Endspurt: Grünweiß-Stammtisch 16-04

Die Niederlage gegen den FC Augsburg lässt den SVW weiter in den Abstiegskampf rutschen. Lars (Werderblog) und Stephen (PapierkugelBlog) blicken auf das Sechs-Punkte-Spiel zurück, sprechen über die Stimmung bei Fans und Vereinsführung nach dem Spiel. Zum Abschluss blicken wir noch auf das kommende Spiel gegen den VfL Wolfsburg.

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Viel Spaß beim Hören!

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Kurz und knapp: Drei Punkte

PUH!

Gewonnen. Ein Auftaktspiel in der Ferne. Zum ersten Mal seit sieben Jahren. In Braunschweig. Zu Null.
Hochverdient.

Naja, hochverdient vielleicht nicht unbedingt. Aber – und selten war die vielleicht meistgenutzte Phrase der Fußballwelt treffender – was zählt, sind die drei Punkte.
Zur Erinnerung: Vor einer Woche schied das Team in der ersten Pokalrunde gegen Saarbrücken, einen Drittligisten, aus. Im dritten Jahr in Folge.
Ebenfalls zur Erinnerung: Werders letzter Pflichtspielsieg lag fast genau 6 Monate zurück. Damals gewann man 4:1 in Stuttgart und damit zum ersten Mal seit gefühlt drei Jahrzehnten zwei Spiele in Folge. “Ausgerechnet in Stuttgart” hörte ich mich damals sagen. “Jetzt geht noch mehr”, dachte ich.

Es ging sehr viel danach – in negativer Hinsicht. Kurzform: Schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte, Fastabstieg, Ende der Ära Schaaf.

Ein neues Kapitel

Schaaf ging, Dutt kam, die meisten Spieler blieben.
Folgerichtig las man davon, dass das Team Zeit benötigen würde und werde.
Das stimmt.
Der Auftritt gegen Saarbrücken war dennoch inakzeptabel, doch das habe ich an anderer Stelle, ebenfalls hier im Blog, thematisiert. Die Konsequenz war, dass man bereits vor dem ersten Bundesligaspiel unter Dutt zum Abstiegskandidaten geschrieben und seitens der Medien ernannt wurde. Nein, damit meine ich nicht den witzigen alten Mann aus München, dessen Zurechnungsfähigkeit ich weder beurteilen kann noch wirklich will.
Auch die “Sky Experten” beim Topspiel tippten unisono auf Braunschweig.

Es war daher in vielerlei Hinsicht wichtig, jenes Spiel zu gewinnen:
Für die Ruhe im und um den Verein.
Für das Gefühl der Fans.
Für die Psyche des Teams.

Anders als gegen Saarbrücken erweckte das Team von Beginn an den Eindruck, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, auch bei großer Gegenwehr seitens des Gegners.
Man wirkte weiterhin unsicher und teilweise verkrampft und der Auftritt war weit davon entfernt, ansehnlich, überzeugend oder souverän zu sein.
Dennoch: Man tat das, was man zu diesem Zeitpunkt konnte, um die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen. Und es hat funktioniert.
Die Gründe dafür waren einerseits Miele, der das Team per Glanztat vor einem Rückstand bewahrte, Junuzovic, der (nach sehr schöner Vorlage Prödls) das wichtige 1:0 schoss und anschließend am liebsten stundenlang vor der Kurve gejubelt hätte, sowie Caldirola, der Werders Führung rettete und dadurch auch Miele davor bewahrte, wegen eines “Patzers”, den pro Spieltag 3 Keeper überbieten, zerrissen zu werden.
Moment, nein, zerrissen wird Miele von manchen dennoch.
Dennoch: Die drei Punkte wandern nach Bremen.

Dutt reagiert, Werder agiert

Hervorzuheben ist allerdings auch, dass Dutt auf seine Versäumnisse (aus meiner Sicht) aus dem Pokalspiel reagierte.
Auf dem Papier änderte sich wenig: Miele im Tor, Fritz, Prödl, Caldirola und Gebre Selassie in der Abwehr. Davor Makiadi, Junuzovic und als einziger Neuling Kroos, der für Füllkrug in die Startelf rückte. Ekici rückte dafür nach vorne und unterstützte Hunt und Petersen.

Anders als gegen Saarbrücken agierte Petersen jedoch nicht mehr halbrechts und Hunt zentral, sondern Hunt halbrechts und Petersen zentral. Bei Ballbesitz Braunschweigs attackierte Petersen die Defensive, Hunt und Ekici spielten leicht versetzt hinter ihm und stellten die Passwege zu. Junuzovic agierte zentral hinter den beiden und ging viele Wege, sowohl offensiv als auch defensiv. Kroos und Makiadi agierten defensiver und ließen sich abwechselnd zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen, um den Spielaufbau voranzutreiben. Die Außenverteidiger schoben dabei nach vorne. Allerdings nicht, wie im Pokal, ~15m über die Mittellinie, sondern diesmal im gesunden Maße.
Dadurch waren sie anspielbar, schufen – wie es in der Theorie sein soll – eine Überzahlsituation im Mittelfeld und erleichterten es den übrigen Akteuren, einen Anschein von Kontrolle und Dominanz zu erwecken und mehr und mehr zu eigener Sicherheit zu finden. Das war wichtig, denn Werder wurde, wie zu erwarten war, die Rolle zuteil, das Spiel zu machen.

Problematisch war anfangs, dass Junuzovic nicht ins Spiel eingebunden war, Ekici wie zu schlimmsten Zeiten die Bälle nicht oder erst zu spät abspielen wollte, Hunt nichts gelang und Kroos die Abstimmung mit seinen Nebenleuten fehlte. Dadurch gingen viele Bälle unnötig verloren, ohne jedoch großen Schaden anzurichten.
Dies lag vor allem an mannschaftlicher Geschlossenheit und dem Willen, Fehler sofort auszubügeln. Bis auf wenige Ausnahmen gelang das auch. Hervorzuheben ist ebenfalls die überwiegend solide Leistung der beiden Innenverteidiger.
Was fehlte war vor allem eines: Tempo. Angesichts der Startelf, die mit vielen Akteuren gespickt war, die eher als langsam gelten, war das jedoch wenig verwunderlich und dürfte von Dutt auch so in Kauf genommen worden sein.

Das Spiel plätscherte folglich die ersten 45 Minuten ohne größere Höhepunkte vor sich hin, einzig ein Kopfball Petersens nach einem Bremer Eckball wurde gefährlich.
In Halbzeit zwei zog Werder dann zu Beginn etwas die Zügel an und kam zu 2-3 kleineren Chancen, ehe Braunschweig die Scheu vor der ersten Liga ablegte und Werder gute 15 Minuten ins Schwimmen brachte, die Chance auf einen Sieg witterte und weiter aufrückte.
Dies ermöglichte Werder größere Räume und infolgedessen Kontersituationen. Dutt brachte zwischenzeitlich mit Elia einen schnelleren Spieler für Ekici, doch es war Junuzovic, der nach einem Befreiungsschlag Prödls überaus abgezockt das Siegtor erzielte.
Anschließend lief Braunschweig weiter an, Werder zitterte und konnte schließlich. etwas glücklich, jubeln.

Weiter gehts

Es bleibt nicht mehr viel zu sagen. Werder hat gewonnen, allerdings auch gegen einen Gegner, der ruhigen Gewissens als Abstiegskandidat Nummer 1 bezeichnet werden darf. Den Braunschweigern fehlt es an Erfahrung, individueller Klasse und finanziellen Mitteln. Taktisch ist man allerdings, Lieberknecht sei Dank, auf einem guten Niveau und mit einem fitten Kumbela – oder etwas mehr Glück – wäre gegen zwar verbesserte aber erneut schwache Bremer durchaus mehr drin gewesen.
Das wiederum sollte für uns Anlass genug sein, uns zwar zu freuen, allerdings auch direkt den Blick nach vorne zu richten.
Augsburg hat sich nach dem Aufstieg zwei Jahre in Folge in der ersten Liga halten können und damit so ziemlich alle überrascht.
Das Team ist in in Bezug auf mannschaftliche Geschlossenheit, Kampfeswillen und Ehrgeiz ein Musterbeispiel für manche Diventruppe. Spielerisch sind sie nach den Abgängen von Ji und Koo zwar limitiert, dafür allerdings überaus erfahren im Abstiegskampf – etwas, das sie Braunschweig beispielsweise voraushaben.

Insofern sollte klar sein, dass Augsburg eine deutlich härtere Nuss wird als die Braunschweiger Löwen. Werders Erstligabilanz gegen sie spricht zudem Bände: Seit dem Aufstieg der Augsburger ist Werder noch ohne Ligasieg gegen sie.
Ein Heimsieg wäre ein erneutes wichtiges Zeichen und drei Punkte allein deshalb wichtig, weil im Folgespiel gegen Dortmund, so realistisch muss man sein, keine Punkte einzuplanen sind.

Verbessert werden muss auf Seiten der Bremer vor allem das Umschaltspiel nach Ballgewinnen. Man muss schneller und vor allem präziser spielen. Das geht allerdings nur, wenn sich mehr Spieler an der Vorwärtsbewegung beteiligen. Etwas, das gegen Braunschweig höchstens als “mangelhaft” zu bewerten war.
Ansonsten gilt weiterhin: Kompakt stehen, durch einfache Aktionen, Kampf und Leidenschaft ins Spiel kommen und sich dadurch Sicherheit und Erfolgserlebnisse holen. Augsburg hat eben jenes Denken perfektioniert – und ist uns daher zumindest in diesem Punkt voraus.
Der Rest wird sich kommendes Wochenende zeigen.

 

Werder unter Dutt – alles anders und doch altbekannt

Es geht wieder los

Sonntag, 14:30 Uhr. Die Sonne scheint, der Fernseher tönt und das Bier ist kalt.
Die Spieler laufen aufs Feld, nehmen ihre Startpositionen ein und atmen ein letztes Mal tief ein und aus, bevor es dann losgeht.
Mit dem schrillen Ton der Pfeife beginnt das Geschehen auf dem Rasen, die Spieler setzen sich in Bewegung, der Ball rollt und mein Herz fängt an zu pochen.
Aufregung, beinahe Ekstase macht sich breit und das altbekannte Gefühl ist zurück – Fußball ist zurück.

Nach wenigen Minuten weicht die blind-naive Freude angesichts des Wiederkehrens der liebsten Nebenschäftigung der einzig wahren Leidenschaft zeitweiser Ernüchterung:

Das sieht nicht so aus, wie es aussehen sollte. Mehr noch: Das sieht nicht gut aus.

Ich verhalte mich wieder wie so oft und bleibe ruhig, schließlich ist ja noch Zeit.
Quatsch, ich fange natürlich an zu meckern, wie ich es fast immer mache, wenn mein Team vor Problemen steht.

Die Außenverteidiger stehen viel zu weit vorne. Ruf die doch zurück, Robin! Ruf sie zurück!

 

Cut! Erstrundenaus Nummer 3

Machte er nicht. Nicht nach 15 Minuten, nicht nach 30, auch nicht nach 0:1 Rückstand und Halbzeitpfiff – was mehr oder weniger das gleiche Ereignis beschreibt. In der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung ebenfalls nicht.
Stattdessen wechselte er zur Halbzeit Arnautovic ein, der das immerhin 15 Minuten lang rechtfertigen konnte, Yildirim, weil Ekici sich verletzte und beim Rückstand in der Verlängerung Hartherz, bei dem ich nicht mal jetzt weiß, wie er es hätte rechtfertigen sollen.

Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen blieben das gesamte Spiel über zu groß, die Außenverteidiger isolierten sich durch ihre zu hohe Stellung selbst, das Mittelfeld verstand es vorzüglich, sich den Großteil des Spiels über zu verstecken (ah, Juno, da bist du ja!) und die Offensivreihe rieb sich zwar läuferisch auf, das interessierte Saarbrücken allerdings herzlich wenig, schließlich kam der Ball ohnehin überaus selten zu jenen Spielern.

Stattdessen verlor Werder viele Bälle im Vorwärtsgang und brachte sich dadurch überaus häufig in prekäre Situationen. Erstaunlicherweise führte nur eine dieser Situationen direkt zu einem Saarbrücker Torerfolg.

Werder wiederum spielte sich seltenst Torchancen heraus und wenn, dann vergab sie der österreichische Ibrahimovic in gewohnter Manier.

Es gab bei diesem Spiel niemanden, den man hervorheben konnte. Wobei, doch. Mielitz. Der rettete uns nach schwacher erster Halbzeit immerhin mit einigen sehr starken Paraden in der zweiten Halbzeit noch in die Verlängerung – in der er dann wiederum bei beiden Gegentoren machtlos war.
Danke dafür, Basti. Wenn du die Saison über diese Leistung abrufst, haben wir zumindest im Tor kein Problem – und du wirst vielleicht endlich nicht mehr mit Borel verglichen.

Guter Ansatz, schwache Umsetzung

Was bleibt ansonsten zum Spiel zu sagen? Ich für meinen Teil habe größtenteils damit abgeschlossen, deshalb möchte ich mich hier so kurz wie möglich halten.

Werder begann und blieb im 4-3-3, wie es zuletzt unter Dutt praktiziert wurde.
Mielitz stand im Tor, was so auch zu erwarten war. Soweit so gut.
Die Viererkette bildeten, von rechts nach links, Fritz, Prödl, Caldirola und Gebre Selassie.
Im Mittelfeld agierte Makiadi als tiefster der drei Mittelfeldspieler, unterstützt wurde er von Ekici und Junuzovic.
In der Offensivreihe startete Hunt zentral, Füllkrug ersetzte den ausgefallenen Elia links und Petersen spielte rechts.

Bei eigenem Ballbesitz ließ sich Makiadi zwischen die weit auseinander rückenden Prödl und Caldirola fallen und war der Hauptverantwortliche für den Spielaufbau. Fritz und Gebre Selassie schoben bis weit über die Mittellinie vor, Ekici und Junuzovic suchten den Weg nach vorne.
Ab und zu ließ sich einer von beiden fallen, um Makiadi zu unterstützen. Auch Hunt wählte phasenweise den Weg nach hinten und versuchte, durch Diagonalbälle die Saarbrücker Ordnung durcheinander zu bringen.
Ansonsten rotierte er, wie die gesamte Offensivreihe, viel.

