Ein grünweißer Liebesbrief

Liebstes Grünweiß,

Ich fürchte, es geht mir nicht gut. Es war nach dem Spiel, da ist es mir aufgefallen. Ich habe schon währenddessen aufgehört zu reden. Aufgehört zu fühlen, fast. Frustration. Ich kann nicht mehr. Ich bin müde. Es ist wieder so. Es ist auf und ab und mehr ab als auf. Und eigentlich weiß ich, es ist zu früh, Schlüsse zu ziehen. Aber es sind doch schon zwei Jahre. Oder doch nur 7 Tage? Ich weiß es nicht. Ich weiß, es braucht Zeit. Ich weiß, ihr seid jung. Und so noch nie zusammen. Doch es ist schwer, zu glauben. Es fiel mir nie schwer, zu glauben. Nicht an uns.

Es sind Grundsätzlichkeiten, die fehlen. Bei mir und dir. Ich, liebstes Grümweiß, ich bin nicht hemmungslos euphorisch. Und manchmal habe ich mich dabei ertappt, etwas desinteressierter zu sein. Etwas weniger begeistert. Mit etwas mehr Angst als Mut ans nächste Spiel zu denken. Nicht mehr jeden Artikel und jede Verletzung mitzubekommen. Manchmal den Schal erst noch in letzter Minute zum Spielbeginn zu holen. Und manchmal habe ich das Vertrauen verloren, selbst nach Toren, selbst nach dem Inführunggehen. Auch nach all den Pässen, die fast wie Liebesbeweise waren. Habe ich manchmal nur mit halbem Herzen gejubelt.

Aber du bist auch etwas kälter geworden, oder nicht? Und nach dem zweiten Gegentor hast du mich sogar ganz allein gelassen. Allein mit der Wut und mit der Fassungslosigkeit und dem Unverständnis. Und bist stattdessen innerlich schon längst woanders gewesen. Hast meinen Schreien und dann meinem Schweigen nichtmal zugehört. Ich will nicht nachtragend sein. Und ich will dich nicht vergleichen, mit früher, mit dir selbst, weil alles sich entwickelt. Und weil ich jede Entwicklung, jede Änderung und jeden neuen Zug an dir genießen will. Doch etwas fehlt. Und ich weiß nicht, was. Etwas Nähe, etwas Hoffnung. Ein Blick von dir, ein Schritt mehr nach vorne als zurück. Ich will dir Zeit geben, so schwer es mir fällt. Denn innerlich hoffe ich ja doch immer, das beim nächsten Mal alles wieder gut ist. Oder besser.

Aber warum sagst du mir nicht, was du willst? Und komm’ mir nicht mit Champions League! Und rede nicht von vorne. Sag mir, was hinten fehlt. Fang von unten an. Stopf die ewig gleichen Löcher. Wenn alle wieder nur nach oben denken und nach vorne flüchten und Löcher reißen. Ins Spielfeld, da!, ich kann es sogar sehen. Direkt vor der Abwehr! Und ich bin mir sicher, das ist nichts neues, im Gegenteil. Das ist dort schon, seit ich dich kenne. Sag mir nicht, du möchtest attraktiver werden und Dinge zeigen und Sachen anbieten. Sag mir ehrlich, was möglich ist. Ich würde da sein. Ich würde geduldig sein. Und warten. Und sei’s ein Leben lang.

Und ich würde dir Ruhe geben und bei dir bleiben, auch wenn es dir nicht gut geht. Ich kann damit leben, wenn du eine Zeit lang nicht mehr so aufgedreht und mitreißend bist, nicht mit Gold und Silber glänzen kannst. Wenn du etwas ruhiger bist, etwas defensiver, dich manchmal zurückdrängen, aber nie hängen lässt. Versprich mir, dass du dich nie wieder so aufgibst.

Ich kann dir helfen, gesund zu werden. Fang langsam an, aber bleibe dabei. Überstürze nicht wieder. Wirf nicht alles wieder hin, nur weil nichts sofort klappt. Und stoß nicht alles um, sobald es funktioniert. Ich wünsche mir Ausdauer. Und gar nicht so viel mehr. Ich will nicht wieder sehen müssen, wie du dir mit deinem Übermut nach ein paar tollen Spielen alles selbst einreißt.

Bitte glaub an dich, ich weiß, ich habe es manchmal nicht getan. Ich weiß, manchmal war es auch mein Übermut und nicht deiner. Und manchmal habe ich dich nicht wissen lassen, wie sehr ich dich liebe. Und lieben, das meint fürimmer. Das meint, ich halte auch zu dir, wenn du dich selber nicht magst. Dich nicht wiederfinden kannst. Ich werde dir immer helfen.

Denn ich weiß auch, dass ein Weg nicht einfach geradeaus geht. Geht er nie. Besonders nicht hangaufwärts. Aber ein paar Schritte in die richtige Richtung heißt auch nicht, dass du schon wieder rennen kannst. Und nicht, dass ich das will. Und wenn in der Abwehr die ersten Abläufe klappen. Wenn in der Mannschaft langsam die ersten Pässe blind ankommen. Wenn manchmal tatsächlich auch alle den Blick zum Neben-, zum Hintermann haben. Dann hör nicht auf, bleib nichtmal stehen, denn dann geht es erst los. Denn ich habe oft gesehen, wie du dann vor Freude vergessen hast, weiter zu machen. Und wie du dann nur noch blind und munter ins Verderben gespielt hast.

Weißt du, ich verstehe dich ja. Ich verstehe die Freude und auch das Zu-weit-denken. Ich bin ja selbst oft so. So stur und ungeduldig. Aber ich will nicht deine Schönheit, ich will Liebe. Ich will nicht, dass du mit aller Macht versuchst, mich glauben zu lassen, es wäre alles gut (oder doch zumindest kurz davor!). Ich will, dass du von Innen heraus wieder gesund wirst. Was muss denn noch passieren, damit du aufhörst, dich kaputt zu machen? Und statt an den wirklichen Problemen zu arbeiten, nur immer danach schreist, etwas zum Drüberkleben zu finden?

