letzten beiden Absagen stattfinden, allerdings wird es diesmal keine Live-Übertragung geben. Da wir derzeit nur zwei feste Teilnehmer haben, ist es für uns besser und einfacher, den Stammtisch aufzunehmen, weil wir so Gäste mit dazu holen können, die nicht vor Ort sein können. Dadurch können wir den Stammtisch personell und thematisch anreichern.

Heute nach dem Spiel werden wir das Ganze also aufnehmen und dann hier im Blog als MP3 (und natürlich als Podcast bei iTunes) veröffentlichen. Irgendwann werden wir auch wieder einen Live-Stammtisch anbieten, aber momentan ist es für uns nicht wirklich sinnvoll umzusetzen.

Weichenstellung gegen Hannover

Nach den enttäuschenden Ergebnissen und zuletzt einer (dem vernehmen nach – ich habe das Spiel nicht gesehen) äußerst dürftigen Leistung in Berlin, gibt es für Werder heute ein direktes Duell um Platz 6. Da Leverkusen verloren und auch Stuttgart nur einen Punkt geholt hat, wäre der Sieger auch der große Gewinner des Spieltags. Verliert Werder erneut, droht man langsam aber sicher ins Mittelfeld abzurutschen.

Auch wenn die letzten Spiele gegen Hannover in keiner guten Erinnerung blieben, hat Werder eine starke Bilanz gegen die Niedersachsen. 96 hat seit neun Jahren nicht in Bremen gewonnen und sich in schöner Regelmäßigkeit Klatschen abgeholt. Diese Statistik ist eine schöne Erinnerung an bessere Zeiten, nützt Werder in der aktuellen Situation jedoch wenig. Aller Zuversicht bezüglich der Entwicklung des jungen Teams zum Trotz muss jetzt eine Reaktion kommen, will man nicht völlig aus der Spur und in die erste richtige Krise dieser Saison geraten.

Kein Freundschaftsspiel

König Otto ist zurück in der Bundesliga und trifft bei seinem zweiten Einsatz mit der alten Dame, bei der er damals seine Karriere begann, direkt auf seine alten Schützlinge und Freunde Thomas und Klaus, mit denen er gemeinsam viele Titel feierte und noch heute regelmäßigen Kontakt pflegt.

Rahmenbedingungen eines Märchens

Denken wir nun etwas zurück …
… In Deutschland bricht langsam der Frühling an, Berlin sehnt sich in zweierlei Hinsicht nach einem neuen Oberhaupt und wer könnte diese Rolle besser ausfüllen als der Fußballopa Otto, oder anders: der erfahrene Motivator Rehhagel, der doch nichts weiter tun muss, als eine Mannschaft vor dem Abstieg zu retten, die mit einem Kader ausgestattet ist, der eigentlich – schon wieder – viel zu gut ist, um abzusteigen. Den Einstand muss er dabei zudem gegen Augsburg bestreiten, ein Team, das in der ersten Bundesligasaison der Geschichte steht und bereits vor der Saison als der Absteiger überhaupt charakterisiert wurde.
Es waren Umstände, wie sie sonst nur in Märchen vorkommen.
Eine Bühne, vorbereitet für mediale Kuscheloffensiven, Huldigungen und nur einen möglichen Ausgang:

Ein Happy End.

Dass Werder zu dem Zeitpunkt noch auf Platz 5 lag und ein Heimspiel gegen Nürnberg vor der Brust hatte – was früher schlicht und ergreifend als Heimsieg einkalkuliert wurde – sorgte für noch mehr Vorfreude in Bezug auf das Wiedersehen der alten Weggefährten.

Als „Freundschaftsspiel“ wäre das Duell wohl charakterisiert worden, der mögliche sportliche Ausgang wäre in den Medien zur Nebensache geworden, ein Unentschieden wäre wohl das gewesen, was sich die meisten Journalisten angesichts vor Harmonie triefender Schlagzeilen gewünscht hätten.