Der Ansatz ist durchaus interessant, aufgrund mangelhafter Umsetzung kam dabei jedoch so wie nichts Ertragreiches herum.
Wirklich gut sah Werders Spiel folglich selten aus. Auf den Spielfluss, den die Werderaner gegen Fulham an den Tag legten, wartete man das ganze Spiel über vergeblich.
An der Tagesordnung standen stattdessen einfache Ballverluste, individuelle Unzulänglichkeiten und das taktische Verhalten von E-Jugendlichen sowie eine, selbstverständlich, schwache Chancenauswertung.

Einige, etwas ausführlichere, Kritikpunkte:

1) Zu wenig Bewegung ohne Ball.
Der Raum muss durch Pässe überbrückt werden, nicht Läufe. Das geschah, wie so oft in der Vergangenheit, viel zu selten. Woran lag das? Unter anderem an Punkt 2:

2) Mangelhafte Abstimmung der Mannschaftsteile untereinander.
Abwehr, Mittelfeld, Sturm. 3 Einheiten, die bei uns völlig getrennt voneinander agierten. Wobei, nicht ganz. Es waren eher 2 Einheiten: Spieler hinter dem Mittelkreis, Spieler am gegnerischen Strafraum. Zumindest gefühlt. So geht das nicht. Denn das führt zu Punkt 3…

3) Zu wenige Anspielstationen.
Wenn zwischen den einzelnen Spielern 30-50M liegen, dann sind diese durch Flachpässe kaum zu überbrücken, weil 3-4 Gegenspieler die Räume ausreichend besetzen können, um jene Pässe abzufangen. Was bleibt? Lange Bälle. Die wiederum sind schwerer zu kontrollieren, was wiederum zu Punkt 4 führt:

4) Zu wenig Spielkontrolle.
Wenn ein Bundesligist gegen einen Drittligisten spielt, der zuvor seine beiden Auftaktspiele verloren hat, dann erwartet man eine klare Rollenteilung: Der Bundesligist kontrolliert das Spiel, der Drittligist stellt sich hinten herein und hofft auf Konter. Werder war der Bundesligist, Werder hatte auch mehr Spielanteile, Werder hatte jedoch keinerlei Kontrolle. Man hatte Saarbrücken zu keiner Zeit im Griff, weil man keine Ideen hatte. Das lag zu großen Teilen an den Punkten 1-3.

5) Zu wenig Leidenschaft.
Dieser Punkt klingt unfassbar billig und wie eine von etlichen abgedroschenen Stammtischparolen. Nur: Diesmal war sie in meinen Augen zutreffend. Ich bin kein Freund davon, Niederlagen auf mangelnden Einsatz oder Kampfbereitschaft zu schieben, da das in meinen Augen immer ein sehr subjektives Empfinden ist. Nur: Wenn man 2 Jahre in Folge in der ersten Pokalrunde gegen einen Drittligisten ausschied, dann erwarte ich im dritten Anlauf von der ersten Minute an ein Team mit einem Messer zwischen den Zähnen. Das gab es auch – nur leider war es Saarbrücken. Die schossen dabei zwar teils deutlich übers Ziel hinaus, doch der Schiedsrichter ließ es ihnen durchgehen. Spätestens nach 45 Minuten war dessen Linie klar, Werder verfiel jedoch lieber in Selbstmitleid und wartete vergeblich auf einen Paradigmenwechsel des Schiedsrichters.

Nach 120 Minuten, in denen man insgesamt einem Drittligisten gegenüber klar unterlegen war, bleibt Ratlosigkeit. Dass man verloren hat ist ärgerlich und unnötig, vor allem bei der Vorgeschichte. Es kann jedoch passieren.
Was mich schlicht und ergreifend wahnsinnig wütend macht, ist die Art und Weise, wie dieses Spiel verloren wurde. Doch dazu später mehr – jetzt gilt es, voraus zu blicken. Nächstes Wochenende steht das Alltagsgeschäft an, die Bundesliga geht wieder los. Werder beginnt die Saison, wie so oft, mit einem Auswärtsspiel.

Ein Duell unter Traditionsklubs

Werder gastiert in Braunschweig, die nach jahrelanger Abstinenz ihr Comeback im Oberhaus feiern. Ermöglicht haben das Marc Arnold und Thorsten Lieberknecht, die aus einem heruntergewirtschafteten Traditionsverein ein Team geformt haben, das innerhalb kürzester Zeit ohne großen finanziellen Spielraum von der dritten Liga zurückkehrte in die erste. Dabei trat man stets strukturiert und geordnet auf, war immer mit 100% Einsatz dabei und glänzte durch eine kompakte Defensive und direktes sowie schnörkelloses Offensivspiel, vornehmlich nach Ballverlusten des Gegners.

Braunschweig stellt damit eine Art von Team dar, die Werder seit langer Zeit nicht mehr besonders liegt: Aggressiv, gut strukturiert, schnell im Umschalten.

Individuell sind sie dem glorreichen SVW zwar unterlegen, im Endeffekt heißt das jedoch nichts. Werder muss sich in nahezu allen taktischen sowie spielerischen Belangen im Vergleich zum Pokalspiel verbessern, um gegen Braunschweig zu gewinnen.

Die werden in ihrem ersten Heimspiel nach dem Aufstieg sicherlich brennen, wie es immer so schön heißt. Außerdem haben sie sich im Pokal deutlich besser geschlagen als Werder und gegen einen Zweitligisten, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, nur knapp mit einem Tor Unterschied verloren. Hut ab dafür, liebe Löwen. Beachtliche Leistung.

Werder muss daher deutlich präziser, ausgewogener, sicherer und kontrollierter spielen. Dutts Ansatz ist zwar interessant und verspricht bei guter Umsetzung dominanten und ansehnlichen Fußball, bislang wirkt es jedoch so, als sei das Team mit seinen Ansagen überfordert. Die Außenverteidiger stehen hoch, weil sie so stehen sollen, lassen dabei jedoch jegliches Gefühl dafür vermissen, wann es angebracht wäre, tiefer zu stehen. Junuzovic und Ekici sind keine Spieler, die einem Spiel Struktur geben können und vor allem Letzterer ist kein Spieler, der für schnelles Umschalten steht.
Makiadi wiederum hatte seine besten Jahre neben einem 6er, der für defensive Struktur stand. Er selber glänzte als ergänzender Part, der durch simples aber effektives und ehrgeiziges Spiel bestach. Nun muss er den Organisator spielen, obwohl das weder für ihn noch für das Team die beste Lösung zu sein scheint, bleibt die Problemposition des Kaders schlechthin damit weiterhin unbehandelt.

Hunt, der in der letzten Saison eine Hinrunde spielte, die ihn wieder in die Notizbücher Löws brachte, wenn auch nur für unbedeutende Freundschaftsspiele, wurde von seiner Paradeposition als Strukturgeber in einem Dreiermittelfeld in die Offensive gezogen, wo er der kreative Mann und das Herzstück der Offensive sein soll. Das entspricht jedoch weder seinen Stärken, noch kommt es den Spielern entgegen, die diese Position auf ihre Art und Weise interpretieren würden und nun eine Rolle spielen müssen, die ihnen nicht unbedingt liegt.
Aaron kann als “false nine” funktionieren, zumindest eher als jeder andere Spieler des Kaders. Bislang wirkt es jedoch so, als würde er dort nur spielen, damit Ekici im dritten Jahr bei Werder auch der letzten seiner zahlreichen Ausreden entledigt werden kann.

Ein Schritt zurück – und dann stehen lernen

An Dutts Stelle würde ich genau das machen, was ich auch Schaaf die letzten Jahre über empfahl: Simpel anfangen. Basics pauken. Nicht zu kompliziert und anspruchsvoll werden. Erst lernen, sicher zu stehen, bevor man beim Sprinten auf der Nase landet.

Ein “simples” 4-3-3 einstudieren, bei dem die Außenverteidiger zwar nach vorne schieben, allerdings keine 15-20 Meter über die Mittellinie. Hunt als Strukturgeber im Mittelfeld, Makiadi als box-to-box Akteur neben ihm, auf der 6 ein Spieler wie Kroos oder Trybull, die für simples, klares und intelligentes Spiel stehen. Sie werden Fehler machen, weil es ihnen an Erfahrung, Reife und Spielpraxis fehlt. Sie sind jedoch die einzigen Spieler im Kader, denen ich es wirklich zutraue, in diese Rolle hineinzuwachsen. Die Chance, Schuster zu verpflichten, sofern sie überhaupt bestand, hat man vorerst versäumt.

In der Offensivreihe ist die Besetzung komplizierter. Füllkrug ist ein Mittelstürmer, kein Außenstürmer. Er ist für einen Mittelstürmer schnell, technisch gut und spielerisch mindestens solide. Für einen Außenstürmer mangelt es ihm an Fähigkeiten im 1 gegen 1 sowie dem Gespür fürs Verhalten an der Außenlinie. Im Strafraum ist er dafür stark, verfügt über einen beidseitig guten Abschluss, ist körperlich robust und durchsetzungsfähig und hat ein gutes Gespür für die richtigen und gefährlichen Laufwege. Geblockt wird er von Petersen, der langsamer und technisch schwächer, dafür aber kaltschnäuziger und in seiner Spielweise ausgewogener und reifer ist. Er arbeitet – noch – mehr fürs Team und hat bereits gezeigt, dass er als Stürmer in der Bundesliga mithalten kann.

Auf den Außenpositionen hat man, Stand jetzt, Elia, Arnautovic und Yildirim. Keiner der drei konnte bislang nachhaltig überzeugen, Arnautovic wird zudem bald nicht mehr im Kader sein. Hier wäre ein Neuzugang angebracht, das Suchprofil dafür sollte in Signalfarbe “technisch stark, spielintelligent, Zug zum Tor” beinhalten.

Das Team sollte nach dem Pokalaus nicht verteufelt werden und Dutt ebenso wenig. Man muss sich in Geduld üben, das war von vornherein klar. Dutt wird lernen müssen, dass seine Ideen Zeit brauchen und er sie Stück für Stück verwirklichen muss – denn wenn er zu schnell zu viel will, wird er sehr schnell nur noch wenig haben.

Wie es sich für einen anständigen Fan eines Bundesligavereins gehört, werde ich daher still und leise in meinem Kämmerchen sitzen, “meinem” Verein so viel wie möglich meines Ersparten spendieren und nach Niederlagen geduldig sein, schließlich braucht das Team Zeit. Die Geschehnisse selber spielen dabei kaum eine Rolle, schließlich ist hier vieles neu und das braucht einfach ein bisschen.

Moment.. ganz so einfach ist das dann doch nicht.

Geduld mit Ansprüchen

Zum Abschluss mache es mir einfach und präsentiere euch eine Reihe von Tweets, die ich gestern Abend nach dem Spiel an den offiziellen Twitteraccount meiner Herzdame (also der fußballerischen) schrieb. Es geht um zwei Jugendliche, einen Jungen und ein Mädchen, die sich einer jahrzehntelangen Familienfehde zum Trotz unsterblich ineinander verlieben und… Hoppla, falsches Drehbuch. Here it comes:

Bei allem Respekt und aller Fairness, @werderbremen. Seit 2 Jahren verteidige ich das (wechselnde) Team gegenüber den Vorwürfen mangelnder Einsatzbereitschaft und mangelnder kämpferischer Attitüde. Regelmäßig hör’ ich mich “sie haben gekämpft” sagen, regelmäßig renn’ ich wieder ins Stadion oder vor den Fernseher, fieber’ mit, leide mit, lebe mit und steh’ hinter dem Team – aber das heute, zum nun mehr dritten Mal in Folge, war indiskutabel. Irgendwann überwiegen Wut und Ärger. Irgendwann, @werderbremen, hab’ auch ich und stellvertretend etliche andere tausende Fans, die Faxen dicke. Das heute war leidenschaftslos.
Heute fehlte die Bereitschaft, über die Schmerzgrenze zu gehen. Heute fehlte die kämpferische Attitüde.
Das heute war unstrukturierter, leidenschaftsloser Fußball eines Teams, das es besser wissen und mehr “wollen” sollte.
Wenn man als Erstligist, der zuvor 2 Mal in Folge gegen einen Drittligisten ausschied, hier heute aufs Feld geht, dann, @werderbremen muss man so agieren wie Saarbrücken von Beginn an: Mit dem Messer zwischen den Zähnen. So wie 08/09 in Pokal und UEFA-Cup.
Die Zeit der Ausreden ist endgültig vorbei. Eine “Entschuldigung” verliert nach 3 Jahren an Bedeutung.
Keiner sagt oder denkt, dass es für das Team jetzt leicht ist. Aber als Fan will man jetzt endlich eine Reaktion sehen.
Man will eine Struktur sehen, eine Einheit, man will Leidenschaft und unbedingten Willen sehen – heute sah man nichts.
Der Auftritt heute hatte nichts von dem Verein an sich, von dem ich Fan wurde-
Das war ein 0815-Klub, nicht “Werder”.
Dass Veränderungen Zeit benötigen ist klar.
Die Geduld haben wir – unter der Voraussetzung, dass wir die Bereitschaft sehen. Man kann nicht immer nur die Geduld der Fans fordern und dann selber so agieren wie heute. Das funktioniert nicht.
Luginger sprach davon, dass man sich im Pokal gegen Werder Selbstvertrauen für die Liga holen könnte – als Drittligist! Die Reaktion darauf wäre gewesen, den Klassenunterschied zu verdeutlichen.
Heute schienen die Rollen vertauscht. Schon wieder.
Dem Team bleibt jetzt zum wiederholten Male nur die Liga. Da gilt es jetzt, zu zeigen, dass man noch da ist.
Wieder da ist.
Da werden die Fans wieder ihren Teil liefern, wieder hinter dem Team stehen.
Fraglich ist, ob das Team für Werder einsteht.
Denn Werder ist mehr als die Spieler, die auf dem Platz stehen. Werder ist mehr als der Verein und die GmbH. Werder ist Bremen – und noch so viel mehr.
Das haben die Fans zum Großteil begriffen.
Das zeigen sie Woche für Woche aufs Neue.
Jetzt muss das Team endlich zeigen, dass sie es begriffen haben – und dass sie mehr sind als nur Angestellte.