Ich will gar nicht neue Spieler, ich will auch nicht, dass du so tust, als wäre dieser oder jener Schuld und eigentlich funktionerte doch alles. Sieh’ doch hin. Zum Beispiel auf der Sechs. Da waren so viele verschiedene Spieler und alle machen die gleichen Fehler. Und am Ende ist da wieder diese endlose Weite, die selbst Prödl mit ausgestreckten Armen noch immer nicht fassen kann. Hast du seinen Blick gesehen? Die Ratlosigkeit? So geht es mir auch, wenn ich das sehe. Aber siehst du das? Und warum passiert das? Wieder und wieder? Egal mit wem?

Das ist es, was mich stört. Du kannst dich selbst nicht sehen. Lass mich dein Spiegel sein. Du kannst so oft sagen, wie du willst, dass es dir gut geht, die Stimmung toll ist, das Team harmonisch ist, die Spieler mutig sind, die Abläufe verbessert werden und und und. Aber du kannst nicht erwarten, dass ich wegsehe.

Komm’ mit mir. Ich nehme dich mit. Ich nehm’ dich an die Hand. Und geh mit dir den ersten Schritt, ich weiß, der ist am schwersten. Denn der erste ist immer ein Schritt zurück. Habe den Mut, den ich dir gebe. Habe den Mut, dir einzugestehen, dass es so nicht gut ist und auch nicht weitergehen kann. Dafür halte ich dich, den ganzen Weg.

Ich werde bleiben. Und ich will, dass du auch bei mir bleibst.
Bitte rede mit mir. Bitte lass mich nicht wieder so allein.
Ich werde für dich da sein, aber du musst mich auch lassen.
Und du musst an dich glauben. Bitte, bitte, gib nie wieder auf.

In Liebe,

Anna

 

 

 

 

 

Gefühlte Niederlage: Grünweiß Stammtisch 13-04

Ein Saisonstart wie Real Madrid: Werder holt vier Punkte aus den ersten vier Spielen. Gestern gab es das Gegenstück zum Hannover-Spiel, nur ohne Happy End: Werder nutzt die ersten beiden Torchancen zu einer 2:0-Führung gegen den VfB Stuttgart und gerät in der zweiten Halbzeit richtig unter Druck. Die Schwaben gleicht folgerichtig aus und am Ende steht ein eher glücklicher Punktgewinn für das junge Werder-Team.

Beim 4. Grünweiß-Stammtisch sprechen Anna und Tobias mit Stuttgart-Blogger Marcel aka Hirngabel über das Spiel und die unterschiedlichen Ansätze der beiden Vereine bei der Einbindung der Jugend und bei der Trainerfrage.

Anhören könnt ihr euch den Stammtisch wie immer hier im Blog und natürlich auch als Podcast bei iTunes.

Play

Kalte Dusche: Grünweiß Stammtisch 13-03

Die Ernüchterung bei Werder war groß nach dem späten Gegentor, das zur 2:3 Niederlage gegen Hannover 96 führte. Was bleibt nach dem begeisternden Spiel, bei dem Werder zwischenzeitlich einen Zwei-Tore-Rückstand aufholte, am Ende aber mit leeren Händen dasteht? Unter anderem darüber diskutiert Tobias mit seinen beiden Gästen Felix (Medien-Sport-Politik) und 96-Fan Klaas (Reeses Sportkultur und Fokus Fußball) in der dritten Ausgabe des Grünweiß-Stammtischs dieser Saison.

Anhören könnt ihr euch den Stammtisch wie immer hier im Blog und natürlich auch als Podcast bei iTunes.

Und wenn ihr gar nicht genug von Tobias Stimme bekommen könnt, dann hört doch einfach noch bei der neusten Ausgabe von Blogspot360 rein, in der er zusammen mit Gastgeber Patrick Völkner, Alexander Endl von den Clubfans United und Marcel Sprenger vom Brustring-Blog über die Bundesliga geplaudert hat. VfB-Fan Marcel wird kommende Woche aller Voraussicht nach auch bei Grünweiß zu Gast sein.

Play

Ein Spiel als Sinnbild des Wandels – der ehemalige Aufbaugegner als Werders erster Gradmesser

Früher, als die Werder-Welt noch schön war, man regelmäßig mindestens EL spielte, im Normalfall sogar CL, da waren Siege gegen den “kleinen HSV” aus der Stadt, die eigentlich lieber Bremen wäre fest einzuprogrammieren.
Das galt für Heim- wie Auswärtsspiele gleichermaßen, insbesondere die Auswärtsspiele waren dabei jedoch hervorzuheben – und sind es mittlerweile wieder.

Ein neuer Konkurrenzkampf im Norden – Hannover auf der Überholspur

Dass sich die Kräfteverhältnisse im Norden von der ehemals klaren Staffelung glorreicher SVW – verbitterter titelloser HSV – manchen sympathischer Kiezklub – kleiner Rest deutlich verschoben haben muss man nicht mehr großartig erwähnen, deshalb geh ich auf den Fall der beiden einst großen und im Norden unantastbaren Bundesliga-Gründungsmitglieder nicht ein.
Viel interessanter ist die Entwicklung des früher kaum beachteten und mittlerweile von vielen als Nummer 1 im Norden angesehenen Sportvereins aus Hannover.
Binnen weniger Jahre (2-3, um genauer zu sein) haben Schmadtke und Slomka unter Schirmherr Kind aus dem ehemaligen Abstiegskandidaten und graue Maus-Club Hannover den vielleicht am effizientesten arbeitenden Verein der Bundesliga gemacht – sowohl auf, als auch abseits des Rasens.
Man spielt sehr intelligent und stellt mittlerweile – vor allem im eigenen Stadion – für jeden Klub der Liga eine Herausforderung dar.

Beschränkte man sich anfangs noch größtenteils aufs reine Kontern aus einer sehr gut gestaffelten Defensive und überraschte damit so manchen, so passte man mit der veränderten Wahrnehmung in der der Öffentlichkeit mehr und mehr an.