Fehler im Drehbuch

„Denkste!“ dachten sich dann jedoch Oehrl und Koo auf Seiten Augsburgs sowie Esswein auf Seiten Nürnbergs, „ohne uns!“, und schossen – frech wie sie waren – erst die Hertha ab (0:3) und erdreisteten sich anschließend noch, Werder eine Heimniederlage zuzufügen (0:1) – Sauerei, das Märchen war geplatzt.

Die Bedingungen im Vorfeld sind nun nicht mehr freundschaftlich und friedlich, ein Unentschieden wäre für beide Teams inakzeptabel.

Während die Hertha mittlerweile auf dem Relegationsplatz steht, droht Werder das europäische Geschäft zu verspielen – Ausgänge, die für die jeweiligen Mannschaften verheerende Folgen haben könnten.

Kein Platz für Sentimentalitäten

Emotionen müssen daher am Samstag hinten anstehen. Es wird zu keinem „Freundschaftsspiel“ kommen, es zählt nur der Sieg.
Werder muss gewinnen, Hertha muss gewinnen.

Es gilt für den ehemaligen Schüler Schaaf, den ehemaligen Lehrmeister Rehhagel zu bezwingen und – so leid es ihm vielleicht tun mag – ihn, samt Team, in eine noch tiefere Krise zu stürzen.

Momentan zählt nur der eigene Erfolg, der Egoismus steht an vorderster Stelle und wie heißt es immer so schön: Der Schüler übertrumpft den Meister – hoffentlich auch hier.

Vielleicht, davon ist auszugehen, bleibt nach dem Spiel noch etwas Zeit für freundschaftliche Gesten, Zeit, für etwas Trost für den alten Herren mit der alten Dame.

Auf dem Platz wird davon aber hoffentlich nichts zu sehen sein, tut uns leid Otto – bedank dich bei den Spielverderbern aus Augsburg und Nürnberg.

PS: Da Partypeter leider gesperrt ist, habt ihr sowieso keine Chance, liebe Herthaner. Überlasst uns die Punkte also freiwillig. Bitte, wir drücken euch danach auch die Daumen!

 

 

 

Nach dem Nordderby: Nürnberg der nächste Stolperstein?

Wie nimmt man eine Leistung aus einem Spiel mit ins nächste? Gibt es wirkliche Lerneffekte oder sehen wir lediglich gesteigertes Selbstbewusstsein auf dem Platz? Die beiden Borussias strotzen derzeit vor letzterem, aber ohne erstere wären sie wohl kaum in der Situation, in der sie nun sind.

Dass Werders Selbstbewusstsein nach dem Derbysieg gegen den HSV einen Sprung nach oben gemacht hat, dürfte unbestritten sein. Aber was hat die Mannschaft gelernt?

Kaum Veränderungen im Nordderby

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zuerst anschauen, was im Vergleich zu den Spielen zuvor anders war. Viel fällt mir da bei nüchterner Betrachtung kaum ein. Die Grundausrichtung unterschied sich nicht von den bisherigen Spielen dieser Rückrunde. Werder stand tief und verteidigte mit einer 4-3 Aufteilung in Angriff und Mittelfeld. Die deutlichste Umstellung war der speziellen Taktik des HSV geschuldet. Um gegen die Dreierreihe aus Inneverteidigern und einem der Sechser, die der HSV in Ballbesitz hinten aufbietet, die Passwege optimal zustellen zu können, zog Marin häufig auf die rechte Seite neben Rosenberg und Pizarro und bildete so eine schmale Dreierreihe als vorderste Defensivlinie.

Man kann dieses System sicher auch als 4-3-3 beschreiben, als klassisches 4-3-3 sogar, bei dem die Außenstürmer bei gegnerischem Ballbesitz nicht zu Mittelfeldspielern werden. Allerdings verdeutlichte dieser Kniff vielmehr die Loslösung von der Raute als felxibles System vergangener Jahre, hin zu einem klaren 4-3-1-2 mit eher defensiv besetzten Halbpositionen. Bei längeren Phasen des Ballbesitzes zeigt sich dann allerdings schon noch manchmal die alte Schaaf-Schule, so in einer Szene in der 1. Halbzeit gegen den HSV, als Bargfrede als hinterster Mittelfeldspieler auf halblinker Position 25 Meter vor dem gegnerischen Tor in Ballbesitz war. Solche Szenen sind mittlerweile allerdings mehr Ausnahme als Regel.