Ich für meinen Teil bin fertig für heute.
Gegen Braunschweig bin ich wieder da – ihr diesmal hoffentlich auch.

 

Mein Problem mit Wiesenhof – Ein Kommentar (fast) ohne Ethik und Moral

Die Würfel sind gefallen…

… und der neue Hauptsponsor Werders steht damit fest: Geworden ist es Wiesenhof, ein Unternehmen, das “mit Kritikern der modernen Nutztierhaltung offen über alle Themen diskutiert und kontinuierlich an Verbesserungen des Tierwohls arbeitet und eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernimmt: Lebensmittel zu produzieren.”
Besonders wissenswert in Bezug auf Wiesenhof ist dabei, dass “Im Leitbild des Unternehmens … Leitsätze wie ökologisches und nachhaltiges Denken, verantwortungsbewusstes Handeln, Pflegen einer offenen Kommunikation, Sicherheit und Vertrauen für den Kunden sowie Wertschätzung und Respekt gegenüber den Mitarbeitern verankert..” sind, was natürlich ziemlich genau die Werte des glorreichen SVW widerspiegelt. Super! (Ausschnitte aus dem Interview mit der Geschäftsführung Werders, hier: http://www.werder.de/de/profis/news/40558.php)

Ja, so kann man das natürlich auch sehen.
Die andere Sichtweise ist die, dass Wiesenhof als Lebensmittelunternehmen nachweislich die ohnehin schon niedrigen Standards im Bereich der Massentierhaltung, der Hygiene sowie der Arbeitsbedingungen unterbietet – und zwar deutlich.
Das hat dafür gesorgt, dass eben jenes wunderbar zu Werders Werten passende Unternehmen in Deutschland einen, gelinde gesagt, sehr bescheidenen Ruf hat.

Die ersten Gerüchte über ein mögliches Engagement als Werders Hauptsponsor führten bereits vorab zu zahlreichen Protesten, beispielsweise via Twitter und Facebook.
Die PETA hat sich natürlich auch gleich zu Wort gemeldet und eine Pressemitteilung (siehe hier: http://www.peta.de/web/schandfleck_auf.6188.html) herausgegeben, in der sie sich gegen Wiesenhof als Werder Sponsor aussprechen.
Standesgemäß wurde wenig später auch vorm Stadion protestiert, wie sich das halt so gehört.

Nach Bekanntwerden der offiziellen Bestätigung seitens Wiesenhof und Werder nahm der “Shitstorm” dann weiter zu, die offizielle Facebook Page des SVW (siehe hier: https://www.facebook.com/WerderBremen) wurde von Bildern toter Tiere überschwemmt, auf Twitter und selbst im Fernsehen war es ein heißes Thema, so widmeten sich beispielsweise das ZDF und der NDR dem Thema “Wiesenhof und Werder”.

Während sich dabei relativ schnell klare Fronten bildeten, die Einen empört waren angesichts der bekannten Tierquälerei Wiesenhofs und die Anderen den Kritikern Heuchelei vorwarfen, so möchte ich mich bei meinem Kommentar gerne in eine andere Richtung bewegen, den Fokus nicht auf die Frage legen, ob Wiesenhof als Sponsor ethisch und moralisch vertretbar ist.
Mich interessiert viel mehr das mögliche Risiko, das Wiesenhof als Hauptsponsor meiner Meinung nach für die Marke Werder darstellt.

Keine Frage der Moral

Zuerst einmal: Moral ist subjektiv.
Das macht es so schwer, Diskussionen anhand von Ethik und Moral zu führen, weshalb ich eben das auch nicht tun will und auch nicht tun werde.

Für mich ist das Problem bei Wiesenhof in erster Linie nicht, dass sie die ohnehin schon niedrig angesetzten Standards im Bereich der Massentierhaltung, Mindestarbeitsplatzbedingungen und Hygiene nachweislich noch deutlich unterbieten, sondern dass sie das bekanntermaßen und im Blickfeld der Öffentlichkeit tun.
Das bedeutet, dass – abseits von sicherlich bei vielen Leuten auftretenden ethisch/moralischen Bedenken – dieser Sponsor für Werder, die ein Saubermann Image in Hinsicht auf soziales Verhalten und Außendarstellung pflegen und angeblich vorleben, in meinen Augen ein enorm hohes Risiko darstellt.

Durch das sehr umstrittene Sponsoring Wiesenhofs bringt Werder einerseits Moralisten und selbsternannte Gutmenschen gegen sich auf, die es nicht nur außerhalb Bremens und der Werderszene gibt, andererseits geben sie sich auch in direkte Abhängigkeit von einem die Gesetze missachtenden Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, das ohnehin schon auf negative Art und Weise stärker im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Dass bereits innerhalb weniger Stunden die PETA auf unbestätigte Gerüchte(!) reagiert, eine Pressemitteilung rausschickt und Proteste vorm Stadion organisiert, ist ein Beispiel dafür, in welchem Ausmaß ein Wiesenhof Sponsoring negative Presse für Werder auch zukünftig bedeuten könnte.
Eben diese Art von Presse ist es jedoch, die sich ein Verein wie Werder meiner Meinung nach nicht leisten kann, da sie als Marke ungemein von ihrer breit gelagerten Sympathie leben, anders als beispielsweise Vereine wie Schalke, die unter Sponsoren wie Gazprom deutlich weniger leiden – wenn sie es überhaupt tun.

Sollte Wiesenhof nun während der zwei Jahre, die sie Hauptsponsor bei Werder sind, erneut durch Vergehen auffallen, so fällt das direkt auf Werder zurück, die sich so eifrig an diese tolle Marke gebunden haben, da sie so endlich mal wieder einen Hauptsponsor aus dem Werderland gewinnen konnten.
Das wiederum würde dazu führen, dass Werder, die nach eigener Aussage auch von den Werten her mit der Firma Wiesenhof konform gehen, bundesweit an Sympathie einbüßen könnte.
Um zu verstehen, warum das meiner Meinung nach so ein hohes Risiko darstellt, muss man sich nur die Frage stellen:

Was macht den SV Werder Bremen als Marke für andere Unternehmen interessant?

Die Antwort darauf steht etwas weiter oben: Die bundesweiten Sympathien.
Werder steht als Verein und Unternehmen für hanseatische Zuverlässigkeit und hanseatisches Kaufmannsgeschick, früher mal guten und ansehnlichen Fußball und ist vielen Menschen in erster Linie eines: Sympathisch.
Das führt dazu, dass sich mit dem SVW wunderbar werben lässt, was wiederum dazu führt, dass wir ein sehr willkommener Anlaufpartner für eher zweifelhafte Sponsoren sind, die auf der Suche nach bundesweiter Bekanntheit und vor allem einem positiven Imageboost sind.

Um dabei auch gleich kurz den üblichen Argumenten vorzubeugen: Der Unterschied zu KIK, BWIN, Citi-/Targobank und anderen – sehr wahrscheinlich ähnlich zweifelhaft arbeitenden – Unternehmen besteht darin, dass Wiesenhof aktuell ein sehr negatives Image in der Öffentlichkeit hat und aktuell unter Skandalen leidet.
Sie arbeiten nachweislich verwerflich, nicht, wie der Großteil der Unternehmen, mutmaßlich.

Eben dieser Umstand könnte, so befürchte ich – vielleicht auch unnötigerweise – zu Sympathieeinbußen führen, die die “Marke Werder” schädigen, was wiederum Auswirkungen auf zukünftige Sponsorendeals haben könnte.

Das ist mein Problem mit Wiesenhof, von denen ich im Übrigen noch nie wissentlich Produkte konsumiert und/oder erworben habe, denn: Nein, die Chicken Wings bei McDonalds sind nicht aus Wiesenhof-Geflügel gemacht, liebe Kritiker.
Selbst wenn, dann wäre mir das wahrscheinlich auch relativ egal.
Im Normalfall koch ich mir mein Essen ohnehin selbst.

PS: Mein “Boykott” von Wiesenhof Produkten liegt einfach daran, dass ich selbst vor den bekanntgewordenen Skandalen kein Wiesenhof Geflügel gekauft habe. Wieso also dann damit anfangen? ;)

Der postsaisonale Reiz, oder auch: Im Rausch des Transferfensters!

Die Saison ist endgültig vorbei, die meisten Spieler sind entweder in den Urlaub aufgebrochen oder reisen zu ihren Nationalmannschaften.
Einige wenige Spieler sind noch in Bremen und arbeiten nach Verletzungen an ihrer Fitness, doch die spielen eher eine untergeordnete Rolle.
Was nun zählt, sind nicht die Spieler, sondern, naja, die Spieler!
Frei nach dem Motto: Das neue Spielzeug ist immer besser fiebert ein jeder Fußballfan nach der Saison den Neuverpflichtungen entgegen.
Seien es Hochkaräter oder nur Ergänzungsspieler, Stürmer oder Abwehrspieler, ein Transfer ruft immer unweigerlich ein kleines Kribbeln hervor, ein Gefühl des Wandels und des Aufbruchs in neue, hoffentlich bessere Zeiten.

Insbesondere bei Werder ist dieses Gefühl in diesem Sommer sehr stark ausgeprägt, steckt der Verein doch mitten im Umbruch. Das heißt, dass uns einerseits viele Spieler verlassen (haben), wie zum Beispiel Rosenberg, Pizarro, Wiese oder Borowski, andererseits jedoch auch viele neue Spieler zum Team hinzustoßen werden – oder bereits hinzugestoßen sind.

Um letztere Kategorie, die bereits getätigten Transfers, wird es hierbei hauptsächlich gehen.

Wer ist neu?

Nachdem es vielen erst nicht schnell genug hätte gehen können und man in Bremen gefühlt schon lange auf Transfers wartet, ging es seit gestern Schlag auf Schlag:
Erst unterschrieb Raphael Wolf für drei Jahre und beendete die Miele-Konkurrenz-Spekulationen auf der Torwartposition.
Wolf ist ein junger, 23 jähriger aber dennoch erfahrener Torwart, der aus Österreich vom Bundesliga-Absteiger SV Kapfenberg kommt. Dort war er seit drei Jahren die Nummer 1 zwischen den Pfosten und galt bis zuletzt als einer der besten Keeper der dortigen Liga, trotz des eher mäßigen Klubs.

Heute dann wurde der Transfer des Herthaner U19-Torwarts Richard Strebinger bekanntgegeben, der vorerst in der U23 spielen und sich eventuell für höhere Aufgaben empfehlen soll. Dort wird er sich wahrscheinlich einen Vierkampf mit Vander, dem lange verletzten Reisacher und Düker stellen müssen.

Anschließend wurde die Vertragsverlängerung mit Sebastian Mielitz bis 2014 bekanntgegeben, was ebenfalls eine sehr erfreuliche Nachricht darstellt.
Soweit, so gut. Bis hierhin war das alles wenig überraschend.

Umso überraschender war es dann aber, als die Sportbild bei Twitter plötzlich verkündete, dass Assani Lukimya-Mulongoti von Fortuna Düsseldorf an die Weser wechselte.
Zwar war im Worum am Samstag schon zu lesen, dass angeblich ein Auto mit Kennzeichen WW (Wolf Werner?) am Weserstadion parkte und auch Lukimya selber sei angeblich gesichtet worden, doch so wirklich glauben wollte das niemand, bis Werder es auf der eigenen Homepage bestätigte.
Lukimya ist ein 26 jähriger, großgewachsener (1,90m) Innenverteidiger, dessen Stärken im Defensivzweikampf und Kopfballspiel liegen. Die Spieleröffnung wiederum ist keine seiner Stärken, doch dazu später mehr.
“Luki”, wie er genannt wird, kommt ablösefrei, sein Vertrag lief aus und ein bereits vorher beim 1. FC Köln unterzeichneter Vertrag ist aufgrund des Abstiegs der Kölner ungültig.

Die Frage, die sich nach Lukimyas Verpflichtung vielen stellt, ist: Wieso noch ein Innenverteidiger?
Angesichts der Tatsache, dass man mit Sokratis, Naldo, Prödl und Affolter bereits vier Innenverteidiger im Kader hat ist diese Frage berechtigt und es gibt mehrere Ansätze, um dies zu erklären.

Wohin mit den Verteidigern?

Vorweg: Eine Fünferkette ist nicht zu erwarten, wenngleich man damit mit Glück die Defensivanfälligkeit lindern könnte – kleiner Scherz.

In meinen Augen gibt es mehrere Optionen, manche mehr, manche weniger wahrscheinlich, die eine Lukimya Verpflichtung sinnvoll erscheinen lassen.