Mittlerweile sind immer noch das blitzschnelle Umschaltspiel und die gesicherte Defensive die Schlüssel des Hannoveraner Spiels, doch ist man, gereift durch die zwei Jahre Erfahrung in der Europa League, um einiges facettenreicher geworden.

Während Schmadtke den Kader um einige spielstärkere Akteure ergänzte (hervorzuheben sei hier insbesondere Huszti), feilte Slomka an verbessertem Aufbauspiel und Kombinationen auf kleinerem Raum.
Die spielstärksten Akteure der 96er sind dabei [Da Silva] Pinto, Huszti und Schlaudraff.
Zusammen sind sie in Topform in der Lage, aus der rein konterstarken Mannschaft ein Team mit immer weniger echten, ausgeprägten Schwächen zu machen.

Kurzum: Hannover ist – leider, aus Bremer Sicht – ein unfassbar schwer zu bespielender und sehr starker Gegner geworden.
Sie sind, so die Momentaufnahme, näher an den Spitzenteams dran als der SVW, weil sie reifer und abgeklärter spielen, insgesamt ausgereifter und in ihrer Entwicklung weiter sind.

 Der Wandel des SVW – Der Neuanfang eines einstigen Spitzenteams

Der Saisonstart der Bremer war – rein punktetechnisch – durchschnittlich und noch nicht übermäßig erkenntnisreich.
Eine zu erwartende Auftaktniederlage  gegen den BVB, wo man für viele überraschend mitspielte und ein zu erwartender Derbysieg gegen den mal wieder (oder immer noch) kriselnden HSV, wo man sich schwerer tat als gehofft.

Werders Stärken liegen momentan in einem bereits ordentlich einstudierten Flügelspiel und im Vergleich zu Vorjahren deutlich verbessertem Umschaltspiel, ermöglicht hauptsächlich durch Veränderungen im Mittelfeld und die Umstellung des Spiels auf ein System mit offensiven Außen.

Man hat dabei mit Hunt, Junuzovic und Fritz/Bargfrede ein sehr ausgeglichenes Mittelfeld-Trio, das sowohl laufstark als auch annehmbar zweikampfstark, schnell und spielstark ist.
Hervorzuheben ist hierbei das starke Duo aus Junuzovic und Hunt, die sich exzellent ergänzen und – der eine wie der andere – für viele, insbesondere außerhalb Bremens, eine positive Überraschung darstellen.
Während Junuzovic durch ein enormes Laufpensum und dabei immer effizienteres Spiel auffällt, was in der Rückrunde noch sein Problem war, überrascht Hunt durch ein in fast allen Bereichen unglaublich souveränes Auftreten.
Er zeigt sich selbstbewusster, übernimmt Verantwortung und übertragt das auch auf den Platz.
Er fordert den Ball, hält ihn, verteilt ihn – alles durchdacht, alles mit Hunt und Fuß.
Er ist, das muss man so hervorheben, der Strukturgeber in Werders Spiel und wurde bereits am ersten Spieltag von Klopp hervorgehoben als der Mann in Werders Spiel, den man nicht in den Griff bekam.

Auf den Außen wird das Team, auch in seiner Spielweise, durch die pfeilschnellen Elia, Arnautovic und den immer wieder vorstoßenden Gebre Selassie ergänzt.
Insbesondere Arnautovic hat dabei eine sehr positive Entwicklung genommen, spielt ruhiger und abgeklärter und trägt somit deutlich mehr Hilfreiches zum Spiel bei.
Sein Auftritt gegen den HSV war dabei sehr stark, als Tandem mit Gebre Selassie machte er den Hamburgern auf der rechten Seite das Leben schwer, wobei auch hier seine größte Schwäche offensichtlich wurde: Der schwache Abschluss.
Elia steht noch, oder wieder, etwas im Schatten seines Freundes und Teamkollegen, ist jedoch ebenfalls lobend hervorzuheben.
Er setzt, so wirkt es, auf dem Platz das um, was man ihm vorgibt. Er macht keine Probleme, er hat sich hervorragend ins Team eingefunden und trägt durch ganz viel #love zur guten Stimmung im Team bei.

Das “Problemkind” im Mittelfeld ist momentan Kevin de Bruyne, das ausgeliehene Toptalent – hier ist der Begriff meiner Meinung nach angebracht – vom FC Chelsea.
Problemkind insofern, als dass seine Rolle im neuen System noch nicht gefunden wurde.
Zwar macht er noch viele Fehler, was an noch nicht abgeschlossener Integration und Anpassung an die neue Liga liegt, doch ist er dennoch ein Spieler, der Werders Spiel sehr viel Variabilität und Kreativität verleihen kann.
De Bruyne ist immer auf der Suche nach dem “richtigen”, dem gefährlichen Pass, hat aufgrund seiner technischen Klasse und Übersicht viele Optionen und eignet sich hervorragend zum Kombinieren.
Im Mittelfeld ist er jedoch schwer einzusetzen, da man für ihn den 6er (Fritz/Bargfrede) opfern und Junuzovic dorthin ziehen müsste, womit man ein hohes Risiko eingehen würde.
Man wäre, mittlerweile fast ein Markenzeichen Werders, konteranfälliger und könnte die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld kaum so klein und eng halten, wie es sein müsste – was man bereits gegen den HSV, Münster und mit Abstrichen den BVB sah.

Im Nordderby war es insofern kein Problem, als dass der HSV diese Lücken nicht auszunutzen wusste.
Gegen Münster schied man auch deshalb bereits in der ersten Pokalrunde aus.

Was Hannover als Auswärtsspiel zu Werders Grauem macht

Wie bereits kurz erwähnt hat Werder Schwächen darin, die Abstände zwischen Mittelfeld und Abwehr gering zu halten, lässt regelmäßig Lücken im Arbeitsfeld des 6ers und hat auch häufiger Probleme damit, die Schnittstellen abzudecken.
Gegen den HSV war das kein Problem, gegen H96 wird es genau das sein.