Verbesserte Feinabstimmung, fehlende Kreativität?

Was also war anders? Die Feinabstimmung innerhalb der Mannschaftsteile wirkte verbessert. Vor allem in der ersten Halbzeit kamen die Hamburger gegen das Bremer Defensivgebilde kaum zu Torchancen aus dem Spiel heraus. Überhaupt nur ein Gegentor aus dem laufenden Spiel in 2012 bislang und kaum einen gegnerischen Konter zugelassen. Das ist nicht mehr das anfällige Werder aus der Hinrunde. Das Tor des HSV war ein individueller Fehler von Fritz, der sich in der Mauer wegdrehte. Besonders gut zu sehen war die Abstimmung in den Laufwegen der drei Offensivspieler bei Ballgewinn. Werder spielte Konter schnell zu Ende, suchte konsequent den Torabschluss und der Ballführende Spieler schien jeweils zu wissen, wohin sich seine Nebenleute bewegen.

Problemkind Marko Marin konnte endlich wieder einmal überzeugen und lieferte seine vielleicht beste Saisonleistung ab. Ähnlich wie dem zu Unrecht kritisierten Markus Rosenberg liegt ihm das Konterspiel, zumal er sich dank der Dreifachabsicherung und der Umsichtigkeit eines Claudio Pizarro auch relativ frei von positionellen Vorgaben über den Platz bewegen durfte. Schon allein dieser Aspekt wirft die Frage auf, inwiefern sich die Leistung aus dem Nordderby überhaupt auf ein Heimspiel gegen ein Team aus der unteren Tabellenhälfte übertragen lässt.

Es ist kein Zufall, dass die – auch gefühlt – besten Rückrundenleistungen gegen starke Gegner zustande kamen, die einen Anspruch darauf erhoben, das Spiel zu machen. Wenn Nürnberg Werder diese Rolle überlässt, wird sich zeigen, inwiefern Werder schon aus der starren Grundordnung ausbrechen und ein Spiel gestalten kann. Gegen Hoffenheim scheiterte man über weiter Strecken daran, allerdings auch gelähmt vom frühen Rückstand. Werder ist geduldiger geworden, lässt sich nicht mehr so leicht aus der Grundordnung locken, das ist die positive Seite. Die negative ist das langweilige, statische Spiel, das wir in den letzten Wochen häufiger gesehen haben.

Für Nürnberg spielentscheidend: Die Außenbahnen

Gibt es für den Club etwas zu holen in Bremen?

Es wird interessant zu sehen, wie sich Nürnberg auf Werders tiefstehende Grundordnung und vorsichtige Spielweise einstellt. Dieter Hecking ist ein intelligenter Trainer, der sich nicht auf ein System versteift (obwohl er ein 4-1-4-1 bevorzugt), aber dennoch dem Club seine Handschrift verpasst hat. Trotz des enormen Aderlasses im Sommer hat er eine schlagkräftige Mannschaft zusammengestellt und arbeitet sehr pragmatisch mit dem zur Verfügung stehenden Spielermaterial. Mehr als das Saisonziel Klassenerhalt ist für sein Team jedoch nicht dran, dafür ist das Leistungsgefälle zu groß. Mit Wollscheid steht der nächste hochkarätige Abgang schon fest und auch Esswein dürfte bei dem einen oder anderen Verein weit oben auf der Einkaufsliste stehen. Die Aufgabe wird zukünftig nicht leichter.