Variante 1: Ein Innenverteidiger geht.
Angesichts der plötzlichen Verpflichtung eines Innenverteidigers und des momentanen Überschusses von 5 IV bei 2 Positionen erscheint diese Variante als sehr wahrscheinlich.
Die möglichen Kandidaten eines Abgangs wären hierbei Naldo, Sokratis und Affolter.
Ein Abgang von Affolter ist hierbei jedoch eher unwahrscheinlich, da er noch bis Winter ausgeliehen ist und man sich bewusst für diese Modalitäten entschied, da ein halbes Jahr nach eigener Aussage zu kurz sei, um den Spieler wirklich bewerten zu können.
Sokratis zu verkaufen wäre wiederum ähnlich unwahrscheinlich, besitzt er doch noch einen langen Vertrag und ist unangefochtener Leistungsträger. Dafür spräche jedoch, dass er im Falle eines Verkaufs eine Ablösesumme von 12-15 Millionen generieren könnte, was angesichts des Umbruchs sehr hilfreich sein könnte.
Diese Variante würde allerdings sehr negativ aufgefasst werden, ist Sokratis doch binnen kürzester Zeit zum Publikumsliebling avanciert und könnte bei gleichbleibenden oder sogar besseren Leistungen in den Folgesaisons noch deutlich höhere Beträge erzielen.
Deutlich wahrscheinlicher ist daher der Abgang Naldos, da er erstens teuer ist und zweitens ein enormes Risiko darstellt: Zwar ist er in Topform einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga, doch ist eben diese Topform bei ihm kaum zu gewährleisten angesichts seiner dramatischen Verletzungsproblematik in den letzten zwei Jahren.
Bei einer Vertragsverlängerung mit ihm würde man sich angesichts der sportlichen Situation finanziell nach wie vor strecken müssen und das, ohne zu wissen, ob er überhaupt wieder über einen längeren Zeitraum Leistung erbringen kann.
Sollte er nicht verlängern, wäre zudem dieses Jahr die einzige Chance, mit ihm noch eine kleine Ablösesumme zu erzielen. Begehrt ist Nana in Brasilien und dort würde er nach eigener Aussage auch gerne hin, obwohl er eigentlich gerne hier bleiben würde aber dann doch wieder gerne nach Brasilien möchte. Oder so ähnlich.
Momentan stehen die Zeichen öffentlich allerdings auf Vertragsverlängerung, traf man sich doch letztens und berichtete beiderseits, wie positiv das Gespräch doch verlaufen sei.
Abwarten.

Variante 2: Sokratis als Rechtsverteidiger.
Eine Möglichkeit ist es, Sokratis wie in der Hinrunde als Rechtsverteidiger einzuplanen. Das hat er lange Zeit gut gemacht, defensiv stand man oft relativ stabil und mit Naldo/Prödl/Affolter/Lukimya könnte man nach wie vor ein gutes Abwehrzentrum bilden.
Außerdem könnte man so die Schwachstelle des Rechtsverteidigers schließen, nachdem Fritz in der Rückrunde dort kaum passable Spiele ablieferte und zur neuen Saison dauerhaft ins Mittelfeld versetzt werden soll.
Dennoch: Sokratis ist Innenverteidiger, das hat er mit einer erheblichen Leistungssteigerung auf seiner Stammposition in der Rückrunde bewiesen und auch Schaaf hat bestätigt, dass Sokratis für die Innenverteidigung geholt wurde.
Außerdem ist Sokratis’ Zukunft aufgrund der sportlich schlechten Situation nach wie vor nicht zu 100% gesichert und auch wenn ich nicht glaube, dass Werder ihn angesichts seines langfristigen Vertrages für marktgerechte Summen verkaufen würde, so muss man es doch nicht darauf anlegen, seine Laune zu verschlechtern.
Fazit: Variante 2 ist sehr unwahrscheinlich.

Variante 3: Ein Innenverteidiger rückt ins Mittelfeld.
Auch diese Option wird angeblich schon länger in Betracht gezogen.
Zur Auswahl stehen hierbei Naldo, Sokratis und auch Affolter.
Naldo durfte sich zum Ende der Rückrunde bereits mehrfach im Mittelfeld versuchen: Im Heimspiel gegen Gladbach, auswärts gegen Stuttgart und erneut zu Hause gegen Schalke.
Seine Leistungen waren dabei jeweils schwach. Als Innenverteidiger lebt Naldo von einer für seine Größe und im Vergleich zu anderen Innenverteidigern guten Schnelligkeit und Beweglichkeit, einem sehr starken Zweikampfverhalten, Überlegenheit im Luftzweikampf, einer recht guten Übersicht und einer vergleichsweise guten, aber überwiegend aus energischen Vorstößen bestehenden Spieleröffnung.
Im Mittelfeld ist er als 6er weder überdurchschnittlich schnell, noch besonders spielstark. Insgesamt hat er weniger Zeit und Raum, worunter seine Stärken leiden und seine Schwächen hevorgehoben werden: Sein Stellungsspiel vor der Abwehr ist mangelhaft, er vermag es nicht, Pässe in die Schnittstellen der Abwehr zu verhindern und er ist mit den schnelligen, wendigen Angreifern hinter seinem Rücken überfordert.
Das Experiment “Naldo als 6er” kann man daher getrost als “gescheitert” betrachten.

Ebenfalls oft erwähnt wird die Möglichkeit, Sokratis als Kampfhund ins defensive Mittelfeld zu stellen. Auf den ersten Blick erscheint das plausibel, ist er doch schneller und wendiger als bspw. Naldo, hat mehrfach bewiesen, dass er auch gegen wendige und schnelle Spieler bestehen kann und  strahlt auch eine gewisse Stärke im Luftzweikampf aus.
Auch wird gerne behauptet, er habe ja zumindest eine bessere Spieleröffnung als Bargfrede, der gerne als Negativbeispiel hierfür erwähnt wird.
Dazu lässt sich sagen: Nein, hat er nicht.
Sokratis’ Spieleröffnung besteht als Innenverteidiger in erster Linie aus langen Bällen in die Spitze, die nicht mal besonders oft ankommen. Ab und zu startet er zudem Läufe wie einst Lucio, die jedoch ebenfalls selten nützlich enden.
Defensiv ist er hervorragend, ja. Insgesamt ist er ein fantastischer Typ, ja. Aber ein guter 6er? Sicher nicht. Zumal sich auch hier wieder die Problematik stellt, dass ihm das missfallen könnte.
Auch die Argumentation, dass Sokratis doch bei der WM 2010 mit Griechenland Messi so fantastisch aus dem Spiel genommen hätte, als er als 6er auflief, zählt nicht.
Sokratis spielte nicht als 6er, er hatte eine relativ freie Rolle als Kettenhund und sollte nichts weiter tun, als Messis Spiel zu zerstören.

Bleibt noch ein letzter Verteidiger, der im Zuge von Mittelfeldspekulationen genannt wird: Francois Affolter.
Werders junger Schweizer Nachwuchsverteidiger, der momentan von den BSC Young Boys ausgeliehen ist.
Seine Stärken liegen, auch wenn das mittlerweile viele anders sehen, klar in der Spieleröffnung. Er beweist des Öfteren eine gute Übersicht für den freien Raum und versucht, entweder selbst mit Ball am Fuß in diese Vorzustoßen oder den Ball in eben diese Räume zu spielen. Auch seine langen Bälle sind ungemein präziser als die von Sokratis oder auch Naldo.
Zudem ist er schnell und wendig, hat einen guten Antritt und eine gute Technik und Ballführung.
Seine Schwächen sind dafür ebenso deutlich: Sein Zweikampfverhalten am Boden und in der Luft.
Das Zweikampfverhalten am Boden ist, das muss man in aller Deutlichkeit sagen, für einen Innenverteidiger mangelhaft.
Oft wirkt er viel zu lässig, geht zu körperlos in die Zweikämpfe, möchte zu viele “Dinge” spielerisch lösen.
Das ist an sich ein moderner, lobenswerter Ansatz, führt aber oft auch zu brenzligen Situationen, ebenso wie seine gelegentlichen Konzentrationsschwächen und daraus resultierenden katastrophalen Abspielfehler.
Daran muss er arbeiten, ohne Wenn und Aber.
Sein Kopfballspiel ist zudem ebenfalls schwach und führt bei Werder zu einer gesteigerten Anfälligkeit bei Ecken, Freistößen oder Flanken generell.

Im Mittelfeld könnte Affolter meiner Meinung nach jedoch eine ähnliche Entwicklung nehmen, wie sie damals Franky Baumann gelang: Die von einem Innenverteidiger mit Schwächen im direkten Zweikampf hin zu einem sehr guten Rautensechser mit guter Übersicht, intelligentem, raumorientierten Spiel und guter Spieleröffnung.
Er wäre daher definitiv einen Versuch als Mittelfeldspieler wert und könnte auch spielerisch einen guten Backup für Trybull geben, der seine Stärken ebenfalls mehr in der Spieleröffnung als im direkten Defensivzweikampf hat, anders als beispielsweise Bargfrede oder Ignjovski.
Nichtsdestotrotz: Funktionieren kann das nur, wenn er und Tybull auch kräftig an Körpermasse zulegen und sich im Bereich des Defensivzweikampfs verbessern.

Die Versetzung eines der Verteidiger ins defensive Mittelfeld könnte weitere Auswirkungen auf die Planungen Werders haben, die die Ausrichtungen des Mittelfelds beeinflussen könnten.

Umstrukturierungen der Mittelfeldraute

Variante 1: Defensivstarke Halbpositionen.
Sollte beispielsweise Affolter ins defensive Mittelfeld rücken, so wäre die Position mit Trybull und Affolter doppelt spielstark besetzt, Bargfrede oder Ignjovski wären dabei eher die defensivstarke Variante.
Das verschafft Möglichkeiten zur Variierung der Mittelfeldraute, je nach Gegner und eigener Spielausrichtung. Man könnte die 6er-Position spielstark (Trybull/Affolter) und dafür die Halbpositionen sehr defensivstark besetzen, indem man zwei Spieler aus dem Paket Bargfrede/Ignjovski/Fritz auswählt.
Für die 10er-Position könnte man dann aus den verbliebenen Spielern (Stand jetzt: Hunt/Juno/Trinks/Ekici) auswählen und aufgrund der jeweils unterschiedlichen Spieltypen den eigenen Spielstil weiter verändern.
Man hätte dann eine spielstarke vertikale Achse, die das Spiel strukturieren könnte und eine defensiv- und laufstarke horizontale Achse, die die Außenverteidiger und den 6er unterstützen, gleichzeitig aber auch Vorstöße nach vorne wagen könnten.
Bei dem Duo Fritz/Ignjovski hätte man zudem zwei Spieler, die ebenfalls die Außenverteidigerpositionen bekleiden können, wodurch ein fluides Aufrücken der nominellen Außenverteidiger ins Mittelfeld bei gleichzeitigem Absichern der Halbpositionen möglich wäre.
Eine Ausrichtung, die bei einer spielerischen Steigerung der defensiven Halbpositionen etwas an die Raute der Micoud-Ära mit Baumann/Micoud auf der Vertikalen und bspw. Ernst/Lisztes auf der Horizontalen erinnert und eher auf schnelles Umschalten ausgerichtet ist. Natürlich qualitativ eine Klasse schwächer als damals.

Variante 2: 1 + 3, Zerstörer + Spielkultur.
Eine andere Variante wäre die, auf die 6 einen defensivstarken Abräumer zu stellen, der in erster Linie die Defensive absichert und den Spielaufbau größtenteils anderen Spielern überlasst.
Das wäre am ehesten möglich, wenn man Bargfrede oder Fritz auf die 6 stellt, Ignjovski war in seinen Auftritten als 6er oft noch zu hektisch, als dass er defensiv wirklich eine Absicherung darstellte. Gut möglich jedoch, dass sich das mit mehr Erfahrung zur neuen Saison ändert. Dann wäre auch er eine Möglichkeit hierfür, die zudem in meinen Augen spielstärker als Bargfrede oder Fritz wäre – obwohl ich ihn mittelfristig ohnehin eher auf den Halbpositionen sehe.
Diese wiederum könnte man in diesem Szenario eher offensiv besetzen, indem man beispielsweise Hunt + Trybull/Juno/Ekici/Trinks aufstellt.
Den 10er wiederum könnte man dann entweder mit einem Sturm/Mittelfeld-Hybriden besetzen, was am ehesten mit Arnautovic möglich wäre, oder mit einem der verbliebenen Mittelfeldspieler. Damit ließe sich wiederum die spielerische Ausrichtung beeinflussen und zudem auch die Besetzung des Sturms.
Insgesamt wäre diese Variante deutlich mehr auf Ballbesitz im vorderen Drittel ausgelegt, sowie auf ein Spiel mit deutlich mehr Pässen und längeren Phasen des Ballbesitzes aufgrund der insgesamt drei eher offensivorientierten und spielstarken Spieler im Mittelfeld sowie einem absichernden Zweikämpfer dahinter.
Problematisch wäre hierbei, dass man defensiv wohl deutlich anfälliger wäre, nicht zuletzt auch bei Kontern, sollten die Halbpositionen weit aufrücken, um den Gegner in der eigenen Hälfte einzuschnüren.
Praktiziert wurde diese Art der Raute im Laufe der Rückrunde bereits, beispielsweise im Auswärtsspiel gegen Hamburg:
Dort hatte man mit Bargfrede besagten Zerstörer als 6er, sowie mit Trybull und Junuzovic eher spielstarke Halbpositionen. Den 10er gab damals Marin, der oft in den Sturm rückte.
Damals spielten Trybull und Junuzovic allerdings eher defensiv, rückten weit nach hinten und man spielte nicht ballbesitzorientiert, sondern schaltete per Passspiel schnell um.
Die Grundordnung war kein 1+3, wie hier in der Überlegung, sondern ein 3+1.
In Zukunft könnte man dies, nach gesteigerter Eingespieltheit im Trainingslager und Verbesserungen im Bereich des Passpiels, kippen.