Hannover ist, was das Ausnutzen derartiger Schwächen angeht, brutal stark.
Bei Kontern nutzen sie genau diese Räume exzellent aus, kombinieren sich hindurch und sind – ebenfalls ein Markenzeichen – vor dem Tor eiskalt.
Für Werder eine potentiell tödliche Mischung, könnte man doch, sollte man sich verkalkulieren, mächtig unter die Räder geraten, wie am letzten Spieltag Wolfsburg.

Deshalb ist dieses Spiel der erste echte Gradmesser für Werder: Gegen den BVB hatte man nichts zu verlieren, Hamburg kam als in vielen Bereichen schwacher Gegner.
H96 hingegen hält einem den Spiegel vor die Nase.
Sie zeigen auf, was in den letzten Jahren schief lief, sie halten einem die eigenen Schwächen vor die Nase und sobald sie die Chance haben reiben sie mächtig Salz in die Wunde.
Hier kann man zeigen, wie weit man in der Entwicklung schon ist.
Man kann zeigen, ob man die eigenen Schwächen begriffen hat und man hat die Chance, einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.
Ein Unentschieden wäre aufgrund der enormen Heimstärke Hannovers und ihrer für uns unpassenden Spielweise schon ein Erfolg, ein Sieg wäre – für mich – überraschend und ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz, die einen vielleicht schon totsagte.

Viel wichtiger als das Ergebnis ist momentan jedoch, ob man eine Entwicklung zeigt – das ließ man in der Vergangenheit nämlich vermissen.
Anders als H96 – der Nordverein, der momentan am ehesten die Bezeichnung “Spitzenteam” verdient hat.

Dennoch, da träumen erlaubt ist: Auf gehts Werder, kämpfen und siegen – die Nummer 1 im Norden sind wir, also zeigen wir das auch!

Nach dem Nordderby: Grünweiß Stammtisch 13-02

Nach dem Sieg im Nordderby haben wir bei unserem zweiten Stammtisch der Saison das Spiel noch einmal paroli laufen revue passieren lassen. Als Gast mit dabei war diesmal HSV-Blogger Florian, alias nedfuller, der mit uns das Spiel auch aus der Sicht des Gegners aufgearbeitet hat.

Wir hatten ein paar Probleme mit der Soundqualität, die wir uns nicht ganz erklären können. Über Kopfhörer ist es ok, über den Computer-Lautsprecher klingt es schrecklich. Hört es euch also besser per Kopfhörer an. Dennoch viel Spaß beim Hören!

Play

Vor dem Nordderby: Panik!

Was wäre eine Werder-Saison ohne die Nordderbys gegen den HSV? Morgen ist es mal wieder soweit und selten in den letzten Jahren hat man sich bei Werder so überlegen gefühlt. Früher war man auf Augenhöhe irgendwo ihm Bereich der Bundesligaspitze, dann war man auf Augenhöhe zwischen Niemandsland und Abstiegszone der Tabelle. Letzte Saison gab es zwei Siege für Werder. Vor allem das 2:0 im Weserstadion war relativ überlegen geführt. Damals sah es noch so aus, als könnte es eine richtig gute Saison werden für Werder.

Werder zwischen Hoffnung und Angst vor dem Rückschlag

Diese Hoffnung hat man nach dem mitreißenden Eröffnungsspiel gegen Borussia Dortmund nun auch wieder. Gegen den schwächelnden Nachbarn aus dem Norden rechnet man im Umfeld der Grünweißen mit einem Sieg. Auf dem Papier sind beide Mannschaften gleich schlecht gestartet. Beide schieden in der ersten Pokalrunde gegen Drittligisten aus, beide verloren ihre Auftaktpartien in der Bundesliga. Die Art und Weise jedoch, wie sich beide Mannschaften am letzten Wochenende präsentierten, macht Werder große Hoffnung. Während der HSV zuhause gegen nicht gerade überwältigend aufspielende Nürnberger enttäuschte, begeisterte Werder einen Großteil seiner Fans mit einer stark verbesserten Leistung gegen den Deutschen Meister. Nimmt man diese Spiele als Maßstab, ist Werder deutlicher Favorit.

Bei allen Problemen, die Werder im Pokalspiel offenbart hat und bei allem Nachholbedarf in der Feinabstimmung zeigte Thomas Schaafs Team, an welchen Dingen es im Sommer gearbeitet hat. Tiefes Verteidigen, schnelles Umschalten, diagonale Flankenwechsel und das bekannte Kombinationsspiel im zentralen Mittelfeld bereitete dem BVB einige Probleme. Werder hätte mit etwas Glück zumindest einen Punkt holen können. Die Leistung verführte fast schon dazu, die Erwartungen bei der Öffentlichkeit in ungesunde Höhen zu schrauben. Ein zweiter Blick auf das Spiel zeigte, dass Werder mit viel Risiko agierte und Dortmund eigentlich zu viel Platz im Zentrum ließ. Das richtige Gleichgewicht aus Breite und Kompaktheit muss Werder erst noch finden. Und so sehr das Spiel zum Träumen von einer besseren Zukunft anregte, so sehr sollte einen das Pokalspiel in Münster auf dem Boden der Tatsachen halten. Vielleicht war das Spiel wirklich ein Ausrutscher, das wird man erst in ein paar Wochen wissen. Doch bis dahin sollte man nicht davon ausgehen. Werder hat bislang nur bestätigt, dass die Einschätzung “Wundertüte” von vielen Experten vor der Saison zutreffend ist.

Der HSV zwischen Panik und Kaufrausch

Die Kritiker des HSV dürften sich nach dem Saisonauftakt ebenfalls bestätigt fühlen. Nach der katastrophalen letzten Saison deutet wenig darauf hin, dass diese Saison besser wird. Doch auch bei den Hamburgern sind Veränderungen sichtbar geworden. Personell musste man deutlich abspecken, ließ – ähnlich wie Werder – viele arrivierte Spieler gehen und will nun mit einem jungen Team einen Umbruch schaffen. Schnell waren Zweifel da, ob dies dem Duo Fink / Arnesen gelingen würde. Dennoch blieb es für Hamburger Verhältnisse erstaunlich ruhig und trotz der Zweifel scheint die Position der sportlichen Führung nicht wirklich gefährdet zu sein. Das überrascht bei einem Club, der nicht unbedingt für große Geduld mit seinen Trainern oder Sportdirektoren bekannt ist.

