Ordem e Progresso

Auf Einladung von Jacobs Krönung durfte ich das Spiel gegen Nürnberg in der Jacobs Krönungs Frauen-Lounge sehen. Oh, und Prödl zur Halbzeit.

Fortschritt und Ordnung, so steht es auf grünweißen Fahnen, nun gut, das war farblich sehr grob gerundet, aber immerhin eine Fahne mit grünen und weißen Anteilen, deren Verbindung zum Fußball zudem eine innig liebende ist. Und auch wenn das Spiel am vergangenen Sonntag nicht so direkt an die gleiche Art von Fußball erinnert hat, an die man da so intuitiv denkt, das Motto des dazugehörigen Landes scheint mir durchaus geeignet. Geeignet, um zu beschreiben, warum ich trotz der Niederlage einen Fortschritt im Bremer Spiel sehe. Und warum mir trotz der angeblichen Verlangweiligung des Werder-Fußballs die Entwicklung gefällt, die ich derzeit sehe.

Das Spiel zeigte trotz der Niederlage weiterhin verbesserte Ansätze, was Zusammenspiel, Passgenauigkeit, Spielaufbau angeht. Gegen Nürnbergs starke Defensivleistung kam Werder dennoch zu einigen großen Chancen. Ich denke hierbei insbesondere an Marin und Pizarro. Daran, wie Pizarro kurz vor Ende der ersten Halbzeit aus 10 Metern den Ball am Tor vorbei lupft. Und daran, wie Marin in der 62′ Minute nach einer großartigen Vorarbeit von Pizarro freistehend vorm Tor vergibt. Die Chancen waren da. Auf beiden Seiten. Und Nürnberg bzw. Esswein hat sie genutzt. Und geführt. Und gewonnen.

Vor dem Spiel gab Thomas Schaaf als Ziel aus, die Räume eng zu machen, weniger Chancen zuzulassen, kompakt zu stehen. Und rückblickend, wenn ich das Spiel so betrachte, dann wurde davon doch auch einiges umgesetzt. Das Zusammenspiel der Mannschaft wirkte verbessert, die Pässe sicherer. Die Spielzüge wirken weniger hektisch als noch zu Beginn der Rückrunde. Die Pass- und Laufwege harmonieren immer besser. Aus der noch zu Beginn der Rückrunde eher passiv als defensiv wirkenden Spielweise wird Schritt für Schritt eine geordnete Defensive. Und nach wie vor beeindruckt mich, was gerade die jungen Spieler für eine Übersicht haben. Affolter fällt durch eben diese Spielweise auf, auch wenn das vergangene Spiel eine eher durchwachsene Leistung von ihm zeigte. Und die Ruhe und die Intelligenz, mit der Trybull und Hartherz spielen, ist nicht nur für ihr Alter besonders.

Insgesamt scheint diese nun defensivere Ausrichtung der Mannschaft gut zu tun. Dieses sehr junge und in dieser Zusammensetzung auch sehr neue Team gewinnt darüber langsam an Sicherheit. Und die Aktionen an Abstimmung. Denn für Thomas Schaafs Lieblingsfußball fehlen noch die Grundlagen. Aber ich sehe uns auf dem Weg dorthin. Und bis dahin sehe ich uns auf dem Weg zu einer soliden Defensive. Oder wie Prödl im Halbzeitgespräch die Lage zusammenfasste: “Hinten steh’ mer gut, nur vorne fehlen halt die Tore.”

Im Voraus galten die meisten Fragen und Sorgen dem, ob Werder überhaupt fähig ist, das Spiel zu machen. Im Spiel gegen Nürnberg wurde deutlich, dass sie das durchaus sind. Wenn auch mit punkte- und tabellentechnisch mäßigem Erfolg. Werder war über Großteile des Spieles das dominierende Team. Mit 20:11 Torschüssen und mehr als doppelt so vielen angekommenen Pässen (Werder: 447/ Nürnberg: 164) waren sie über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft. Womöglich ist das Ergebnis die einzige Statistik, in der sich diese Dominanz nicht niederschlägt.  In Hamburg haben wir mit unter 35% Ballbesitz gewonnen, gegen Nürnberg mit 64% Ballbesitz verloren – die letzten beiden Spiele lassen vor allem erkennen, dass Ballbesitz längst nicht alles ist.

Die Niederlage gegen Nürnberg war meiner Ansicht nach jedoch nicht aus spielerischen, sie war aus Effektivitätsgründen. Und ich sehe uns trotz dieses Rückschlags im Aufwärtstrend.
Aufwärts – zu Ordnung im Spiel und Fortschritt in der Tabelle.