Variante 3: Das Quadrat.
Es ist mittlerweile schon ein paar Jahre her, da versuchte sich Thomas Schaaf an einer Modifizierung der Raute. Zwar sollte die Anzahl von vier Mittelfeldspielern beibehalten werden, allerdings sollte die Grundordnung von der Raute hin leicht wechseln und zu einem “Quadrat” werden, quasi einer 2-2 Ordnung im Mittelfeld.
Angedacht war damals, eine defensive Achse, quasi eine Doppelsechs, bestehend aus Baumann und Frings zu integrieren.
Davor sollte Diego wirbeln, zusammen mit einem gewissen Carlos Alberto.
Es war der Schritt hin zu einer Formation mit zwei Spielmachern hinter zwei Stürmer, einer dominanteren Offensive und ein Schritt weg von der Abhängigkeit nur eines Spielmachers.
Das Experiment musste allerdings früh abgebrochen werden, weil Platzhirsch Diego äußerte, nie gleichzeitig mit Alberto spielen zu können und dieser zeitgleich seine unrühmliche Ära einläutete.
Wirklich aufgegeben hat Schaaf diesen Ansatz meiner Meinung nach jedoch nicht und so ist es möglich, dass er einen neuen Anlauf unternimmt, diesen System einzuführen.
Möglich wäre dies, indem man mit zwei Spielern aus Trybull/Affolter und Fritz/Bargfrede/Ignjovski eine ausgewogene Defensivachse bildet und davor ein Duo aus Hunt/Ekici/Trinks/Juno platziert.
Ein sehr theoretischer Ansatz, der ohnehin eher marginale Abweichungen von der Raute darstellt, die sich ebenfalls sehr ähnlich zu dieser Ordnung spielen lässt und zwar wie folgt:

Variante 4: 2+2, ein neuer Anlauf in Richtung Balance.
Man besetzt die Positionen des 6ers und der Halbpositionen sowie des Spielmachers ausgewogen. Man wählt bspw. einen defensiven 6er und besetzt eine der Halbpositionen eher defensiv, die andere eher offensiv und postiert davor einen geeigneten weiteren Offensivspieler auf der 10.
Damit könnte man am ehesten versuchen, einen ausgewogenen Spielstil zu finden, mit der sich sowohl eine gute Offensive als auch eine stabile Defensive finden lässt.
Allerdings müssten die Halbpositionen dann viel rochieren, damit kein Übergewicht und damit eine Ausrechenbarkeit auf einer Spielfeldseite besteht, wie es oftmals in dieser Saison der Fall war.
Ein Vorteil dieser Ordnung wäre, dass man das Mittelfeld den individuellen Schwächen der Außenverteidiger anpassen könnte. So ließe sich beispielsweise vor einem offensivstarken aber defensivschwachen Außenverteidiger der defensivere Halbpositionsspieler platzieren und umgekehrt.
Dafür spräche, dass man mit Fritz/Bargfrede/Ignjovski mehrere defensive Spieler hat, dagegen spräche, dass man dann keinerlei Verwendung für einen Spieler wie Affolter auf der 6 hätte, dessen Stärken nicht unbedingt in der Defensive liegen.

Eine andere Variante wiederum wäre folgende:

Variante 5: Totale spielerische Dominanz und Offensive.
Dies ließe sich realisieren, indem man die 6 mit einem spielstarken Spieler wie Trybull oder Affolter besetzen und auf den Halbpositionen sowie auf der Zehn 3 Spieler des Typs Hunt/Juno/Ekici/Trinks installieren würde.
Hierbei würde man das Spiel klar auf offensive Dominanz und Ballsicherheit ausrichten, dabei jedoch womöglich die Defensive vernachlässigen.
Die defensiven Spieler wie Bargfrede/Fritz/Ignjovski könnte man dann von der Bank bringen, um Führungen zu verteidigen oder generell den Spielstil zu verändern.
Diese Variante wäre Schaaf durchaus zuzutrauen, ist er doch ein klarer Befürworter von offensivem und dominantem Fußball.
Dagegen spricht jedoch, dass sowohl Bargfrede als auch Fritz ein hohes Ansehen bei Schaaf genießen und letzterer zudem den Kapitänsbonus innehalten dürfte.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Lukimya Verpflichtung viel Raum für Spekulationen lässt:
Geht ein Innenverteidiger, also beispielsweise Naldo?
Bleiben alle und es rückt ein Innenverteidiger ins Mittelfeld?
Muss Sokratis eventuell doch auf die Rechtsverteidigerposition?
Wird Schaaf auf seine alten Tage vielleicht doch ein Fan des Neo-Catenaccio und baut auf eine Fünferkette in der Abwehr?

Man weiß es nicht, man muss leider – wie so oft – einfach abwarten, was passiert.
Spannend ist das Rätselraten in jedem Fall, insbesondere die möglichen Planspiele im Mittelfeld.

In Meinen Augen am wahrscheinlichsten ist, dass uns Naldo noch verlässt. Er ist der teuerste Spieler im Kader, verdient als einziger noch auf Champions League Niveau und über seiner (dauerhaften) Gesundheit steht noch immer ein großes Fragezeichen.
Dafür spräche außerdem die Prödl-Verlängerung, betonte er doch in der Vergangenheit stets, dass er Stammspieler sein wolle.
Ebenfalls gut möglich ist die Versetzung eines Spielers ins Mittelfeld, denn aus vermeintlichen Insiderkreisen hörte man schon mehrfach, dass solche Planungen eine Rolle spielen würden.

 

Nach Saisonschluss: Leere

Es ist seltsam, an den Herzensverein zu denken und dabei das Gefühl zu haben, blind zu sein. Ich kann die Farben kaum noch erkennen. Das Weiß vielleicht, das liegt noch irgendwo in der Leere, die da vielleicht seit Rückrundenbeginn, spätestens aber seit Saisonende ist. Aber das strahlende Grün, ich weiß nicht, woher ich das nehmen, wo finden, wo hineinhoffen soll. Und wenn ich ehrlich bin, dann fühlt sich auch diese Ungewissheit nicht weiß und nicht füllbar an. Nicht wie eine unbemalte Leinwand. Ich fühle nicht diesen unverkennbaren Duft, der einem um die Nase zieht: Der von frischer Farbe. Von Veränderung. Davon, dass das Weiß langsam bunt wird.
Nein, wenn ich ehrlich bin, fühlt sich diese Ungewissheit nicht an wie Hoffnung und nicht wie ein Anfang. Eher wie ein tiefes Schwarz. Und wenn ein Anfang, dann der vom Ende.

Was soll man schreiben, wenn man jetzt zurückblickt, auf die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte? Auf eine Halbzeit wie ein Europakanditat und eine wie ein Absteiger? Was soll man hoffen, wenn die Saison ein einziger stetiger Abstieg war, von irgendwo mitte oben zu ganz tief unten? Nur gefühlt, sagt der Blick auf die Tabelle. Nicht ganz unten, da sind schon andere. Und irgendwo stimmt es ja aber doch so nicht. Die Tabelle lügt doch. Mindestens ein bisschen. Denn Mittelfeld der Liga, erste Tabellenhälfte, so hat es sich nicht angefühlt. Und was soll man auch fühlen, wenn ein Rückschritt nach dem Anderen kommt? Und nichts erkennbar ist, was hoffen lässt, dass da irgendwo auch ein Wendepunkt ist? Aber woher sollte der auch kommen? Oder von wem?

Und nach dieser Saison interessieren mich nicht die unklaren Worte von den einen und die klaren Worte von den anderen verantwortlichen und nichtverantwortlichen, der Sportler, der Nichtsportler, des Sportdirektors, der Journalisten. Denn was nützen diese Worte schon? Und es bleibt alles beim Alten, denn woher soll auch ein Weg kommen, wenn die, die ihn beschreiben müssten, sehen müssten, am Ende doch nur schweigen?

Ja, was bedeutet es, das Thomas Schaaf schweigt? Ist es Müdigkeit, Erschöpfung, die da aus ihm spricht? Ist er vielleicht doch am Ende sprachlos? Oder ist es das gleiche Nichtssagen, was er schon immer hatte? Ist da denn noch etwas in ihm, was er für sich behält? Oder ist er innen ebenso sprachlos wie nach außen? Ist er – und das ist zweifellos das Schlimmste, was er sein kann – am Ende ebenso ratlos wie jeder andere?

Was muss passieren, damit das Schweigen aufhört?
Wann wird zwischen den Worthülsen und inhaltsleeren Satzzwischenräumen, zwischen dem Stirn-in-Falten-legen und dem Betreten-zu-Boden-gucken wieder etwas wie die Idee eines Weges zu erkennen sein? Irgendetwas, dass nur irgendwie zeigt, dass irgendeiner dieser ganzen Menschen, die an dem, wie es ist, tatsächlich etwas ändern können (Und so gerne Fans sich in dem Glauben wiegen, sie könnten etwas ändern: Sie können es nicht.), eine Idee hätte, wie es weitergehen soll. Dass auch nur irgendeiner von ihnen eine Vision hätte, Gründe hätte, für Hoffnung und dafür, dass die Zukunft eine bessere ist. Dass wenigstens einer von ihnen wirkte, als hätte er einen Plan, wie man aus dieser Krise (Und wider des Tabellenplatzes ist es zweifelsohne eine existenzielle, mindestens, wenn man sich die Rückrunde als Hinrunde der Folgesaison vorstellte.) herauskäme. Dass jemand vielleicht auch nur den Hauch einer Ahnung hätte, wie all das, was schiefgelaufen ist, in Zukunft nicht mehr oder wenigstens ein bisschen weniger schiefgehen könnte.

Diese Ungewissheit ist lähmend. Ich kann nicht über die nächste Saison nachdenken, wenn alles, was bekannt ist, Abgänge sind. Vielleicht werde ich hoffnungsreicher, wenn erst einmal auch Neuzugänge benannt werden. Denn derzeit, da ist es schwer auch nur irgendein Bild vor Augen zu haben, wenn man versucht, an die Werder-Elf des nächsten Fußballjahres zu denken. Natürlich gibt es Namen, die bekannt sind. Teilweise Namen, die bereits hier in Bremen sind und auch in der vergangenen Saison für Zukunftsfrohsinn sorgen konnten. Jungspieler, die gut sind, und besser werden (Trybull, Füllkrug, Hartherz). Neueinkäufe, die sofort und in unterschiedlicher Ausprägung durch menschliche, spielerische und kämpferische Qualitäten zu überzeugen wussten (Sokratis, Affolter, Junuzovic, Ignjovski). Zweittorwärte, die ich schon länger in den Himmel gelobt und zum Ersttorwart der grünweißen Zukunft berufen habe (Mielitz). Und natürlich Namen, die man munkelt. Aber was nützen schon gemunkelte Namen? Was nützen denn diese ganzen Vielleichts? Was nützt eine Zukunft in Seifenblasen? Am Ende bleibt nur das Abwarten.

Und das ist es ja auch, was das Fansein so unglaublich anstrengend macht:
Das ständige Danebenstehen und zum Zuschauen verdammt sein. Dieses Gefühl, mehr als jeder andere unter Entscheidungen zu leiden, an denen man nicht einmal ansatzweise beteiligt ist. Und diese Macht- und Hilflosigkeit ist es, die in Zeiten wie diesen radikal in Verzweiflung umschlägt. Denn es braucht viel Vertrauen in die Verantwortlichen, um diese eigene Tatenlosigkeit widerstandslos akzeptieren zu können. Ein Vertrauen, was lange Zeit unumstößlich in Bremen herrschte. Und was nun fehlt. Weil die Entscheidungsträger ebenso ratlos wirken wie jeder Außenstehende.

Und wie kann dass denn die Angst nehmen? Woher soll denn Vertrauen kommen, wenn niemand zu wissen scheint, was zu tun ist? Wenn sogar niemand zu wissen scheint, was er tut? Wenn niemand derjenigen, die einen neuen Weg finden, einschlagen und verfolgen müssen, überhaupt einen Weg zu sehen scheint? Wie soll man hoffen können, wenn selbst Spieler und Trainer und Sportdirektor zwar erzählen können, was alles falsch gelaufen ist, nicht aber, wie man mit dem Falschlaufen aufhört?
Und wie man neu anfangen will, laufen zu lernen?

Es ist seltsam, an den Herzensverein zu denken, und dabei das Gefühl zu haben, blind zu sein. Für die Zukunft. Für all die Gründe, die es doch noch irgendwo hier geben muss, dafür, dass alles besser wird. Und das wird es doch: Alles besser, oder?
Aber nach Saisonschluss ist nur Leere. Nicht Hoffnung und nicht Vorfreude, nicht Neugier, keine Ungeduld. Ich bin nicht neugierig, auf das, was mich nun erwartet. Ich bin nicht ungeduldig, darauf, dass endlich die nächste Saison beginnt. Ich bin nicht vorfreudig, auf das, was nun passiert. Was nun noch kommt, scheint nicht im mindesten verlockend. Es scheint nichts zu warten als Krisenfortsetzung und Abstiegsangstwiederaufnahme.

 

Das Ende einer Saison – Der Anfang eines neuen Tiefs?

Die Saison ist vorbei. Endlich, möchte man beinahe sagen.
Nach der Fastabstiegssaison 2010/11 sollte in der Saison 2011/12 alles anders, alles besser werden.
Ekici sollte endlich die Lücke schließen, die Özil seit seinem Wechsel zu den Königlichen hinterlassen hatte.
Lukas Schmitz und perspektivisch auch der U19-Meister Florian Hartherz sollten die traditionelle Problemzone des Linksverteidigers bei Werder lösen.
Andreas Wolf und insbesondere Sokratis Papastathopoulos (so schwer ist der Name echt nicht…) sollten die Abwehr stabilisieren, in der mit Per Mertesacker eine weitere Stütze ging.
Der Abgang Frings’ sollte intern durch die bereits vorhandenen Bargfrede und Wesley aufgefangen werden, mit Aleks Ignjovski hatte man sich zudem nach ewig langem Hickhack, das eine semi-Legendenbildung im Worum zur Folge hatte, die Dienste eines weiteren Mittelfeldtalents gesichert.
Die Abhängigkeit von Claudio Pizarro im Sturm wiederum sollte durch die Rückkehr des “Millionenbergs” sowie den geläuterten Marko Arnautovic und das junge Talent Lennart Thy reduziert werden.

Die Verpflichtung von Tom Trybull, eines defensiven Mittelfeldmannes von Hansa Rostock, geriet dabei ebenso in den Hintergrund wie das Drängen Levent Ayciceks und Özkan Yildirims in den Profikader – bei letzteren Beiden aufgrund schwerer Verletzungen.

Soweit zur Theorie.