Sportlich machte der HSV zuletzt einen sehr angeschlagenen Eindruck. Die Schwachstellen sind so groß, dass die Mannschaft von vielen zu den Abstiegskandidaten gezählt wird. Sei es das einfallslose Zentrum um Westermann oder die lahmenden Flügel, eine wirkliche Idee ist nicht erkennbar im Team von Torsten Fink. Dabei hatte dieser mit seinem klar definierten System in der Vorsaison noch das große Ziel, den HSV sportlich zu revolutionieren. Zunächst durchaus mit Erfolg, wenn auch die Serie zu Beginn durch die vielen Unentschieden nicht so beeindruckend war, wie sie zwischenzeitlich verkauft wurde. Inzwischen hat Fink sein System etwas verändert, spielt nicht mehr so konsequent mit Dreierkette im Spielaufbau, setzt auf schnelle Konter, statt auf Ballkontrolle im Mittelfeld, hat den Pressing-Ansatz verändert. Zu den vorhandenen Spielern scheint das System dennoch nicht richtig zu passen.

Zum Nordderby kommt der HSV nun jedoch mit einem in vielen Positionen veränderten Team. Kurz vor Ende der Transferperiode hat Arnesen noch ein paar Mal im Schlussverkauf zugeschlagen und dabei nicht unbedingt den Eindruck erweckt, hier befände sich ein Verein auf Sparkurs. Der mit Kühne-Millionen finanzierte Van der Vaart soll dabei der Königstransfer sein. Der Rückkehrer will an seine glanzvollen Zeiten beim HSV anknüpfen. Hinter ihm sollen Jiracek und Badelj die neue Doppelsechs bilden und Westermann zurück in die Viererkette verbannen. Sieben Umstellungen im Vergleich zum Spiel gegen Nürnberg hat Fink angekündigt. Und wer weiß, wen der HSV bis zum Anpfiff noch alles aus dem Hut zaubert.

Es mag sein, dass man nun an der Elbe wieder von großen Zielen träumt und sich mit den Neuverpflichtungen auf dem richtigen Weg sieht. Bei mir hinterlässt dieser Sommer eher das Bild eines Vereins, der selbst an sein propagiertes Rezept nicht geglaubt hat, es dennoch durchsetzen wollte und nun nach den ersten Rückschlägen in Panik gerät.  In einem Spiel kann viel passieren, erst recht in einem Derby, aber Angst muss man vor diesem HSV nun wahrlich nicht haben.

Zweites Kapitel: Hoffnung

Ein neues Buch angefangen. Ein erstes Kapitel wie der Beginn einer Tragödie. Es ist alles vorausgedeutet. Es ist alles bereits gezeichnet. Alles, was scheitern kann. Vielleicht sogar scheitern muss. Und ich weiß, viele waren skeptisch, einige schon nach dem ersten Kapitel in tiefe Trauer gestürzt (mich eingeschlossen). Das zweite Kapitel, die zweite Situation, die selben Helden, die zweite Niederlage. Und doch habe ich es mit einem Lächeln gelesen. Und das ging bis in die Niederlage und noch zeilenweit über das Ende hinaus. Es gab keine eigentliche, nicht einmal eine uneigentliche Befreiung.
Aber wie auch – diese Geschichte ist noch mindestens 33 Episoden lang.

Es ist auch im zweiten Abschnitt nicht alles besser, aber vieles verändert. Die Charaktere stehen nicht weniger unter Druck, und doch scheinen sie etwas aufrechter zu gehen und sich etwas mutiger durch die Probleme dieser Geschichte zu kämpfen. Und statt als weiterer Skeptiker hier zu erzählen, warum man nichts überbewerten und erst Recht nichts hoffen darf, werde ich nun, verliebt in mein neues Buch erzählen, warum ich an diese Romanhelden glaube. Schwärmerisch und jeden Ansatz des Guten überbewertend.
(Ohne dabei auf die Wandlung in ein Kochbuch mit Salatschüsselprämie zu hoffen.)

Und da ist schließlich auch dieser elegante Fremde6, neu im Personengeflecht und doch sofort damit verwoben. Sich seiner Kräfte noch nicht ganz sicher, startet er doch von Beginn an auf einer ungewohnten Position. Und doch, kann man in seinen winzigen Bewegungen erahnen, warum dieser Mann vielleicht eines Tages entscheidend sein wird. Diese winzigen Bewegungen, nur aus dem Fußgelenk heraus, zu weiten präzisen Pässen, diagonal, exakt, auf kaum merkliche Weise beeindruckend. Natürlich fehlt etwas, aber so ist es immer am Anfang. Die Personen wachsen mit der Geschichte. Aber das waren Pässe wie Satzanfänge. Von etwas sehr Schönem.

Teil meines Lächelns waren auch zwei Jungen7,11, die oft ungestüm, oft holprig bis zur (Nach-)Lässigkeit wirken, die an diesem Tag zeigen konnten, in wieviel Probleme sie vor allem den Gegner stürzen können, wenn sie wollen. Und sie wollten. Die zugleich Spiel und Handlung und Gefahr nach vorne bringen, und dort auf eine sehr abgebrühte Western-Art-und-Weise noch aus dem Stand die Vorlage zum Sieg geben können. Um sich dann wieder und wieder fast schon rückblendenartig fallen zu lassen und im Rückwärtsgang den roten Faden neu aufzurollen.

Währenddessen lernt zwischen zwei gemalten und einem räumlichen Käfig eine junge Hauptfigur1 gleichzeitig einem Kugelfeuer Einhalt zu gebieten und ein eigenes zu entfachen. Mit ruhigen Füßen und sicheren Schritten. Mit Mut und Vertrauen zu den Männern vor ihm, auch wenn diese es manchmal verlieren. Sowohl den Mut als auch das Vertrauen in sich. Und müde werden, und verzweifelt. Und einer von ihnen zum tragischen Helden17 wird, als der Gegner vor seinen Füßen und hinter seinem Rücken entkommt. Und man sehen und fühlen kann, wie tief in das erschüttert. Und auf der bildlichen wie wörtlichen anderen Seite: Ein erster Auftritt und ein erstes Tor23.

