Eine Wundertüte zum Geburtstag – Werder in der Jubiläumssaison, oder auch: eine Reise ins Ungewisse

Endlich!
Das Warten hat ein Ende, die Sommerpause ist vorbei und die Bundesliga startet in ihre 50. Saison.
Passend zum Jubiläum  präsentiert der Norden der Liga dabei eine Wundertüte voller grün-weißer Spielgefährten.

Werder im Wandel und als Wanderer zwischen Hoffnung und Realität

Vor wenigen Jahren noch gehörte Werder zu den absoluten Spitzenteams der Bundesliga.
Nun, angesichts des 50-jährigen Bestehens, trifft das nicht mehr zu.
Zwei Jahre Rumpelfußball und tabellarische Bedeutungslosigkeit haben zu einem Umdenken und einem bitter nötigen Umbruch an der Weser geführt und so aus dem einstigen Spitzenteam ein großes Fragezeichen gemacht.
Aus der grün-weißen Schatztruhe wurden die Zaubertricks und Tormaschinen herausgenommen, die namhaften Etiketten von den Spielzeugen entfernt und übrig geblieben sind bloß die Pralinenschachteln vom Discounter – keiner weiß, was man bekommt, keiner weiß, ob die Süßigkeiten von der Weser schmecken werden.

Das birgt Chancen und Risiken, führt zu Hoffen und Bangen.
Aus finanziellen Nöten wurde der Umbruch bei Werder geboren, sportlich wäre er jedoch schon früher notwendig gewesen und so wurde aus dem in der Theorie sanften Übergang ein radikaler Schnitt.
Wiese, Naldo, Boenisch, Pizarro, Rosenberg, Borowski, Marin.
Namhafte Spieler, ehemalige Stammspieler in erfolgreichen Werderteams und/oder
(U-)Nationalspieler.
Einstige Aushängeschilder, vereinzelt Erfolgsgaranten für das “alte Werder”, nun jedoch teils aus sportlichen, teils aus finanziellen Gründen aussortiert.

Die Nachfolger sind Spieler wie Mielitz, Prödl, Schmitz, Sokratis, Ekici, Hartherz, Trybull, Ignjovski, Arnautovic, Füllkrug, Hunt und Junuzovic.
Überwiegend günstige Spieler.
Spieler, die teils in den Schatten der großen Namen standen und nun das Licht erblicken wollen, aus der Jugend nach oben drängen oder  früher Mitläufer waren, von anderen getragen wurden und nun selber tragen müssen.
Ergänzt werden sie von Spielern wie Elia, Petersen, Gebre Selassie und De Bruyne.
Spieler, die entweder schon “oben” waren und tief fielen, vergleichsweise spät die große Bühne betraten, nach anfänglich hohem Sprung einen Schritt zurückgehen oder vor dem Schritt nach oben noch eine Stufe mehr nehmen wollen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die größte Herausforderung Werders ist hierbei, sowohl im als auch um den Verein, die Erwartungshaltung und die zu erwartende Realität miteinander vereinbaren zu können.
Man hat nicht mehr die Qualität wie früher, der Wandel des Teams wird Zeit brauchen und   doch hat man kaum Zeit.
Die offizielle Devise des Vereins ist es, “mittelfristig” wieder nach Europa zu kommen.
“Zwei, drei Jahre”, heißt das laut Klaus Allofs. Doch heißt das, so Allofs weiter, nicht, “dass es diese Saison nicht möglich wäre.”
Eine Aussage, die Werders Dilemma ganz gut widerspiegelt.

Das internationale Geschäft ist es, was es zu erreichen gilt – und das mit einem neuformierten Team, dem einiges an Erfahrung fehlt, das ‘auf dem Papier’ wie man immer so schön sagt, das vielleicht schwächste Team seit Jahren ist.
Man soll das schaffen, was die einstigen Nationalspieler in den beiden Jahren zuvor nicht zu schaffen vermochten.
Man soll die Fans zufriedenstellen, wieder guten Fußball spielen und die zwei schlechten Jahre möglichst vergessen machen.

Und doch wird man Fehler machen, man muss sie sogar machen.
Man muss sich entwickeln, reifen und Erfahrungen sammeln.

Kurzum: Man muss mit einem Team, das im Durchschnitt keine 23 Jahre alt ist, das nachholen, was den zuvor teueren und namhaften Werder-Mannschaften nicht gelungen ist.

Die präsaisonale Phase als Vorgeschmack auf das was folgt?

Vom “Werdersommer” war auf Twitter die Rede. “Love” wurde verbreitet, gute Laune machte sich breit und man war fast geneigt, von der “besten Vorbereitung aller Zeiten” zu sprechen – wäre das nicht bereits andernorts schiefgegangen.

Gute Testspielergebnisse und schönere Spielzüge, ein neues System, eine homogene, sich auf und außerhalb des Platzes scheinbar gut verstehende Mannschaft und als Sahnehäubchen die triumphale  Errungenschaft des Liga-Total Cups gegen Weltklasseteams wie Dortmund und den Freistaat Bayern.
Die Welt in Bremen war wunderbar – bis Preußen anfing zu marschieren.

120 Minuten marschierten sie, ließen nicht locker, gängelten die Bremer von allen Seiten und verwehrten ihnen schließlich die Reise nach Berlin, der zweiten Heimat der Werderaner.
Das zweite Jahr in Folge scheiterte man in der ersten Pokalrunde und schlagartig schien die gute Stimmung zu verfliegen.
Skepsis machte sich breit, Ängste traten hervor und schien zuvor noch alles duftend grün-weiß, so wirkte die Welt plötzlich grau.
Mausgrau.

Eine Achterbahn der Gefühle die, gut möglich, einen Vorgeschmack auf die folgende Saison geben könnte.
Man wird schöne Momente erleben, auf flauschigen Wolken schweben und träumen und man wird auch fallen und beginnen, zu zweifeln.

Was man bei all diesen Wechselbädern der Gefühle nie verlieren darf sind Hoffnung und Zuversicht.

Die Bundesliga feiert Geburtstag – und wir feiern mit.

Auswärts gegen den BVB wird Werder die Saison eröffnen, ‘auf dem Papier’ ein Leckerbissen, mit Glück auch auf dem Platz.
Nicht immer werden wir siegen, doch stets werden wir kämpfen.
Wir werden hoffen, bangen, zittern und uns freuen, fluchen, jammern und auf dem Boden rollen.

Doch heute Abend, da werden wir feiern.
Feiern, dass die Pause vorbei ist.
Feiern, dass die Liga wieder losgeht.
Feiern, dass wir wir sind.

Wir sind Werder Bremen, grün-weiß das Emblem – und verflucht nochmal, wir kommen immer wieder!

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