Der Saisonbeginn

In der Realität flog Werder in der ersten Pokalrunde gegen Heidenheim raus, Tim Borowski, Stabilisator der vorigen Rückrunde, spielte erst sein vielleicht schwächstes Spiel im Werderdress und verletzte sich dann wieder schwer – er fiel bis zum letzten Spiel gegen Schalke aus, wo er wiederum vom Verein verabschiedet wurde, denn sein Vertrag lief aus.
Auch wenn er bereits im Stadion (auch von mir) gebührend verabschiedet wurde, so komme ich an dieser Stelle dennoch nicht drum rum:

Danke, Tim Borowski. Danke, für 15 Jahre Werder im Herzen. Danke, für zahlreiche tolle Spiele, viele Tore, unvergessliche Erlebnisse, echte “Werder Momente”. Danke, du alter Double-Held. Du wirst immer ein Teil von Werder bleiben!

Was anschließend folgte war ein Saisonstart ohne Claudio Pizarro – schon wieder fiel der Peruaner verletzt aus, in den Medien galt Werder bereits als Kandidat für den Abstiegskampf.
Man begrüßte den FCK im Weserstadion – und gewann 2:0. Der Auftakt einer bärenstarken Heimserie in der Hinrunde, mit nur einer einzigen Niederlage gegen den damaligen und heutigen Meister Borussia Dortmund. Alle anderen Heimspiele wurden gewonnen, die Hinrunde beendete man nach vielen knappen und umkämpften Siegen, die geprägt waren von einer bärenstarken Moral und unbedingtem Kampfgeist auf dem fünften Platz hinter Bayern, Dortmund, dem Überraschungsteam der Saison Gladbach und Schalke 04.
Eine auf dem Papier starke Hinrunde, die jedoch dadurch getrübt wurde, dass nur wenige Spiele wirklich überzeugend gewonnen wurden (bspw. gegen den HSV oder den VfB) und man sich in den letzten drei Spielen je drei Klatschen mit einem Torverhältnis von 1:14 abholte.

Dennoch: Werder hatte die Kritiker Lügen gestraft. Man war kein Abstiegskandidat, doch man war auch kein Spitzenteam. Insgesamt war es eine Situation, mit der man leben konnte, befand man sich doch im Umbruch.
Bis dahin waren die Gewinner der Hinrunde bei Werder klar auszumachen:
Einerseits Clemens Fritz, der durch die Versetzung Sokratis’ auf die Rechtsverteidigerposition endgültig ins Mittelfeld verschoben werden konnte und dort das Mittelfeld defensiv stabilisierte und die überzeugendsten Leistungen seit seiner Nationalmannschaftsform von damals zeigen konnte.
Dann wiederum der bereits erwähnte Sokratis, der als gelernter Innenverteidiger den besten Rechtsverteidiger seit Fritz’ Topform mimte und binnen kürzester Zeit zum Publikumsliebling avancierte.
Andererseits Claudio Pizarro, der nach Auftaktverletzung schnell ins Team zurückfand und seine bisher beste Hinrunde für Werder spielte. Zahlreiche Tore, Doppelpacks, Spiele, die er quasi im Alleingang gewann oder rettete, überzeugende Leistungen.
Zu guter Letzt Aaron Hunt, der auf den Halbpositionen der Raute endlich seine Idealposition fand und viele gute Partien ablieferte, dem Werder Spiel Sicherheit verlieh und endlich anfing, Verantwortung zu übernehmen. Es schien die Saison des Aaron Hunt werden zu können, doch es sollte nicht passieren: Erst brannten ihm die Sicherungen durch und er holte sich bei der Niederlage gegen Bayern vorzeitig sein Urlaubsticket ab, dann kam es wie immer in der Karriere des Aaron Hunt: Er verletzte sich und fiel die komplette Winterpause sowie den Großteil der Rückrunde aus. Fit meldete er sich erst – ausgerechnet, möge man hier denken – zum Rückspiel gegen Bayern. Dort zeigte er ein überzeugendes Comeback und lässt als einer der wenigen Spieler hoffen, doch das kommt später.

Ebenfalls erwähnt sei hier die Rückkehr von Naldo, der nach gefühlt tausendjähriger Pein sein Comeback für Werder geben durfte und auf Anhieb überzeugte. Seine Rückkehr im Derby war ein klassischer Gänsehautmoment – ob nun im Stadion oder vor dem TV.

Die Verlierer der Hinrunde wiederum waren weniger deutlich auszumachen, fielen doch recht wenige Spieler deutlich ab. Genannt werden können hierbei in erster Linie Ekici, der – auch aufgrund von augenscheinlich mangelnder Fitness – weit hinter den Erwartungen zurückblieb sowie Wesley, der es nur auf drei Einsätze brachte, dabei trotz recht hoher Effektivität wenig überzeugend auftrat und dies scheinbar auch nicht mit guten Trainingsleistungen ausgleichen konnte.
Mit Abstrichen ist zudem Marko Marin zu nennen, der nach starkem Saisonbeginn aufgrund von kleineren Verletzungen schnell aus der Form geriet und sich mehr und mehr in kopflose Dribblings verzettelte, ohne Tor blieb und lediglich drei Torvorlagen beisteuern konnte.

Die Winterpause

In der Winterpause geschah traditionell recht wenig, zumindest verglichen mit anderen Vereinen (Wolfsburg, zum Beispiel):
Andi Wolf durfte nach halbjährigem Werder Intermezzo wieder gehen, es zog ihn nach Frankreich zum AS Monaco, nachdem er sich kurz vorher bereits verletzte. Über seine Leistung schreibe ich an dieser Stelle bewusst nichts, da ich kein Fan dieser Art von Innenverteidigern bin. Deshalb belasse ich es bei Folgendem: Er hat gekämpft, immer. Menschlich ein feiner Kerl, danke Andi!
Der Ersatz für ihn war dabei der junge Schweizer Francois Affolter von BSC Young Boys, seines Zeichens U21-/A-Nationalspieler der Schweiz, je nach Gusto des Ottmar Hitzfeld.
Affolter galt und gilt als talentierter, moderner Innenverteidiger mit Stärken in der Ballbehandlung, Geschwindigkeit und Spieleröffnung, dafür jedoch auch sichtbaren Schwächen im körperbetonten Zweikampf sowie dem Kopfballspiel.
Kurzum: Er war das komplette Gegenteil von Wolf.

Nachdem Hunts Verletzung sich schnell als potenziell langwieriger herausstellte, wurde mit Zlatko Junuzovic ein weiterer Spieler aus Österreich verpflichtet, genauer vom FK Austria Wien.
Junuzovic sollte als offensiver Mittelfeldspieler für mehr Kreativität sorgen und insbesondere die Breite der Kreativabteilung erhöhen, nachdem sowohl Marin als auch Ekici bisher hinter den Erwartungen zurück blieben.

Für deutlich mehr Spannung sorgten bei Werder daher nicht die tatsächlichen Transfers, sondern viel mehr die Gerüchte:
Claudio Pizarro wurde vermehrt mit anderen Clubs in Verbindung gebracht, was von ihm durch Aussagen wie “ich weiß nicht was passiert, man muss abwarten und sehen was passiert” mustergültig angeheizt wurde.
Pizarro verlor seine mediale Aufmerksamkeit allerdings schnell an die beiden Brasilianer Werders: Wesley und Naldo.
Die Gründe hierfür war eine an Lächerlichkeit kaum zu überbietende Transferposse seitens brasilianischer Vereine:
Palmeiras und Atletico de Mineiro lieferten sich ein Tauziehen um Wesley, bei dem am Ende Palmeiras den vermeintlichen Zuschlag erhielt. 6 Millionen Euro standen als Ablösumme im Raum, abzuzahlen in drei Raten á 2 Millionen Euro.
Gedauert haben diese Verhandlungen sage und schreibe zwei Monate, weil man lange Zeit keine anständige Bankbürgschaft auftreiben konnte.
Irgendwann wurde dies jedoch geklärt, Wesley wechselte und wurde alsbald von seiner Werder Vergangenheit eingeholt: Kreuzbandriss, mehrere Monate Pause.
Gute Besserung an dieser Stelle Wes, das wünscht man niemandem.

Überboten wurde dieses Hickhack jedoch noch vom Baggern brasilianischer Vereine an Naldo.
Ganz im Stile des Austin Powers Erzfeindes Dr. Evil kam eine Delegation nach Bremen und bot für Naldo sagenhafte one million dollars Euro.
Ein lächerliches Angebot, das von Klaus Allofs medial wie folgt kommentiert wurde: “Nur weil ich nett war, habe ich ihn [den Klub-Agenten] nicht sofort rausgeworfen.”

Ja, das war schon eine witzige Geschichte.
Naldo wiederum blieb – und fiel bis zum Spiel gegen Gladbach aus. Typisch, irgendwie.

Das positive Ereignis der Winterpause war das Aufrücken Tom Trybulls – des Spielers, den vorher nur diejenigen auf dem Schirm hatten, die ihn in der U23 (oder vorher) spielen sahen.
Ein Spieler, von dem ich binnen kürzester Zeit zu einem waschechten Fanboy wurde.
19 Jahre alt, mittlerweile Stammspieler im zentralen defensiven Mittelfeld der Werderraute.
Ein Spieler, der eine ungeheure Spielintelligenz und Übersicht aufweist, in der Lage ist, klare öffnende und strukturierte Pässe zu spielen, unter Druck die Ruhe zu bewahren und sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen.
Kurzum: Ein Spieler, der von den Anlagen her wie geschaffen scheint für die 6er Position, wenn er physisch zulegt.
Doch ich greife wieder vor…

Die Rückrunde

Ich fass mich kurz: Was für eine ……..

Doch langsam:
Werder startete nach einem traditionell schwachen Wintertrainingslager samt obligatorischer Niederlagen auswärts gegen den FCK in die Rückrunde.
Als Lehren der Hinrundenabschlussdebakel sollte dabei die Abwehr stabilisiert werden: Fritz rückte vom Mittelfeld zurück auf die Rechtsverteidigerposition, Sokratis in die Mitte. Dort bildete er aufgrund von Naldos Verletzung ein Duo mit Sebastian Prödl.
Dieses Duo wirkte solide, bis Kouemaha sich dazu entschied, Prödl das Nasenbein zu brechen.
Eine Szene, die für mich das größte Armutszeugnis eines Schiedsrichters in dieser Saison darstellt.
Das wäre noch halbwegs zu verschmerzen, hätte der Schiedsrichter seinen Fehler danach wenigstens eingesehen und sich entschuldigt. Fehler können passieren, dafür reißt einem niemand den Kopf ab.
Doch stattdessen entschied sich der nette Herr so zu tun, als habe er die Szene gar nicht gesehen – trotz eindeutiger Fernsehbilder, die ihn dabei zeigen, wie er
1) Direkt das Geschehen ansieht
und
2) Die Pfeife bereits im Mund hatte, sie dann jedoch rausnahm.

Werder hätte in dieser Szene einen Elfmeter und Kouemaha einen Platzverweis erhalten müssen – beides blieb aus, stattdessen musste Prödl ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Das Spiel endete 0:0, immerhin blieb man ohne Gegentor.
Es folgte der Beginn des Bremer Jugendwahns:
Gegen Leverkusen startete Werder mit einer der jüngsten Werdermannschaften aller Zeiten.
Florian Hartherz, Tom Trybull, Francois Affolter, so hießen die neuen Jünglinge Werders, vermeintlich neue Gesichter eines vermeintlich neuen Werders.
Das Spiel war hart umkämpft, leidenschaftlich geführt, von den Fans leidenschaftlich unterstützt und es endete Unentschieden, wie so oft zwischen Leverkusen und Werder.

Zwei Punkte aus den beiden Auftaktpartien, für Werderverhältnisse ein guter Rückrundenstart doch die Zweifler mehrten sich.
Im Anschluss spielte man wieder Unentschieden, diesmal auswärts gegen Freiburg.
Dann wieder Unentschieden, zu Hause gegen Hoffenheim.
Vier Punkte aus vier Spielen, man verlor den Anschluss nach oben, wo man doch eigentlich auf die Champions League schielen wollte.
Dann war wieder Derbyzeit und Thomas Schaaf überraschte viele Kritiker mit einer taktisch bestens eingestellten Mannschaft um die dabei herausragenden Wiese (typische Derbyform), Sokratis, Trybull und Marin.
Man gewann verdient mit 3:1, brach den Fluch der orangenen Auswärtstrikots und wollte endlich eine Aufholjagd einläuten.
Was folgte, war die große Ernüchterung:
Viele Unentschieden, viele Niederlagen.
Nur ein einziger weiterer Sieg gelang, wieder im Derby, zu Hause gegen Hannover 96 mit 3:0.

Claudio Pizarro wirkte die gesamte Rückrunde über unfit, fand nie zu seiner Hinrundenform und spielte oftmals ganz schwach.
Über der Mannschaft schwebte konstant die bei vielen unsichere Vertragssituation, es kamen weitere kleinere und schwerere Verletzungen hinzu: Marin, Ekici, Bargfrede, Hartherz, Arnautovic, u.A..

Am Ende stehen nun 13 Punkte aus 17 Partien in der schlechtesten Rückrunde der Vereinsgeschichte und die erneut verpasste Qualifikation fürs internationale Geschäft.
42 Punkte hat man zum Abschluss auf dem Konto, 41 waren es in der Vorsaison, in der man bis zum Schluss gegen den Abstieg spielte.
Selbiges hätte erneut passieren können, wären die anderen Vereine nicht ähnlich schlecht gewesen.
Unter dem Strich steht: Saisonziele verpasst. Zum zweiten Jahr in Folge.

Endlich vorbei

Nach Saisonende mehrt sich nun die Kritik, die Rufe nach Veränderungen werden lauter in Bremen.
Die einen schieben es ganz simpel auf die Raute und fordern einen Systemwechsel, der ihrer Meinung nach alles besser machen würde.
Das wiederum ist mir viel zu simpel, beschreibt es doch keinesfalls die Probleme Werders im Detail sondern dient nur einer oberflächlichen, in meinen Augen unreflektierten Stammtischkritik.
Andere schieben es auf die Verletztensituation, was mir ebenfalls zu einfach ist, schließlich muss man sich hier mittlerweile fragen, wo dafür die Gründe liegen.