Das größte Problem des Clubs liegt im Zentrum. Von Simons kommt wenig kreatives und Balitsch ist trotz seiner Erfahrung nicht beständig genug. Das Nürnberger Aufbauspiel lahmt auch deshalb, weil es durch die Mitte zu wenige genaue Vertikalpässe gibt. Auch im Hinrundenduell offenbarten die Nürnberger in Überzahl dieses Problem gegen einen tiefstehenden Gegner. Gegen Werders Raute wird man im Zentrum wenig Chancen haben. Das Ziel muss es vielmehr sein, das Spiel über die quirligen Außenspieler Esswein, Chandler oder Eigler in die Breite zu ziehen und so Werders Bollwerk in der Mitte aufzubrechen. Gegen Köln haben die Franken ihre Stärke auf den Flügeln aufblicken lassen und die Kölner so vor herbe Probleme gestellt. Die aufrückenden Außenverteidiger könnten Werder so häufiger in 1 vs 2 Situationen bringen und den kopfballstarken Pekhart mit Flanken einsetzen.

Eine Führung würde Nürnberg schon allein deshalb in die Karten spielen, weil dann mit zunehmender Dauer die Räume für schnelle Gegenstöße über die Flügel größer werden. Gespannt bin ich aber auch darauf, was sich Hecking gegen das abwartende Bremen einfallen lässt. Wird er es mit Pressing versuchen und voll dagegen halten oder eher versuchen, Werder aus der Defensive zu locken?

Bremer Pragmatismus als Gegenwartsmodell

Für Werder ist es bei aller Unvergleichbarkeit wichtig, die Funktionalität aus dem Nordderby zu erhalten. Es ist ein schmaler Grat zwischen schlauem, abwartendem Spiel und Langweilerfußball. Um ihn zu meistern, müssen die kleinen Dinge weiter verbessert, die Abläufe noch mehr verinnerlicht, die Laufwegen besser abgestimmt werden.

Manch einer wird sich morgen wieder wundern, warum Rosenberg in der Startaufstellung steht und nicht Arnautovic. Es liegt vor allem daran, dass Rosenberg sich in diesen Dingen gesteigert hat. Aus der öffentlichen Kritik bringen ihn nur Tore, doch beim Trainer macht er sich dadurch beliebt, dass er mit intelligenten Läufen und einem guten Blick für den Nebenmann das direkte Offensivspiel mit tragen kann. Trotz des Siegs im Nordderby ist weiter Pragmatismus gefragt.

Am Sonntag, den 26.02. ab 17 Uhr geht es beim 8. Grünweiß-Stammtisch über das Spiel gegen Nürnberg und die neusten Entwicklungen beim SVW.

Foto: firutin / Flickr

Werder im Zeichen der Jugend – Die etwas andere Derbyvorschau

„Es gibt keine zu jungen oder zu alten Spieler, …

Es gibt nur gute oder schlechte.“

Wahre Worte, die König Otto einst sprach und die an Aktualität wenig bis gar nichts verloren haben. In den letzten Wochen war das Werder in den Medien immer eines, dem Erfahrung fehlte. Man sprach vom „Jugendwahn“, der „jüngsten Werder Elf aller Zeiten“ und bemängelte, dass Werder noch „zu grün hinter den Ohren“ sei – was, nebst der Eindimensionalität der Denkweise, ein wenig kreatives Wortspiel ist.

Nun ist das Thema der Jugend von Werders Elf größtenteils ausdiskutiert, weshalb ich gar nicht viel mehr darauf eingehen will. Viel mehr möchte ich begründen, wieso mich diese – doch sehr einseitige – Berichterstattung stört.

(K)eine Frage der Jugend

Ich für meinen Teil denke nicht, dass unser Problem direkt in der Jugend besteht. Das, was zu Anfang der Rückrunde und beispielsweise im Spiel gegen Leverkusen Hoffnung machte, war die Leistung der jungen, aus dem Nachwuchs nach oben drängenden Spieler. Die Leistung der „arrivierten“ Spieler, wie beispielsweise Fritz, Rosenberg und Wiese, war auch hier eher solide und gab wenig Anlass zur Euphorie. Wenn man nun überlegt, dass in der Rückrunde Rosenberg bislang vier Mal – wenn auch unglücklich – durch Pfostentreffer oder schwaches Verhalten vor dem Tor eine Siegchance vertan hatte (Freiburg, Hoffenheim, Lautern, Leverkusen), sowie Wiese bislang an mindestens 3 der 4 Gegentore in der Rückrunde mit Schuld ist (Freiburg, Leverkusen), so stellt sich doch die Frage: Wieso soll es an Werders Jugend liegen?

