Überlänge: Grünweiß-Stammtisch 13-09

Was gibt es nach einem 1:6 bei einem übermächtigen Gegner schon groß zu besprechen? Jede Menge, wie sich herausstellt. Mit Bayernfan und Blogger Kai Lorenz Lorentz alias Probek haben wir über die perfekte Saison des FC Bayern und die Unterschiede zum letzten Jahr gesprochen. Alex Feuerherdt alias Lizas Welt nahm für uns die Schiedsrichterleistung in bester Collinas-Erben-Manier unter die Lupe und philosophierte mit Tobias über mögliche Regeländerungen. Und dann wäre da natürlich noch die unsere wöchentliche Werder-Therapiesitzung, in der Stephen und Tobias ihren Frust über die herbe Niederlage verarbeiteten. Am Ende wurde es der längste Stammtisch der Grünweiß-Geschichte, aber bestimmt nicht der langweiligste.

Anhören könnt ihr den Stammtisch wie immer hier im Blog oder als Podcast bei iTunes. Viel Spaß beim anhören!

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10 Gedanken zu “Überlänge: Grünweiß-Stammtisch 13-09

  1. Ahoi!

    Ich habe die aktuelle Folge noch nicht in Gänze gehört, wollte aber trotzdem kurz einen Kommentar hier lassen. Und zwar wegen der von Euch so hart kritiserten (und leider extrem folgenreichen) Offensivbewegung nach zwanzig Minuten. Ich fand die Idee der Sache nach eigentlich gut und richtig; die Ausführung war natürlich mangelhaft, darüber kann es keine zwei Meinungen geben. Die Null hält man heute ja nicht mehr, wenn man sich im eigenen Sechzehner einmauert. Unser Offensivspiel sah nur seltsam zerfasert, unkoordiniert und damit summa summarum hilflos aus – es waren immer einzelne Aktionen von Junuzovic und Ignjovski (und bis zu seiner Auswechslung auch Hunt), die im jene Lücken rissen, die die Bayern anschließend eiskalt für sich zu nutzen wussten. Die paralysierte Abwehr wurde dann einfach überrannt.

    Das spricht aber, streng genommen, alles nicht gegen eine offensive Ausrichtung (auch gegen einen Gegner wir die Bayern). Weil ja gerade überall von der Doppelsechs die Rede ist: Solange die Position vor der Abwehr nicht so stiefmütterlich behandelt wird und die Offensivbewegung koordiniert von statten geht, muss kein Übermut befürchtet werden. Klingt auf dem Papier eigentlich ganz einfach.

    • Danke für deinen Kommentar!

      Ich glaube irgendwann im Laufe des Gesprächs haben wir das auch so ähnlich formuliert. Es geht weniger um das Herausrücken an sich, sondern um das unkontrollierte Herausrücken. Werder spielt ein sehr unkonventionelles Pressing und lässt dabei häufig riesige Lücken zwischen Mittelfeld und Abwehrkette. Dazu kommt, dass Werder in Ballbesitz schon seit vielen Jahren die Absicherung der 6er-Position vernachlässigt, auch im letzten Jahr, als man fast gar kein Angriffspressing gespielt hat.

      Dein letzter Satz trifft es sehr gut: Auf dem Papier einfach, auf dem Platz nicht so sehr, erst recht nicht gegen Bayern und erst recht nicht bei Werder. Werders Ausrichtung in den ersten 20 Minuten war: tief stehen, Räume eng machen, Flügel doppeln. Hat alles gut geklappt. Plötzlich schaltet das halbe Team auf Pressing-Modus, rückt weit vor und die Viererkette steht blank sobald Bayern die Pressinglinie überspielt.

      Für sich betrachtet mögen es einzelne Aktionen von Junuzovic, Hunt und Ignjovski gewesen sein, die zum “Loch vor der Abwehr” geführt haben, aber das Problem verfolgt Werder schon so lange, dass man eigentlich nicht drumherum kommt, es als strukturell zu bezeichnen.

      • Wir brauchen einen erfahrenen, defensiv sicheren Sechser. Das ist auf jeden Fall dringend und es beruhigt mich, dass Thomas Schaaf letztens im Sportclub-Interview signalisierte, dass man Erfahrung zukaufen müsse.

        • Das halte ich für eine Nebelkerze und mich beruhigt das kein bisschen, sondern es macht mich wütend, wenn Schaaf so etwas sagt. Das 6er-Problem liegt nicht am Kader und auch ganz sicher nicht an mangelnder Erfahrung. Auch mit Torsten Frings auf der 6 hatten wir das gleiche Problem. Es ist in Schaafs System (sowohl im aktuellen als auch im Rautensystem) gewünscht, dass sich alle Mittelfeldspieler offensiv einschalten. Dafür spielen die Außenverteidiger extrem konservativ und stehen fast nie vor dem Ball (was die Selassie-Verpflichtung irgendwie sinnlos erscheinen lässt).

          Davon abgesehen wäre es natürlich wünschenswert, mehr Qualität im defensiven Mittelfeld zu haben. Man hat Baumann nie ersetzt und die Hoffnung auf Bargfrede hat sich bislang noch nicht ausgezahlt. Andererseits schaffen es andere Mannschaften mit weniger Spielerpotenzial weitaus besser, das defensive Mittelfeld dicht zu machen. Man kann nicht die ganze Saison über mit drei Offensivleuten im Mittelfeld auflaufen und dann die mangelnde Absicherung auf fehlende Erfahrung schieben.