Ebenso simpel ist die Kritik eines gewissen Jörg Wontorra, der auf Stammtischniveau – da muss ich den Vereinsoffiziellen sogar mal zustimmen – den Verein in Frage stellt.
Dabei meine ich in erster Linie seine oberflächlichen Parolen wie “frischen Wind reinbringen” oder “der Fisch stinkt am Kopf zuerst”.
Ein Journalist mit Anspruch sollte Reflektierteres zustande bringen.
Getoppt wird das nur von albernen Verbesserungsvorschlägen, wie beispielsweise Thomas Schaaf als Sportdirektor und Holger Stanislawski als neuem Trainer.
Bei aller Sympathie zu Stani, so hat er in der ersten Liga doch noch rein gar nichts gezeigt und stellt keinesfalls eine Verbesserung zu Thomas Schaaf dar, was in meinen Augen die Voraussetzung für einen Trainerwechsel ist, den ich – wie hier geschildert – ebenfalls befürworte.
Nein, die Probleme Werders sind deutlich weitreichender:
– Defizite in den taktischen wie spielerischen Basics (Passspiel (Druck und Präzision), Laufwege, Vor- und Rückwärtsbewegung, Nachrücken, Pressing, Unterstützung im defensiven wie offensiven Zweikampf)
– Eine nach wie vor ungeklärte Verletztenmisere, die definitiv nicht nur auf Pech zurückzuführen ist. Hier muss ganz klar die gesamte medizinischen Betreuung durchleuchtet werden.
– Eine unausgewogene Kaderzusammenstellung, die scheinbar zu wenige passende Spielertypen für Schaafs Verständnis vom Fußball bietet.
– Erhebliche Formschwächen einzelner Spieler, überwiegend der verdienten Spieler (Pizarro/Fritz in der Rückrunde, mit Abstrichen Wiese und Rosenberg (in der Hinrunde))
– Eine schwache Hierarchie, die zu wenige Führungsspieler beeinhaltet. Zu nennen sind hierbei lediglich Fritz, der jedoch selten gut spielt sowie Prödl. Pizarro und Naldo versagen hier aufgrund ihrer Wechselbekundungen auf ganzer Linie, ebenso Sokratis (trotz großer Sympathie) und Wiese.
Rosenberg hat zwar nebst einer guten Rückrunde auch menschlich eine tadellose Saison abgeliefert und wieder bewiesen, wie sympathisch er ist, ein “Leader” im klassischen Sinne ist er jedoch nicht.

Es bleibt daher zu konstatieren, dass eine Menge getan werden muss in Bremen.
Offensichtliche Problemzonen im Kader müssen behoben (RV, OM/ZM, ST, Führungsspielerproblematik), Abgänge (Wiese, Marin, Piza, Rosenberg) ersetzt werden, gleichzeitig muss jedoch der Gehaltsetat aufgrund der verpassten sportlichen Ziele weiter gesenkt werden.
Dabei muss jedoch keiner denken, man sei finanziell schlecht aufgestellt. Das mag von den Medien gerne so publiziert werden, stimmt jedoch nicht.
Nach den Abgängen wurde der Gehaltsetat bereits jetzt erheblich gesenkt, Neuzugänge dürften teils deutlich weniger verdienen, durch Marin und Wesley konnte man zudem einiges an Ablösesummen generieren.
Man darf keine große Transferoffensive erwarten, zumal man aufgrund der Notwendigkeit vieler Transfers ohnehin eher nach günstigeren Spielern Ausschau halten wird, jedoch braucht in Bremen keiner befürchten, dass der Kader aufgrund finanzieller Zwänge gar nicht verstärkt werden könne.

Hoffnung auf eine bessere nächste Saison oder zumindest eine gewissene Vorfreude erwecken bei mir in erster Linie Trybull, Hunt, Sokratis, Hartherz, Füllkrug, Mielitz und Aycicek.
Man hat viele junge, talentierte Spieler, aus denen gute Bundesligaspieler werden können.
Was fehlt sind momentan die Führungsspieler, die ihnen bei der Entwicklung helfen.
Diese gilt es, unter Anderem, zu verpflichten.
Es muss eine gute Balance gefunden werden, eine positive Stimmung im Team und im Umfeld erweckt werden, man muss sich insgesamt aufs Schärfste hinterfragen, die richtigen Hebel umlegen und sich den ***** aufreißen, dann bin ich davon überzeugt, dass die nächste Saison besser wird.

Noch habe ich Vertrauen in das Team, zumindest in manche.
Ich hoffe inständig, dass ich nicht enttäuscht werde.

Dennoch, einer Sache bin ich mir bewusst:

Egal was auch passiert, ich stehe zu diesem Verein – in guten wie in schlechten Zeiten.
Das, was ich als Fan tun kann, das werde ich tun. Ich werde diese Mannschaft unterstützen, ich werde sie anfeuern, ich werde mitfiebern.

Lebenslang Grün-Weiß!

Von Kontinuität und ihren Tücken

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde man in Bremen gelobt.
Für die hervorragende Arbeit, die man angesichts der – im Vergleich zur damaligen Konkurrenz – so bescheidenen Mittel verrichtete.
Für das ruhige Umfeld, das selbst bei kleineren Krisen niemals einen Unruheherd darstellte.
Für den bezaubernden, begeisternden Fußball, den man spielte.
Für die Kontinuität. Die Beständigkeit.
Dafür, dass man anders war als all die HSVs, VfBs, S04s und Wolfsburgs dieser Liga.

Ja, es ist noch gar nicht lange her…

Vor nicht allzu langer Zeit…

…und doch so fern.
Die hervorragende Arbeit, für die Werder so gelobt wurde, ist über die letzten 3-4 Jahre nur noch in der Person von Sokratis zu erkennen.
Ein Spieler, der ohne Eingewöhnungszeit Werders stärkster Rechtsverteidiger seit Fritz’ Galaform wurde – und das, obwohl er doch eigentlich als Innenverteidiger verpflichtet wurde, nur, um in der Rückrunde als Innenverteidiger Mertesacker völlig vergessen zu lassen.
Ein Spieler, der so viel mehr wert ist als für ihn bezahlt wurde.
Ein Typischer Werder-Transfer, sagte man früher. Vor nicht allzu langer Zeit.
Mittlerweile wird in Bezug auf Werders Arbeit viel mehr auf “Flops” hingewiesen.
Die Carlos Albertos, Wesleys und – mit Abstrichen – Arnautovics.
Das ist zugegebenermaßen ebenso richtig wie plakativ und unreflektiert.
Werder hatte “Flops”, ja. Doch wie kam es zu dazu?

Carlos Alberto galt als Toptalent, kam mit riesigen Vorschusslorbeeren und galt bereits nach einer Trainingseinheit als derjenige, der Werder zusammen mit Diego zu Titeln führen würde. Was kam dann?
Konflikte mit seinem Landsmann, der bekräftigte, dass er “nicht mit ihm zusammen spielen” könne.
Einstellungsprobleme, die ihn schnell ins Aus manövrierten.
Etwas über 40 Minuten Einsatzzeit in Pflichtspielen, Skandälchen, eine Ausleihorgie, an deren Ende ein ablösefreier Transfer stand, ein “riesengroßes Missverständnis” eben.
Ein Flop, ja. Aber schwer vorherzusehen.

Der Wesley Transfer wiederum war eine Hängepartie aus dem Lehrbuch, die ersten Einsätze vielversprechend, was direkt Lob nach sich zog.
Dann kamen in den Fanlagern die ersten Zweifel an Wesleys taktischen Kenntnissen auf. Mehr und mehr wurde kritisiert, dass er planlos und vogelwild über den Platz lief. Engagiert zwar, aber letztlich brachte er mehr Unordnung, als dass er half.
Wenig später kam seine Verletzung, die ihn endgültig aus der Bahn warf. Eine lange Pause, ein misslungenes Comeback, eine schwache Vorbereitung. Wieder kam es zu einem Transfer nach Brasilien, diesmal zum Glück ohne Leihe und mit entsprechender Entlohnung.
Hier hätte man besser scouten können, die taktischen Defizite früher erkennen müssen – oder man hat sich überschätzt. Beides spricht gegen die “hervorragende Arbeit”.

Arnautovic hingegen war wieder einer dieser “typischen Werder-Transfers”. Ein Spieler, der bereits als “der neue Andi Herzog” galt, bei Inter landete, eigentlich längst außer Reichweite war. Eigentlich.
Wäre da nicht diese schwere Fußverletzung gewesen, die ihn wieder auf den Markt brachte. Ihn, den neuen Andi Herzog, der für Werder doch eigentlich längst außer Reichweite war.
6,5 Millionen Ablösesumme? Kein Problem für einen Klub, der in der Champions League spielt.
Ein Schnäppchen, war er doch der neue Andi Herzog.
Ihm muss man zugutehalten, dass er in einer Saison kam, in der bei Werder nichts lief. Aus mehreren Gründen, die an dieser Stelle nicht das Thema sind.
Er ist in meinen Augen noch kein Flop. Noch nicht.

Was bleibt noch übrig, von dem Lob?
Richtig, der “begeisternde Fußball”…
Nun, den spielen nun andere Teams. Dortmund zum Beispiel.
Anderes Thema.

Das ruhige Umfeld! Ja, fantastisch, das ist geblieben! Sehr schön. Oder etwa nicht?
Doch, das muss gut sein. Genauso wie die…

Kontinuität

“Jeder spricht von der Bremer Kontinuität als wäre das hier etwas Selbstverständliches, doch das ist es nicht. Kontinuität bedeutet nicht, krampfhaft an – zum Beispiel – dem Trainer festzuhalten. Wir machen das hier nicht aus Spaß, sondern aus Überzeugung. Weil wir davon überzeugt sind, dass es der richtige Weg ist.”
Klaus Allofs, so in etwa, in Zeiten des Erfolgs.

“Es bringt nichts, jetzt den Trainer herauszupicken und auf ihm herumzuhacken, wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen, analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen. Es liegt nicht am Trainer, dass es nicht läuft.”
Klaus Allofs, so in etwa, in Zeiten des Misserfolgs.

Ja, diese Kontinuität. Ein seltsames Ding. Faszinierend, wenn sie funktioniert. Tückisch, wenn es mal nicht so ist.

Dann ist plötzlich nicht mehr von der Kontinuität im positiven Sinne die Rede, sondern von “eingerosteten Strukturen” und “Festgefahrenheit” im negativen Sinne.

Zu Recht, wie ich mittlerweile finde.

In der gesamten letzten Saison, in der es über weite Strecken gegen nichts Anderes als den Abstieg ging, stand ich immer und zu 100% hinter dem Trainer. Ich suchte Ausrede um Ausrede. Das fiel die meiste Zeit leicht, weil Werder so viele Verletzte hatte. Mehr Verletzte als alle anderen Klubs. “Das ist doch einfach Pech..”, sagte ich.
“Andere Schiedsrichter hätten den Elfmeter gegeben..”, sagte ich (im Übrigen oftmals zu Recht, doch lassen wir das).
Wie gesagt, das Ausredenfinden fiel leicht. Sehr leicht. Zu leicht, wie sich mittlerweile herausstellt.

Ein Phänomen namens Umbruch

Im Sommer ging ein Ruck durch Bremen. Der Leithammel Frings ging, genauso wie Daniel Jensen, Petri Pasanen und Mertesacker.
Relikte aus glorreichen Zeiten.
Spieler, die der “neuen Philosophie” des Vereins im Weg standen.
Spieler, die man sich “nun nicht mehr leisten könne”, angesichts der bevorstehenden Saison ohne internationales Geschäft.
Dafür kamen Spieler wie Andi Wolf, Sokratis, Lukas Schmitz und Mehmet Ekici.
Außerdem kehrte Rosenberg zurück. Millionenberg, wie er bei seinem Abschied hieß.
Damals, als Werder in der Champions-League Qualifikation gegen Sampdoria spielte – und er das entscheidende Tor schoss.
Millionenberg, ein weiteres Relikt aus glorreichen Zeiten. Einer, der eigentlich nur deshalb blieb, weil man ihn nicht verkaufen konnte.
Einer, der schnell Stammspieler wurde, dann wieder auf der Bank saß und mittlerweile der einzige Spieler ist, der das Tor trifft.

Man sprach vom “Umbruch” in Bremen. Zu Beginn nur zaghaft, später dafür umso häufiger.
Als Ausrede, für die dürftigen Leistungen, nachdem die Verletztensituation relativ entspannt war.
Schon wieder eine Ausrede.
Dabei sollte doch eigentlich alles anders, alles besser werden…

Keine Ausreden mehr

… doch es wurde nur noch schlimmer.
Zu Rückrundenbeginn häuften sich die Verletzungen, mehrten sich die Störfeuer angesichts auslaufender Verträge und verschlechterten sich die Leistungen auf dem Platz.
Die spielerisch ohnehin schon dürftigen Auftritte sanken in ihrer Qualität noch mehr, immer weiter, von Spiel zu Spiel – mit kleinen Ausreißern nach oben.

Jetzt, nach dem 31. Spieltag, stehen 2 Siege in der Rückrunde zu Buche. 2 Siege, 7 Unentschieden und viel zu viele Niederlagen.
Die Siege kamen immerhin gegen die beiden Nordrivalen HSV und, äh, HSV zustande.
Gegen den kleinen HSV gewann man auswärts mit 1:3, den großen schoss man mit 3:0 aus dem Weserstadion.
Vor nicht allzu langer Zeit, da war der “große” noch der “kleine” HSV und andersherum. Mittlerweile spielte der ehemals “kleine” HSV um Europa, der “Dino” gegen den Abstieg.

Dennoch: Das ist zu wenig. Viel zu wenig. Allen Ausreden zum Trotz.