Zugegeben, Hartherz war in Freiburg ebenso an einem Gegentor beteiligt wie Affolter gegen Hoffenheim, jedoch war hier jeweils ganz klar erkennbar, dass es „Anfängerfehler“ waren. Das wiederum lässt sich der Jugend und mangelnden Erfahrung zuschreiben, wäre jedoch problemlos zu kompensieren gewesen, würden die „alten Hasen“ die Leistung abrufen, für die sie eigentlich stehen sollten. Junge Spieler machen Fehler und müssen diese auch machen dürfen. Sie haben – zumindest von meiner Seite aus – die Erlaubnis dafür, mit ihnen ist man geduldig.

Doch auch die Diskrepanz zwischen den erwarteten Leistungen der älteren, erfahrenen Spieler und den tatsächlichen Leistungen ist es nicht, was in meinen Augen das Hautproblem ist.

Neue Zeiten, alte Diskussionen

Achtung, ab hier geht’s ins Klischee: Wir brauchen einen echten Typen!

Spätestens mit dem Abgang von Frings im Sommer entbrannte auch bei Werder die „Leader“ Debatte. 
Was die spielerische Qualität angeht war Frings bereits in der letzten Rückrunde vielen Werder Fans eher ein Dorn im Auge, hatte man doch sehr oft den Eindruck, dass er mit dem heutigen Tempo nicht mehr mitkäme. Kurz vor und nach seinem Abgang war die Frage jedoch eine andere: Kann Werder die Führungsfigur Frings ersetzen? Spätestens nach dem guten Start in die Hinrunde der Bundesliga geriet diese Frage immer mehr in Vergessenheit.

Angesichts des mäßigen Rückrundenstarts, bei dem bereits 4 Punkte nach einer Führung verschenkt wurden, kommt man jedoch – insbesondere angesichts der Jugenddebatte – meiner Meinung nach nicht um eine erneute „Leader“ Diskussion herum.

Dabei ziele ich persönlich jedoch nicht auf einen Typen wie Frings ab, sondern viel mehr auf jemanden wie Baumann. Unser alter Kapitän war jemand, der für die anderen Spieler auf dem Platz stets ein Fels in der Brandung war. „Baumi“ strahlte Ruhe und Souveränität aus, stand aber gleichzeitig für unbändigen Siegeswillen. Unvergessen sind noch heute die Derbywochen und zumindest ich denke sofort an Baumanns Tor im UEFA Cup in Hamburg (Achtung, leichte Glorifizierung bevorstehend):
 Die legendäre Papierkugel – gesegnet sei sie – führte zu *dem* Eckball. Geschlagen von Diego segelte er in den 16er, Hugo köpfte, der Ball wurde geklärt, prallte durch den Strafraum und kam zu unserem Kapitän. Todesmutig stürzte Baumann sich mit dem Kopf in den Ball, obwohl Trochowskis Stollenschuhe ihn erwarteten. Der Ball ging ins Netz, die Emotionen bordeten über.

Das Ende ist bekannt und ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter den Finger in die Wunde halten, was ich eigentlich sagen wollte war:
 Baumann war jemand, der angesagt hat, wo es langging. Er konnte das Tempo des Spiels diktieren, die Struktur definieren und ein Spiel auch beruhigen. Insbesondere gegen Leverkusen und Freiburg hat man nach der Führung gesehen, dass ein solcher Spieler uns momentan fehlt, mehr vielleicht noch als alles Andere.

Die ewige Verletztenplage

Der einzige Spieler, dem ich diese beruhigende Rolle momentan zutrauen würde, ist – wer hätte das vor der Saison gedacht – Aaron Hunt. Ja, der so oft gescholtene, als ewiges Talent abgestempelte und in seiner Jugend als unprofessioneller Partygänger verschriene Aaron Hunt ist der Spieler, in den ich für unser Mittelfeld im Laufe der Rückrunde unsere Hoffnung setze. Ausgerechnet du, Aaron.