Doch vor allem galt mein Lächeln einem vorm Volke in Ungnade Gefallenen14, der sich noch immer nicht ganz dieser Rolle entwinden kann, obwohl seine Taten (nicht erst in dieser Saison) keinen Grund (mehr) dazu geben. Mit einem genialen Auge für Lücken, durch die nicht viel, aber ein Ball wohl hindurchpasst, oder vielmehr: wo er selbst den Ball hindurchpasst. Es sind diese Pässe quer übers Spielfeld und doch vorbei an allen, die versuchen könnten, ihn aufzuhalten. Und es ist einfach schön, ihm dabei zuzusehen. Das sind Bälle wie Wortspiele, mühelos und wunderschön.

Ich liebe den Autor, ich werde vielleicht mein Leben lang mit ganzem Herzen daran gebunden sein, was er schreibt. Oder vielmehr, was sie schreiben, leben, spielen. Mit jedem Pass, mit jedem Blick, mit jedem Schuss kommen neue Zeilen aus grünen Lettern dazu. Und ich weiß noch immer nicht, was es für eine Geschichte ist. Vielleicht haben die ersten Zweifler Recht und es ist, war und bleibt eine Tragödie. Aber dieses zweite Kapitel lässt mich hoffen. Und ich weiß, dass es vielen ähnlich ging. Vielleicht, vielleicht wird es doch eine Komödie. Mit einem glücklichen Ende. Vor allem aber: Mit Lesefreude.

Anmerkung: Die hochgestellten Zahlen sind die Rückennummern der enstprechenden Spieler. Für vereinsfremde stehen auch alle erwähnten Spieler in den Schlagwörtern.

Eine Wundertüte zum Geburtstag – Werder in der Jubiläumssaison, oder auch: eine Reise ins Ungewisse

Endlich!
Das Warten hat ein Ende, die Sommerpause ist vorbei und die Bundesliga startet in ihre 50. Saison.
Passend zum Jubiläum  präsentiert der Norden der Liga dabei eine Wundertüte voller grün-weißer Spielgefährten.

Werder im Wandel und als Wanderer zwischen Hoffnung und Realität

Vor wenigen Jahren noch gehörte Werder zu den absoluten Spitzenteams der Bundesliga.
Nun, angesichts des 50-jährigen Bestehens, trifft das nicht mehr zu.
Zwei Jahre Rumpelfußball und tabellarische Bedeutungslosigkeit haben zu einem Umdenken und einem bitter nötigen Umbruch an der Weser geführt und so aus dem einstigen Spitzenteam ein großes Fragezeichen gemacht.
Aus der grün-weißen Schatztruhe wurden die Zaubertricks und Tormaschinen herausgenommen, die namhaften Etiketten von den Spielzeugen entfernt und übrig geblieben sind bloß die Pralinenschachteln vom Discounter – keiner weiß, was man bekommt, keiner weiß, ob die Süßigkeiten von der Weser schmecken werden.

Das birgt Chancen und Risiken, führt zu Hoffen und Bangen.
Aus finanziellen Nöten wurde der Umbruch bei Werder geboren, sportlich wäre er jedoch schon früher notwendig gewesen und so wurde aus dem in der Theorie sanften Übergang ein radikaler Schnitt.
Wiese, Naldo, Boenisch, Pizarro, Rosenberg, Borowski, Marin.
Namhafte Spieler, ehemalige Stammspieler in erfolgreichen Werderteams und/oder
(U-)Nationalspieler.
Einstige Aushängeschilder, vereinzelt Erfolgsgaranten für das “alte Werder”, nun jedoch teils aus sportlichen, teils aus finanziellen Gründen aussortiert.

Die Nachfolger sind Spieler wie Mielitz, Prödl, Schmitz, Sokratis, Ekici, Hartherz, Trybull, Ignjovski, Arnautovic, Füllkrug, Hunt und Junuzovic.
Überwiegend günstige Spieler.
Spieler, die teils in den Schatten der großen Namen standen und nun das Licht erblicken wollen, aus der Jugend nach oben drängen oder  früher Mitläufer waren, von anderen getragen wurden und nun selber tragen müssen.
Ergänzt werden sie von Spielern wie Elia, Petersen, Gebre Selassie und De Bruyne.
Spieler, die entweder schon “oben” waren und tief fielen, vergleichsweise spät die große Bühne betraten, nach anfänglich hohem Sprung einen Schritt zurückgehen oder vor dem Schritt nach oben noch eine Stufe mehr nehmen wollen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Die größte Herausforderung Werders ist hierbei, sowohl im als auch um den Verein, die Erwartungshaltung und die zu erwartende Realität miteinander vereinbaren zu können.
Man hat nicht mehr die Qualität wie früher, der Wandel des Teams wird Zeit brauchen und   doch hat man kaum Zeit.
Die offizielle Devise des Vereins ist es, “mittelfristig” wieder nach Europa zu kommen.
“Zwei, drei Jahre”, heißt das laut Klaus Allofs. Doch heißt das, so Allofs weiter, nicht, “dass es diese Saison nicht möglich wäre.”
Eine Aussage, die Werders Dilemma ganz gut widerspiegelt.

Das internationale Geschäft ist es, was es zu erreichen gilt – und das mit einem neuformierten Team, dem einiges an Erfahrung fehlt, das ‘auf dem Papier’ wie man immer so schön sagt, das vielleicht schwächste Team seit Jahren ist.
Man soll das schaffen, was die einstigen Nationalspieler in den beiden Jahren zuvor nicht zu schaffen vermochten.
Man soll die Fans zufriedenstellen, wieder guten Fußball spielen und die zwei schlechten Jahre möglichst vergessen machen.