Werder spielt – das muss in aller Deutlichkeit gesagt werden – wie ein Abstiegskandidat.
Naja, fast.
Freiburg zum Beispiel spielt schöner. Augsburg zumindest nicht schlechter, der EffZeh und Kaiserslautern schon, wie auch immer das geht.
Gegen Ausgburg, Hertha, Mainz, Nürnberg, Kaiserslautern, Köln und Freiburg holte man sagenhafte 4 Punkte. V-I-E-R.
Für ein Team mit Werders Ansprüchen zu wenig. Viel zu wenig.
Selbst in Anbetracht der Verletzenlage.
Mit diesem Kader, mit diesen Spielern, mit diesen Mitteln muss es möglich sein, wenigstens einen einzigen Sieg(!) gegen eines dieser Teams zu holen.
Doch das gelang Werder nicht.
Gegen Kaiserslautern verpasste man einen Sieg gegen ein Team, das vielleicht das einzige Mal in der Rückrunde engagiert und mutig auftrat.
Gegen Freiburg gewann man auswärts nicht, obwohl Werder gegen Freiburg eigentlich immer gewissen muss – dachte man zumindest.
Gegen Hertha wurden man von einem Trainer quasi ausgecoacht, der vor gut 15 Jahren bei Werder tätig war und dessen Ankunft in der Bundesliga mehr belächelt als bewundert wurde.
Gegen Köln scheiterte man unbegreiflicher eigener Passivität.
Gegen Nürnberg und Mainz verlor man nun die zweite Saison in Folge das Heimspiel, nachdem beide Teams zuvor ein sicherer Punktelieferant waren.
Die Partie gegen Mainz war dabei ein taktisches Armutszeugnis, ein Beweis dafür, wie leicht Werder für individuell mittelmäßig besetzte Teams zu schlagen ist, wie naiv man ins offene Messer rennt und an was für Dummheiten man wie selbstverständlich scheitert.

Getoppt wurde das nur vom Spiel gegen Gladbach, in dem man taktisch so unterlegen war wie gefühlt noch nie und das gegen ein Team, das in der letzten Saison gegen den Abstieg spielte – und nun um die Champions League.

Nein, es darf keine Ausreden mehr geben. Man hatte genug Chancen, genug Zeit, genug Mittel. Es sind letztlich nicht die Schiedsrichter, die unsere sportliche Talfahrt verursachten. Auch nicht die Verletzten oder unsere ach-so-geringen Mittel.
Nein, wir sind selbst Schuld.

Danke Thomas, du darfst jetzt gehen

Dass diese Zeilen eines Tages geschrieben werden müssen hätte man sich schon lange denken können. Andere haben es bereits getan, manche werden es sicherlich noch tun, wiederum andere vielleicht nie.

Danke Thomas, du darfst jetzt gehen.

Thomas Schaaf hat, zusammen mit Klaus Allofs, diesen Verein zur zwischenzeitlichen Nummer zwei der Bundesliga gemacht.
Er hat diesen Verein zum Double geführt, ins Finale des damaligen UEFA-Cups und insgesamt sechs Mal in die Champions League. Er hat mehrfach den DFB-Pokal gewonnen, als Trainer zahlreiche Fußballfeste erlebt und verantwortet, er hat sich in Bremen viele Freunde und bis zuletzt nur sehr wenige Feinde gemacht.

Ja, das hat er. Bis vor nicht allzu langer Zeit…

Mittlerweile wird Thomas Schaaf als Sturkopf verschrien. Als Trainer, der sich dem Modernen verschließt, der taktisch hinterherhängt, von Trainerkollegen wie Klopp, Tuchel und Favre abgehängt wurde, der nicht mehr zeitgemäß ist.
Festgemacht wird das am Spielsystem der Raute, was in meinen Augen zu einfach ist.
Natürlich, die Raute ist auf dem Papier nicht modern, sie hat klare Schwächen in Duellen gegen andere, flügellastige Systeme.
Doch sie ist weder ein unausweichliches Zeichen einer Niederlage, noch ist sie Schaafs “Liebling”, den er unbedingt durchsetzen möchte.
Anders als viele andere bin ich der Meinung, dass mit dem momentanen Spielermaterial die Raute das geringste Übel ist, zumal in der Art und Weise, wie Schaaf sie eigentlich spielen lassen möchte: Fluide, schnell, direkt, unberechenbar.

Schaaf ist, war und wird immer ein Befürworter aggressiver, offensiver Spielsysteme sein. Ein Defensivkünstler ist er nicht und war er auch noch nie. Er liebt die Vorstellung des “totalen Fußballs”, was man ihm kaum vorwerfen kann.
Dafür ist die Raute ein System, was in der Theorie besser geeignet ist, als viele andere: Kaum feste Positionen auf dem Spielfeld, ständiges Bilden von Passdreicken, Rochaden, direktes, vertikales (Kurz-)Passspiel.
In der Theorie ist die Raute in der Lage, den Gegner zu überrollen. Ihn völlig aus der Fassung und Ordnung zu bringen, ihn zu zerstören.
In der Praxis funktioniert das leider schon lange nicht mehr, das Gegenteil ist der Fall.
Die Rochaden verwirren eher die Mitspieler, das Passspiel bleibt brotlose Kunst, Raumgewinn erfolgt kaum, das Bilden von Dreiecken wirkt ebenfalls völlig unkreativ, statisch, ungefährlich, insgesamt ist man viel zu unpräzise und harmlos.

Es ist nicht die Raute, für die ich Schaaf kritisiere und nicht die Raute ist der Grund, warum ich möchte, dass er geht.
Nein, es sind die einfachen Dinge, wie der Druck und die Präzision im Passspiel, die mittlerweile jedes Erstligateam können muss.
Eingespieltheit bei Standards, eingeübte Spielzüge, Laufwege, Seitenverlagerungen, Schüsse aus der zweiten Reihe.
Alles Dinge, die jedes gute Team auszeichnen, die man in meinen Augen relativ einfach trainieren kann, die jedoch schlicht und ergreifend bei Werder nicht vorzufinden sind.

Es ist der Plan, der mir fehlt. Ein Konzept. Ich erkenne keinen Weg, nur eine Schlucht.
Ich liebe diesen Verein, ich liebe dieses Team und das wird auf ewig so bleiben. Aufgrund meines Alters habe ich gleichzeitig das Pech, die grandiosen Erfolge unter Rehhagel nicht miterlebt zu haben, sowie das Glück, den Abstieg und das Dasein als graue Maus, als Mittelmaßklub verpasst zu haben. Die Ära des Schreckens um Dörner, Sidka, De Mos und Magath interessierte mich nicht, ist für mich nur eine bekannte vereinshistorische Zeit, keine Erfahrung.
Deshalb fehlt mir vielleicht die Geduld, fehlt mir die Erfahrung.
Mir fehlt aber keinesfalls die Leidenschaft und Hingabe, die andere, ältere Fans für sich beanspruchen.
Mich stört es, ja, mich treibt es in den Wahnsinn, dass dieser, meiner Verein mit sehenden Augen in die Mittelmäßigkeit läuft.
Es ist kein spielerischer Fortschritt zu erkennen, kein Hinterfragen der Probleme, keine Einsicht.
Mir fehlt die Perspektive, die Aussicht auf Besserung, die mich dazu bringen würde, ohne Murren mein Team durch den Abstiegskampf zu peitschen. Das liegt nicht zuletzt auch an der Außendarstellung des Vereins, die immer noch wirkt wie ein bockiges, uneinsichtiges Kind, das nicht akzeptieren will, dass es momentan die Playstation nicht bekommen kann, sondern sich mit dem billigen Spielzeugauto beschäftigen muss.

Was getan werden muss

Das, was in meinen Augen vollzogen werden muss, ist ein klarer Schnitt.
Man muss sich von dem alten Anspruchsdenken verabschieden, ein mittel- bis langfristiges Konzept entwickeln, ein System entwickeln, entsprechende Transferpolitik betreiben und ein neues Team aufbauen.
Man muss das “alte” Werder vergessen, das “Double-Werder”, das bezaubernden Fußball bot.
Man muss eine neue, veränderte Identität entwickeln, die Wurzeln und das eigene Selbst nicht leugnen, sich aber den Neuerungen nicht mehr verschließen.
Die “Werder-Familie” wirkt mittlerweile in der Tat verkrustet.
Lemke wirkt wie ein alter, mürrischer Autokrat, der seinen Thron nicht räumen will, das ehemalige Erfolgsgespann wirkt zumindest auf der einen Seite ratlos.
Ich bin für einen neuen Trainer, nicht irgendeinen x-beliebigen, sondern den richtigen Trainer.
Einen, der zu Werder passt.
Einen, der offensiven Fußball spielen lassen möchte, der die Tradition fortführen möchte, hier langfristig etwas erreichen will, der offen für Neues ist und – so banal es klingt – frischen Wind mitbringt.
Es muss jemand sein, der taktisch bestens geschult ist, der dieses Wissen gut vermitteln kann, der nach Bremen passt, hier ins Umfeld passt, der gut mit jungen Spielern kann – denn darauf muss gebaut werden -, der ein guter Motivator ist.

Namen nenne ich nicht.
Diesen jemand muss die Geschäftsführung und sportliche Leitung finden, denn Thomas ist es meiner Meinung nach nicht.
Dieser jemand muss gefunden werden, sonst war es das auf lange Zeit mit dem erfolgreichen SVW und ich erlebe früher oder später meine eigene “Ära des Schreckens”.

Zum Abschluss sei noch kurz etwas gesagt, was ebenfalls gesagt werden muss:
Thomas Schaaf ist ein fantastischer Mensch, ein Vorbild sondergleichen. Er hat sich jeglichen Respekt verdient und erarbeitet, sticht aus der Welt der Extravaganzen aufgrund seiner Bodenständigkeit und Menschlichkeit hervor, engagiert sich für Hilfsbedürftige und schaut nicht nur auf sich selbst.
Er ist ein fantastischer Mensch und in meinen Augen nach wie vor ein guter Trainer, nur nicht mehr der richtige für Werder und er hat es sich verdient, einen rühmlichen Abgang zu bekommen, ohne Querelen, einen sauberen Schnitt. Er muss gehen, er muss den Zeitpunkt wählen. Ich hoffe, er wählt richtig.
In diesem Sinne:

Danke Thomas, du darfst jetzt gehen.

 

 

 

 

 

Kein Freundschaftsspiel

König Otto ist zurück in der Bundesliga und trifft bei seinem zweiten Einsatz mit der alten Dame, bei der er damals seine Karriere begann, direkt auf seine alten Schützlinge und Freunde Thomas und Klaus, mit denen er gemeinsam viele Titel feierte und noch heute regelmäßigen Kontakt pflegt.

Rahmenbedingungen eines Märchens

Denken wir nun etwas zurück …
… In Deutschland bricht langsam der Frühling an, Berlin sehnt sich in zweierlei Hinsicht nach einem neuen Oberhaupt und wer könnte diese Rolle besser ausfüllen als der Fußballopa Otto, oder anders: der erfahrene Motivator Rehhagel, der doch nichts weiter tun muss, als eine Mannschaft vor dem Abstieg zu retten, die mit einem Kader ausgestattet ist, der eigentlich – schon wieder – viel zu gut ist, um abzusteigen. Den Einstand muss er dabei zudem gegen Augsburg bestreiten, ein Team, das in der ersten Bundesligasaison der Geschichte steht und bereits vor der Saison als der Absteiger überhaupt charakterisiert wurde.
Es waren Umstände, wie sie sonst nur in Märchen vorkommen.
Eine Bühne, vorbereitet für mediale Kuscheloffensiven, Huldigungen und nur einen möglichen Ausgang:

Ein Happy End.

Dass Werder zu dem Zeitpunkt noch auf Platz 5 lag und ein Heimspiel gegen Nürnberg vor der Brust hatte – was früher schlicht und ergreifend als Heimsieg einkalkuliert wurde – sorgte für noch mehr Vorfreude in Bezug auf das Wiedersehen der alten Weggefährten.

Als „Freundschaftsspiel“ wäre das Duell wohl charakterisiert worden, der mögliche sportliche Ausgang wäre in den Medien zur Nebensache geworden, ein Unentschieden wäre wohl das gewesen, was sich die meisten Journalisten angesichts vor Harmonie triefender Schlagzeilen gewünscht hätten.

Fehler im Drehbuch

„Denkste!“ dachten sich dann jedoch Oehrl und Koo auf Seiten Augsburgs sowie Esswein auf Seiten Nürnbergs, „ohne uns!“, und schossen – frech wie sie waren – erst die Hertha ab (0:3) und erdreisteten sich anschließend noch, Werder eine Heimniederlage zuzufügen (0:1) – Sauerei, das Märchen war geplatzt.

Die Bedingungen im Vorfeld sind nun nicht mehr freundschaftlich und friedlich, ein Unentschieden wäre für beide Teams inakzeptabel.

Während die Hertha mittlerweile auf dem Relegationsplatz steht, droht Werder das europäische Geschäft zu verspielen – Ausgänge, die für die jeweiligen Mannschaften verheerende Folgen haben könnten.

Kein Platz für Sentimentalitäten

Emotionen müssen daher am Samstag hinten anstehen. Es wird zu keinem „Freundschaftsspiel“ kommen, es zählt nur der Sieg.
Werder muss gewinnen, Hertha muss gewinnen.

Es gilt für den ehemaligen Schüler Schaaf, den ehemaligen Lehrmeister Rehhagel zu bezwingen und – so leid es ihm vielleicht tun mag – ihn, samt Team, in eine noch tiefere Krise zu stürzen.

Momentan zählt nur der eigene Erfolg, der Egoismus steht an vorderster Stelle und wie heißt es immer so schön: Der Schüler übertrumpft den Meister – hoffentlich auch hier.

Vielleicht, davon ist auszugehen, bleibt nach dem Spiel noch etwas Zeit für freundschaftliche Gesten, Zeit, für etwas Trost für den alten Herren mit der alten Dame.

Auf dem Platz wird davon aber hoffentlich nichts zu sehen sein, tut uns leid Otto – bedank dich bei den Spielverderbern aus Augsburg und Nürnberg.

PS: Da Partypeter leider gesperrt ist, habt ihr sowieso keine Chance, liebe Herthaner. Überlasst uns die Punkte also freiwillig. Bitte, wir drücken euch danach auch die Daumen!