Was ihm oft als Tempoverschleppung vorgeworfen wurde war in der Hinrunde genau das, was uns bei knappen Spielen geholfen hat. Spätestens seit dieser Saison übernimmt Hunt Verantwortung, er versucht voranzugehen, er bringt sich ein. Es passt zu seinem bisherigen Karriereverlauf, dass er ausgerechnet zu dieser Phase erst ein völlig unnötiges Frustfoul begeht – was dem „neuen“ Hunt schlicht nicht hätte passieren dürfen – und sich dann verletzt. Es passt zu Werder, dass sich dann auch noch Naldo verletzt, welcher so wichtig für die defensive Stabilität bei Ecken war und so viel Gefahr bei eigenen Standards versprühte. Es passt zu Werder, dass sich zusätzlich zu alledem auch noch sein Quasi-Stellvertreter Prödl verletzt.

Wir hätten – da bin ich mir sicher – mit diesen Spielern die Spiele in Freiburg und gegen Hoffenheim gewonnen. Vielleicht auch gegen Kaiserslautern, wahrscheinlich auch gegen Leverkusen. Doch das Jammern hilft nichts, jetzt müssen es die anderen Spieler richten. Vielleicht, ganz vielleicht, entwickelt sich ein neuer Baumann. Man weiß es nicht.

Doch damit sei die Jugenddebatte von meiner Seite aus zum Großteil abgeschlossen, widmen wir uns daher nun der bevorstehenden Aufgabe: Dem Derbysieg.

„Das wichtigste Spiel des Jahres“

Claudio, „das Schlitzohr“, Pizarro, der Schrecken der Hamburger bezeichnete das Derby unlängst als das für ihn „wichtigste Spiel des Jahres“. Zurecht, lieber Claudio. In die gleiche Kerbe schlägt auch der Jugendspieler Niclas Füllkrug: „Spiele gegen den HSV muss man immer gewinnen und man muss immer vor ihnen in der Tabelle stehen.“

Mit Zlatko Junuzovic ist ein weiterer Derbyerfahrener Spieler dabei, wenngleich es sich bei ihm um die prestigeträchtigen Wiener Duelle handelte, die dem Nordderby an Brisanz jedoch in nichts nachstehen.

Die Frage ist jedoch, ob diese Mannschaft ohne einen Strukturgeber in der Lage ist, bei einem so hitzigen Spiel wie einem Derby einen klaren Kopf zu bewahren und zu gewinnen, denn nichts Anderes darf angesichts der vier Unentschieden in Folge sowie des letztjährigen Derbydebakels in Hamburg des im letzten Jahr ausgefallenen Auswärtsderby’s zählen oder, Niclas?

Laienanalyse

In den wenigen Spielen des HSV unter Fink, die ich bisher sehen konnte, war es immer mehr als auffällig, wie früh und extrem Hamburg bei Ballbesitz über die Flügel spielte. Dabei rückten die Außenverteidiger sehr weit mit auf, die Flügelspieler im Mittelfeld rückten fast bis in den Sturm vor, beide Stürmer standen sehr weit vorne und warteten auf Flanken. Die Innenverteidiger rückten dabei sehr weit auseinander. Um dieses Loch zwischen den Innenverteidigern zu stopfen ließ sich wiederum ein defensiver Mittelfeldspieler zwischen die Innenverteidigung fallen, was jedoch dazu führt, dass das gesamte Zentrum im Mittelfeld von einem einzigen Spieler abgedeckt werden musste. Das führt zwangsläufig zu sehr viel Platz im Zentrum, was der auf ein Spiel durch die Mitte angelegten Raute Werders theoretisch entgegenkommen müsste, während die Anfälligkeit über die Flügel tödlich sein könnte.

Außerdem scheint es, als sei Hamburg bei gegnerischem Ballbesitz sehr wohl in der Lage, das Zentrum einerseits und die Flügel andererseits gut dicht zu machen. Sie stehen sehr gut gestaffelt, bieten dem Gegner wenig Raum und spielen – ähnlich wie Werder – mit sehr viel Aufwand. Werder muss also mehr denn je bei eigenem Ballbesitz schnell nach vorne spielen, die Löcher im Zentrum ausnutzen und die breite Staffelung der Verteidigung durch Pässe durch die Schnittstellen für sich zu benutzen wissen.