Und doch wird man Fehler machen, man muss sie sogar machen.
Man muss sich entwickeln, reifen und Erfahrungen sammeln.

Kurzum: Man muss mit einem Team, das im Durchschnitt keine 23 Jahre alt ist, das nachholen, was den zuvor teueren und namhaften Werder-Mannschaften nicht gelungen ist.

Die präsaisonale Phase als Vorgeschmack auf das was folgt?

Vom “Werdersommer” war auf Twitter die Rede. “Love” wurde verbreitet, gute Laune machte sich breit und man war fast geneigt, von der “besten Vorbereitung aller Zeiten” zu sprechen – wäre das nicht bereits andernorts schiefgegangen.

Gute Testspielergebnisse und schönere Spielzüge, ein neues System, eine homogene, sich auf und außerhalb des Platzes scheinbar gut verstehende Mannschaft und als Sahnehäubchen die triumphale  Errungenschaft des Liga-Total Cups gegen Weltklasseteams wie Dortmund und den Freistaat Bayern.
Die Welt in Bremen war wunderbar – bis Preußen anfing zu marschieren.

120 Minuten marschierten sie, ließen nicht locker, gängelten die Bremer von allen Seiten und verwehrten ihnen schließlich die Reise nach Berlin, der zweiten Heimat der Werderaner.
Das zweite Jahr in Folge scheiterte man in der ersten Pokalrunde und schlagartig schien die gute Stimmung zu verfliegen.
Skepsis machte sich breit, Ängste traten hervor und schien zuvor noch alles duftend grün-weiß, so wirkte die Welt plötzlich grau.
Mausgrau.

Eine Achterbahn der Gefühle die, gut möglich, einen Vorgeschmack auf die folgende Saison geben könnte.
Man wird schöne Momente erleben, auf flauschigen Wolken schweben und träumen und man wird auch fallen und beginnen, zu zweifeln.

Was man bei all diesen Wechselbädern der Gefühle nie verlieren darf sind Hoffnung und Zuversicht.

Die Bundesliga feiert Geburtstag – und wir feiern mit.

Auswärts gegen den BVB wird Werder die Saison eröffnen, ‘auf dem Papier’ ein Leckerbissen, mit Glück auch auf dem Platz.
Nicht immer werden wir siegen, doch stets werden wir kämpfen.
Wir werden hoffen, bangen, zittern und uns freuen, fluchen, jammern und auf dem Boden rollen.

Doch heute Abend, da werden wir feiern.
Feiern, dass die Pause vorbei ist.
Feiern, dass die Liga wieder losgeht.
Feiern, dass wir wir sind.

Wir sind Werder Bremen, grün-weiß das Emblem – und verflucht nochmal, wir kommen immer wieder!

Mein Problem mit Wiesenhof – Ein Kommentar (fast) ohne Ethik und Moral

Die Würfel sind gefallen…

… und der neue Hauptsponsor Werders steht damit fest: Geworden ist es Wiesenhof, ein Unternehmen, das “mit Kritikern der modernen Nutztierhaltung offen über alle Themen diskutiert und kontinuierlich an Verbesserungen des Tierwohls arbeitet und eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernimmt: Lebensmittel zu produzieren.”
Besonders wissenswert in Bezug auf Wiesenhof ist dabei, dass “Im Leitbild des Unternehmens … Leitsätze wie ökologisches und nachhaltiges Denken, verantwortungsbewusstes Handeln, Pflegen einer offenen Kommunikation, Sicherheit und Vertrauen für den Kunden sowie Wertschätzung und Respekt gegenüber den Mitarbeitern verankert..” sind, was natürlich ziemlich genau die Werte des glorreichen SVW widerspiegelt. Super! (Ausschnitte aus dem Interview mit der Geschäftsführung Werders, hier: http://www.werder.de/de/profis/news/40558.php)

Ja, so kann man das natürlich auch sehen.
Die andere Sichtweise ist die, dass Wiesenhof als Lebensmittelunternehmen nachweislich die ohnehin schon niedrigen Standards im Bereich der Massentierhaltung, der Hygiene sowie der Arbeitsbedingungen unterbietet – und zwar deutlich.
Das hat dafür gesorgt, dass eben jenes wunderbar zu Werders Werten passende Unternehmen in Deutschland einen, gelinde gesagt, sehr bescheidenen Ruf hat.

Die ersten Gerüchte über ein mögliches Engagement als Werders Hauptsponsor führten bereits vorab zu zahlreichen Protesten, beispielsweise via Twitter und Facebook.
Die PETA hat sich natürlich auch gleich zu Wort gemeldet und eine Pressemitteilung (siehe hier: http://www.peta.de/web/schandfleck_auf.6188.html) herausgegeben, in der sie sich gegen Wiesenhof als Werder Sponsor aussprechen.
Standesgemäß wurde wenig später auch vorm Stadion protestiert, wie sich das halt so gehört.

Nach Bekanntwerden der offiziellen Bestätigung seitens Wiesenhof und Werder nahm der “Shitstorm” dann weiter zu, die offizielle Facebook Page des SVW (siehe hier: https://www.facebook.com/WerderBremen) wurde von Bildern toter Tiere überschwemmt, auf Twitter und selbst im Fernsehen war es ein heißes Thema, so widmeten sich beispielsweise das ZDF und der NDR dem Thema “Wiesenhof und Werder”.

Während sich dabei relativ schnell klare Fronten bildeten, die Einen empört waren angesichts der bekannten Tierquälerei Wiesenhofs und die Anderen den Kritikern Heuchelei vorwarfen, so möchte ich mich bei meinem Kommentar gerne in eine andere Richtung bewegen, den Fokus nicht auf die Frage legen, ob Wiesenhof als Sponsor ethisch und moralisch vertretbar ist.
Mich interessiert viel mehr das mögliche Risiko, das Wiesenhof als Hauptsponsor meiner Meinung nach für die Marke Werder darstellt.

Keine Frage der Moral

Zuerst einmal: Moral ist subjektiv.
Das macht es so schwer, Diskussionen anhand von Ethik und Moral zu führen, weshalb ich eben das auch nicht tun will und auch nicht tun werde.