          • Aber Du gewinnst heute auch nicht mehr, indem Du Dich hinten reinstellst (Ausnahmen und CL-Gewinner bestätigen die Regel). Ich finde es richtig, dass Schaaf auf Pressing setzt – wenn es koordiniert und mit entsprechender Positionstreue im (defensiven) Mittelfeld und der Abwehr einhergeht (dieses Triplen der Bayern-Angreifer gefiel mir in den ersten 20 Minuten sehr gut). Ich bin kein Trainer und vielleicht fehlt mir das nötige taktische Verständnis – aber warum löst ein klassischer Leader wie Frings das Problem nicht? Also ein Spieler, der einerseits für Ordnung in der Defensive sorgt (und auch mal laut wird), andererseits für die Verbindung nach vorne sorgt (gerade, wenn man dazu Junuzovic oder Hunt offensiv platziert)? Im Abschluss sind wir ja gar nicht sooooo schlecht (gesetzt Petersen bliebe uns erhalten)…

          • P.S. (las gerade noch mal meinen Kommentar): Ich wollte nicht suggerieren, dass Du ein Einmauern im Strafraum forderst. Ich bin zunehmend ratlos mit Werder.

          • “Aber warum löst ein klassischer Leader wie Frings das Problem nicht?”

            Weil es ein mannschaftstaktisches Problem ist und kein individualtaktisches. Anders gesagt: Das Problem ist nicht (vornehmlich), dass Junuzovic (oder wer auch immer auf der 6 spielt) weit aufrückt, sondern dass man dem einzelnen Sechser durch das Pressing der 8er und die breiten Flügelspieler einen unglaublich großen Raum zum Abdecken lässt. Der 6er hat die Wahl, ob er vor der Abwehr bleibt (was dem gegnerischen Mittelfeld viel Raum und Zeit am Ball in Werders Hälfte gibt) oder mit aufrückt und Druck auf die gegnerischen 6er ausübt (was zu einer großen Lücke zwischen den Linien führt). Beides ist problematisch. Inzwischen habe ich den Eindruck, dass Werder schon auf das Problem reagiert hat und nur noch selten beide Achter gleichzeitig ins Pressing gehen. Trotzdem klappt die Abstimmung nicht gut, die Absicherung kommt immer noch zu kurz. Dazu kommt, dass es die bei vielen Teams vorhandene Aufgabenteilung (z.B. tiefer Spielgestalter + vertikaler Balleroberer) im Mittelfeld nicht gibt und die 6er/8er so gut wie nie abkippen bzw. sich zwischen die Innenverteidiger fallen lässt.

            Ich hätte absolut nichts dagegen, einen defensivstarken und erfahrenen Sechser zu verpflichten. Nur sollte man sich davon keine Wunderdinge erwarten, solange Werder ansonsten so spielt, wie es spielt.

            Davon ab: Gerade Frings war nun wirklich kein Musterbeispiel für taktische Disziplin vor der Abwehr.

          • Chapeau! Das ist kondensiert wohl exakt der Punkt, um den es vorrangig geht – vielen Dank! Aber gerade weil »es ein mannschaftstaktisches Problem ist und kein individualtaktisches« verstehe ich die Kritik Schaafs an der Mannschaft nicht als Kritik an einzelnen Akteuren (anders als bei Rolff), sondern eben als Hinweis auf die mangelnde Routine – DAS ist in meinen Augen das »junge Team« von dem immer die Rede ist (und gar nicht mal so sehr die einzelnen Spieler – die ja, wie Ihr auch sagt, gar nicht mehr so jung sind).

  2. Natürlich gewinnt man auf Dauer mit Einmauern nix. Aber wir reden ja auch vom Spiel gegen die Bayern, die diese Saison in ganz eigenen Sphären schweben. Ich habe nix dagegen, wenn man sich in diesem einen Spiel vornehmlich darauf konzentriert, sich erstmal so lange es geht, keinen einzufangen.

    Und wie schon angesprochen, werden ja Elemente des Pressing immer wieder übernommen, aber aus irgendeinem Grund tut sich die Mannschaft unglaublich schwer damit, die entstandenen Lücken abzusichern. Das kann ja mal in einem Spiel in einer Situation passieren, aber leider ist das an der Weser schon zum Normalzustand geworden. Wie oft ist das Mittelfeld vor der Viererkette verwaist, weil Junu vorne rumturnt und sich dann keiner der anderen Spieler (vornehmlich Hunt oder De Bruyne) zurückfallen lässt. Das muss sich doch trainieren lassen. Und wenn es trotz mehrmaliger Hinweise immer noch nicht klappt, dann muss ich vielleicht anders spielen lassen.

    Und das sind ja nicht Probleme, die seit dieser Saison bestehen. Auch in den Vorjahren hatte man ähnliche Probleme, die teils durch individuelle Qualität übertüncht wurden. Ich bin ehrlich gesagt zunehmend ratlos, was man da tun kann und vor allem, ob Schaaf derjenige ist, der diese Probleme in den Griff bekommt. Andere Mannschaften haben uns spielerisch und taktisch überholt, holen (wie von Tobi angesprochen) mehr aus ihren Spielern raus, die nominell weniger Qualität mitzubringen scheinen als die Bremer.

  3. Pingback: Hilflosigkeit | Papierkugel Blog

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