Fazit

Bei diesem Derby gibt es in meinen Augen keinen klaren Favoriten, wenngleich die Tendenz eher Richtung HSV zeigt, da sie den Heimvorteil auf ihrer Seite wissen und stärker in die Rückrunde starteten. Für Werder sprechen die insgesamt bessere Saison, die sehr stark ausgeprägte Kämpfermentalität, welche beim Derby von Vorteil sein könnte und natürlich das Schlitzohr Claudio.

Von Vorteil könnte auch die Rückkehr Marko Marins in die Startelf sein, ist er doch ein Spieler, der dieses gewisse, provokante „Etwas“ aufweist und damit eventuell den einen oder anderen Platzverweis produzieren könnte. Von seiner theoretisch vorhandenen individuellen Klasse mal abgesehen.

Es wird auf jeden Fall spannend und es gilt – immer und doch mehr als sonst – auf geht’s Werder, kämpfen und siegen!

Damit das Debakel endlich vergessen werden kann…

Entschieden gegen Unentschieden

Mit der Unterstützung der Ostkurve zurück zur Heimfestung?So, jetzt sitz’ ich hier und soll meinen allerersten Fußballblogbeitrag schreiben – einen Vorbericht zum Spiel: Werder v TSG Hoffenheim.

Nur wie soll man über einen Verein schreiben, der mehr durch Querelen außerhalb des Platzes glänzt, sportlich sich aber seit 2 Jahren wie eine graue Maus durch die Buli knabbert … Hoffenheim?

Die einzige Begegnung beider Vereine, die bei mir heute noch für Emotionen sorgt, war dieses 5:4-Spiel im Weserstadion vor 3 Jahren. VierzuEinsFührung durch Werder und dann bähm, bähm, bääähm – Ausgleich! Fast ein Unentschieden, wäre Özil nicht gewesen!

 Stani und Hoffenheim – eine unglücklich Ehe

… oder wie es in den Medien zu lesen war: Stanislawski – ein Missverständnis.

Man kann das sehen wie man will: nur spielte die TSG schon seit 2 Jahren keine gravierende Rolle mehr in der BuLi. Aus der Anfangseuphorie und Erwartungen der Hoffenheimer gepaart mit dem Versprechen des Mäzen Hopp etwas ganz Großes aufzuziehen, viele große internationale Spieler nach Sinsheim locken zu wollen, folgte pure Ernüchterung. Sportlich versank man irgendwo im Mittelfeld. Selbst, wenn Hoffenheim mal gewann, fiel es nie so richtig auf. Trainer gaben sich die Klinke in die Hand, gute u. wichtige Spieler wie Demba Ba, Chinedu Obasi, Gylfi Sigurdsson, Luiz Gustavo und Vedad Ibisevic verließen (gefühlt) fluchtartig den Verein, angeblich großartige Neuverpflichtungen wie Ryan Babel, glänzten eher mit Spielverweigerung. Und nach dem Pokal-Aus gegen Greuther Fürth sah man in die weit aufgerissenen Augen von Tom Starke: “Wenn Sie wüssten, was hier los ist!”

Holger Stanislawski, verpflichtet aus dem großen, schnieken Hamburg ins Nimmerland Hoffenheim, ließ man nicht die Zeit, den erhofften frischen NordWind einzubringen: “Fehlendes Konzept, fehlendes Pressing, keine Geradlinigkeit …” – so des Mäzen Kritik.

Es sei dahingestellt, ob der Fehler wirklich bei Stani lag oder man einfach keine Geduld mehr hatte in Hoffenheim. Stani, der müde war vom ständigen Überlebenskampf, hatte bestimmt andere Vorstellungen von einem Verein wie Hoffenheim. vllt. sogar auch falsche Erwartungen. Und wenn man die Rechnung nicht mit Hopp macht, ist man schnell wieder draußen.