Für mich ist das Problem bei Wiesenhof in erster Linie nicht, dass sie die ohnehin schon niedrig angesetzten Standards im Bereich der Massentierhaltung, Mindestarbeitsplatzbedingungen und Hygiene nachweislich noch deutlich unterbieten, sondern dass sie das bekanntermaßen und im Blickfeld der Öffentlichkeit tun.
Das bedeutet, dass – abseits von sicherlich bei vielen Leuten auftretenden ethisch/moralischen Bedenken – dieser Sponsor für Werder, die ein Saubermann Image in Hinsicht auf soziales Verhalten und Außendarstellung pflegen und angeblich vorleben, in meinen Augen ein enorm hohes Risiko darstellt.

Durch das sehr umstrittene Sponsoring Wiesenhofs bringt Werder einerseits Moralisten und selbsternannte Gutmenschen gegen sich auf, die es nicht nur außerhalb Bremens und der Werderszene gibt, andererseits geben sie sich auch in direkte Abhängigkeit von einem die Gesetze missachtenden Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, das ohnehin schon auf negative Art und Weise stärker im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Dass bereits innerhalb weniger Stunden die PETA auf unbestätigte Gerüchte(!) reagiert, eine Pressemitteilung rausschickt und Proteste vorm Stadion organisiert, ist ein Beispiel dafür, in welchem Ausmaß ein Wiesenhof Sponsoring negative Presse für Werder auch zukünftig bedeuten könnte.
Eben diese Art von Presse ist es jedoch, die sich ein Verein wie Werder meiner Meinung nach nicht leisten kann, da sie als Marke ungemein von ihrer breit gelagerten Sympathie leben, anders als beispielsweise Vereine wie Schalke, die unter Sponsoren wie Gazprom deutlich weniger leiden – wenn sie es überhaupt tun.

Sollte Wiesenhof nun während der zwei Jahre, die sie Hauptsponsor bei Werder sind, erneut durch Vergehen auffallen, so fällt das direkt auf Werder zurück, die sich so eifrig an diese tolle Marke gebunden haben, da sie so endlich mal wieder einen Hauptsponsor aus dem Werderland gewinnen konnten.
Das wiederum würde dazu führen, dass Werder, die nach eigener Aussage auch von den Werten her mit der Firma Wiesenhof konform gehen, bundesweit an Sympathie einbüßen könnte.
Um zu verstehen, warum das meiner Meinung nach so ein hohes Risiko darstellt, muss man sich nur die Frage stellen:

Was macht den SV Werder Bremen als Marke für andere Unternehmen interessant?

Die Antwort darauf steht etwas weiter oben: Die bundesweiten Sympathien.
Werder steht als Verein und Unternehmen für hanseatische Zuverlässigkeit und hanseatisches Kaufmannsgeschick, früher mal guten und ansehnlichen Fußball und ist vielen Menschen in erster Linie eines: Sympathisch.
Das führt dazu, dass sich mit dem SVW wunderbar werben lässt, was wiederum dazu führt, dass wir ein sehr willkommener Anlaufpartner für eher zweifelhafte Sponsoren sind, die auf der Suche nach bundesweiter Bekanntheit und vor allem einem positiven Imageboost sind.

Um dabei auch gleich kurz den üblichen Argumenten vorzubeugen: Der Unterschied zu KIK, BWIN, Citi-/Targobank und anderen – sehr wahrscheinlich ähnlich zweifelhaft arbeitenden – Unternehmen besteht darin, dass Wiesenhof aktuell ein sehr negatives Image in der Öffentlichkeit hat und aktuell unter Skandalen leidet.
Sie arbeiten nachweislich verwerflich, nicht, wie der Großteil der Unternehmen, mutmaßlich.

Eben dieser Umstand könnte, so befürchte ich – vielleicht auch unnötigerweise – zu Sympathieeinbußen führen, die die “Marke Werder” schädigen, was wiederum Auswirkungen auf zukünftige Sponsorendeals haben könnte.

Das ist mein Problem mit Wiesenhof, von denen ich im Übrigen noch nie wissentlich Produkte konsumiert und/oder erworben habe, denn: Nein, die Chicken Wings bei McDonalds sind nicht aus Wiesenhof-Geflügel gemacht, liebe Kritiker.
Selbst wenn, dann wäre mir das wahrscheinlich auch relativ egal.
Im Normalfall koch ich mir mein Essen ohnehin selbst.

PS: Mein “Boykott” von Wiesenhof Produkten liegt einfach daran, dass ich selbst vor den bekanntgewordenen Skandalen kein Wiesenhof Geflügel gekauft habe. Wieso also dann damit anfangen? ;)

Back in Green & White – Grünweiß Stammtisch 13-01

…und da sind wir wieder!

Die Saison 2012/13 steht in den Start- und wir in den Sommerlöchern, doch mit letzterem ist ab heute Schluss. Der Grünweiß-Stammtisch meldet sich aus dem Urlaub zurück. Die neue Saison wird die Beste in der Geschichte des ruhmreichen SV Werder – zumindest behaupten wir das solange uns Thomas Schaafs Truppe nicht das Gegenteil beweist.

Und auch sonst wird alles besser, bunter und ballsicherer. Wir haben ein neues Mikrofon im Einsatz, damit unsere glockenklaren Stimmen die Ohren unserer Hörer noch sanfter umschmeicheln als bisher. Ein neues Intro haben wir auch. Die Musik dazu kommt von w1av und heißt Snap in the air. In Zukunft werden noch mehr Gäste für geballte Fachkompetenz sorgen und damit ihr davon nicht zu sehr erschlagen werdet, wird es eine klarere Struktur in der Sendung geben.

Zum Auftakt sind wir es allerdings noch etwas gemütlicher angegangen und haben gemeinsam mit Stephen vom Papierkugel Blog über den Naldo-Abgang, die Neuverpflichtungen und die mögliche Systemänderung bei Werder gesprochen. Das Ergebnis könnt ihr nun wie immer hier anhören.

Et voilà:

Play