Auch Hoffenheim befindet sich im Umbruch mit jungen guten Spielern, wie Gyau und Lakic, die aber auch noch ihre Sicherheit im Spiel finden müssen.

Statistik RR: 2U, 1NL – Platz 8

Werder Bremen – neben Umbruch – Zeit zum Aufbruch?

Niemandem ärgerte dieses Unentschieden gegen Freiburg wohl mehr als Claudio Pizarro. “Da führen wir 2x, machen fast das 3:1 und werden wieder mit einem Unentschieden nach Hause geschickt! Das ist ärgerlich und darf so nicht mehr passieren!”

Klare Worte!

Man kann bei Werder die Uhr danach stellen: Pünktlich mit Rückrundenstart kommt Werder einfach nicht in die Puschen!  Drei Spiele – Drei Unentschieden – Drei Punkte. Das ist einfach zu wenig, zumal man nicht gegen Übermannschaften spielen musste.

Ähnlich wie bei Hoffenheim befindet sich hier eine Mannschaft in Umbruch mit sehr jungen Spielern, die einfach noch nicht über das spielerische Potenzial gestandener BuLi-Spieler verfügen.

Aber gerade diese Unberechenbarkeit dieser neuen Young-Spirit-Gang mit Trybull, Hartherz, Affolter ließ nach dem Leverkusen-Spiel wieder hoffen. Eine Boy-Group, die Spaß hatte am Spiel und den Fans Spaß machte, die in den Focus rückte, während Spieler wie Marin oder Arnautovic kaum noch Hoffnung machen – hier wohl nichts weiter als den Stempel der ewig gestrigen Talente aufgedrückt bekommen werden.

Step by Step

Das Werderfanlager reagiert im Bezug auf die Arbeit von Thomas Schaaf eher gespalten und eben auch sehr ungeduldig:

Seit nunmehr fast 1,5 Jahren sieht man von Werder kaum noch diesen technisch brillianten Fußball. Gerade in dieser Saison wurden viele Spiele nur über ‘reinen Kampf’ gewonnen.

Auch wenn TS meint, wir stehen jetzt stabiler, spielen wir dennoch nicht zu Null und nach vorne geht schon gar nichts mehr oder nur dann, wenn der Weltklasse-Stürmer Claudio Pizarro sich seine Bälle meist selbst weit aus dem MF holt, nach vorne bringt und einnetzt.

Kaum Pässe u. Flanken, die ankommen, doofe Tore, die einfach mit ihren Pfosten und Latten unsere Bälle abwehren, Gegentore durch Standardanfälligkeit, (scheinbar) kaum Bewegung im Mittelfeld, noch zu oft das gleiche Spiel “Ab durch die Mitte”, auch wenn diese vom Gegner zugestellt ist, fehlendes Kombinationsspiel, kein Stören des gegnerischen Aufbauspiels.

Ich denke, das sind genau diese “Dinge” die Thomas Schaaf sieht und versucht daran zu arbeiten. Man agiert vorsichtiger, steht insgesamt tiefer, lässt große Löcher in unseren Abwehrreihen nicht mehr einfach zu.

Werder verfügt nun nicht mehr über diese Individualisten wie Micoud, Diego, Özil, sondern über Spieler, die wohl mehr klare und strikte Anweisungen benötigen. Da kann das schon mal etwas länger dauern mit dem Aufbruch.

Das Spiel gegen Hoffenheim wird auch wieder richtungsweisend werden. Und da unser Weltklassestürmer Piza dieses mal nur von der Tribüne aus unterstützen kann, hoffe ich, dass der Mannschaft dennoch etwas Sinnvolles einfällt, um den Ball ins Tor zu bringen. TRAUT EUCH – entschieden gegen Unentschieden und immer Pizas Worte im Ohr: “Null hinten isse wichtig auch”!!!

Bild: Eva Freude / Flickr

Am Sonntag, den 12.2. geht es beim nächsten Grünweiß Werder-Stammtisch vor allem um das Spiel gegen Hoffenheim. Ab 17 Uhr könnt ihr hier im Blog live dabei sein.